Definition Frau

Freitag, 25. August 2006 um 17:03

Die unten erwähnten Zeit-Artikel, mehr noch aber die Kommentare zu einem ähnlichen Hinweis bei Frau Syberia haben mich – mal wieder – zum Nachdenken gebracht, was eigentlich eine Frau ausmacht.

Fangen wir erst mal ganz breit an.
Ist eine Frau jemand, der Röcke trägt?
Nein, da wird schon mal nichts draus.
Bei langen Haaren (Indianerhäuptling?), Schmuck (Zuhälter?), Schminke (Kabuki-Schauspieler?), langen Fingernägeln (Mandarin?) kommen wir auch nicht weiter.

Dann also funktional: Eine Frau ist jemand, der Kinder gebären kann? Nein, es gibt genug solche, die das aus den verschiedensten Gründen nicht können.

Werden wir anatomisch: Sind primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale eindeutige Indikatoren? Wohl nicht, denn sonst verlören Frauen, denen diese entfernt werden müssen, damit ihre Geschlechtszugehörigkeit. Das tun sie in zumindest in unserer Gesellschaft zum Glück nicht.

Kommen wir mit Chromosomen weiter? Eine Frau ist jemand mit XX-Chromosom? Das wäre eigentlich eine gute Arbeitsgrundlage, weil das die gesamte Bandbreite von Lebenswegen, Fertigkeiten, Kleidung, Haarschnitten, Partnerschaften enthielte.
Nur dass es dann noch die Menschen mit XY-Chromosom gibt, die sich als Frau fühlen. Manche davon setzen sehr viel daran, das auch äußerlich zu werden.

Es helfen also nicht mal die schlichtesten harten Fakten für eine Definition.

Dann ist es aber höchst leichtsinnig, das Geschlecht, also as Dschenda, an sowas Auswechselbarem wie an Kleidung festzumachen.

(Und nochmal zum Mitschreiben: Es sind nicht die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die für Ungerechtigkeit sorgen, sondern die Schlüsse, die aus den Unterschieden gefolgert werden.)

die Kaltmamsell

10 Kommentare zu „Definition Frau“

  1. Huflaikhan meint:

    Den Klammersatz möchte ich nachdrücklich unterschreiben.

  2. Helmut meint:

    Dito

  3. croco meint:

    Ich auch.
    Das hab ich im Sommer gelesen, und , wieder mal gemerkt, dass man beides sein kann, Mann und Frau.
    http://www.amazon.de/gp/product/3498016709/302-1122795-8889633?v=glance&n=299956

  4. saxanasnotizen meint:

    Ich bin eine Frau und will kein Mann sein, auch wenn das Kinder kriegen sehr unangenehm ist. Diese Diskussionen besonders bei Waschsalon regen mich total auf. Ich dachte, wir hätten diese längst hinter uns.

  5. walküre meint:

    wenn ich die diskussionen bei frau syberia und im waschsalon lese, denke ich, dass das gros der menschheit anno 2006 noch überfordert ist, wenn es darum geht, schubladendenken hinter sich zu lassen …

  6. Kristof meint:

    Leider gilt nicht „noch überfordert“, sondern „schon wieder“. Die Reation galoppiert …

  7. walküre meint:

    waren wir mitteleuropäer denn schon mal soweit, dass wir das schubladisieren überwunden hatten ???

  8. Henriette meint:

    Interessant finde ich, dass sich immer die Frauen scheinbar irgendwie definieren und erklären/entschuldigen müssen, sowas fällt den Männern im Traum nicht ein. Ich bin diese Diskussionen sooooo leid (no offence, ich hatte bloss seit Jahren zuviel davon.. ) ich sage mir inzwischen: ich mach‘ es jetzt, so ich will und kann – ohne grosse Diskussionen wieso und warum (quasi, wie die males) und das geht ganz gut. Kein Mann braucht und zitiert eine Lobby, um zu tun, was ihm beliebt – und damit fahren the males ganz gut. Mein Mann ist übrigens wunderbar, Feminismus oder nicht ist gar kein Thema. Partnerschaft ist dafür sehr wichtig. Und ich bin überaus zufrieden. Wir arbeiten zusammen, streiten, putzen, kochen, sind chefig, oder auch nicht – zusammen, ganz ohne lästige Definitionen und Entschuldigungen. Das ist für mich Gleichberechtigung.

  9. die Kaltmamsell meint:

    Henriette, ich weiß nicht, ob Sie mit Ihrer privaten Beziehung gesellschaftlich etwas bewegen werden. In unserer Gesellschaft werden Männer und Frauen grundsätzlich anders gesehen und behandelt: Männer sind der Standard, Frauen the other, also der Teil der Gesellschaft, der überhaupt ein gender hat.

    Sie können sich darauf berufen, dass Ihnen alle anderen Frauen egal sind. Sie können so tun, als müssten sich Frauen einfach nur so lange benehmen, als hätten sie die gleich große Macht und Stellung in der Gesellschaft wie Männer – dann würde die Realität schon nachziehen. Aber ich bin überzeugt, dass das nicht von allein eintreten wird.

  10. Henriette meint:

    Da habe ich mich wohl etwas falsch ausgedrückt. Ich bezog mich keineswegs nur auf meine private Beziehung. Ich bin beruflich in der glücklichen/unglücklichen Lage, selbständig zu sein und ausschliesslich aufgrund meiner Leistung und Performance beurteilt und entgolten zu werden. Es gibt also keinen Chefsessel, auf den ich hinarbeite, gleichwohl gibt es eine Machtposition, die mich interessiert. Und die ist relativ simpel: wenn meine Leistung in meinem beruflichen Umfeld überzeugt, dann kann ich die Rahmenbedingungen bestimmen, unter denen ich bereit bin, meine Leistung zu erbringen. Ob mich ein male dann nicht als Seinesgleichen ansieht, ist mir in der Tat völlig wurscht. Andere Frauen sind mir absolut nicht egal und auch mir missfallen die Unterschiede, die noch immer zwischen den Geschlechtern gemacht werden ganz gewaltig. Ich bin aber der Meinung, dass man die mit ewigen Diskussionen nicht ändert (und sowas liegt mir auch nicht), sondern mit dem konsequenten Beschreiten eigener Wege. Und das ist ein verdammt harter Kampf, das kann ich Ihnen sagen. Klotzköpfe, die noch immer den alten Ideen nachhängen, kann man durch Argumente nicht überzeugen. Denen kann man nur beikommen, indem man sie nach und nach rechts überholt. Aber, wie gesagt, das ist nur meine eigene Meinung und die kann auch absolut ins Leere führen – we’ll see.


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