Archiv für Juni 2007

Familienalbum – 24: Das orange Minirad

Sonntag, 24. Juni 2007

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1972 von Muttern aus dem Küchenfenster fotografiert. Im Hintergrund die Bauhütte für die zahlreichen Wohnblöcke, die uns kurz darauf den direkten Blick auf die hauptarbeitgebende Fabrik verstellen sollten.

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Musikalischer Sadismus

Freitag, 22. Juni 2007

Durchs Großraumbüro quäkt ohrenbetäubend der Anfang der Peer Gynt Suite – als Handy-Klingelton. Vier Mal.
Kurze Pause.
Und gleich wieder von vorne.

Gibt es auch nur EIN bekanntes Orchesterstück, das durch Verarbeitung als Klingelton NICHT automatisch für alle Zeit gemordet ist?
(Wo wir doch geglaubt hatten, die Nutzung in der Fernsehwerbung sei das Schlimmste, was diesen Gassenhauern passieren könnte.)

(Gibt’s eigentlich Orffs Carmina Burana schon als Klingelton?)

Meritokratie? Nein danke.

Freitag, 22. Juni 2007

Jetzt kostet das Studieren also auch in Deutschland Geld. Kritiker verweisen darauf, dass das diese finanzielle Belastung Menschen mit bildungsarmem Familienhintergrund noch weiter von Unis fernhalten wird.

Ein bisschen Ausgleich könnte der Erlass von Studiengebühren für sehr gute Abiturienten und Studenten schaffen – möchte man meinen; finanzielle Erleichterung gegen Leistung. Regensburg zum Beispiel plante laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung von vergangenem Montag („Wettbewerb der Wohltäter“, nicht online verfügbar), guten Studenten die Studiengebühr zurückzuzahlen.

Und jetzt kommt das, weswegen ich den Artikel seither nicht aus dem Kopf bekomme:

Die Regensburger Pharmazie-Studenten jedoch hat die Befreiung für wenige nicht überzeugt. Sie lehnen die Förderung von „Musterschülern“ ab. Auch an der Universität Bonn scheiterte das Modell am Widerstand der Studierenden. Die große Masse sah nicht ein, warum sie mit ihren Gebühren die „Streber“ mitfinanzieren sollten.

Stimmt irgendwas mit mir nicht, weil mich diese Argumentation fassungslos macht? Dass ich darin die ultimative Pervertierung des Genöhles sehe, „wir“ würden „mit unseren Steuern“ über die Sozialzuschüsse des Staates „Schmarotzer“ durchfüttern? In diesem Fall nicht Schmarotzer durch Untätigtkeit, sondern durch Fleiß.
(Und dass ich insgeheim hoffe, die fehlende Online-Verfügbarkeit des Textes könnte ein Indiz sein, dass er schlampig recherchiert war und die zitierten Aussagen gar nicht stimmen…)

Manche Dinge ändern sich nie

Donnerstag, 21. Juni 2007

Abendgarderobenabteilung eines Bekleidungshauses in München. Eine sehr junge Frau steht in einem hellroten, riesigen Ballkleid vor dem Spiegel, schulterfrei, beglitzerter Monsterrock, passende Stola überm Arm. Auf dem Sofa daneben eine kurzhaarige Frau mit Raucherteint in Jeans und T-Shirt, wohl die Mutter zur Ballprinzessin.

Verkäuferin: „Das ist eindeutig der Trend: Die Roben werden immer größer auf den Abiturfeiern.“
Mutter leise: „Na ja, wenn du unbedingt willst.“
Tochter pampig: „Was hab ich davon, wenn du und der Papa danebenstehen und euch das bloß noch peinlich ist?“

Ich schmunzle darüber, wie wichtig es der Jugend ewiglich ist, sich von der Generation davor abzugrenzen. In meinem Abijahrgang 1986 war es der Kampf, sich in Jeans und Turnschuhen sein Abizeugnis überreichen zu lassen. Same difference.

Abgenommen

Donnerstag, 21. Juni 2007

Sowas wie ein Resumee zum Jahrestag.

Einmal ca. 25 Kilo hin und zurück – glauben Sie nicht, dass das hinterher derselbe Körper wie vorher ist, selbst wenn die Tour insgesamt nur gut vier Jahre dauerte. Vor allem, wenn Sie eine Frau mit ganz normalem Bindegewebe sind. Wenn ich mir meine Körperoberfläche so ansehe, schätze ich, ich hätte mir in der Zeit geradesogut zwei Schwangerschaften leisten können. Auch wenn unter der unebenen Wabbelschicht noch so stramme Muskeln sitzen.

Das liest sich schlimmer, als es sich für mich anfühlt: Nach diesem Jahr bin ich überzeugt, dass sie therapeutisch gewirkt haben, die drei Jahre, in denen ich tatsächlich so dick war, wie ich mich davor immer gefühlt hatte. Denn endlich, endlich finde ich das Aussehen meines Körper ganz in Ordnung und muss nicht mehr wertvolle Energie darauf verschwenden, jedes Detail an ihm möglichst differenziert zu hassen. Ja, das war früher ein Müssen, denn all mein Verstand half mir bei diesem Mechanismus nicht. Jetzt freue ich mich jeden Tag darüber, schlank zu sein und bequem in die Konfektionsgröße 38 oder 40 praktisch jedes Herstellers zu passen. Weg ist der frühere Zweckpessimismus, dass das ja doch nur eine ausgeliehene Figur ist, die sich bei erster Gelegenheit wieder auf den Weg zu ihrer eigentlichen Größe 46 macht. Das hier bin wirklich, wirklich ich – und das ist klasse!

Noch kann mich eine Woche ohne Sport verunsichern, doch ich habe mehrfach erlebt, dass auch danach noch alle Klamotten passen. Im Urlaub befreite ich mich für zwei Wochen vom Kohlehydratsparen. Ich kalkulierte eine Gewichtszunahme fest ein (ich bitt’ Sie – dafür ist Urlaub doch da); das würde ich schon wieder wegbekommen. Dass nach den beiden Wochen wider Erwarten kein einziges Kleidungsstück enger saß, irritierte mich so, dass ich mich fast zum Beweis (da MUSS doch mehr sein!) auf die Waage gestellt hätte. An solchen abstrusen Reaktionen merke ich, dass ich noch nicht endgültig übern Berg bin.

Nein, ich kann nicht jede Art von Kleidung tragen – aber keine Frau kann das. Nein, ich werde nie im Leben eine Gazelle oder zierlich, schmal, zerbrechlich sein – na und? In der wunderbaren Vielfalt menschlicher Körperformen besetze ich die Ecke kräftig, sportlich – und es gefällt mir.

Der ganz faaiine Wurstsalat

Dienstag, 19. Juni 2007

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(Bild schief, weil ich mir von hochrangigen Grafikdesignern habe sagen lassen, dass das dynamisch wirkt. Ich hatte nach der Durchsicht eines Broschürenvorschlags vorsichtig angemerkt, dass alle abgebildeten Gebäude und Produkte massiv nach links kippen. Wieder was gelernt.)

In meiner Geburtsstadt gibt es, wie in vielen deutschen Städten, ein Lokal namens Schlosskeller. In seine niedrigen Kreuzgewölbe kehrte der Jugendchor gerne ein, in dem ich ein paar Jahre sang, unter anderem wegen der guten Akustik. Unsere sangliche Nutzung dieser Akustik war Anlass so manchen Rauswurfs. (Ich persönlich kann mich zwar an keinen erinnern, doch es ist essenziell für das Selbstverständnis und die Mythologie eines Chores, wegen Gesangs aus Lokalen geflogen zu sein.)

Mehr als die lustigen Namen einheimischer Weine auf der Karte des Schlosskellers hat mich aber etwas anderes geprägt. Hier gab es den beliebtesten Weiberfasching der Stadt, zu dem mich meine Mutter ab Teenageralter mitnahm. Und weil wir es bei dieser Gelegenheit so richtig krachen ließen, bestellte meine Mutter sogar etwas zu essen – entweder ein feines Tartar, oder den ganz besonders berühmten Wurstsalat des Hauses. Das Besondere an ihm waren nicht die Zutaten, sondern die ganz faaiine Darreichungsform: Hauchdünn aufgeschnittene Wurst hübsch auf dem Teller platziert, die obligatorische Beigabe Essiggurke und Zwiebel feinstgehackt als Häuflein in der Mitte. So habe ich das Gericht dann auch Onkel und Tante aus Spanien als Vorspeise serviert. Detaillierte Beschreibung hier.

Familie, rührend

Montag, 18. Juni 2007

Erst erzählt mein Vater von einer Begegnung in der medizinischen Muckibude: „Da war dieses Mädel, etwa in deinem Alter, und lacht mich an.“ (Ich werde dieses Jahr 40 und sehe keinen Tag jünger aus.)

Und dann der Spaziergang durch das sonnige München mit Tante und Onkel zu Besuch aus Spanien. An der ersten Eisdiele wendet sich die Tante sofort an mich: „¿Quieres un helado?“ („Willst du ein Eis?“) Am nächsten Eisladen ist es der Onkel, der die Frage seiner Frau nicht mitbekommen hatte: „¿Quieres un helado?“ Wie es gute Tanten und Onkel eben mit ihren kleinen Nichten tun.

So süß!


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