Wochenendernte, Familienedition

Montag, 23. März 2009 um 9:41

Auf der samstagabendlichen Bahnfahrt zu meinem Geburtsort festgestellt, dass die schöne Tradition der Männerchöre auch in Süddeutschland lebt. Sie grenzt sich zu anderen Männerchor-Traditionen, zum Beispiel der walisischen, unverwechselbar ab: Es wird ausschließlich fortissimo gesungen, die Stücke verwenden auffallend oft das Wort „Bayern“, und die Sänger unstreichen den Rhythmus der Darbietungen durch Fußstampfen und „Hoi! Hoi!“. Der Wortlaut der Lieder blieb mir leider verschlossen, da diese Sangestradition keinen Wert auf saubere Artikulation zu legen scheint.

Gutschein eingelöst, den mir Neffe Nr. 1 (7 Jahre alt) zum Geburtstag geschenkt hatte: Einmal mit ihm um den Baggersee joggen. Ein Kind, das gerne joggt: Wie soll mir der Bub nicht unheimlich sein? Mein Bruder lief mit, Neffe Nr. 2 (5 Jahre alt) radelte vorneweg – als Gruppe waren wir also genau die Sorte Hindernis, die Jogger bis ins Mark hassen. Die regelmäßige Anweisungen meines Bruders an seinen kleinen Sohn, er solle sich doch bitte ganz rechts halten und auf die Läufer Rücksicht nehmen, waren selbstverständlich fruchtlos; Schlangenlinien radeln ist einfach zu spaßig. Neffe Nr. 1 trabte die 40-minütige Runde locker neben uns her. Mir war es sehr recht, dass dadurch meine gewohnte Streckenlänge halbiert wurde, da sich gerade ein ungemütlicher Infekt in meinen Atemwegen breit macht.

Ich weigere mich, die einzigen drei verhärmten Krokusse am Rand eines 5,2 Kilometer langen Uferweges als Frühlingssymptom anzuerkennen.

Großes Frühstück anlässlich Vatergeburtstag. Meine Eltern nennen mittlerweile konsequent jedes gesellige Frühstück „Brunch“; eingeschritten bin ich erst, als sie von „Osterbrunch“ sprachen und damit das große Osterfrühstück meinten, das in unserer Familie schon immer der Standard für Ostersonntag und -montag war.

Auch am Tisch: Zwei Perlenketten bewehrte Damen Mitte 60, die mir detailliert vom jüngsten Boxkampf eines der Klitschko-Brüder erzählen und sich über der Bewertung seines Boxstils im Vergleich zu dem seines Gegners in die Haare gerieten.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Wochenendernte, Familienedition“

  1. kelef meint:

    perlen beim frühstück? keine damen.

  2. Hande meint:

    Frau kaltmamsell joggt im Begleitung von 2 Kindern. Die Welt ist nicht mehr, was es einmal war….

  3. rip meint:

    Männerchöre: Nicht allzu streng sein, Frau Kaltmamsell. Es gibt immer solche und solche, z. B. das Renner Ensemble Regensburg, das nicht öfter „Hoi“ singt als nötig und auch mit dem Fußstampfen sparsam ist. Und bei den walisischen Chören können auch nicht alle dem Tredegar Orpheus Male Voice Choir das Wasser (bzw. das Bier) reichen.

  4. Stefan meint:

    Alles Gute für die Atemwege! Ich kann mitfühlen, bei mir geht der Infekt nach einer Woche gerade wieder weg und das Laufen hat heute morgen zum ersten Mal wieder Spaß gemacht. In Bonn war sogar ein wenig Frühling zu spüren und morgen soll er hier in Dresden auch für drei Stunden zu sehen sein.

  5. eva meint:

    Danke für die schönen Betrachtungen zu den Männerchören. Habe ja quasi täglich mit solchen zu tun… Eine dokumentarische Zeichnung zum Thema Gesang und Bier sende ich per Mail. Grüße vom Chorverband ;-) Eva

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