Journal 27. Juni 2009

Sonntag, 28. Juni 2009 um 8:19

Zu meiner Bestürzung las ich, dass Joel Derfners Swish sich nicht so gut verkauft hat, wie der Verlag es erhoffte. Jetzt gibt es die Taschenbuchversion (inklusive Vorwort von, ahem, Elton John), mit einem weniger irreführenden Cover. Hiermit wiederhole ich meine Empfehlung:

Buch eines Bloggers – das habe ich bislang vor allem danebengehen sehen. Doch Joel Derfner, aka Faustus, vermeidet den Fehler, sein Blog einfach auf Papier zu bringen: Für das Buch mit dem wundervollen Untertitel “My Quest to Become the Gayest Person Ever” fängt er ganz von vorne an. Seine Queste erzählt er selbstironisch und anhand thematischer Kapitel über “knitting”, “casual sex”, “cheerleading”, “camp camp”, “dating”, “teaching aerobics”, “musical theater”, “go-go dancing”, “Exodus”. Es bereichert das Lesen, dass Herr Derfner ein Sprach-Maniker ist, wie ich sie nur englischsprachig kenne. Welch tiefe Warmherzigkeit hinter seinem rosa Zynismuspanzer steckt, zeigt das letzte Kapitel: Joel Derfner nimmt an den Seminaren einer evangelikalen Bewegung teil, deren Ziel es ist, Schwule vom Schwulsein abzubringen. Doch anstatt des nahe liegenden süffisanten Zerpflückens der ganzen Unternehmung geht Derfner mit großer Anteilnahme auf die Menschen dort ein, und versucht ihre Motive und Gefühle nachvollziehbar zu machen.

Bitte kaufen Sie in reicher Zahl. Zumal sonst eine Übersetzung ins Deutsche unwahrscheinlich wird, die ich unbedingt lesen möchte, weil sie ja wohl ganz sicher von Star-Übersetzerin Isabel Bogdan verfertigt wird. (Herr Derfner, vertrauen Sie mir: Sie wollen von niemand sonst übersetzt werden; die Dame ist Ihnen in Sprachkleinlichkeit nahezu ebenbürtig.)

§

– Entspanntes Schwimmen im Olympiabad
– Einkauf im Basitsch am Viktualienmarkt und in der Kosmetikabteilung von Ludwig Beck (Wehe, wenn das verpackungsüberholte Duschgel „menthe pin romarin“ von L’Occitane auch nur einen Deut anders als früher riecht!)
– Bügeln
– Essengehen

Nahrung: Café con leche, Käse Saint Félicien mit Planetenpfirsichen, Menü im Gesellschaftsraum (Fotos nach Klick auf „Den Rest dieses Eintrags lesen“), dazu ein Gewürztraminer 2007, zum Dessert eine Riesling Auslese
Wetter: Mild, dampfig, zur zwei Mal Regen

1_brot

2_mogntratzerl

3_vorspeise

4_suppe

5_zwischengang

6_sorbet

7_hauptgang

8_dessert

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal 27. Juni 2009“

  1. katha meint:

    hat das denn geschmeckt? laut speisekarte auf der website klingt das (für mich) alles fürchterlich, und wenn ich sowas wie milchschnitte & brausepulver schon sehe… aber möglicherweise kann der punk-koch ja was. kann er? (die weckerl auf dem ersten bild und der auflauf? auf dem vorletzten, die schauen verheissungsvoll aus.)

  2. die Kaltmamsell meint:

    Ich scheue mich, katha, ein Lokal bereits nach dem ersten Besuch zu bewerten, zumal die Gesamtperformance gestern – ich zitiere unseren Bedienerich – “pures Chaos” war.

    Können tut er aber auf jeden Fall was, der Herr Koch. Die Weckerl sind einmal mit Curry aromatisiert, einmal mit Sauerkraut. (Dazu gab es wunderbar fruchtiges Olivenöl “von unseren Freunden” sowie Salz mit Kohle, ebenfalls von Freunden, und zwar aus dem Ruhrpott.) Die Milchschnittenverpackung ist ein Scherz: Darin befand sich ein Sandwich, das so aussah wie eine Milchschnitte, aber aus zwei Scheiben Schwarzbrot und einer Frischkäse-Chorizo-Garnelen-Füllung bestand – schmeckte sehr gut. Das Brausepulver gehört in den Mund geschüttet, der Inhalt der Spritze ist Wodka, mit dem die Brause im Mund vermischt wird. Das scheint fester Bestandteil der Münchner Punk-Küche zu sein: Ich kenne den Spaß seit vielen Jahren aus dem essneun.
    Die Rolle auf dem vorletzten Bild war eine Jakobsmuschel-Kartoffel-Schnecke, in der auch ein wenig Speck steckte – ebenfalls wohlschmeckend.

  3. isabo meint:

    Oh! Danke für die Blumen.
    He, Verlage, guckt mal alle hier!

  4. maike meint:

    der wodka por:no kommt aus dem gesellschaftsraum? den hab ich – genau so angerichtet – vor ein paar jahren im ess9 so bekommen. …und mir gleich bei befreundeten medizinern eine großpackung spritzen besorgt und dieses arrangement als zwischengang bei dinnerparties eingeführt.

  5. Nicky meint:

    Wir haben den Gesellschaftsraum auch schon länger ins Auge gefasst, aber in letzter Zeit fühlte ich mich nicht abenteuerlustig genug… Die Ähnlichkeiten zum Essneun sind übrigens nicht ganz zufällig, Bernd Arold hatte dort früher gekocht.

  6. daniel meint:

    offenbar haben Sie eine flat-rate für Planetenpfirsiche, hier im Rhein-Main gebiet absolute Mangelware…

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