Gold

Freitag, 7. August 2009 um 9:40

Lenbachhaus

Der Lohn der Frühaufsteher: Ein vom Sommermorgenlicht vergoldetes Lenbachhaus.
Ich nahm mir auf dem Weg in die Arbeit die Zeit für einen Umweg über die Maxvorstadt, um ein paar Fotos zu machen und den Königsplatz mal in einer anderen Beleuchtung zu sehen.

Davor hatte ich Ganzkörper- und Haarwäsche ohne Dusche durchgespielt: Unser Bad ist noch nicht ganz fertiggestrichen (aber bereits zur unteren Hälfte krachgelb – daran werde ich mich noch gewöhnen müssen), einige Fugen an der Badewanne müssen noch gefüllt werden. Also zurück zu den Zeiten, in denen Dusche oder Badewanne keineswegs Standardausstattung war, und ans Waschbecken. Es ist historisch gesehen zwar eine sehr neue Routine für Menschen, sich jeden Tag mindestens ein Mal von Gesicht bis Fuß nass zu machen; doch sie führte dazu, dass ich mich nach reiner Waschlappenwäsche nicht wirklich sauber fühlte. Morgen stehen mir wieder die gewohnten sanitären Einrichtungen zu Verfügung, ich brauche also nicht nach einem öffentlichen Bad zu suchen.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Gold“

  1. Sebastian Dickhaut meint:

    Das wäre aber mal eine schöne Gelegenheit gewesen, in diese öffentlichen Duschen zu gehen, die sie unterm Hauptbahnhof haben – Globetrotter-Feeling in der eigenen Stadt.

  2. Malvina meint:

    Alternativ dazu kann man einen Bottich nehmen, den man mit warmen Wasser füllt. Wenn kein warmes Wasser aus der Leitung kommt, muß dieses in großen Kochtöpfen auf dem Herd erhitzt werden.

    :) Dann stellt man sich in eben diesen Bottich und “duscht” sich mit einem Becher oder einem anderen handlichen Behälter ab.

    Genau so duschen wir bei meiner Großmutter in Moskau – jedesmal im Winter, wenn die Wasserleitungen zur Dusche abgestellt sind, um sie vor Frost zu schützen.

  3. Remington meint:

    Öffentliches Bad…Als ich noch ein Junge war, brachte mich meine Mutter oder eine der Schwestern ofmals zum letzen öffentlichen Bad, das es in der Gegend gab. Ein flaches Gebäude, solide gemauert, fest verkachelt und mit zwei behördeten Eingängen versehen. Jahre später, über den Neunzigern, war es immer noch intakt. Und ich, gerade biligst in die Gegend gezogen, frequentiere es erneut.

    War es einst noch von vielen besucht, traf ich in diesen letzen Tagen auf die wirklich letzte Truppe, die dort einkehrte. Alte Frauen, die sich schamhaft in ihre Zellen einschlossen. Schlaff-muskulöse Männer, die in uralten Dreiecks-Badehosen zuerst in die riesigen Duschen, danach erst ins Wannenbad gingen. Und ich, der ich einfach nur die läppischen Pfennige gab und dafür eine Kabine mit einer gewaltigen Gusseisenwanne unter Armaturen bekam, die man mit beiden Händen drehen musste. Solche, die ich als Kind noch kannte, in die sich die Finger quasi von selbst einfügen. Ausgüsse wie Löwenmäuler.

    Es war immer sauber da. Es roch immer nach Ata und Kernseife. Man musste nicht einmal Handtücher haben. Die Alte am Einlass hatte immer welche. Grob und grau, aber furztrocken. Leg sie über die Heizung, wenn du gehst, Kleiner.

    Ein paar Jahre später bin ich dort eingebrochen. Das Gebäude stand seit Jahren leer. Die Wände waren herausgerissen, aber die Wannen waren noch da. Die Armaturen ebenfalls. Die Bagger kamen kurz nach mir.

    Ich hoffe, die Armaturen hat jemand gerettet. Auf machnem Trödelmarkt sehe ich sie noch. Zu gar nicht billigen Preisen.

    Ich bin froh, das noch erlebt zu haben.

  4. die Kaltmamsell meint:

    Oh, vielen Dank für diese Erlebnisse, Remington!
    In München weiß ich von drei öffentlichen Badeanstalten; das im Müller’schen Volksbad ist sicher noch in Betrieb, von der in Haidhausen weiß ich es nicht.

    Ata! Ist das tatsächlich ein Deutschland verbindender Geruch? War in meiner West-Kindheit das Standard-Scheuerpulver, bevor die Scheuermilch erfunden wurde.

  5. Buchfink meint:

    In meinen Berliner Jahren wohnte ich im Altbau, Hinterhof mit wunderbarem Fischgrätparkett und Stuckdecke, aber ohne Bad. In der Küche gab es ständig heißes Wasser und zwei Spülbecken, eins davon war für die Körperpflege reserviert. Zum Duschen ging man zu Bekannten, die ein Bad hatten. Außerdem durfte ich dort auch für 2 Mark die Waschmaschine bestücken und in der Zwischenzeit schön ratschen. War eine tolle Zeit.

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