Journal Dienstag, 27. Januar 2026 – Sonne, Arbeit, ziviler Widerstand
Mittwoch, 28. Januar 2026 um 6:26Unwillig vom Wecker geweckt worden: Ich träumte gerade etwas eher Irrelevantes, aber es spielte in mediterraner Stadtumgebung mit Sonne, Sommerkleidung und grüner Vegetation – dort war ich viel lieber als im anbrechenden Münchner Januar-Morgen. Nachts hatte ich wieder einen Stoß Nasenspray in ein Nasenloch benötigt, die Nase hatte komplett zugezogen.
(Weil Frau Brüllen am Montag en passant erwähnte, wie lang sie an einem Arbeitstag zwischen Weckerklingeln und Aufbruch in die Arbeit einplant, nämlich 45 Minuten: Bei mir sind es ca. 90 Minuten.)
Der klare Himmel verhübschte die Theresienwiese.
Am Schreibtisch geordnetes Losarbeiten, bis sich ein als gelöst abgespeichertes Problem als gar nicht gelöst und noch viel komplizierter erwies. Alle Kontaktkarten gezogen, doch das half nur bedingt, schon um halb elf Stress-Kopfweh.1
Nach einer kleinen Geselligkeit ging ich hinaus in die Sonne auf einen Mittagscappuccino im Westend. Mir saß ein Termin im Nacken, deshalb konnte ich die Wege nicht genießen wie auch schon mal.
Zu Mittag gab es Apfel sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt.
Kleinteilig anstrengender Arbeitsnachmittag, aber abgeschlossen mit einer Lösung des Vormittagsproblems, HURRA!
Auf dem Heimweg ein wenig Lebensmitteleinkäufe beim Vollcorner. Zu Hause Yoga von der sportlicheren Sorte – meine schief miteinander verwachsenen Lendenwirbel nahmen mir übel, dass ich sie am Montagabend in kontra-anatomische Haltungen gezwungen hatten, der gesamte Hüftgürtel war noch steifer als eh schon.
Fürs Nachtmahl hatte ich vor der Arbeit bereits Pizzateig angesetzt und zum kalten Gehen in den Kühlschrank gestellt, Herr Kaltmamsell übernahm die Fertigstellung.
Auf die Idee hatten mich die Gläser eingemachter Artischocken gebracht, die ich vor Monaten bei La Vialla gekauft hatte und die ich mir gut auf Pizza vorstellen konnte – die sich allerdings als unangenehm sauer erwiesen. Doch insgesamt eine gute Pizza.
Früh ins Bett zum Lesen.
§
Wie der zivile Widerstand in Minneapolis sich organisiert und trainiert – eine erhellende und gleichzeitig gruslige Reportage von Robert F. Worth (der sich mehrfach auf den arabischen Frühling bezieht) im Atlantic:
“Welcome to the American Winter”.
You do not have to get tear-gassed to observe all of this self-organization; it is visible to anyone walking through Minneapolis. One bitterly cold morning, I approached a man standing across the street from an elementary school, a blue whistle around his neck. He told me his name was Daniel (he asked not to be identified further, because his wife is an immigrant) and that he stood watch every morning for an hour to make sure the kids got into school safely. Other local volunteers come by regularly to bring him coffee and baked goods, or to exchange news. These community watches take place outside schools throughout the Twin Cities, outside restaurants and day-care centers, outside any place where there are immigrants or people who might be mistaken for them.
(…)
Inside the schools, many administrators have been making their own preparations over the past year. Amanda Bauer, a teacher at a Minneapolis elementary school that has a large portion of immigrant students, told me that administrators informed parents last fall about their emergency plans for ICE raids by phone or in person, because they were already concerned about leaving email chains that could be mined by a hostile government.
§
Apropos. Hier die Ratgeber-Kolumne von Sigal Samuel im US-amerikanischen Online-Magazin Vox: Eine Leserzuschrift thematisiert, dass viele Menschen in den USA unpolitisch bleiben und so tun, als wäre alles normal – aber was könne man tun in dem Bewusstsein, dass die Entwicklungen Grund zu Besorgnis geben?
“Your friends are still acting like everything is normal in America. What do you do?”
Stichwort “the grandkid test”.
Tell them that one day their grandkids may ask them what they did in the wake of Minnesota, or under this administration more broadly. Will they be able to answer in a way that makes that young, upturned face beam?
§
Dafür braucht es dringend aufmunternde Gegenmittel. Einfach entzückend: Dean Martin und Caterina Valente – One Note Samba von 1966.
https://youtu.be/AuEv942wOZs?si=Dic6_JceOApnEQ1g
- Nur zur Sicherheit: “Problem” im Sinne von völlige Lappalie in größerem Zusammenhang. Weder hängt ein Menschenleben davon ab, noch ist es naturgesetzlich unlösbar (was ich auch schon hatte), aber ich konnte es nicht bis Haken-dran wegbekommen. [↩]
2 Kommentare zu „Journal Dienstag, 27. Januar 2026 – Sonne, Arbeit, ziviler Widerstand“
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28. Januar 2026 um 7:04
OMG wie sind die beiden charmant!
28. Januar 2026 um 8:21
90min auch hier, ich brauch frühs ne ganze Weile um ins Reich der Wachen zu wechseln :D