Status spätsommerliche Naturalien

Mittwoch, 16. September 2009 um 15:07

Aus den Bohnen (breite, Busch- und Feuer-) wurden gemischte gekochte Bohnen mit Olivenöl, Knoblauch und Tomaten (den kleinen, runden, süßen: nicht mitgekocht, nur untergemischt).

Der Duft der Sommerkarotten (kann man laut meiner Mutter nicht gut lagern) beim Schälen warf mich in meine Kindheit zurück: Gibt es vielleicht eine Mohrrübensorte, die nie in den Handel kommt, äußerlich aber nicht von anderen Karotten zu unterscheiden ist? Ich könnte wetten, dass ich diesen Geruch nie außerhalb meines Elternhauses mit den Karotten aus Eigenanbau in der Nase hatte. Ich raspelte eine Hand voll gelbe Rüben und die unverwurmten Teile zweier knackiger Äpfel. Das mischte ich mit Zitronensaft, Salz, frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und sehr gutem Sonnenblumenöl. Seit ich weiß, wie intensiv ein hochwertiges Sonnenblumenöl nach Sonnenblumenkernen schmecken kann, schäme ich mich, fast mein ganzes Leben lang die Supermarktversion als „neutrales Öl“ verwendet zu haben. Der Karotten-Apfel-Salat war dank seiner wunderbaren Zutaten eine Delikatesse. In die Originalversion des Gerichts (von meiner Studienkollegin Anne) kommen noch Sonnenblumenkerne – ich habe sie nicht vermisst.

Die Zwetschgen wurden zum einen zu einem Blech Datschi, mit dem ich alle Rekorde in Zwetschgen pro Quadratzentimeter Teig gebrochen habe. Aus dem Rest habe ich versucht Latwersch zu garen, gab allerdings nach dreieinhalb Stunden bei 120 Grad im Backofen auf. Ich wollte einfach ins Bett. Das Ergebnis sind zwei Gläser gewürztes Zwetschgenkompott, das ich mit Joghurt zu essen gedenke.

Ein weiterer Teil der Tomaten kam in die Caponata, die ich für den Essensgast heute Abend zubereitet habe. Ich bin Kathas Rat gefolgt, keinen Knoblauch zu verwenden (sehen Sie, das unterscheidet gute Foodblogs von Kochbüchern: In Kathas Zutatenliste steht „kein Knoblauch“, weil das wichtig ist und die Interpretation verhindert, die Autorin könnte etwas vergessen haben.). War eine sehr gute Idee, jetzt habe ich möglicherweise mein Idealrezept entwickelt.

Die restlichen Tomaten haben heute Abend ihren Auftritt als Teil einer Caprese, für die ich eine mir bislang unbekannte Sorte Büffelmozzarella gekauft habe. Nebenbei: Weiß irgendjemand, ob und wo es in München Burrata zu kaufen gibt?

Dem Kürbis geht’s am Wochende an den Kragen; Kürbissuppe lässt sich ja gut einfrieren (und weil der Mitbewohner seine Ferien für eine Grundenteisung des Gefrierschrankes genutzt hat – Bussi, Bussi! – ist auch Platz dafür). Die Äpfel sind das Tafelobst der nächsten beiden Tage. Bleibt noch ein Kopf Salat, der aussieht, als bekäme ich all den Dreck nur mit einem Wannenvollbad weg. Vielleicht vergesse ich den auf dem Balkon, und wenn ich ihn zufällig wiederentdecke ist er leider, leider vergammelt?

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu “Status spätsommerliche Naturalien”

  1. Nicky meint:

    Burrata hab ich bisher sowohl beim Dallmayr als auch beim Käfer bekommen, haben sie aber nicht immer. Keine Ahnung, ob’s Einbildung ist, an die in Italien genossenen kamen beide leider nicht ran.

  2. milla meint:

    Schön, Sie zu lesen, verehrte Frau Kaltmamsell,

    falls es an Burrata mangelt, kann ich Ihnen aushelfen und ein Express-Paket
    nach Monaco die Bavaria spedieren.

    Liebe Grüße aus Ostuni, dass gerade in einem Gewittersturm untergehrt.

    Milla

  3. rip meint:

    Appetitlicher Lesestoff. Mjam.

  4. delka meint:

    Ist das nicht der Geruch erntefrischer Karotten? Jedenfalls schön, dass noch jemand Caponata lieber ohne Knoblauch mag.

    Gegen Kürbissegen helfen auch Gläser mit Schraubdeckel. (Suppe minus Milchprodukte wie Marmelade heiß einfüllen. Hält sich ewig und drei Tage, und Sahne oder Kokoscreme kann man beim Aufwärmen zugeben.)

  5. katha meint:

    uje, leider, leider kann man aus manchen dingen, die man leider, leider auf dem balkon (in der gemüselade, in der speis, im kammerl,…) vergessen hat, nichts mehr machen, weil sie leider, leider vergammelt (verschimmelt, ausgetrocknet, vergoren, ausgeraucht,…) sind. bin erleichtert, dass sie das auch zugeben, liebe frau kaltmamsell.

  6. Sebastian Dickhaut meint:

    Wieso kann man „kein Knoblauch” nicht in ein Kochbuch schreiben? Beim Risotto habe ich es schon gemacht. Und dann war da noch die Leserin auf der Lesung, der nicht gepasst hatte, dass „Knoblauchpresse” im Grundkochbuch unter den Dingen aufgelistet war, „die man nicht braucht”. Sie hat sie dann einfach durchgestrichen. War bestimmt ’ne Bloggerin. Wobei man das in Blogs als Leser gerade nicht kann.

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