Journal Samstag, 17. Januar 2026 – Lob des Nachbarschaftsfriseurs

Sonntag, 18. Januar 2026 um 8:25

Aktuelle Erkältungsphase: Wird sie gerade besser oder fängt sie von vorn an?

Erst als es hell wurde, sah ich aus dem Wohnzimmerfenster über den Laptopbildschirm, wie düster der Tag war. Das blieb auch so.

Tagesplan:
– Heimsport
– Blumenkauf
– KaffeeundKuchen bei Schwiegers in bei Augsburg
– Haareschneiden

Nach gemütlichem Bloggen trat ich nach langer Pause mal wieder ein Freihanteltraining an, angeleitet wie früher regelmäßig von Fitness Blender. Ich wählte eine Folge mit Übungen für alle Körperpartien aus, wärmte mich dafür mit Musik auf. Die Übungen brachten mich ins Schwitzen, doch ich hielt gut durch, meine Grenzen kamen nicht mal in Sichtweite. Dennoch rechnete ich mit ausführlichem Muskelkater, einfach weil ich diese Übungen und Hantel-Widerstand nicht mehr gewohnt bin. Und fürs nächste Mal suche ich nach irgendwas, das ich noch nicht kenne, so richtig Spaß machte mir die Dutzende Male durchgeturnte Folge nicht mehr.

Ausführliche Körperpflege inklusive Pediküre.

Ich wollte der lieben Frau Schwieger gerne Mimosen mitbringen, die für mich viel besser in den Januar passen als Tulpen, habe Blüten und Duft mal auf Mallorca im Januar kennengelernt. Zu meiner großen Freude bot der Nachbarschafts-Blumenladen in seiner Filiale im Sendlinger-Tor-Untergeschoß wundervolle Mimosen an.

Herr Blumenhändler freute sich so über meine Freude, dass er mir drei Ranunkeln dazuschenkte.

Pünktliche Bahnfahrt nach Augsburg durch Eisnebellandschaft, vor allem vorbeiziehende Nadelbäume sahen wunderschön aus.

Kaffeetafel bei Schwiegers.
Ergebnis Crostata nach Rachel Roddy: Schmeckte gut, aber der Teig war mir zu ledrig, die Schwarzkirschenmarmelade (stand im Regal, musste weg) nicht die ideale Füllung, weil ihr jede Säure fehlte. Die nächste Crostata werde ich anders machen (und auf jeden Fall machen: Der Kuchen ist sehr gute Gelegenheit, Marmeladen zu verwenden).

Neben Austausch von Neuigkeiten befassen wir uns auch mit Familiengeschichte: Herr Schwieger hatte weitere Super-8-Filme aus der Vorzeit und Kindheit von Herrn Kaltmamsell digitalisiert und bereinigt, ein bisschen guckten wir am Fernseher hinein (stimmt! diese weißen Luftpolster-Badekappen mit breiten Mittelstreifen!) und freuten uns an den Zeitzeugnissen (u.a. aus einem jugoslawischen Badeort in den frühen 1960ern in der Nähe der Grenze zu Albanien, als die Frauen dort noch weite Hosen mit Bündchen an den Fußknöcheln trugen).

Die Fahrt zurück nach München war ein wenig anstrengender: Der Zug so voll, dass wir stehen mussten.

Abends spazierte ich zum Friseur. Er liegt ja in einer Friseurladenstraße (sieben Läden auf 200 Meter), alle anderen waren bereits dunkel und hatten Feierabend. Als ich den lieben Herrn Haarschneider darauf ansprach, gab er zu, dass er nur wegen mir noch blieb: Schließlich sei er es gewesen, der mir den eigentlich vereinbarten Termin Ende Dezember absagen musste. Und wie auch sonst, wenn ich nach meinem Feierabend zu ihm komme und er seit 10 Uhr bereits Kunden um Kundin versorgt hat (ich habe ja sein Terminbuch gesehen), war er gelassen, freundlich, alert und fokussiert, konzentrierte sich ganz auf mich.

Ohnehin habe ich diesen Herrn und seinen Laden (er hat keine Angestellten, manchmal arbeiten wechselnde Friseur*innen dort, denen er Stühle vermietet) liebgewonnen: Unter den vielen schicken bis abgefahrenen Läden in der Straße ist er der Nachbarschaftsfriseur im besten Sinne. Die Kundschaft vor oder nach meinen Terminen geht quer durch alle Altersschichten, gestern versorgte er direkt vor mir eine vierköpfige Familie mit zwei kleinen, lockigen Mädchen. Neuesten heißen Scheiß hat er wahrscheinlich nicht im Angebot, dafür Sorgfalt, Fleiß und Geschick für individuelles Haar an individueller Kopfform, dazu offensichtlich Freude an der Arbeit (unvergessen sein Blick zu mir in den Spiegel während des Schneidens, als er mit fröhlichem Lächeln kommentierte: “Viele Haare! Macht Spaß!”) – ich habe über die Monate gemerkt, wie angenehm sich das auf mich überträgt.

Zufrieden mit dem Ergebnis kam ich zurück nach Hause, wo Herr Kaltmamsell bereits das Nachtmahl zubereitet hatte. Vorher wünschte er sich einen Negroni: Rührte ich ihm, mir auch gleich einen.

Fürs Abendessen hatte Herr Kaltmamsell die Pastinaken aus Ernteanteil verwendet, es gab sie mit Linsen und spanischer Blutwurst Morcilla.

Eine sehr gute Idee. Nachtisch Schokolade.

§

Confirmation bias, also Bestätigungsfehler heißt die Tendenz in der menschlichen Wahrnehmung, Informationen stärker zu gewichten, die eigene Annahmen und Haltungen bestätigen, als solche, die sie widerlegen. Und so war mein inneres HA! schon sehr laut, als ich diesen Text von Barbara Vorsamer las:
“The Real Housewives of Germany”.

Medien versuchen oft, Frauen zu Wort kommen zu lassen, die sich ausschließlich um Haushalt und Kinder kümmern. Das Problem: Sie finden selten eine. Stattdessen befragen sie Influencerinnen, Buchautorinnen, Verbandsfunktionärinnen. Denn den angeblichen Trend zur Vollzeitmutter gibt es gar nicht.

Zum Glück sind Barbara Vorsamers Argumente und Belege stichhaltig genug, dass mein Selbst-Misstrauen am Ende der Lektüre verschwunden war.

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal Samstag, 17. Januar 2026 – Lob des Nachbarschaftsfriseurs“

  1. Lempel meint:

    Es gibt leider durchaus eine relevante Gruppe der Hausfrauen und Vollzeitmütter. Nach sieben Jahren in Deutschland arbeiten nur 29 Prozent der hierher geflüchteten Frauen.
    https://iab-forum.de/arbeitsmarktintegration-von-gefluechteten-frauen-grosses-potenzial-und-viele-herausforderungen/

  2. Sonni meint:

    Der Hausfrauen-Artikel ist sehr interessant, da er spannende Hintergründe aufzeigt. Jedoch finde ich eine Nichterwerbsquote von 25 bzw. 19 Prozent laut der zitierten Statistik hoch, auch wenn es die niedrigste jemals ist. Denn hier handelt es sich ja nicht nur um Mütter oder Väter, sondern um alle, auch kinderlose Menschen, bei sinkenden Geburtenraten. Da die Arbeitslosenquoten in den vergangenen Jahren niedrig waren, kann man von einem relativ großen Teil freiwillig nicht Erwerbstätiger ausgehen.
    Wären nur Familien mit minderjährigen Kindern erfasst worden, fände ich die Zahlen immer noch recht hoch, aber irgendwie nachvollziehbar.
    Der Hinweis auf die Migrantinnen ist in diesem Zusammenhang ebenfalls sehr interessant und in Bezug auf ihre gesellschaftliche Integration von hoher Bedeutung.

  3. Heidi meint:

    Ich nehme immer den Mürbeteig von Robert Sprenger. Modifiziert, mit 200 g Butter und 180 g Zucker. Gewürze nach Geschmack.
    Kann man auch nur mit eingeklapptem Rand machen. Den überschüssigen Teig dann zu Keksen verarbeiten. Für mich der allerbeste Mürbeteig.

    https://lamiacucina.blog/2017/04/30/linzertorte-la-mia-divina/

  4. S. meint:

    Interessanter Artikel, danke! Ich habe das Gefühl, bei den Hausfrauen wird immer einiges vermischt, da kann ich mich nicht ausnehmen, merke ich gerade. Man könnte auch sagen “alleine für den Haushalt zuständig”, da würde man sehr viele Frauen finden. Oder, was für mich immer die wichtigste Implikation ist: “finanziell abhängig”. Teilzeitarbeit nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich hat vielleicht die klassische “Hausfrau” zu großen Teilen ersetzt, damit werden aber viele der Problematiken, die mit dem Hausfrauen-Modell einhergehen, dennoch fortgesetzt.

  5. Elisa meint:

    Ich weiss nicht warum man Vollzeitmutterschaft von vorneherein mit einem ‘leider’ belegen muss. Wenn wir es uns finanziell erlauben könnten, hätten wir 5-7 Kinder und dann wär ich fix (und gern) eine ganze Weile Vollzeit daheim ?. Trotz Doktorat und nettem Beruf.
    In vielen Familien der letzten Migrationsgruppe sind mehr als drei Kinder vorhanden. Das ist eine Anzahl ab der es haarig wird arbeiten zu gehen, weil der work load zuhause halt auch entsprechend hoch ist, vor allem solang die Kinder noch klein sind.

    Da ich aktuell in der ‘Mutterblase’ verkehre, weil eben kleine Kinder: Es gibt mehr Frauen die gern Vollzeit daheim wären, aber es sind nicht so viele dass ich es einen Trend nennen würde. Es ist eher ein kleines Rückschwingen des Pendels, dass man gerne Mutter ist und gegen das Degradierende ‘achso du bist NUR zuhause, chillig’ das man um die Ohren geworfen bekommt.

    Fakt ist dass ein Einkommen nicht reicht um Familien die Wahl zu lassen ob jemand zuhause bleibt. (Ich bin mit einem Hausmann als Vater groß geworden und kenne die Vorteile)

  6. Lempel meint:

    Arbeit ist nun mal ein entscheidender Integrationsfaktor. Und findet halt weniger statt, wenn man als Vollzeitmutter und Hausfrau zuhause ist. Deswegen mein “leider”.

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