Journal Brighton, Mittwoch, 18. August 2010

Donnerstag, 19. August 2010 um 12:44

Nachdem ich am Vorabend die anderthalb Stunden Joggen plus vier Stunden Wanderung tatsächlich in Knochen und Muskeln gespürt hatte, gab ich mir für Mittwoch sportfrei. Statt dessen schlief ich aus (fast bis acht!) bloggte, las Internet und Buch – mit Blick aufs sonnenbeschienene Meer.

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Auf dem Weg zum Morgenkaffee im Red Roasters trieben wir uns wieder auf der Strandpromenade herum, einschließlich Besichtigung des Penny Arcade Museums. Der Begleiter hatte 1990 noch einige der musealen Amüsierautomaten in den Hallen des Palace Pier erlebt.

Junge Frauen, denen man durch Kurbeln (blätternde Fotos) bei ihren Badeproblemen zusehen kann – musste ich unbedingt machen.

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Nach Cappuccino an Buch ging es ans ernsthafte Einkaufen: Der Begleiter brauchte eine Jacke, die gingen wir suchen. Und kamen sogar mit zwei Jacken heraus. Der Begleiter kauft ähnlich ungern Kleidung wie ich, nur dass ich seit ein paar Jahren auf Bestellkataloge ausgewichen bin und sehr selten noch das klassische Bekleidungskaufen benötige. Mein Liebesdienst besteht also darin, den Begleiter entweder ein bis zwei Mal zu erinnern („Morgen könntest du dir doch eine neue Jeans kaufen!“) oder ihn zu begleiten. Ich marschiere voran in den einen oder anderen Laden (mehr als drei waren noch nie nötig), zupfe das eine oder andere Stück aus Regalen und von Ständern und heiße ihn anprobieren. Was passt und gut aussieht, wird gekauft. Diesmal muss ich den Herrn allerdings noch in München zum Schneider schleifen, auf dass dieser die Ärmel kürzt.

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Ausführliches Dim Sum-Essen zu Mittag. Der Begleiter hatte mal in der Bostoner Chinatown Dim Sum bekommen und schwärmt seither. Ein entsprechendes Angebot hatten wir am China Garden angeschlagen gesehen, selbstverständlich nur als Lunch. Und so bestellten wir

– kurz frittierte Dampfnudeln mit Dip aus süßer Kondensmilch

– gedämpfte Teigtaschen mit Jakobsmuschelfüllung

– Ochsenkutteln mit Chilli

– gebratene Teigtaschen mit Schweinefleischfüllung

– Spareribs

– Reis mit Hühnerfleisch in Lotusblatt gedämpft – mein Favorit, weil das Lotusblatt für ein wundervoll duftiges Aroma sorgte und der Reis klebrig-cremig war.

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Nach einem Stündchen Ausruhen im Apartment machten wir uns zur North Laine auf und durchstreiften sie gründlich: Meine Mutter hatte mir beim dortigen Schreiner eine Holzapplikation aufgetragen, die sie letztes Jahr gesehen zu haben glaubte (gab es nicht in genau dieser Ausfertigung, aber ich bekam eine Visitenkarte mit Website, auf der viele Varianten zu sehen sind.) Im gigantischen Antique-Laden Bric a Brac gibt es immer etwas zu sehen, und im Fudge-Laden kaufte ich so umfangreich ein, dass mir der Ladenbesitzer Rabatt gab.

Rumsitzen, Lesen und Biertrinken im Pub, bevor der Hunger fürs Abendessen reichte. Wir stillten ihn bei Wagamama – ich freute mich über die Extraportion Gemüse.

Für den Begleiter gegrillte Calamari, Raw Salad für mich.

Kokossuppe mit paniertem Tofu für mich, Hühnchen-Ramen für den Herrn.

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Moment. DAS HIER war Jamie Lee Curtis, die Frau mit dem zweitschönsten Busen nach einer früheren Regensburger Freundin, im Alter von 44 echt und unretouchiert? Ich bin fast 43 und schlagartig bereit anzunehmen, dass mein durchaus welker, gepolsteter und ältlicher Körper gar nicht so schlecht beisammen ist. Bitte, liebe Hollywoodschönheiten, bitte macht viel, viel öfter solche Aktionen!

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Journal Brighton, Mittwoch, 18. August 2010“

  1. Remington meint:

    Ommm….manipadme brummmm….Heil dem Juwel in dem Lotus….Ommmm ;-)

  2. Sigourney meint:

    Merci vielmals von einer ebenfalls 43jährigen. Sehr sehr aufbauend.

  3. croco meint:

    Mitterweile kauf ich so ungerne ein, dass ich nach dem zweiten Laden schon grantig bin. So bestelle ich unter anderen bei der Firma, von der Ihr Rock mit den Punkten ist. Ja, das war ein prima Tipp, dankeschön auch..
    Beim Mann ist es ähnlich. Ins Geschäft rein, vier Hemden von der Lieblingsfirma, ohne Anprobe, zwei Hosen von der anderen Lieblingsfirma mit Anprobe, und das war es für die nächsten zwei Jahre.

    Dies Hollywoodmadams haben es schon schwer. Sie sind Teil einer Industrie, die Illusionen verkauft. Und von ihnen erwartet man das auch. Bloß nichts echtes, dann ist der Vertrag gebrochen.
    Und sie tun sich Sachen an, nur um weiterhin Arbeit zu bekommen.
    Selbstverstümmelung ist das.
    Frau Curtis ist zu bewundern.

    Wagamama kenne ich aus der Bloomsburystreet in London.
    Die Suppen sind legendär.
    Schade, dass sie in Deutschland keine Filiale haben.

  4. Nathalie meint:

    Ich gehe mit meinem Mann nur Kleidung einkaufen, wenn er mir davor glaubhaft versichern kann, daß er auch Läden betritt bzw (wenige) Teile probiert. Ansonsten opfere ich mich nicht.
    In die Stadt zu gehen, um dann vor Läden zu stehen und zu merken, daß das nicht sein Einkaufstag ist, führt nur zu Streß für beide Seiten.
    „Seine Einkaufstage“ lassen sich aber an einer Hand abzählen. Klappt aber eher im Urlaub (entspannter?) als unterm Jahr.

  5. barbara meint:

    Alles alles köstlich. Jedoch die Ochsenkutteln mit Chili? Gibt’s einen Erfahrungsbericht?

  6. barbara meint:

    Frau Kaltmamsell, wie war nochmal der Name der zweiten Bezugsquelle für Gwand?
    Wrap mag ich sehr gerne, jedoch erwähnten Sie mal noch einen.
    Ich mache aus meiner Freizeit lieber vergnüglicheres als Münchens Läden abzuklappern und auch ich kriege schlechte Laune davon.
    Im übrigen nehmen die Fehlkäufe drastisch ab, lässt man ins Haus liefern.

  7. die Kaltmamsell meint:

    Die zweite Quelle, barbara, ist Boden:
    http://www.bodendirect.de/
    Mittlerweile mein bevorzugter Anbieter.

    Die Kutteln (mag ich auf madrilenische Art sehr gerne) schmeckten gut, waren aber ziemlich zäh – vermutlich nicht lange genug gegart.

  8. barbara meint:

    Danke, Frau Kaltmamsell.
    Ich bewundere Ihren Mut bezüglich der Kutteln, die liegen mir zu nackicht da. Geschmort, vielleicht noch mit etwas Tomate und butterzart kann ich es mir auch vorstellen.

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