Mein Besuch im Apple Store

Freitag, 11. März 2011 um 8:14

Das englische Wort store ist für einen untrainierten Deutschen nicht korrekt auszusprechen. Muss was Anatomisches sein, das sich in frühestem Alter bildet oder eben nicht. Ein solcher untrainierter Deutscher ist zwar überzeugt, sein „Eplstoa“ oder „Eplschtoa“ sei richtig, doch jeder Bayer wird glauben, es handle sich um das Dialektwort für eine Art Stein. Deswegen plädiere ich dafür, konsequent die deutsche Aussprache „Schtohre“ zu verwenden. (Apple als Weltfirma hinwiederum muss sich meiner Ansicht nach selber darum kümmern, korrekt ausgesprochen zu werden. Denn wenn sie was können, dann schließlich Marketing, gell.)

Dass es ihn in München gibt, den Schtohre, weiß ich seit seiner Eröffnung: Meine samstäglichen Einkaufswege führen mich fast immer an diesem Abschnitt der Rosenstraße vorbei. Und eines Tages war ein großer Bauzaun durch eine Glasfront ersetzt, an der ein stilisierter Apfel einer Tätigkeit nachging, die man nur prangen nennen kann.

Selbst besitze ich seit drei Jahren ein Laptop namens Powerbook, das ebenfalls mit diesem Apfelsymbol versehen ist. Mein Heimcomputer ist vor allem deshalb ein Laptop, weil der wenig Platz einnimmt und schnell zu verräumen ist. Kabellose Nutzung ist nicht sein Hauptzweck. Zumal diese von Anfang an nicht so klappen wollte, wie ich mir das vorstellte. Zwar hielt ich mich an die Regeln der Spielanleitung1 und leerte den Akku ganz, bevor ich ihn ans Stromnetz hängte. Doch irritierte mich sehr, dass der Akku bereits nach einer Stunde Leer-Alarm schlug, bald gar keinen Alarm mehr vor dem Ausschalten gab, um dann, etwa ein halbes Jahr nach Kauf, nicht mal mehr eine Minute zu brauchen, bis er kommentarlos alle Systeme ausschaltete.

Ich empfand das als nicht so schlimm. Bei schönem Wetter musste man einfach nur den sieben Metern Verlängerungskabel nachgehen, um mich mit Laptop auf einem Sessel auf dem Balkon zu finden. Zum einen bin ich bequem, zum anderen von vielen Jahren Büroarbeit an Rechnern, auf deren Systeme ich praktisch keinen Einfluss habe, gewohnt, mit Unbillen umzugehen. (Als ich mal einen Admin an meinem Schreibtisch stehen hatte, weil mir der neueste Rechner-Schluckauf das Arbeiten endgültig unmöglich machte, musste ich ihm bei jedem zweiten Handgriff helfen: „Äh, nein, das funktioniert so nicht, das geht nur wenn Sie vorher XY aufgemacht haben und das ZZ dahin ziehen.“ Irgendwann blickte er mich lange väterlich an und fragte: „Warum ham’S denn nix g’sagt?“ Dann brachte er mir einen anderen Rechner.)

Doch nun will ich auf Reisen gehen, und zwar an Orte, die mir keine stationäre Stromversorgung garantieren können. Das mitbewohnerliche Subnotebook ist zwar so schnuckelig wie eh und je, mittlerweile aber von einer greisenhaften Langsamheit, die ich nicht mehr ertrage.

Schweren Herzens entschloss ich mich zu Reparatur. (Der Mitbewohner nutzte die Gelegenheit zwar, mir die Notwendigkeit einer kompletten Neuanschaffung einzureden, hatte aber keinen Erfolg. Das Ding ist pfenniggut und zuverlässig.) Bevor ich mir blind einen neuen Akku kaufte, wollte ich allerdings abklären lassen, dass das Stromversorgungsproblem tatsächlich an ihm lag und nicht an irgend einer anderen Dysfunktion. So entsann ich mich des Apple Schtohres. Bei der Recherche nach Öffnungszeiten stieß ich auf die Bitte, einen Reparaturtermin zu reservieren. Da ich ohnehin nur sehr bestimmte Zeiten für einen Besuch hatte, legte ich den Termin also dahin.

Leider wird die Geschichte nicht mehr aufregender. Nachdem im Erdgeschoss nichts nach Reparatur aussah, stieg ich eine ausgesprochen schöne Treppe ins Obergeschoss. An der Wand hinter einer Theke stand groß „Genius Bar“, daran standen mehrere Männer mit gleichen T-Shirts, große Plastikkärtchen an Bändel um Hals. Das war der einzige Ort, der mir nach Kundenservice aussah. Ich würde mich sehr gerne mit dem oder der Apple-Angestellen unterhalten, die sich diesen Namen für einen Computer-Reparaturdienst ausgedacht haben, und ihnen nur eine Frage stellen: Warum?

Die Männer waren dank Terminreservierung auf mein Kommen vorbereitet, und obwohl auf allen Seiten nur Vornamen genannt wurden, musste ich niemanden duzen. Mein Reparateur ließ ein Analyseprogramm durch das mitgebrachte Laptop laufen und diagnostizierte kaputte Batterie. Er belehrte mich über den korrekten Umgang mit wiederaufladbaren Batterien, und ich verkniff mir, ihn mit einem „weiß ich“ zu unterbrechen. Dann bot er mir eine nigelnagelneue zum Kauf an, alternativ eine billigere runderneuerte. Da mir das Prinzip der Wiederverwertung von Batterien sehr zusagte, kaufte ich letztere.

Bezahlt, heimgegangen, fortan auch ohne Verlängerungskabel balkonbar.

  1. Disclosure: Ich lese manchmal Gebrauchsanleitungen. []
die Kaltmamsell

10 Kommentare zu „Mein Besuch im Apple Store“

  1. FeathersMcGraw meint:

    Irgendwie hab ich mit Drama gerechnet, oder Schwierigkeiten oder so – auch wenn das nicht meinen persoenlichen Erfahrung mit dem Apfel entspricht. Aber Geniusbar verwirrt mich auch, vom Namen her.

  2. oachkatz meint:

    Ich hatte tatsächlich „große Plastikbärtchen“ gelesen, wurde aber erst stutzig bei „an Bändel um Hals“. Die unaufgeregte Problemlösung klingt wieder nach einem weiteren Grund umzusteigen.

  3. Marqueee meint:

    Genius Bar. Könnte auch gut ein angelsächsischer Schoko-Riegel sein, finde ich.

  4. Hasenkind meint:

    Das Problem mit dem Akku kenne ich genauso, wie Sie es beschrieben haben, nur zu gut. Ich habe aufgegeben, das Powerbook verkauft und mir einen neuen Apfel geleistet. Jetzt funktionierts besser. Zumindest im Moment noch.

  5. Stefan meint:

    Drei Jahre? War das Macbook damals neu? Dann hätte sich doch ein »Apple Care« empfohlen (oder ein Reparaturtermin im ersten Jahr). Ich hatte entweder riesiges Glück oder ich habe eine gute Charge erwischt. Der Akku meines schwarzen Macbook hält nun schon fast vier Jahre durch und bringt je nach Nutzung drei bis vier Stunden seine Leistung.

    # Ergänzung: So weit ich weiß, gibt es doch auch für aufgearbeitete Geräte (refurbished) eine Art Gewährleistung.

  6. kid37 meint:

    Ich finde die Vorstellung, wie sie eine riesige Kabeltrommel abwickeln und damit den Balkon elektrifizieren, sehr hübsch. Das hat so was von New Frontier und echtem Pioniergeist.

  7. Helga meint:

    Das mit dem sich kommentarlos ausmachen kenne ich. Auch hier rät der Mitbewohner zu einem neuen Gerät. – Eine runderneuerte Batterie fände ich allerdings auch die bessere Lösung.

  8. croco meint:

    Bei meiner Herumzieherei in Deutschland habe ich festgestellt, dass die Zungen der einzelnen Stämme verschiedenen Mutationen durchlaufen haben, diametral verschiedene.
    Eine Besonderheit ist die Fähigkeit eine fremde Sprache zu sprechen, eine andere hingegen zu verweigern. Also, die Zungen südlich der Mainlinie bleiben bei englischen Besonderheiten hängen und verknoten sich. Sie erzeugen meist bloß ein swaibian or bavarian english.
    Das Englisch nördlich von Münster ist astrein. Sauberes tiiiiieitsch, ein schönes store.
    Dafür ist das Französische oft so grausam, dass man weghören muss um nicht zu leiden. Bongg schuur, mees onfonts.
    Naja.

  9. Angelika meint:

    alles gute & auch für unterwegs mit der neuen runderneuerten batterie !

    schtore :-)
    und IMO schönes beispiel für sog. mansplaining.
    musste an Sie denken, als ich kürzlich bei Seth Godin las (englisch)

    http://sethgodin.typepad.com/seths_blog/2011/03/cascade-of-broken-promises.html

  10. Joe meint:

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