Auszeitjournal Donnerstag, 23. August 2012 – Freibadabschied?

Freitag, 24. August 2012 um 7:25

Es tut mir immer noch leid und es war insgesamt unelegant. Aber ich habe es geschafft, ein Geschenk nicht anzunehmen, weil ich es wirklich, wirklich nicht wollte. Obwohl es von meinem Bruder war, der sich sicher ganz liebe Gedanken beim Aussuchen gemacht hat. Obwohl die Schwägerin eigens zur Übergabe vorbei kam.

Doch bunt eingewickelt war Spielzeug fürs Schwimmbad: Hand-Paddles und Flossen. Also genau das Zeugs, über das ich mich seit zwei Jahren aufrege, weil ich mich auf den Schwimmbahnen vor damit ausgestatteten Schwimmerinnen fürchte (die Teile haben scharfe Kanten), das ich als reinen Erfolg der Sportmarketings ansehe, endlich auch den ausstattungsarmen Schwimmern Dinge anzudrehen, und das mit meinem Schwimmen überhaupt nichts zu tun haben. Unelegant war meine Ablehnung, weil ich völlig überfordert war: Statt zu sagen, dass ich das nicht will, meinte ich, das würde ich aber allerhöchstens in einem See benutzen, sicher nicht im Schwimmbad, und lästerte über Schwimmflügerlschwimmer. Die Schwägerin musste erst selbst (wirklich) freundlich anbieten: „Soll ich’s lieber wieder mitnehmen?“, damit ich mich überwinden konnte, sie genau darum zu bitten.

§

Vormittagstermin beim Arzt. Ein nächtliches Gewitter hatte die Temperaturen deutlich gesenkt, statt im Trägerkleid ging ich so aus dem Haus.

§

Isarabwärts radelte ich von Giesing nach Schwabing – wunderbares Gefühl genug Zeit zu haben, den schönsten Weg dorthin zu wählen statt dem schnellsten. In der dortigen Muckibude nach zwei Wochen Pause Gewichte gehoben, in nahe gelegenen Supermarkt und Obstladen eingekauft. Daheim Frühstück in Form von Pfirsichen und Blaubeeren mit Hüttenkäse und Joghurt (dass ich immer weniger verstehe, warum Menschen fruchtaromatisierte Milchprodukte kaufen, erwähnte ich?), Packen fürs Freibad.

In mittlerweile strahlender Sonne radelte ich zum Schyrenbad und verbrachte dort ein paar Stunden (so braun war ich zuletzt vor 20 Jahren in Wales).

Kurz nach fünf zogen dicke Wolken auf, die sich zwei Stunden später in einem stark kühlenden Gewitter entluden. Wenn ich mir die Wettervorhersagen ansehe, könnte das der letzte Freibadbesuch der Saison gewesen sein.

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Nachdem ich am Wochenende von meinem Marmorkuchenrezept vorgeschwärmt bekam, buk ich ihn nach Langem mal wieder selbst.

Zum Nachtmahl riesige Mengen Salat aus der Ökokiste, dazu Andechser Grillkäse, der mir derzeit noch besser schmeckt als Halloumi (Käse mit Käse überbacken!).

die Kaltmamsell

7 Kommentare zu “Auszeitjournal Donnerstag, 23. August 2012 – Freibadabschied?”

  1. Claudia meint:

    Liebe Frau Kaltmamsell,

    nach langer Zeit des interessierten Mitlesens nun auch mal ein Kommentar von mir zu dem Punkt „Geschenk nicht annehmen“. Diese Problematik begleitet mich auch schon sehr lange und ich habe es bisher nicht geschafft, so konsequent wie Sie zu sein. Nur mein Mann hat es einmal gewagt, seinen Eltern einen Aktenkoffer, den sie ihm geschenkt haben, zurück zu geben. Mein Mann und Aktenkoffer müssen Sie sich so vorstellen wie Angela Merkel im Blümchenkleid. Das passt nun gar nicht.
    Ich könnte mir vorstellen, dass bei der Frage nach der Eleganz der Geschenk-Abweisung ähnliche Kontroversen auftauchen könnten, wie bei „Schuhauszieh-Wohnungen“.

    Liebe Grüße aus Bonn,
    Claudia

  2. fragmente meint:

    Ich glaube, das Geschenk ablehnen zu können ist die Materialisierung eines Lernfortschrittes (Auszeitbedingt?) bei der hochverehrten Frau Kaltmamsell. (Weiter so!)

  3. Sebastian meint:

    Puh. Der Japaner in mir windet sich gerade wie verrückt wegen der Geschenkzurückweisung.

    Ganz ehrlich, ich kann mir das nur vorstellen, wenn jemand Nahes mir fortlaufend mit seinen Geschenken ein völliges Desinteresse zeigt, was ja nach einiger Zeit offensiv werden kann. Aber selbst als meine Exfrau mir nach gut 20 Jahren Kennen ein Live-DVD von den Stones geschenkt hat, die mir so egal sind, dass ich sie noch nicht mal hasse und der ich eigentlich nie auf Konzerte gegangen bin noch gar mir so was im Fernsehen angeschaut habe – selbst da hab ich sie genommen und dann irgendwann weggeworfen.

    Zurück zum Brudergeschenk: Es klingt ja eher so, als ob dieses Geschenk so eine Überrumplung war, dass die Schwägerin aus der Sprachlosigkeit retten musste . also ehr so eine passive Zurückweisung? Und ich sag jetzt mal, es gehört sehr viel Souveränität und Zuneigung dazu, da als Schenker bzw. naher Geschenkbote nicht ein bisschen komisch zu werden. Ich glaub, ich könnte es noch nicht.

    Als lernender Beschenkter würde ich eher als nächste Zenstufe anstreben, so was souverän anzunehmen – ich mein, es hätte ja auch Kinderkalender oder ein Gutschein fürs Hippodrom sein können. Das mit dem Aktenkoffer von den Eltern versteh ich aber – dann vielleicht lieber das ganz sein lassen. Und inzwischen würde ich die Stones-DVD wohl auch zurückgeben. Was wirklich ein Fortschritt wär.

  4. Micha meint:

    Über das Zurückweisen des Geschenks mußte ich zuerst schlucken – und nochmals drüber nachdenken. Für mich ein absolutes *Einseits-Andererseits-Thema*.

    Einerseits ist Höflichkeit eine wichtige Tugend, um das Zusammenleben freundlicher zu gestalten, weshalb ich sie auch schätze.

    Andererseits ist mir nun gerade letzte Woche ein Geschenk derart aufgedrängt worden, dass ich mich mittelschwer bis schwer genötigt gefühlt habe (Freundin will mir mit Gewalt eine Mütze stricken, die ich schlicht NIE aufsetzen werde). Trotz meines offensichtlichen Zierens, Wiendens und demonstrativer Nicht-Begeisterung wurde eine Ablehnung nicht akzeptiert. Diese Art der Zwangsbeglückung hat mich nachhaltig verärgert. Und mich zum Sinnen darüber gebracht, ob ich in solchen Härtefällen nicht brüsker werden sollte/ muss.

    Ich hasse es, überrumpelt und in meinem Willen und Wollen übergangen zu werden!

    Seltenst ist überhaupt jemand ein guter Schenker und es wird eben eine Pflicht (zu Weihnachten, Geburtstag, Valentinstag…) erfüllt unter der Ruprik *Das gehört sich so*. Mal eine Blume meines Habibs etwa reicht mir als Geste absolut aus. Mit einem schönen Schal beschenke ich mich selbstausgesucht wirklich lieber. Daher haben der Habib und ich diese überbewertete Päckchen-HinundHer-Reicherei abgeschafft. Hat einer eine Idee für den anderen, dann gibts spontan eine Überraschung.

  5. Angel meint:

    „Erfolg des Sportmarketings“?

    Eher nicht. Das sind recht effektive Trainingswerkzeuge. Wurde schon vor über 30 Jahren bei unserem Schwimmtraining verwendet. Und zumindest die Paddles intensivieren das Training in erheblichem Mass. Flossen finde ich persönlich eher erleichternd: man wird irre schnell ohne sich wirklich anstrengen zu müssen.

  6. die Kaltmamsell meint:

    Sicher, Angel, im Verein beim Training sind diese Werkzeuge gut aufgehoben. Aber was tun all die Freizeitschwimmer im öffentlichen Schwimmbad damit? Wurde Schwimmen ersetzt durch Schwimmtraining? Das allerdings halte ich für möglich: Einfaches Dauerlaufen aus Freude an der Bewegung ist ja ebenfalls exotisch geworden – man hat für Wettbewerbe zu trainieren. (Das Breitensporttraining mit Flossen, nehme ich also an, bereitet auf eine potenzielle Flucht vor angreifenden Haien vor.)

  7. Angel meint:

    Ähem, da bin ich dann wohl einem Missverständnis erlegen: Bewegung = Training

    Nein, Training muss keinesfalls dazu führen, irgendwelche Wettkämpfe zu absolvieren. M.E. dient das ganz einfach dazu, sich allgemein fit zu halten und den Spass an der Bewegung zu haben und vor allem zu behalten. Spätestens wenn eine Bewegung nicht mehr leicht fällt, bleibt der Spass schnell auf der Strecke.

    In meinem Umfeld wird viel trainiert, aber Wettkämpfe macht niemand. Naja vielleicht gegen sich selbst. Training und Spass schliessen sich doch nicht aus.

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