Archiv für Februar 2014

Spülmittel (und ein Exkurs über Geschäftsberichte)

Sonntag, 23. Februar 2014

PR-Veranstaltungen sind privat ja nicht so das Meine. Auch nicht, wenn es um Kochen und Essen geht – es gibt inzwischen genug Foodblogs, die sich auf Teilnahme an und dankbare Berichterstattung über PR-Veranstaltungen spezialisiert haben.

Doch diese Einladung kam über kpunktnull, die Beratungsfirma von Thomas Knüwer – da wollte ich dann doch mal wissen, was sich seine Mannschaft für den Großkunden Henkel so ausgedacht hat (das Projekt für dessen Marke Schwarzkopf war ja ein ganz großes).
Außerdem sollte es um Spülmittel gehen. SPÜLMITTEL! Das konnte doch nur im besten Sinne wahnwitzig werden.
Dass es nicht nur für das Goutieren von Fiktion Suspension of disbelief braucht, sondern auch im Marketing von Markenprodukten – darüber sind wir uns ja wohl einig. Aber wenn ich Nerds respektiere, die jedes Detail der Verlagsrivalität zwischen Marvel und DC im Lauf der Jahrzehnte aufsagen können, respektiere ich auch Spülmittel-Nerds.

Die Geschichte der Spülmittelwerbung ist reich an Ikonen und Topoi. Wir erinnern uns entzückt an Tilly, Palmolive und „Sie baden gerade Ihre Hände darin“:

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http://youtu.be/dRznUl4di8A

Wie wunderbar hätte man wiederum mit „Während Villariba schon feiert, wird in Villabajo noch geschrubbt“ den Deutschen die korrekte Aussprache des spanischen „ll“ beibringen können! (Pst, wie das deutsche j.) Aber es ging dann doch nur um Fairy Ultra.

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http://youtu.be/B37JGubAcSU

Sehr ikonisch auch: die Prilblumen.

Gleichzeitig konnte ich mir nicht recht vorstellen, dass sich mit Spülmittel viel Geld machen lässt. Und überhaupt: Wie verkloppt man Spülmittel? Um das zu überprüfen, schaute ich in den Geschäftsbericht von Henkel.

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Exkurs über Geschäftsberichte. Henkel hat vergangenen Freitag den Geschäftsbericht für 2013 veröffentlicht – ich gratuliere dem Team, denn ich kenne die Anstrengung dahinter. Deswegen weiß ich auch, wie sehr es sich lohnt Geschäftsberichte zu lesen, wenn man etwas über ein Unternehmen oder auch nur Unternehmensbereiche herausfinden möchte. Je börsennotierter, desto mehr.
Der Konzernabschluss mit seinen Zahlentapeten und seinem Bilanzdeutsch mag für die Laiin zu speziell sein, aber im Lagebericht finden sich immer interessante Aussagen und Beschreibungen. In den vergangenen Jahren haben sich die Firmen immer mehr um verständliche Sprache bemüht, gleichzeitig unterliegt der Inhalt des Lageberichts strengen Regeln, für deren Einhaltung externe Wirtschaftsprüfer sorgen – das verhindert Marketinggeschwurbel.

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Henkel Geschäftsbericht 2013 also. Spülmittel gehören zum Unternehmensbereich „Laundry and Home Care“. Und der hat auch im vergangenen Jahr wie schon 2012
28 % des Gesamtumsatzes erzielt. Nicht schlecht für Spülmittel. Zur Marktentwicklung 2013 ist von „einem weiter intensivierten Preis- und Promotionswettbewerb“ die Rede (nein, keine Doktortitel, sondern Verkaufsaktionen).

Unter „Geschäftstätigkeit und Strategie“ findet sich:

Erfolgreiche Produkteinführungen leisteten auch im vergangenen Jahr einen bedeutenden Beitrag zur positiven Geschäftsentwicklung. Im Jahr 2013 ist es uns gelungen, unsere Innovationsrate auf 45 Prozent auszubauen.
Durch die zentrale und effiziente Steuerung des Innovationsprozesses sowie durch vertiefte Einblicke in die Kaufgewohnheiten der Konsumenten können wir Verbrauchertrends schnell erkennen, aufgreifen und beschleunigt in neue Produkte umsetzen.

Na gut, doch ein wenig Geschwurbel. Ich übersetze: Wir haben mehr verkauft, weil wir zum einen herausgefunden haben, dass die Leute lieber immer wieder neue Produkte kaufen, weil wir zum anderen herausgefunden haben, welche neuen Produkte sie am liebsten mögen und weil wir dann eine ganze Reihe solcher neuen Produkte angeboten haben. (Könnte das ein Job für mich sein? Deutschsprachige Geschäftsberichte ins Deutsche übersetzen?)

Genau das erklärte mir auf der PR-Veranstaltung dann auf meine Fragen die Marketingfrau dieses Henkel-Bereichs, Bettina Klinken. Sie überging geduldig meine Frotzeleien und bestätigte genau dieses: Spülmittel verkauft man mit immer neuen Varianten, zum Beispiel neuen Düften. Ich sprach sie auch auf das teure Spülmittel in Form einer lila Blume mit der Aufschrift „Sommernachtstraum“ an, das ich im Drogeriemarkt entdeckt hatte (die Einladung hatte mich dazu gebracht, tatsächlich mal andere Spülmittel als die Hausmarke in wahlweise durchsichtig oder grün anzusehen; und ich hatte die Flaschen umgedreht, um herauszufinden, welcher Konzern dahintersteckt). Bettina Klinken korrigierte mich: Das war eine Schmetterlingsform, keine Blume. Und tatsächlich eine weitere Aktion, diesmal auf der Basis von besonders gestalteten Flaschen. Die interessanteste Information war für mich: Das funktioniert, die Leute springen tatsächlich darauf an. Frau Klinken berichtete, dass diese Aktion einen enormen Erfolg gehabt habe, dass Kunden oft diese besonderen Flaschen aufheben, ausspülen und wiederverwenden, weil sie auch in der Küche etwas Schönes stehen haben wollen. Aber sie betonte auch: „Die Qualität muss natürlich stimmen.“

Was mich elegant zum Thema des Abends bringt: Die neue Variante des Spülmittels Pril. Das ist nämlich die Lösung für ein Problem, von dem ich gar nicht wusste, dass man es beim Abspülen haben kann: Stärke. Eine lustige Präsentation brachte uns bei: Tenside lösen Fett, um Stärke kümmern sich Enzyme.
Mit eben dem winzigen Haken, dass ich noch nie Schwierigkeiten hatte, Stärke abzuspülen – löst sich das nicht einfach in Wasser? (Nein, wohl nicht – wie habe ich das bislang bloß geschafft?)
Mein Hauptgegner beim Spülen ist Mozzarella als Überbackungskäse. Nein, nicht allgemein Käse, sondern ganz konkret Mozzarella. Den ich auch nach vielen Stunden Einweichen nur mit Hammer und Meißel von der Auflaufform entfernen kann, sprich mit physischer Gewalt.
Ich habe mit Bettina Klinken von Henkel verabredet, dass ich ihr Spülmittel auch dagegen testen werde und das Ergebnis berichte.

Zur Promotion (hihi) des neuen Spülmittels gab es also ein Kochevent, zu dem Journalistinnen und Bloggerinnen eingeladen waren.

Wir kamen in den Genuss der gesamten Marketing-Breitseite für das neue Produkt:

– Aufwendig produzierte Einladung (verschickt in einem Paket mit einem Kartoffelkuchen im Weckglas).

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– Gemeinschaftskochlocation mit einem Kochteam, zu dem jemand gehörte, den man wohl aus dem Fernsehen kennt, wenn man Kochsendungen ansieht: Graciela Cucchiara (ich vermute, das war die karottenrothaarige Frau mit 3D-Film-Brille, weil sie grüßende Worte sprach).
Es war alles so vorbereitet, dass die Gäste ein wenig mitkochen konnten – ich war beeindruckt, wie passgenau organisiert war, uns die Illusion der Mitarbeit zu geben, ohne dass wir ein Gericht wirklich verderben konnten. Ich durfte einen Teil von bereits gerösteten Mandelstiften hacken – der andere Teil war bereits gehackt und wurde mir als Vorbild gezeigt. Ich durfte auch bereits geschälte Zwiebelhälften hacken und zu den bereits gehackten in die Schüssel geben. Es war ein bisschen wie Kindergeburtstag, aber nicht im schlechten Sinn.

– Gutes Essen.

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– Ein junger Wissenschaftler erklärt die Funktionsweise von Spülmittel in Witzig (die Presseinfo war sachlicher).

– Cake-Pops in Logo-Form zum Nachtisch.

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Charmantes Detail: Das Team von Henkel berichtete, dass ihre Firmenzentrale in Düsseldorf eine eigene Konditorei hat, in der auch ausgebildet wird. Und die hatte diese Cake-Pops hergestellt.

– Zum Mitnehmen Gewürze aus der Kochlocation, eine Flasche Spülmittel, noch ein Cake-Pop, und ein USB-Stick in Logo-Form mit einem Texterinnentraum an Spruch vorn drauf.

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Zusammengefasst: Schöne, runde Geschichte. (Spülmittel, tse.)

Nachtrag 26.2.2014: Einigen Bloggerinnen ist wohl ziemlich aufgestoßen (unter anderem Ulrike), dass die Einladung in Paketform verschickt wurde. Liebe Marketing- und PR-Menschen: Das bedeutet für normal arbeitende Menschen, dass sie zum Abholen am Feierabend oder am Wochenende zu einer Ausgabestelle fahren müssen. Glauben Sie mir, dass macht die Absender sehr schnell sehr unsympathisch. Ich hatte einfach das Glück, dass der Mitbewohner beim Eintreffen des Pakets gerade daheim war.

Journal Donnerstag, 20. Februar 2014 – Migränetag

Freitag, 21. Februar 2014

Unruhige Nacht mit Kopfweh, das ich mir im Halbschlaf mit zu wenig Flüssigkeitszufuhr erklärte. Mitbewohner sieht mich überm Morgenkaffee, fragt: „Migräne?“ Als ich „Weiß nicht so recht.“ antworte, meint er: „Immer, wenn du das sagst, ist es Migräne.“ Ich lege mich nochmal hin, aber da ist sie schon, mit Übelkeit, Kopfschmerz, Lichtempfindlichkeit. Triptan-Nasenspray, E-Mail an die Arbeit, zurück ins Bett.

Fünf Stunden später wache ich dann richtig auf, der Rachen kalt und rau vom Migränemediakament. Draußen scheint die Sonne aus bayerisch weiß-blauem Himmel, aus mir bricht der Enthusiasmus „Raus!“ – doch in meiner post-migränalen gleichzeitigen Dünnhäutigkeit und Dumpfheit ist das ein lustig torkelnder und stolpernder Enthusiasmus, der gleichzeitig doch erst noch Zähne putzen und Arbeitsmails lesen will.

Kurzer Schreck beim Zähneputzen, weil die Pupillen sehr unterschiedlich groß sind.

Schwindel und Schwäche wollen bis zum Abend nicht verschwinden, ich schaffe es nicht mal zu einem kleinen Spaziergang in der Sonne. Zumindest die Pupillen kriegen sich wieder ein.

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Den Amseln Rosinen auf die Balkonbrüstung gelegt (das macht sonst der Mitbewohner mindestens einmal täglich). Inzwischen sind sie so zutraulich (gierig?), dass sie noch vor Zuklappen der Balkoktüre anfliegen und fressen.

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Abends das Grapefruitsaft-verklebte iphone ein wenig auseinandergenommen und ein wenig gereinigt. Home-Knopf ging dann immer noch nicht, doch durch den Neustart konnte ich die Funktion zumindest aufs Display verlegen. (Danke Kommentator gotti für den Tipp!)

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Was auch gerade ist: Ich weniger. Meine Kleidung sitzt deutlich lockerer, eine langsame Entwicklung der vergangenen drei Monate. Ich wollte das hier schon länger festhalten, um mich daran zu erinnern, wie wenig Grund zur Freude das sein kann. Denn sehr wahrscheinlich ist dieser Gewichtsverlust durch den unguten Appetitmangel verursacht, der aus einigen derzeitigen Lebensumständen resultiert. Es gibt hoffentlich noch genügend Menschen, die sich erinnern, dass Appetitmangel ein schlechtes Zeichen ist und nichts Erstrebenswertes. Wenn nicht: Denken Sie einfach mal an Ihre Haustiere – wenn die nichts mehr fressen mögen, sorgen Sie sich doch, oder?

Ich möge bitte daraus lernen: Dünner ist eben nicht immer besser. Und ich möge bitte, bitte daraus lernen, mich nicht automatisch wie der letzte Dreck zu fühlen (selbst nur auf einer der vielen Bewusstseinsebenen, die der Mensch so hat), wenn die Kleidung mal wieder enger sitzt. Das ist halt so.

(Dazu passt der Anfang dieses Artikels: „1200 calories“, vor allem der erste Cartoon.)

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Gelesen:

In erster Linie viele Tweets und die darin verlinkten Informationen über die Vorgänge in Kiev, immer im Hinterkopf, dass es sich um emotional aufgeladene Einzelsichten handelt, und dass es praktisch unmöglich ist, einen Überblick zu bekommen – auch für die traditionellen Medien. Sehr hilfreich fand ich einen Hintergrundartikel vom 30. Januar in der Washington Post:
„9 questions about Ukraine you were too embarrassed to ask“.
Vor allem das schnelle Medium Fernsehen vergisst in heißen „Breaking news“-Phasen, Hintergründe und Vorläuferereignisse zu erwähnen; die Berichterstatter mögen diese Informationen im Hinterkopf haben, doch bei den Nachrichtenempfängerinnen kommt nur die aktuelle Katastrophe an – was dann schnell nach reiner Sensationsberichterstattung aussieht.

Andrea Diener bloggt schreibt für die FAZ über die Verhältnismäßigkeit von Reiseunbillen:
„Unterwegs mit Poolsaugern“

„Geschrieben ist immer nur gefiltert.“
Das Leid der Wörtermenschen sucht Bilder, die sich in Wörtern formen lassen. Erzählen ist der Ausgang, zu dem wir immer streben. Auch wenn wir den Verdacht haben, dass das gar kein Ausgang ist, denn: Sind wir dadurch je dem Leid entkommen? Erzählen ist unser Mit-Teilen. Als gäbe es eine Vergleichbarkeit von Leid. Eine Relation von Leid. Ich kenne nicht nur das ständige Greifen nach Wörtern. Ich kenne auch das Verstummen. Immer öfter bricht er in mir ab, der Mechanismus des Greifens nach Wörtern. Nichts wird besser.

Journal Dienstag, 18. Februar 2014 – geimpft

Mittwoch, 19. Februar 2014

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Unsere Küche läuft aus dem Ruder. (Den Absatz mit Details habe ich wieder gelöscht, nachdem mir zum dritten Mal der Kopf beim Einschlafen vor Langeweile auf die Tastatur knallte. Executive Summary: Unprofessionelle Verrohrung / Waschmaschine spinnt / Kurzschluss.)

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Letzte Auffrischungsimpfung bei der Hausärztin geholt (Diphterie-Tetanus-Keuchhusten – HA!), gemütlich in die Arbeit spaziert.

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Kennen Sie die Sorte Menschen im Arbeitsleben, die, wenn sie unübersehbar Mist gebaut haben, reflexartig erst mal alle um sie herum auf irgendwelche von deren möglichen Arbeitsfehlern hinweisen, selbst wenn ihnen niemand wegen des Mists Vorwürfe gemacht hat? Ich auch.

Journal Montag, 17. Februar 2014 – Slapstick mit Servicehotline

Dienstag, 18. Februar 2014

Oh je, stellte ich nach Crosstrainerstrampeln und Duschen fest, da hatte ich beim Wühlen im Rabattstapel dicker Strumpfhosen eine mit „Controll Top“ erwischt – Wurstpelle Dreck dagegen. Die Mütter der Älteren unter uns werden sich vielleicht noch an die Werbekampagne „mein Mieder bringt mich um“ erinnern (seltsam: auf die Schnelle gibt das Internet nicht die Print-Anzeige her, die ich als kleines Mädchen noch in der Brigitte sah und die mich ängstigte: Man sah darin von der Seite eine nackte Frau, eingerollt in eine Holzkiste gepresst, ihre Hände stemmten sich verzweifelt gegen die Oberseite). Ich kann nur hoffen, das unbequeme Ding hatte wenigstens eine Blutzirkulations-fördernde Massagewirkung. Selber „Controll“, pft.

§

Spaß im Büro: Kein Internet, kein Telefon. Und in meinem Fall auch kein Mobiltelefon, es ist ja immer noch Grapefruitsaft-verklebt. Für das Telefonat mit unserem treuen IT-Support musste ich mir das (ebenfalls private) Smartphone der Kollegin ausleihen.

Fehleranalyse Kasten für Kasten in unserem Serverschrank, bald stand fest: Der Provider ist schuld. Den ich dann ebenfalls mit dem Kolleginnenhandy anrief – womit ich in eine von diesen Grotesken geriet, zu deren Beschreibung Blogs im Grunde erfunden wurden. Beim Provider war nämlich gerade eine neue Nutzerführung im Kundenservice eingeführt worden (vergangene Woche hatte auf meine telefonisch Anfrage noch ein Mensch geantwortet). Nachdem ich mich lustig in die richtige Richtung gewählt hatte („HErzlich willkommen beim Kundenservice! Wenn Sie eine Frage zu Ihrer Rechnung haben, wählen Sie die 1. Wenn Sie Ihre Anlage in Betrieb nehmen oder eine Störung melden wollen, wählen Sie …“ – Sie kennen das Spiel.), nannte die Automatin „zur leichteren Identifizierung“ die Telefonnummer, von der aus ich anrief, und ich sollte bestätigen, dass das die beim Provider gespeicherte Nummer sei. War sie natürlich nicht, denn die gespeicherte funktionierte ja nicht. Der mehrfache Versuch der korrigierenden Eingabe (ich hatte selbstverständlich die Unterlagen des Kontos beim Provider vor mir liegen) führte nur zu „diese Rufnummer ist bei uns nicht gespeichert“.

Eigentlich bilde ich mir ein, eine vorbildliche Dienstleistungsnehmerin zu sein, mich auf möglichst viele Sperenzchen des Dienstleistungsgebers einzulassen, die Unfähigkeit der Firma nicht am Einzelkontakt auszulassen etc. etc. Jetzt aber war ich in einer echten Notlage, die ganze kleine Agentur konnte nicht arbeiten (der Server ist nach dem Crash durch Stromausfall vorletzte Woche noch nicht wieder in Betrieb, alle arbeiten in der Cloud).

Um beim Provider irgendwie an einen Menschen zu kommen, der mich dann richtig weiterverbinden würde, testete ich also andere Abzweigungen aus (Fragen zur Rechnung, Privatkunden), bis mir nach einigem Getippe tatsächlich „Wir verbinden Sie mit dem nächsten freien Servicemitarbeiter“ versprochen wurde. Tatsächlich wurde mir dann gut zehn Minuten Musik und Eigenwerbung vorgespielt. Ich legte auf. Versuchte es wieder ganz von vorne.

Nun hatte ich ja über die Jahre gelernt, Sprachführung bei Hotlines auszuhebeln (Brüllen, Fluchen, Absingen von Kirchenliedern – überhaupt Singen), doch gegen Tastenterror half das nicht. Beim fünften Anlauf – mittlerweile hatte ich fast 45 Minuten mit Frau Automatin gekämpft, hatte ich endlich einen Menschen am Apparat. Der selbstverständlich nichts dafür konnte und sofort zugab, dass dieses System eben erst eingeführt worden sei und eine Katastrophe, mit dem ich dann ein wenig über „Versteckte Kamera“ etc. scherzte. Er fand im Handumdrehen heraus, dass der Verteilerkasten im Keller kurz nach Mitternacht den Kontakt abgebrochen hatte und versprach, einen Techniker vorbeizuschicken.

20 Minuten, nachdem das Team nach Hause verschwunden war, um von dort aus mit Internetzugang zu arbeiten, war auch das Büro wieder online.

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Neue Praktikantin eingewiesen (geboren ein Jahr bevor ich in die PR ging und nach München zog), antikes Kunden-CRM ausgetrickst.

Mittags die beiden neuen Jeans in die Änderungsschneiderei gebracht.

Abends Pizzaessen mit dem Mitbewohner gegangen, Genuss und Freude.

Journal Sonntag, 16. Februar 2014 –
American Hustle

Montag, 17. Februar 2014

Mit ordentlichem Muskelkater vom gestrigen Krafttraining aufgestanden (wenn er schneller als nach 24 Stunden kommt, sorge ich mich ja gerne, dass ich was falsch gemacht habe), und zum Klang des Regens, der meine Laufpläne durchkreuzte.

Bunte Strumpfhose zur Aufmunterung.

140216_Kleidung

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Statt Isarlauf Kino: American Hustle.

Ich habe schon lange kein so gutes Drehbuch gesehen: Auch wenn sich der Film um bekannte Topoi drehte (Con Men, korrupte Politiker, überfeifrige Ermittler), blieben die Details der Handlung und vor allem die Charaktere ganz weit weg von Klischees. Das Resultat waren unerwartete Verhaltensweisen, Dialoge, Entwicklungen. Die Schauspieler und Schauspielerinnen konnten auf dieser Basis zu Höchstform auflaufen: Allen voran gab Amy Adams eine überaus kluge Gaunerin, die bei allem Selbsterhaltungstrieb nie zynisch wirkte (ebenso wenig wie der herzerweichende Christian Bale), Jennifer Lawrence war sehr überzeugend die reichlich unterbelichtete und dadurch verantwortungslose Figur, die sich für besonders schlau hält. Ich mochte auch sehr die Erzählstruktur, vor allem den Anfang, der uns Zuschauerinnen völlig im Unklaren lässt, was da eigentlich passiert und wie die Personen zueinander stehen. Danach werden erklärende Off-Stimmen der beiden Hauptfiguren vorbildlich zum Vorantreiben der Handlung eingesetzt.
Etwas irritierte mich die konsequente 70er-Ausstattung und -Kleidung, die vermutlich nicht mal in den 70ern so 70er-haft war – wieder gut gemacht allerdings durch geschickte Umgehung von Perfektion (unvorteilhaft zerlegene Haare, verschmierter Lippenstift).

American Hustle ist für zehn Oscars nominiert. Ich wünsche ihm den für beste Hauptdarstellerin, bestes Originaldrehbuch, beste Regie, bestes production design (der Link führt zur Pinterest-Seite, die Hintergründe zu diesem Design erklärt).

§

Zeitungen weggelesen, gebügelt, zum Nachtmahl Kathas Unsichtbaren Salat gemacht.

140216_Unsichtbarer_Salat

§

Gelesen:

Sehr erhellend erklärt Norbert Mappes-Niediek in der Frankfurter Rundschau Armutszuwanderung und die Ökonomie dieser Armut (die einfach und aus guten Gründen anderen Regeln folgt als unsere Ökonomie des Wohlstands): „Warum wir Roma nicht verstehen“.

Wer in einem südosteuropäischen Elendsviertel lebt und dort vielleicht schon groß geworden ist, verhält sich am besten so, wie Slumbewohner das auf der ganzen Welt aus guten Gründen tun: Er setzt sich seine Existenz wie aus einem Flickenteppich zusammen. Man verrichtet Gelegenheitsjobs, sammelt Eisen oder Flaschen, treibt ein wenig Handel, beantragt Transferleistungen, wenn es so etwas gibt. Reicht das nicht aus, kommen vielleicht auch Betteln, Prostitution und kleine Diebereien hinzu.

Das Grundgesetz des Überlebens im Slum lautet: Nie alles auf eine Karte setzen! Ein Arbeitsplatz, eine Lohnersatzleistung – das sind flüchtige Versprechen. Man nimmt sie mit, wenn man kann. Aber es wäre viel zu gefährlich, wegen eines Arbeitsplatzes oder wegen Hartz IV den Wohnort zu wechseln. Der Job oder die Leistung sind schnell weg, und dann steht man wieder vor dem Nichts. Alle hier haben die Erfahrung schon gemacht: Nie das Netzwerk aufgeben, nie sich vereinzeln lassen! Wenn es ernst wird, helfen mir kein Staat und kein Arbeitgeber, nur die Familie tut es und vielleicht die engsten Freunde.

§

Wenn Sie auch nur halb so leicht zu erheitern sind wie ich: Etwas Spaß zum Montag.

Journal Samstag, 15. Februar 2014 – Frühlingseinbruch

Sonntag, 16. Februar 2014

Für einen Tag schaute der Frühling vorbei, mit so hohen Temperaturen, dass ich nachmittags aus dem Haus ins Warme trat.

Klassische Frühlingskollektion (Schneeglöckchen, Winterlinge, Krokanten) auf der Wiese neben dem pharmakologischen Institut:

140215_Fruehlingskollektion

Auf dem Weg zum Einkaufen im Verdi Süpermarket die Nutzung der Baulücke in der Goethestraße bewundert.

140215_Graffiti_Goethestrasse

§

„Großes Bauernbrot“ gebacken: Ein schön saftiges, feinporiges und elastisches Brot mit angenehmer Säure, die Kruste durch Stärke und Wasser in einer besonderen Art und Weise knusprig. (Das nächste Mal halte ich mich dann auch an die Anweisung, nach dem Stürzen des Teiglings auf den Backstein die überschüssige Stärke abzubürsten.)

140215_Grosses_Bauernbrot_Ploetz

Beim Backen mein durch Verklebung funktionsuntüchtiges iphone vermisst, dessen wichtigste Funktion wohl der Timer ist. Und beim Brotbacken sind viele, viele Schritte zu timen. Ständig musste ich den Mitbewohner und sein Tablet bemühen.

§

Im Sportstudio eine Stunde Krafttraining, das zwar vertraut „Bodystyling“ hieß, aber offensichtlich nach einem festen Programm mit fester Dauer jeder Übung vorging. Viele Übungen waren sehr kompliziert und ungewohnt – nun, Abwechslung soll ja beim Krafttraining besonders nützlich sein (neue Reize für Muskeln).

Anschließend eine Stunde fortgeschrittenes Stepaerobic. Und in dieser Samstagnachmittagsstunde, die ich noch vor wenigen Wochen ob der besonders komplexen Choreografien und Rhythmuswechsel fast ausschließlich stolpernd verbracht hatte, war ich an einer Stelle die einzige, die nicht den Faden verlor, als die Vorturnerin uns allein machen ließ. Schaun’S: Auf sowas kann ich richtig stolz sein, so stolz wie auf sonst fast nichts in meinem Leben. Ich will nicht darüber nachdenken, was das über mich verrät.

§

Gelesen:

Hakan Tanriverdi bei Süddeutsche online über reddit – von dem ich seit langen den Verdacht habe, dass dort mords Interessantes zu finden ist. Doch jedesmal wenn ich einem Twitterlink folge und dort lande, schreckt mich das Design ab, das nach Arbeit und Forum aussieht. Nach der Lektüre von „Die selbsternannte Titelseite des Internets“ habe ich mir vorgenommen, die Mühe auf mich zu nehmen.

§

Gelesen:

Isabo haut Matussek seine „defizitäre Liebe“ um die Ohren.

Seit vielen Jahren versuche ich Homophobie zu verstehen, sie interessiert mich wirklich, gerade weil ich sie nicht begreife. Vom Doku-Zweiteiler „Out There“, den Stephen Fry darüber machte (Teil 1, Teil 2), hatte ich mir mehr Informationen erhofft, aber immerhin gelernt, dass die befragten Homohasser gleichgeschlechtliche Neigung für anerziehbar halten, möglicherweise sogar für ansteckend. (Wofür es, das sei nur zur Sicherheit betont, keinerlei Beweise gibt.)

Auch der Artikel „Homophob? Muss nicht sein“ auf Zeit online reiht im Grunde lediglich einige statistische Hinweise auf, unter welchen Umständen Homophobie am häufigsten auftritt – das ist mir zu dürftig. Warum nur bekämpfen Menschen (außer aus religiösen Gründen, die immer in einer separaten Argumentationswelt liegen) die Liebe anderer Menschen, die sie nicht nur überhaupt nichts angeht, sondern sie selbst in ihrer Liebe und ihrem Leben überhaupt nicht betrifft oder gar einschränkt?

§

Gelesen:

Deborah Orr vom Guardian hofft darauf, dass die Stürme und Überschwemmungen, die Großbritannien seit Monaten beuteln, ein Umdenken in der Politik bewirken. Denn anscheinend musste diese Thatcher-Nachkommen erst durch die Katastrophe lernen:

Individuals have some responsibility for protecting themselves against floods. Local councils have some responsibility for protecting their boroughs against floods. But infrastructural protection against floods is a huge job, a national job, a job that the state has to oversee. There is no private-sector solution here, not even in the spacious realm of neoliberal fantasy.
(…)
It is predicted that David Cameron will come to regret his declaration, in the face of the floods, that „money is no object“. That must not happen. He has never said a truer word. It is stupid, pouring money into the management of decline, as successive governments have been doing for a long time now. But pouring money into the management of progress – that is smart. That is a genuine and meaningful investment.

„These storms could be a catalyst for just the kind of major works Britain needs“

Über die Überflutungen selbst gibt’s eine Zusammenfassung auf London Leben.

Journal Freitag, 14. Februar 2014 –
die Macht des Outfits

Samstag, 15. Februar 2014

Gelassenes Strampeln auf dem Crosstrainer.

Wussten Sie, dass es nicht nur comfort food gibt, sondern auch comfort clothing? Für mich war das gestern das 25 Jahre alte Hemd, das ich als Studentin als Schlussverkaufsschnäppchen in einer avantgardistischen Boutique gefunden hatte (ich bin bei jedem Tragen überrascht, wie sehr zu groß ich damals als angemessen empfand) und das mit schwarzer Stoffhose bürotauglich ist.

140214_Kleidung

Auch eine comfort-Maßnahme: Mir die Augen schön schminken.

140214_Augen

§

Erstes großes Lächeln des Tages: Die Bäckereiverkäuferin warnt die Kundin vor mir vor dem „Tschalapenno“ im Belag der Frischkäsesemmel, der sei sehr scharf. (Nein, kein herablassendes Lächeln. Ich werde das Wort nie mehr anders aussprechen, ist viel schöner als das Original.)

Koloraturkohlmeisen auf dem Weg in die Arbeit.

§

Im Büro festgestellt, dass mein iphone etwas ausgesickerten Grapefruitsaft abbekommen hatte (in der Tasche hatte ich eine Plastikdose mit Granatapfelkernen und Grapefruitfilets transportiert, aus denen mit weiterem Obst und Hüttenkäse mein Mittagessen werden sollte). Und dass dieser klebrige Saft unters Display (Tropfen und Schlieren) sowie in den einen Knopf des Smartphones gesickert war – der sich bald nicht mehr bedienen ließ. Saublöd, denn gegen einen schlichten Wasserschaden hätte ich sogar ein evap zur Hand gehabt. Und jetzt? Zur Reparatur geben oder das antike iphone 3G 16GB selbst nach YouTube-Anleitung knacken und reinigen?

§

Viele und vielfältige Arbeit, wieder keine Mittagspause.

Auf dem Heimweg durchs Bahnhofsviertel mäandert. Ich hatte es nicht eilig: Der Mitbewohner hatte mich informiert, dass unsere Restaurantreservierung für den Abend nicht geklappt hatte.

140214_Spiegelpassage

§

Endlich meine Schuhe aus Israel bekommen, ich hatte sie erst beim Zoll auslösen müssen. Wo man offensichtlich die Dreidimensionalität von Paketen nicht kennt: Der Zoll hatte von mir Unterlagen angefordert, weil außen am Paket keine Rechnung oder Werterklärung zu finden sei. Jetzt, da ich das Paket endlich hatte, sah ich an dessen Seite groß und deutlich genau dieses prangen: die genaue Auflistung von Art und Preis des Inhalts, sogar die Frachtkosten der Ware waren ausgezeichnet. Nun, die 47,88 Euro Zoll (!) (!!) hätte ich vermutlich eh zahlen müssen. Ich war bei der Bestellung wohl arg naiv gewesen.

Aber da sind sie!

140215_Schuhe_Lucca

Nein, gar nicht was ich sonst trage. Aber sie faszinieren mich ungeheuer – möglicherweise kann man damit zaubern.

Ebenfalls eingetroffen: Meine beiden Jeans von manomama. Die ich für angemessene Passform noch zum Änderungsschneider bringen werde (wie bei vielen Frauen ist meine Taillen-Oberschenkel-Ratio nicht Jeansstandard). Was ich aber für diesen Grundpreis völlig akzeptabel finde.


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