Sonntagslektüre

Sonntag, 16. März 2014 um 7:35

Ziatedesca hat den Franz gefragt, ob er sie adoptieren will. Warum, schreibt sie hier: ‚Ohana.

§

Ann schreibt auf kleinerdrei: „Einer fehlt – Eine Geschichte über Gentrifizierung„.

Als die Geschichte auf Twitter verlinkt wurde, merkten viele an, dass sie Ähnliches erlebt haben.
Auch das Mietshaus, in dem ich wohne, ist in Bewegung. Allerdings in einer deutlich organischeren. In den 15 Jahren, die wir nun hier leben, war das Haus immer von Bildungsbürgertum bewohnt, schließlich wurde es in den 50ern für die leitenden Ärzte der umliegenden Kliniken gebaut. Von den Ärzten selbst haben wir keine mehr erlebt, lediglich ihre Witwen. Und die sterben nun nach und nach weg (oder ziehen ins Pflegeheim um).
Vor allem die alte, kleine Dame aus dem Hinterhaus vermisse ich, deren Fuchteln mit dem Stock ich mir fürs eigene Alter eingeprägt habe (man kann nämlich, habe ich an ihrem Beispiel gelernt, auch nur mit dem Knauf des Stocks fuchteln). Die ich zuletzt mehrfach im Nachthemd vor dem Haus stehend einsammeln musste.

Die Alten werden ersetzt durch junge Leute, einige davon Familien (mit zwei Nachnamen auf dem Klingelschild). Die Veränderung: Das stille Haus, in dem jedes gesellige Gelächter auf dem Balkon empörtes Räuspern von den anderen zur Folge hatte, in dem mir die Hausmeisterin selig erklärte: Ein Fest? Also hier sei es eigentlich üblich, außerhalb zu feiern – dieses Haus wird nun durch Kinderlachen/-schreien/-weinen beschallt, und gefeiert wird hörbar regelmäßig.

§

Wenn Sie die Cartoons xkcd verfolgen, wird Sie das interessieren: „Tech’s Favorite Cartoonist Enters Mainstream Publishing„.

Der Cartoon am Anfang des Artikels ist in diesem Haus längst zum geflügelten Wort geworden (beim Smartphonelesen: „Ich muss an meinen Rechner. Someone is wrong on the internet.“ / besorgte Frage, wenn der Partner besonders heftig auf die Tastatur hämmert: „Is someone wrong on the internet?“).

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Sonntagslektüre“

  1. Spontiv meint:

    Nun, ein Haus in dem Kinder lachen und in dem Feste gefeiert werden – klingt für mich erstrebenswert.

  2. Croco meint:

    Hier auch: es stimmt was nicht im Internet.
    Hab die Karrikatur gleich weitergemailt, ins Nachbarzimmer.
    Von dort dann ein lautes Hihiiiii.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Ich find’s auch schön, Spontiv, vermisse aber gleichzeitig die spinnerten Alten.

    Habe den Cartoon schon mehrfach als Symbol für meine social media vorgeführt, Croco.

  4. Tim meint:

    „Gentrifizierung“, Bewegung in der Zusammensetzung eines Wohnumfelds, ist natürlich und nicht änderbar, wie das Älterwerden. Was das Thema mit negativen Aspekten aufgeladen hat, ist die Geschwindigkeit, mit der das in einigen Städten, in den letzten Jahren, besonders Berlin, vonstattengeht. Mit massiver Verdrängung von Bewohnern durch Mietpreiserhöhungen. Eine Sanierung und Verbesserung des Wohnstandards bedeutet oft dann praktisch den Umzug in die Peripherie der Stadt Ich finde es erschreckend mich dabei zu erwischen, wie ich ängstlich jeden neuen Artikel über Wohnen und Gentrifizierung in Berlin lese und mich darüber freue, dass mein „Kiez“nicht als Geheimtipp erwähnt wird.


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