Wochenende – Familienfeiern im Wandel der Zeit

Montag, 17. März 2014 um 12:42

Die Wettervorhersage bewahrheitete sich: In der Nacht zum Samstag trübte sich der Himmel ein, meinen Isarlauf trabte ich ohne Sonne in ordentlichem Wind. Dafür war der Boden so ausgetrocknet, dass mich Windböen immer wieder in Staubwolken packten. Das werden auch die paar Regentropfen am Nachmittag nicht ausgeglichen haben. (Neuigkeiten von der Gebrechensfront: In den vergangenen Wochen sind es nicht mehr die Waden, die nach 40 Minuten in Schmerzen ausbrechen und mir den Lauf vermiesen, sondern die Fußballen. Ja, ich brauche mal wieder neue Einlagen, aber das allein kann nicht die Ursache sein.)

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Bevor ich die U-Bahn zurück nach Hause nahm, besorgte ich beim Bäcker im Thalkirchner Untergrund Backwerk fürs Frühstück: „Und zwei von den Hörnderln. Sind des Croissants?“ „Des san Sesam.“ „Äh, aha, dann bitte zwei davon.“

Nach dem Umbau der U-Bahnhöfe Stachus, Hauptbahnhof und Marienplatz (nur der am Stachus ist wirklich abgeschlossen) wird dieses Jahr mein Heimatbahnhof Sendlinger Tor in Angriff genommen – diesmal auch offiziell, nachdem Gerüste und Teilabrisse in den vergangenen Jahren immer wieder wie der Beginn von genau so etwas gewirkt hatten. Einige Plakatwände werden wohl bereits nicht mehr vermietet, es kommt Archäologisches zutage.

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Eintrübung des Wetters hin oder her: Der massive Frühlingseinbruch der vergangenen Wochen hat dazu geführt, dass die ersten Knospen der Kastanien vor unserem Balkon bereits aufplatzen – das ist wirklich ungewöhnlich früh im Jahr.

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Am Sonntag die Schwarzwälder Kirschtorte für Vaters Geburtstag zusammengebaut, Wählen gegangen. Zum ersten Mal von Infratest um Teilnahme gebeten worden: Die Hochrechnungen enthielten MEINE Stimme!

Zum Papageburtstag in die Geburtsstadt gefahren, angenehme Stunden mit gutem Essen, Weinen, Menschen verbracht.

Komisch, dass sich auch in Familien Dinge ändern. Zum Beispiel kann ich wohl nicht mehr fest damit rechnen, dass mein Vater, der Elektriker, mir bei allen elektrischen Problemen bereitwillig zur Seite eilt. Über dem Hauptgericht (Roschtbief mit Pepperonata) erzählte ich meinem Bruder von meiner widerspenstigen Küche und dem Kurzschluss am Spülmaschinenstecker, der den Mitbewohner und mich seit zwei Wochen zur Handwäsche zwingt. Es müsse halt der Stecker ausgetauscht werden, damit wir die Zeit bis zur neuen Küche (nein, da ist noch nichts vorwärts gegangen) noch mit der alten Spülmaschine überbrücken könnten.
„WIE GUT“, schloss ich theatralisch, alle anderen Gespräche am Tisch übertönend, „DASS WIR EINEN ELEKTRIKER IN DER FAMILIE HABEN, DER DAS ERLEDIGEN KÖNNTE.“
Mein Vater reagierte nicht. Ich wiederholte, „DASS WIR JA ZUM GLÜCK EINEN ELEKTRIKER IN DER FAMILIE HABEN, DER DEN STECKER AN DER SPÜLMASCHINE AUSWECHSELN KÖNNTE“. Dabei winkte ich verdeutlichend meinem Vater zu.

Papa: „Geb i dir a Stecker und a paar Hülsen für die Kabel, dann kannst du selber austauschen.“
Damit hat er natürlich recht, das ist ja wirklich kein Teufelswerk. Aber das war früher nicht so.

Früher sicher so war die Schwarzwälder Kirschtorte, die sich mein Vater gewünscht hatte.

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In diesem Fall ist das genau der Haken: Ich mag sie so nicht mehr, sie ist mir zu Biskuit-lastig und trocken. Hat mir jemand einen Tipp für ein Rezept mit eher Wiener Böden und Cremefüllung?

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Wochenende – Familienfeiern im Wandel der Zeit“

  1. Buchfink meint:

    Gebrechensfront ist köstlich, muss ich mir merken. Die Bechreibung der Familienfeier ist ein Kabinettsstückchen.

  2. Jakob meint:

    Ich empfehle ja gegen Gebrechen beim Laufen den Umstieg auf Barfußschuhe. Hatte früher Knie und Fußprobleme, bin inzwischen schmerzfrei Marathon in Merrell Barfußschuhen gelaufen…

  3. Chris Kurbjuhn meint:

    Das Plakat, das ich während meiner Studentenzeit in München noch als aktuell hab hängen sehen, ist „archäologisch“. Tja, gut. Hmmpf. Ja. Ist ja auch schon eine Weile her. Warum kann ich beim Kommentaromat eigentlich nicht „Made my yesterday“ auswählen?

  4. kelef meint:

    ich kann ja sowas von nicht backen, aber dafür die tochter. die macht mir meine-meine-meine geburtstagstorte (ebenfalls schwarzwälder) daumen mal pi.

    soll heissen, sie bäckt saftige schokoladen-torte nach geschmack, und teilt die dann in drei bis vier lagen, die mit kirschmarmelade und obers-kirschcreme wieder zusammengeklebt werden. der teig wird, wenn er ihrem geschmack nach doch zu trocken geraten ist, dann noch mit ein wenig kirschwasser beträufelt. das ist jetzt natürlich kein rezept, aber mehr kriegt man von ihr nicht zu hören. ist aber seit immer schon sehr saftig-fruchtig, das schokoladen-biskuit hat praktisch nur die funktion, die verschiedenen kirschmarmelade- und cremeschichten zusammenzuhalten, und einen guten untergrund für das schlagobers oben drauf zu bilden. fällt ja sonst alles auseinander.

  5. Sebastian meint:

    Chris made my today

  6. Katharina B. meint:

    Der Begriff Kirschtorte kommt vom Kirsch, nicht von der Kirsche. Der Bisquitboden gehört ausgiebig in Kirsch getränkt, dann erledigt sich die Trockenheit von selber.

  7. mariong meint:

    ja! ausgiebig in kirsch tränken ist wichtig. nicht tröpfeln.

  8. Gerlinde meint:

    Oje, da komme ich mit meiner anti-alk-Kiddi-Version wohl nicht gut an hier:
    Muttern traenkte das Ding immmmer nur mit dem Saft der eingemachten Kirschen (notfalls noch zusaetzlich gezuckert) ABER: saftig war das Ding dadurch immmer – inkl. fuer aaalle geeignet. Ausserdem blieb bei uns meist der Marmelade-Aufstrich dabei heraus; sprich, seeehr basic: getraenkter Boden, Sahne, Kirschen hinein und naechste Lage.
    Ich muss aber gestehen, dass ich dadurch wirklich selbst als nunmehr Erwachsene starke Akzeptanz-Probleme mit den (zuuu sehr) alkoholisierten Versionen habe.
    D.h., ich trinke diesen lieber dazu – sorry.

    LG, Gerlinde

    LG, Gerlinde


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