Journal Dienstag, 27. Januar 2015 – Corriemirror

Mittwoch, 28. Januar 2015 um 7:51

Es gibt eine heikle Facette zwischenmenschlichen Umgangs, die niemand besser beschrieben hat als Douglas Adams in seinem The Meaning of Liff:

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Anlässlich der gestrigen Sportstunde im Fitnessstudio wurde mir klar, dass es auch Corriemirror gibt (der zugehörige Ort müsste halt schnell gegründet werden, das kann ja wohl nicht so schwer sein).

Mit der Zeit kennt man sich beim Turnen, die Langhantelstunde am Dienstagmorgen um 7.30 Uhr, für die meisten vor dem Arbeitstag, wird tendenziell von Spinnerinnen wahrgenommen (ich war erleichtert, als ich vor Weihnachten feststellte: Ich bin nicht die einzige, die auch an freien Tagen her kommt). Selbst in den gefährlichen Monaten Januar und Februar tauchen hier keine Vorsatzsportlerinnen auf.

Irgendwann gesteht man durch einen direkten Blick und ein Lächeln Wiedererkennen, und bei der nächsten Begegnung in der Turnstunde wird daraus ein Gruß. Wenn man den richtigen Moment erwischt.

Begegnet man einander während des Aufbaus des Turngeräts (Step holen, diesen auch die korrekte Höhe stellen / Lanhhantelstange und Gewichtsklipps holen / Gewichtscheiben breitstellen / ebenso Kurzhanteln / Turnmatte holen) ist das noch einfach: Man kommt in den Turnsaal, und wenn die Mitturnerin aufblickt, sagt man Hallo. Brenzlig ist die Situation in den Minuten vor Beginn der Stunde, wenn alle an ihrem Platz stehen und meist nach vorne in den Spiegel schauen. Jetzt ist man von lauter Bekannten umgeben, von denen man im schlechtesten Fall noch keine einzige gegrüßt hat. Guckt sie im Spiegel gerade zu mir? Man versucht ein Lächeln. Sie reagiert nicht, also hat sie wohl doch nicht geguckt. Oder eine Zehntelsekunde zu spät das Lächeln bemerkt, das sie nun erwidert, während man gespielt beiläufig bereits in eine andere Richtung schaut. Was man über die Spiegelwand mitbekommt, doch jetzt guckt sie schon wieder woanders hin. Also tut man die ganze Stunde so, als hätte man sie gar nicht erkannt oder sei völlig verschlafen und abwesend.

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Gestern schneite es immer wieder nass, nach Einbruch der Dunkelheit sogar verbunden mit Gewitter.

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Abends Friseurbesuch, ich ließ mich mit aktuellen Verschwörungstheorien versorgen (u.a.: total verräterisch das die Morde in Paris sofort als islamistischer Anschlag ermittelt wurden, solche Erkenntnisse brauchen in Wirklichkeit viel mehr Zeit), genoss wieder die Atmosphäre in diesem Laden – einen Tanz zwischen Haarschneiderin und Kundin im Sessel mit Färbemittel-verkleisterten Haaren sieht man ja sonst nur in Hollywoodfilmen mit Julia Roberts, und dann muss am Schluss jemand sterben.

150127_Schnee

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Ein weiteres großartiges „Was machen die da?“: Glasermeister Böttcher (es gibt da draußen sicher auch einen Fassmacher namens Glaser).
„Kay-Alexander Böttcher, Glasermeister und öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger“.

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Inzwischen gibt es nach meiner Beobachtung ein Marketing-Web und ein Echtmensch-Web. Wenn die aufeinanderprallen, fliegen meist die Funken, die seit zwei Jahren „Shitstorm“ heißen. Umso herzerfrischender ist es, wenn diese Funken zu Glitzer werden.1 Zum Beispiel wenn die Marketingleute von Bertolli sich mit Werbelinks in die Kommentare bei Foodbloggerinnen setzt und diese auf Facebook Revanche üben. Dafür auch gleich noch ein neues Wort erfinden: Dishstorm.

Thomas Knüwer beleuchtet denn Fall aus professioneller Sicht (er ist ja beruflich Übersetzer zwischen den beiden Welten):
„Bertolli im Pestogate – und was Digitalmarketing-Leute daraus lernen können“.

  1. Dafür will ich bitte Pluspunkte auf meinem Metaphernkonto. []
die Kaltmamsell

4 Kommentare zu “Journal Dienstag, 27. Januar 2015 – Corriemirror”

  1. Mareike meint:

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    Gerne gelesen

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  2. Schneizel meint:

    Wenn alle nach vorn in den Spiegel schauen, kurz bevor die Stunde anfängt – das ist oft ein fieser Moment. Die Frauen in meinem Stepkurs z.B. sind mal mit sich selbst beschäftigt, entweder in Kontemplation ihrer Figur, oder aber sie sehen glasig starrend an sich selbst vorbei (mach ich auch so). Dabei gilt es, jeden Augenkontakt zu vermeiden. Oder es geht darum, das Territorium abzustecken: Habe ich genug Platz? Kann ich die Trainerin sehen? (Komm mir ja nicht zu nah, Nachbarin! Versperr mir nicht die Sicht! Grrrr!) Ich persönlich schalte immer auf Autopilot, da bin ich am entspanntesten. Vor oder nach der Stunde ist es deutlich einfacher, eine Kursteilnehmerin zu grüßen oder sie anzulächeln.

  3. doro meint:

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    Made my day

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  4. Anna meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Made my day

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