Journal Mittwoch/Donnerstag, 20./21. April 2016 – Prince ist tot

Freitag, 22. April 2016 um 6:30

Mittwoch brach der Frühling mit Gewalt aus. Seltsamerweise sorgte genau der mit seinem strahlenden Himmelblau dafür, dass ich nach Feierabend keine Lust hatte, zum Sport zu radeln.

Warm war es nicht: Die Menschen zogen sich zwar ohne Umwege bis auf Hochsommerkleidung aus und saßen in Biergärten in der Sonne, doch ich war auf dem Rad um meine Jacke froh. Die frühe Heimkehr nutzte ich dafür, ein großes Stück weiter in H is for Hawk zu lesen. Gefällt mir sehr gut.

Nachtmahl aus der Ernteanteilkiste:

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Am Donnerstag niedergeschlagen, dagegen half auch kein morgendliches Crosstrainertstrampeln. Schweres Hadern mit dem Leben (as in es müssen). Wenn das Leben nicht dieses ganz bestimmte Sperma auf diese Eizelle hätte treffen lassen, müsste nicht ich es leben, sondern jemand anders. Ich halte es immer noch für eine Verwechslung, einen Irrtum, das es mich getroffen hat (stellen Sie sich bitte mich das Leben wegfuchtelnd vor).

In Sonne unter wolkenlosem Himmel mit Blick auf die Füße nach Hause gegangen. Rausgerissen aus meinem Hadern durch einen Frühlingsduft: Der Flieder vor der Feuerwehr im Westend blüht.

Einkäufe beim Verdi: Fisch, Obst, Joghurt. Vergeblich versucht, ein Päckchen abzuholen: Die Anweisung, es bei Abwesenheit vor meine Wohnungstür zu legen, war nicht befolgt worden, es landete in einem Geschäft. Das bei meiner Ankunft bereits geschlossen war. Laune knallschwarz.

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Twitter half mir beim Identifizieren des „zwei von denen“-Fischs: Wolfsbarsche. Dazu Ernteanteilmangold. Gebratener Fisch ist inzwischen für mich der Fastfoodtrick Nr. 1 geworden: von Heimkommen bis Servieren 30 Minuten.

Und dann die Nachricht, dass Prince tot ist. Den hatte ich in meiner Jugend fast selbst entdeckt (während ich mir zum Beispiel David Bowie erst als Studentin hatte zeigen lassen müssen). Die musikalischen Detailsensationen in der Musik von Prince verstand ich und freute mich daran, seine eigenwillige Musik gehörte zu meinem Lebensweg.

Jetzt ärgere ich mich, dass ich die Prince-Schallplatten, die ich vor ein paar Jahren mit meinen gesamten Schallplatten weggegeben habe, nicht vorher digitalisiert habe.

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Nochmal ganz einfach erklärt: Warum es eine bessere Reform des deutschen Sexualstrafrechts braucht, als bisher geplant:
„Wann heißt Nein endlich Nein?“

Es ist eine grundlegend falsche Wertung, wenn das Eigentum, aber auch etwa der Hausfrieden als schutzwürdiger angesehen werden als die sexuelle Selbstbestimmung. Wenn Sie die Wohnung einer Bekannten betreten, selbst wenn die Tür offen steht oder andere ein und aus gehen, dann brauchen Sie ihr Einverständnis. Wenn Sie wissen, dass sie es nicht möchte, machen Sie sich strafbar. Wenn es um ihren Körper und ihre sexuelle Selbstbestimmung geht, dann nicht. Das ist falsch.

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Am Dienstag gab’s Pulitzerpreise. The Marshall Project bekam einen davon. Diese Geschichte steht dahinter:
„An unbelievable story of rape“.

An 18-year-old said she was attacked at knifepoint. Then she said she made it up. That’s where our story begins.

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Als Kind wurde sie wegen ihre Hautfarbe gehänselt, als Erwachsene mit dem Tode bedroht. Mo Asumang über Rassismus in Deutschland, die AfD und enge Hosen.

„Ich bin Globuli für Nazis“.

Seltsame Überschrift, interessanter Artikel. Mo Asumang ist Filmemacherin und hat über rassistische Vereinigungen auf der halben Welt recherchiert.

Es gibt nicht den Nazi. So bunt wie unsere Gesellschaft ist auch die Welt der Rassisten. Es gibt Hassprediger, die zeigen wollten, dass sie mir jede Unflätigkeit an den Kopf schmeißen können. Andere trauen sich ein „Geh doch nach Afrika“, aber nicht, mich anzuschauen. Die Mitläufer ducken sich schnell weg bei persönlichen Begegnungen. Sie leben in einer Parallelwelt, in der niemand anders ist, denkt oder redet als sie selbst. Und dann stehe ich da, mich kann man nicht einfach zutexten mit „schlimmer Ausländer“, „blöder Flüchtling“. Ich bin das Hassbild.

die Kaltmamsell

1 Kommentar zu „Journal Mittwoch/Donnerstag, 20./21. April 2016 – Prince ist tot“

  1. Feathers McGraw meint:

    2016 war bisher einfach eine Zumutung. Ich hoffe dass es bald mal etwas besser geht.

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