Journal Samstag, 23. April – Wandern mit dem MVV, von Tutzing nach Herrsching

Sonntag, 24. April 2016 um 9:56

Es war kühles Wetter angesagt, dazu eine hohe Regenwahrscheinlichkeit, aber ich war zum Wandern verabredet, also wurde gewandert. Immer noch das Üben für den Wanderurlaub in England im Hinterkopf, hatte ich um eine Strecke mit Höhenunterschieden gebeten, das steht uns in den Cotswolds nämlich bevor. Herr Kaltmamsell wählte eine Strecke von Tutzing über Kloster Andechs nach Herrsching, wir wanderten also vom Westufer des Starnberger Sees zum Ostufer des Ammersees, wieder auf der Basis unseres Büchels Wandern mit dem MVV. Und wieder zeigte sich das Büchel als unzuverlässig und verbesserungswürdig (ich werde endlich die aktuelle Auflage besorgen müssen): Die Tour wurde als „eine besonders schöne, wenn auch anstrengende Wanderung“ beschrieben,
online gilt sie als „eine eher leichte Wanderung“. Einige Male führte uns die Beschreibung auf Autostraßen, wo wir per Tablet und Landkarten leicht Alternativen in Form von Fuß- und Wanderwegen fanden. Da wir einige beschriebene Ortsmarken nicht sahen, mussten wir uns ohnehin oft an der Landkarte orientieren. Was aber korrekt war: Die Strecke war schön und abwechslungsreich, bot immer wieder bezaubernde Anblicke.

Das Wetter hielt sich dann im angenehmen Bereich: Zwar tröpfelte es die meiste Zeit ein wenig, doch es war hell, zum Teil schien sogar parallel zum Regen die Sonne. Windjacke und Schirmmütze reichten als Schutz. Erst auf dem letzten Kilometer vor unserem Ziel in Herrsching begann es richtig zu gießen, wir trafen im Schweinsgalopp im Wirtshaus ein.

Was wir auf dieser Tour lernten (laut App ca. 22 Kilometer und viereinhalb Stunden reine Gehzeit): Wir müssen mehr Pausen machen. Bis Andechs waren wir dreieinhalb Stunden gegangen, fröhlich und fit, hatten lediglich zum Schauen, Weg Prüfen und Fotografieren angehalten. Erst als wir in der Schwemme des Kloster-Bräustüberls saßen, wurde uns die Anstrengung bewusst, das Ziehen in den Muskeln, das Knarzen in den Sehnen, das Drücken des Stiefelschafts. Aufstehen und Weitergehen kosteten überraschend viel Mühe. Wir nahmen uns vor, im Wanderurlaub alle anderthalb Stunden eine Zwangspause einzulegen – wie man es auf langen Autofahrten ja auch alle zwei Stunden tun soll: Ausruhen nicht bei Erschöpfung, sondern nach Plan, um Erschöpfung gar nicht erst eintreten zu lassen.

Wir kamen mit dem Mittagsläuten am S-Bahnhof Tutzing an, hatten auf der Fahrt gefrühstückt.

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Hinter Tutzing: die Ilkahöhe (dorthin könnten wir beim nächsten Mal eine Schleife machen).

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Kerschlach von der Alleeseite.

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Kerschlach von mittendrin.

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Kerschlach von hinten.

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Waldstücke und freie Flächen wechselten sich ab. Einmal stießen wir gleich am Weg auf einen großen Waldameisenhaufen – hatte ich schon viele Jahre nicht mehr gesehen. Vom belebtesten Fleck machte ich ein Filmchen.

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Über dem Ammersee.

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Kloster Andechs. Das dazugehörige Bräustüberl, in dem wir uns niederließen, ist schon sehr Massenabfertigung. Die Gaststube sieht kärcherbar aus, die Selbstbedienungstheken sind industriell durchoptimiert. Auf den letzten Metern zum Kloster waren uns Grüppchen junger Leute begegnet, der Sprache nach nicht einheimisch, zum größten Teil aber in Bayernverkleidung. Kann es sein, dass sich international das Gerücht verbreitet, man bekomme in Bayern nur in dirndloider oder lederhosenförmiger Kleidung ein Bier verkauft?

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Die Wallfahrtskirche wiederum ist sehenswert. Unter anderem stieß ich auf das Grab von Carl Orff.

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Besonders bezaubernd fand ich aber die Mischung von Alt und Neu, von Sakral und Profan.

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Durch das Kiental nach Herrsching. Aufschrift auf dem Kruzifix oben: „Gott schütze die Forstwirte.“

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Mountainbiken war auch 1911 schon gefährlich.

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Einkehren im Herrschinger Gasthof zur Post: Für das Lokal hatte jemand viele, viele, viele Deko-Ideen gehabt – und sie alle umgesetzt. Inklusive der mit den schwulen Pornos auf der Damentoilette. Das Essen war in Ordnung, das Bier vom Augustiner.

§

Cory Doctorow heult sich aus über kryptische Armaturen und Lichtschalter in Hotels:
„The quest for the well-labeled inn“.

I literally can’t count the number of weird-ass shower configurators I’ve seen. It doesn’t matter if the hotel is high-end or bottom-tier, inevitably someone’s decided to conduct radical UI experiments with the faucet.

(…)

Not just showers. Light switches. If your hotel room is lit by between one and eight little lamps, they should have really obvious switches, obvious even to a human who has never seen them before. (…) These days, I just unscrew the bulbs, or, failing that, unplug them (even if I have to move the bed to do it).

die Kaltmamsell

11 Kommentare zu „Journal Samstag, 23. April – Wandern mit dem MVV, von Tutzing nach Herrsching“

  1. Ulla meint:

    Bravo zur Tour. Im Gut Kerschlach kann man auch wunderbar Mittagessen oder Kaffeetrinken. Wir radln oder laufen gerne von Erling/Andechs dorthin.
    Kleiner Film hinter meinem Namen.

  2. Buchfink meint:

    Ein Vorschlag für das nächste Mal:
    Einkehren in der Kerschlacher Gutsbäckerei. Hier gibt es hervorragende Backwaren und auch kleine warme Speisen. Bei schönem Wetter im Freien hat man von dort auf der Terrasse einen wunderschönen Zugspitzblick.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Der Haken, Buchfink: Von wo aus starte ich, damit ich abschließend in Gut Kerschlach einkehre? Von Tutzing aus waren wir nach anderthalb Stunden in Kerschlach – viel zu früh zum Einkehren. Und selbst wenn wir von Herrsching gekommen wären, hätten wir nach einem Einkehren in Kerschlach nochmal anderthalb Stunden Weg bis zur S-Bahn gehabt; ich wandere ungern mit vollem Bauch.

  4. Sabine meint:

    Hach, Heimat! Die Wirtschaft in Machtlfing hat auch einen hübschen Biergarten, und nördlich der Straße von Machtlfing nach Andechs gibt es den Bäckerbichl, einen kleinen Hügel, der weit und breit für seine botanischen Raritäten (Küchenschellen, Schusternagel-Enzian etc) bekannt ist und neben fabelhaftem Bergblick die Begegnung mit vielen schrulligen Pflanzenfreunden garantiert.

    Andechs ist übrigens eine der letzten Wirtschaften, in die man sein Essen mitbringen kann. Vielleicht in Kerschlach einkaufen, in Andechs essen?

  5. Croco meint:

    Die Zitrone verschämt einpacken aber Pornos aufm Klo?
    Ich fass es nicht.
    ( Aber zu welchem Zwecke denn schwule Filmchen?)

  6. die Kaltmamsell meint:

    Nicht Filmchen, Croco: Bilder.

  7. Croco meint:

    Ja dann;)

  8. Modeste meint:

    Abseits des konkreten Textes: Vielen Dank für die täglichen Texte. Einer meiner Fixpunkte im Netz, und nicht zuletzt immer wieder ein Inspirationsquell bei der Frage, was es bei uns zu essen gibt.

  9. die Kaltmamsell meint:

    Das freut mich sehr, Modeste!

  10. Susanne meint:

    „dirndloid“? – Das könnte mein neues Lieblingswort werden :-)

  11. die.sandra meint:

    Lederhosen und Dirndl… ich habe nicht den Eindruck, dass Bayern versucht, dieses Image loszuwerden. Finde ich jetzt nicht so überraschend, dass junge Leute sich entsprechend kleiden- gerade, wenn sie zu Besuch sind. Ich denke, die wissen, dass man auch in Jeans und T- Shirt einkehren kann- selbst in Bayern. Ein bisschen Spaß muss sein, oder?

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