Journal Dienstag, 28. Juni 2016 – Draußenpizza

Mittwoch, 29. Juni 2016 um 6:19

160628_1_Theresienwiese

Durch angenehmste Sommermorgendüfte zu Fuß in die Arbeit. Der Tag wurde noch schön und sonnig.

Der zweite Bürotag in Folge, durch den bis zu zehn Mal die Stunde von Draußen ein Warnton schallte, den ich sehr mit dem Alarum assoziierte, wie ich es aus dem Studium von Hörspielinszenierungen von Shakespearestücken kenne. Ich nehme Gleisarbeiten an der Bahnstrecke vorm hinterm Bürogebäude an. Auf die Dauer ganz schön nervig.

Abends war ich mit Herrn Kaltmamsell zum Pizzaessen verabredet, wir probierten die Pizzeria Tarullos aus. Essen in Ordnung, vor allem aber sitzt man schön draußen, in Fußweite von uns daheim.

§

Zu meiner Freude und Erleichterung lese ich erste Brexit-Analysen, die frei von Haareraufen und Häme mögliche positive Konsequenzen beschreiben:
„Brexit is great news for the rest of the EU“.

Had remain won the referendum, the EU would have become hostage to British sabotage. Future British prime ministers would veto any fundamental change involving the transfer of sovereignty, arguing, correctly, that their people had voted only for the current set-up of the EU. Britain would continue to demand ever more opt-outs and concessions – playing to the fantasy that membership is a British favour to the rest of Europe. The British press and Europhobe politicians would go on portraying the EU in the most lurid, mendacious and derisory terms, making us look terrible in the eyes of Americans and English-speaking Asians, Africans and Russians.

The problem with Britain was not that it was critical of the EU. The problem was bad faith and delusional thinking. As the referendum debate has shown, the country has not come to terms with its own global irrelevance – hence its refusal to pool sovereignty. It continues to believe that as a sovereign nation it can get everything it had as an EU member, and more. When Europe’s democrats talk about “EU reform” they mean putting arrangements in place to make Europe’s pooling of sovereignty democratic. Britons mean the rollback of that very pooling of sovereignty. For this reason, Britain’s membership would have hit a wall sooner or later.

Lasst uns die EU reformieren – ohne UK als ständigen Bremsklotz ist das wohl wahrscheinlicher als mit.

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu “Journal Dienstag, 28. Juni 2016 – Draußenpizza”

  1. Chris Kurbjuhn meint:

    Einen sehr berührenden, optimistischen Brexit-Kommentar hat auch Joseph Pearson geschrieben: http://needleberlin.com/2016/06/28/brexit_love_letter/

  2. MissJanet meint:

    Der Artikel über Britanien fasst es schön zusammen. Ich habe gelesen, dass rassistische Übergriffe dort seit dem Brexit um 58% angestiegen sind. Offenbar traut „man“ sich jetzt, wo durch Abstimmung festgestellt wurde, dass die Briten unter sich bleiben möchten. Eigentlich wollte ich ja in den Ferien mal wieder nach London, aber die haben den Rest der Welt gerade so kollektiv ausgeladen, dass sogar die Hauptstadt ihren (vormals durchaus sehr starken) Appeal verloren hat.

    Nicht, dass es hier viel besser ist, was Rassismus angeht.

  3. Joe meint:

    Ich sehe den Brexit noch nicht. Die Dimensionen wurden bisher ignoriert oder unterschätzt.

    Handelsabkommen mit der EU? Selbst wenn: Die Briten müssen ein Interesse haben, dass Teile ihrer Wirtschaft geschützt werden. Das wird die EU nicht wollen… Wieso dann der Brexit?

    Wenn ich nur an meinen Job denke: Pharma. Die Europäische Zulassungsbehörde (EMA) ist in London, bei einem Umzug würden viele Mitarbeiter und Know-How verlustig gehen. Aber auch: Wie wollen denn die Briten ihre Arzneimittelzulassung und Kontrolle regeln? Sich am Ende auf die EMA verlassen? Wieso dann der Brexit?

    Die Abstimmung und nun die Diskussion darüber und die Folgen waren wichtig, um mal deutlich zu machen, wie sehr die Länder der EU aufeinander und eine funktionierende EU angewiesen sind.

    Es wird Verhandlungen über den Austritt geben, schon um das Gesicht zu wahren. Nur werden die zu dem Ergebnis führen: Der Austritt hätte für England/Wales/Nordirland (Schottland würde sich abspalten) am Ende nur Nachteile (ökonomisch wie gesellschaftlich).

  4. die Kaltmamsell meint:

    Zunächst war auch ich überrascht, wie hart die EU reagiert hat, verstand aber schnell: Es darf keinen Präzedenzfall geben, sonst kommen noch ein paar Länder auf die Idee, dass man die Vorzüge einer EU-Mitgliedschaft ohne die Mühen haben kann.
    Frau Merkel wies gestern darauf hin, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen dem Umgang mit EU-Mitgliedern und Nicht-EU-Mitgliedern geben muss. Und so leid es mir tut (anbetrachts der rassistischen Übergriffe, MissJanet, tut es mir durchaus immer weniger leid): Dann soll UK bitte durchspielen, wie seine Wirtschaft außerhalb der EU aussieht. Das ist nicht hämisch gemeint, möglicherweise lernen alle Beteiligten daraus eine Menge.

    Umzug von Behörden hat immer einen Verlust von Know-how zur Folge, Joe, trotzdem gab es zum Beispiel die Umzüge von Bonn nach Berlin – ist wohl eine Sache von Prioritäten. Dass die Briten mit dem Brexit massiv gegen ihre eigenen Interessen entschieden haben, hätten sie durch die ausführliche Debatte davor wissen können. Doch einem Großteil waren perönlichen Befindlichkeiten und Ressentiments wichtiger.

    Ja, Chris Kurbjuhn, das ist ein berührender Love Letter, aber auch viele Briten lernen gerade sehr dunkle Seiten ihres eigenen Lands kennen.

    Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich jemals hinter ein Zitat von ausgerechnet Franz Josef Strauß stellen würde – es geistert mir seit vergangenem Freitag durch den Kopf: „Vox populi, vox Rindvieh.“

  5. Gaga Nielsen meint:

    (bißchen o.t. vielleicht, aber ich weiß nicht, wo ich es sonst hinkleben soll, hat mit Futtern zu tun – echt lustig (falls noch nicht bekannt) – http://www.watson.ch/!743725209 )

  6. die Kaltmamsell meint:

    Muhaha, Gaga Nielsen, ich kannte den Hastag #WeWantPlates, aber das ist eine sehr schöne Zusammenstellung.

  7. MissJanet meint:

    Gaga Nielsen, ich hab mir das angesehen, es ist ernsthaft bizarr. sehr lustig. ABER: so einen kleinen Einkaufswagen, gefüllt mit (natürlich selbstgeschnittenen) Pommes Frites hat mir letztens ein Servierer hingestellt, jetzt hab ich etwas Angst vor der Zukunft.

  8. Muyserin meint:

    „Mendacious“ – neue Vokabel. „Bad faith“ – dt. böser Wille – erfordert im Deutschen die Klarstellung, gegenüber wem. Luyendijk sagt also, dass GB der EU aktiv schaden wollte? Das Erwähnen unterschiedlicher Auffassungen über die Bündelung von Hoheitsrechten („pool sovereignty“) fand ich interessant.

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