Journal Donnerstag, 21. Juli 2016 – Fahrt nach Berlin

Freitag, 22. Juli 2016 um 9:21

Am Samstag bin ich zu einem Fest in Berlin eingeladen. Ich nutzte die Gelegenheit für ein paar Tage Berlinurlaub und nahm schon gestern einen Zug nach Nordosten.

In München hatte sich der Hochsommer schwül verdüstert, kurz vor meiner Abfahrt setzte ein Wolkenbruch ein. (Neues Hindernis fürs Pokémonspielen: App findet kein GPS-Signal.) Der Regen hielt in verschiedener Stärke an bis Leipzig. In Berlin war es zwar bedeckt, aber trocken und warm, über den Nachmittag verschwanden auch die meisten Wolken.

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Unterwegs las ich Bov Bjergs Die Modernisierung meiner Mutter zu Ende. Die Geschichten gefielen mir sehr; da sie für Lesebühnenauftritte geschrieben waren, hatte ich Launigkeit befürchtet. Doch obwohl die Geschichten oft lustig sind, fehlt ihnen jede Launigkeit: Komisch sind die beschriebenen Inhalte, die Bov beobachtet. Fast alle Geschichten leben von der Dörflichkeit und Provinzialiät, in der sie spielen – möglicherweise ist aber gerade diese nur aus der Warte der Großstadt erkennbar. Blick und Menschlichkeit erinnerten mich mehrfach an Hanns Dieter Hüsch, dazu kommt aber bei Bov die Reflexion dieses Blicks; ich fürchte, wir1 können nicht anders, wir bestehen aus purer Befangenheit.
Meine Lieblingsgeschichte ist „Im Kreisel“. Zum einen als Metapher für genau diese Befangenheit, zum anderen als beste Schilderung gesellschaftlicher Mechaniken anhand eben dieser Kreisverkehre, wie sie in den vergangenen 20 (30?) Jahren vor Dörfern und Kleinstädten aufkamen.

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Untergekommen war ich in einem billigen Hotel im nördlichen Prenzlauer Berg; das ebenerdige Zimmer ist geräumig und mit Fenstern in den Hinterhof kühl.

Zum Abendessen war ich im Cordobar verabredet. Ich spazierte durch den sommerlichen Spätnachmittag eine gute Stunde hin (neues Hindernis fürs Pokémonspielen: Es tauchte kein einziges Pokémon auf.)
In anregender Begleitung saß ich in einem schönen Innenhof. Die Lage des Lokals hatte mir ein völlig unbekanntes Berlin gezeigt, das mich eher an Wien denken ließ.

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Sophienkirche

Wir aßen ganz ausgezeichnet eine Vielzahl kleinerer Gerichte, die wir uns teilten.

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Ein winziger, mit Frischkäse gefüllter Kohlrabi

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Gurke mit Hollerblüten und Dill

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Ochsenherztomate mit Kimchi und Entenleber (Knaller!)

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Blutwurstpizza mit Roter Bete, Feta, Wasabi (die Blutwurst ist die Unterlage)

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Gegrillte Erdbeermargherita mit schwarzen Oliven und Thymian (es war eine kleine Pizza mit Erdbeeren)

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Ausgelöstes Tandoorihühnchen

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Wie kompliziert alles immer ist. Modeste erzählt von drei sehr verschiedenen Müttern.
„Drei Mütter“.

  1. Nein, ich weiß nicht genau, wen ich mit „wir“ meine; ich weiß bloß, dass ich dazu gehöre. []
die Kaltmamsell

7 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 21. Juli 2016 – Fahrt nach Berlin“

  1. Lempel meint:

    Das kann meiner Meinung nach keine Hollerblüte sein. Die blühen jetzt nicht mehr und sehen auch anders aus. Eventuell Pastinake oder ein anderer Doldenblüter. Aber auch egal, sieht auf jeden Fall sehr fein aus, ganz mein Geschmack!

  2. Crazycook meint:

    Die Blüten auf dem Teller sind Dillblüten

  3. Birgit meint:

    Die Kreisel gab es auf dem Land vor 25 Jahren noch nicht – das kann ich recht gut zeitlich einordnen, weil wir damals Urlaub in Irland machten und von Kreisverkehren im allgemeinen schon überfordert waren, geschweige denn von Kreisverkehren im Linksverkehr :-)

  4. Hande meint:

    dill bluten, wurd ich sagen (wegen allergie langsam ziemlich informiert in diesen dingern – aber trotzdem beanspruche ich keine expertise!) (cordobar ist super – auch wenn ich bei Deinem Essen nur ein einziges Gericht essen koennte)

  5. Ilse meint:

    Bin ich die einzige Esserin die findet, too much food deco already?? Oder bin ich eine humorlose kuh? Übrigens, gut zu wissen, dass du gerade nicht in München unterwegs bist.♥

  6. Ulrike meint:

    Hm, nach so wahnsinnig viel Food-Deco sieht das jetzt nicht aus, meine ich… da übertreiben es Restaurants wesentlich stärker, wovon ich keine Freundin bin, da die Balsamicoschlieren auf dem Teller kaum den Weg aufs Besteck finden und vermutlich beim Spülen im Ausguss oder in der Maschine landen

  7. Nicole meint:

    Herzlich willkommen in Berlin und gleichzeitig besten Dank für den Tipp – das Essen sieht super aus und spricht mich sehr an, insbesondere der zweite und dritte Teller so nach „Mandala-Art“gestaltet, und die Teller dabei! Da würde ich auch gerne mal essen, wird vorgemerkt. Einen schönen Urlaub wünsche ich!

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