Journal Dienstag, 20. März 2018 – LALÜ-Erschrecken

Mittwoch, 21. März 2018 um 6:40

Arbeitsweg in dünnem Schneefall.

Ja, SIE finden das wieder schön.
Tagsüber wurde es dann aber zur Kälte sonnig, ich kam nach sechs noch mit Tageslicht heim.

Auf dem Heimweg zweimal heftig von einem roten Notarztwagen erschreckt worden, der wenige Meter von mir entfernt sein Martinshorn einschaltete. Beim zweiten Mal warf ich nicht nur die Hände über die Ohren, sondern schrie und sprang auch vor Schreck. Ich brauchte sicher zehn Minuten, bis ich mich wieder gefangen hatte. Und hatte auch noch den Verdacht, dass der Wagenlenker das lustig fand, denn es gab mitten auf einer in diesem Moment völlig unbefahrenen Straße ohne Ampeln oder Kreuzung auch keinen Anlass für „LALÜÜÜÜ!!!“.

§

Axel Bojanowski schreibt auf Spiegel online:
„Was auf Tagungen wirklich geschieht
Kinder, wie die Zeit nicht vergeht“.

(Allerdings nehme ich an, dass er naturwissenschaftliche Kongresse beschreibt; die wenigen geisteswissenschaftlichen, die ich erlebt habe, verliefen anders – unter anderem waren die viel zu wenig interessant für Medien.)

Kurioserweise leiden ja ausgerechnet jene, die viel wissen, darunter, nicht noch mehr zu wissen, sodass ihnen die strahlende Selbstverständlichkeit der Halbwissenden fehlt. Wohl deshalb versprühen Fachvorträge selten Euphorie.

(…)

Größere Konferenzen stellen einen Raum für Journalisten zur Verfügung, in denen auf Pressekonferenzen Wissenschaftler Forschungsergebnisse vorstellen, deren Relevanz nicht selten darauf beruht, dass sie auf jener Pressekonferenz vorgestellt werden. Die Forscher halten wortgleich ihren Vortrag, den sie auf der Tagung bereits bei ihren Kollegen erprobt haben.

Damit gelingt ihnen, was sonst nur Nordkoreas Machthaber schaffen: Journalisten zum Schweigen zu bringen. Werden nach Pressekonferenzen normalerweise drängelnd Fragen gestellt, herrscht nach Pressekonferenzen auf Wissenschaftstagungen meist ratlose Stille – bis ein Journalist sich zu der bewährten Frage aufrafft: „Okay. Könnte das gefährlich werden?“

(Schmunzeln in einem vermutlich sehr kleinen Kreis.) (Aber dort sehr.)

§

Apropos Geisteswissenschaften. Englisch-Dozentin Amelia S. Worsley über die Erfindung der Einsamkeit.
„A history of loneliness“.

via @goncourt

§

Der Narkosearzt bloggt darüber, was genau das medizinische Rettungspersonal nach einem schweren Unfall macht:
„Vom Unfall bis zur Reha – so geht das.“

via Croco

Jetzt kann ich Jahre später einordnen, was ich viele Male vom Balkon aus mitverfolgt habe, als noch Rettungshubschrauber auf der Kreuzung vor unserem Haus landeten: Die Pause zwischen Landung und Öffnen der Türen war dem Abkühlen der Turbinen geschuldet.

§

Mademoiselle Read on (seit vergangenem Freitag Fräulein Doktor!) schreibt über Diskussionen, die im Haus ihres Vaters nicht stattfinden:
„Auf einer anderen Seite.“

An den Montagen aber mit der E. aber hat mein Vater nicht das Alphabet mit ihr gepaukt oder Buchstabenkarten gemalt, sondern für die E. gesungen, wie er heute für die Enkelkinder singt. Der Mond ist aufgegangen, sang die E. ganz leise und damit war es geschehen, die E. hatte in die deutsche Sprache gesehen, hineingesehen, damit war der Großteil schon geschafft, sagte mein Vater, dann muss man nur noch üben, so kommt die E. zum Deutsch Üben am Montag und mein Vater begeistert sich Woche für Woche mit der E. an römisch-somalischer Beziehung von vor 2000 Jahren und so sprach mein Vater mit der E. darüber was ein Bürger sei und nicht so sehr darüber, dass Mimi ein Auto hat und Paul ein Fahrrad.

Passt sehr gut zu einer meiner Lieblingsgeschichten von Fräulein Doktor:
„Franz Kafka. Der ganze Prozess.“

die Kaltmamsell

1 Kommentar zu “Journal Dienstag, 20. März 2018 – LALÜ-Erschrecken”

  1. Hauptschulblues meint:

    Eine sehr schöne Geschichte von Dottoressa. Anrührend, auch aus dem Blickwinkel eines Lehrers.

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