Oscarnacht 2018

Montag, 5. März 2018 um 2:20

Ich habe vom Jahr zuvor übernommen als Selbsterinnerung: Die eigentliche Show beginnt um 5.30 pm PST, das ist 2.30 Uhr Münchner Zeit, Wecker also auf 2 Uhr.

Und das muss ich anscheinend gleich mal korrigieren: Als ich um 2:12 Uhr den Fernseher anschalte, ist Jimmy Kimmel bereits mitten in seiner Eingangsrede. Es ging diesmal schon früher los.

Also: Roten Teppich verpasst, Eröffnungsrede verpasst. Eigentlich hatte ich mit der Bemerkung starten wollen, dass ich dieses Jahr so schlecht vorbereitet bin, dass ich fast gar nicht geguckt hätte – was gleich mal dadurch bewiesen wird, dass ich nicht mal die neue Startzeit mitbekommen hatte.

Viola Davis präsentiert Best Supporting Actor – in einer, ich hatte nicht gedacht, dass ich das je über sie schreiben würde, unvorteilhaften Frisur: Sam Rockwell in dem einen nominierten Film, den ich gesehen habe. Rockwell dankt der Academy („I never thought that I would ever say that.“), den anderen Nominierten, dann den Kolleginnnen und Kollegen von Three Billboards.

Jetzt aber endlich und eher verwirrt: Guten Morgen! Während der ersten Werbepause nachgeschaut: Tatsächlich, dieses Jahr Start 5.00 PST. Erinnerung für 2019: CHECK STARTZEIT!

Gal Gadot und Armie Hammer kommen auf die Bühne für den Make-up-Oscar: Darkest Hour. Den werde ich auch nicht nachholen – Biopics sind’s einfach nicht für mich. Drei Herrschaften auf der Bühne, danken vor allem Gary Oldman, der unter deren Werk verschwand.

Die greise Eva Marie Saint (die sichtbar alt werden durfte – aber ich musste ihren Namen googlen) präsentiert Costume Design: Phantom Thread bekommt seinen ersten.

Kimmel führt über zu Best Documentary Feature, Laura Dern und Greta Gerwig kommen Hand in Hand auf die Bühne, Laura mit dicker Brille! Icarus gewinnt, ein Film über Doping im Radsport in Russland. Die vier Herren auf der Bühne sprechen sehr bewegt.

Das Bühnenbild ist dieses Jahr überwältigend, stellt sehr klassische Diamenten-Überkrustung dar. Auf diese Bühne kommt Taraji P. Henson für die Vorstellung des ersten nominierten Song – an dieser Stelle erwähne ich Jahr für Jahr meine Verwunderung über das Überdauern dieser lange schon irrelevanten Kategorie.

Zur Roter-Teppich-Phase hatte ich eigentlich diesen Knaller-Gag vorbereitet:

Ich bin heute auch in Glitzer. Von Tchibo.

Ein Zusammenschnitt von 90 Jahren Hollywood mit Dank an die Kinobesucher fürs Zuschauen.

Sound Editing and Mixing gibt’s von Eva Gonzales und einem Herrn, dessen Namen ich leider nicht kenne. Hier taucht Blade Runner auf! Der Oscar Sound Editing aber geht an Dunkirk (auch einer, den ich nicht zu sehen brauche, Krieg und Gemetzel habe ich genug in Echt auf dem Fernsehschirm). Zwei ältere Herren auf der Bühne, eher abgeklärt.
Auch der Preis für Sound Mixing (wieder ist Blade Runner nominiert) geht an Dunkirk.

Was ich bislang den Abendkleidern auf der Bühne entnehme: Die Zeit der durchsichtigen Roben scheint rum, EIN GLÜCK!

Lupita Nyong’o und Kumail Nanjiani als Presenter machen erst mal Namens- und Einwandererwitze. Auch Lupita trägt – zu einem Oscarstatuenkleid – eine mords Brille. Production Design (nochmal Blade Runnder nominiert) geht an The Shape of Water – den will ich noch sehen.

Eungenio Derbez (woher muss ich den kennen?) stellt den nächsten Song vor aus dem Film Soundtrack. Oh süß, der Sänger kann nicht singen, Tontreffquote bei ca. 60 Prozent, und zu denen wackelt er sich mit Gewalt hin. Ah, wird von einem Profi abgelöst, der besser zu der music made for elevators passt. Uiuiui, ist das ein Mistsong.

Rita Moreno sieht großartig aus! Sie präsentiert Best Foreign Language Film: A Fantastic Woman aus Chile. Diesmal eine ganze Truppe auf der Bühne.

Mahershala Ali (HACHZ) überreicht Best Supporting Actress: Allison Janney – alles was ich aus Tonya gesehen habe, macht diesen Oscar sehr verdient. „I did it all by myself“ scherzt sie. Erst mal den Nominierten danken, dann dem Autor.

In der Werbepause zum dritten Mal ein Spot für den Mitsing-/Mitklatsch-Soundtrack von Greatest Showman. Ah, darauf war der ausgerichtet, jetzt verstehe ich die Kombination.

Marc Hamill („I’m only here to pick up the check under the Jedi pension plan.“), Kelly Marie Tran und der kleine Roboter aus Star Wars präsentieren Best Animated Short: Dear Basketball. In der Dankesrede das erste bisschen Italienisch!
Best Animated Feature Film: Coco, keine Überraschung hier. Die Gewinnerin dankt „my wife“ – ein erstes Mal? Es wird auch „the people of Mexico“ gedankt, Appell für „representation matters“.

Daniela Vega kommt auf die Bühne für den nächsten nominierten Song aus Call me by your name. Während dem (schnarch) ich den Trailer des Films gucke: Ja, interessant.

Frischen Tee eingeschenkt – zack, Namen der beiden Presenter verpasst. Achievement Visual Effects, vierte Nominierung Blade Runner. Und diesmal kriegt er ihn! Dankesrede ist ein Maschinengewehrfeuer von Namen, der vierte Herr sagt auf Deutsch: „Danke schön.“

Matthew McConaughey als Presenter, ich fürchte mich sofort vor Peinlichkeien. Doch er stellt nur geradeaus Film Editing vor, noch ein Oscar für Dunkirk. Sympathisch atemlose Dankesrede.

Kimmel dankt uns Moviegoers. Auf der Leinwand sieht man Publikum in einem Kino gegenüber, wo eine Sneak läuft: Kimmel sammelt einige Filmleute aus seinem Publikum um rüberzugehen und den Filmbesuchern persönlich zu danken.
Gal Gadot kommt als erste rein, es ist viel Kreischens – Kimmel merkt an, dass es sehr nach Marihuana riecht. Das Innere der Oscarverleihung wird auf die Leinwand übertragen, die Academy ruft „Thank you!“, die Stars verteilen Snacks. Kimme pickt sich einen Herrn heraus, der die nächsten Presenter ankündigt: Tiffany Haddish und… Mist, dabei kenne ich die doch! Maya Rudolph, puh. Documentary Short geht an: Heaven Is a Traffic Jam on the 405.
Life Action Short: The Silent Child. Dankesrede auch gebärdet!

4:17 Uhr, draußen singt die erste Amsel.

David Chappelle präsentiert noch einen Song, whatever. Sprechgesang, ebenfalls mit Gebärdenübersetzung – halt nein, das war nur Rappergefuchtel.

Salma Hayek kenne ich, die anderen beiden Presenterinnen sind mir durchgerutscht; alle drei betonen, dass Hollywood Diversity zeigen kann. Es folgt ein Zusammenschnitt von trail blazers dieser Vielfalt im Film.

Chadwick Boseman und Margot Robbie als nächstes auf der Bühne: Best Adapted Screenplay. Call me by your name bekommt den Oscar, James Ivory ohne Kostüme! Oh, der alte Herr kommt am Stock auf die Bühne, hält sich am Mikrofon fest. Sehr rührend.

Nicole Kidman präsentiert Original Screenplay, sehr starke Nominierungen: Get Out bekommt ihn.

Hmpf, Werbepause hat zu spät zurückgeschaltet, ein Veteran präsentiert bereits, kündigt Zusammenschnitt von Militärfilmen an. Abgeschlossen mit Dank an die Streitkräfte. Weird.

Sandra Bullock auf die Bühne! In einem schrecklichen Kleid. Sie lässt das Licht dimmen – angeblich, um jünger zu wirken, doch sie vergibt ja auch den Oscar für Cinematography (zum ersten Mal ist eine Frau nominiert). Blade Runner!

Zendaya präsentiert den letzten Song: aus Greatest Showman, in dem sie ja mitgespielt hat. Auch diese Dame singt etwas daneben, vielleicht gibt’s ein technisches Problem? Sie scheinen die Originalbesetzung aus dem Film auf der Bühne zu haben, ich erkenne Gesichter wieder – das ist nett. Das Publikum steht auf für die Aussage des Songs „This is me“.

Ah, endlich sehen wir das Orchester! Es sitzt diesmal unter der Bühne. Kimmel hat sich umgezogen! Jetzt in weißem DJ. Christopher Walken! Er präsentiert (mit Hosenbund altherrenmäßig bis zur Brust hochgezogen) Best Original Score: Alexandre Desplat bekommt seinen zweiten Oscar! Er ist ein ganz großer, das freut mich. Und Shape of Water ist gerade noch interessanter geworden. Französischen Akzent haben wir jetzt auch auf der Bühne.

Emily Blunt in eigenartigem Tüll verleiht des Oscar für besten Song, er geht an Coco. In der Dankesrede wird darauf hingewiesen, dass in dieser Kategorie sogar Gender Equality bestanden hat.

Jennifer Garner in schönem Blau kündigt die Verstorbenen an, Eddie Vedder singt. Da hatte ich schon wieder eine Menge vergessen.

Emma Stone in Hose! Oscar für Directing: „These four men and Greta Gerwick created…“ Shape of Water und damit Guillermo del Toro, sehr emotionale Rede.

Jane Fonda und Hellen Mirren – WUNDERSCHÖN! Aber ich hätte Jane Fonda gerne auch als alte Frau gesehen, ob sie wohl ihrem Vater (der alt aussehen durfte) ähneln würde. Actor in a leading role geht an Gary Oldman. Hm, er ist ein großartiger Schauspieler, aber für diese Rolle? War wohl am dransten. Und er darf anscheinend so lange reden, wie er will. (Haben sie die Show eine halbe Stunde länger gemacht und deshalb früher angefangen?)

Jodie Foster und Jennifer Lawrence – sie scherzen erst mal über Meryl Streep (Foster geht auf Krücken – und ich hatte vergessen, wie winzig sie ist). Actress in a leading role: Frances McDormand holt ihren zweiten! Sehr verdient, aber die anderen waren sensationelle Konkurrenz. Sie dankt und bitte alle nominierten Frauen des Abends aufzustehen: Aufforderung an die Filmbranche, diese Frauen in den nächsten Tagen anzusprechen für künftige Filme.

Warren Beatty und Faye Dunaway bekommen eine weitere Chance nach dem Durcheinander letztes Jahr: Sie präsentieren besten Film. The Shape of Water! Das überrascht mich dann doch, ein solch schräger Film. Aber ich freue mich!
Guilleromo del Toro dankt seinen Vorläufern und fordert alle auf, die vom Filmemachen träumen, Filme zu machen.

Jetzt Kaffeemachen, der eigentliche Montag beginnt. Ich gucke später nochmal über die Vertipper und Fehler.

Nachtrag: Ich nehme meine Zweifel am Oscar für Gary Oldman als Churchill hiermit offiziell zurück.

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https://youtu.be/eg0O8CVGySo

via @buschheuer

die Kaltmamsell

9 Kommentare zu “Oscarnacht 2018”

  1. Joel meint:

    Ich gucke seit langem auch Mal wieder die Oscars. Hier ist es ja jetzt Mittag. Sitze hier etwas verschnupft und schüttelfrostig.

  2. die Kaltmamsell meint:

    Oh je, Joel, du armes Hascherl!

  3. Joel meint:

    Ach es geht. Ich will halt den Schüttelfrost bis morgen los sein.
    Schön dass du schreibst. :-)
    Ich hatte auch kurz daran gedacht, fühle mich aber zu schlapp.

  4. EausP meint:

    Oh, Sie mögen die Musik von Sufjan Stevens nicht?

  5. die Kaltmamsell meint:

    Oh, ich habe keine Ahnung von zeitgenössischer Musik, EausP, seine hört sich für mich an wie ganz viele andere – sie ist mir lediglich egal.

  6. sabine meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  7. Frau-Irgendwas-ist-immer meint:

    Gary Oldman als Churchill war sehenswert! Freue mich für den Schauspieler und hatte wegen seiner Dankesrede an seine Mutter heute zm Frühstück (im Radio) schon einen Hachseufz-Moment.

  8. Thea meint:

    Vielen Dank für’s Reportieren. Vergnügliche Lektüre.

  9. Elfe meint:

    Dank der ausführlichen Auswertung der Fug Girls weiß ich inzwischen, dass Sie mit Ihrem Glitzer-Outfit absolut passend gekleidet waren.

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