Journal Freitag, 20. April 2018 – Aprilhitze

Samstag, 21. April 2018 um 6:49

Dies war eines der mehr herbeigesehnten Enden einer Arbeitswoche. Die Zusammenfassung meiner Tätigkeiten lieferte ein Tweet:

Auf der Theresienwiese morgens bereits große Geschäftigkeit (den ersten Platzbesetzer in Person hatte ich aber schon Donnerstagmorgen gesehen).

Auf meinem Heimweg war der Flohmarkt praktisch aufgebaut.

Ein heißer Tag, in der Sonne war es fast unangenehm. Die Menschen trugen entsprechend Hochsommerkleidung, die Grünanlagen leuchteten, zwei Wochen nach dem Bersten ihrer Knospen machen sich die Kastanien bereits ans Blühen.

Ich schlenderte gestern feierabends mit vielen Umwegen und Schlenkern nach Hause, weil es draußen gar zu schön war. Und mir kamen viele einzelne, ähnlich schlendernde Frauen entgegen, wie ich ein Lächeln im Gesicht.

Daheim erwartete mich ein frisch geputzter Balkon: Herr Kaltmamsell hatte seinen kostbaren freien Freitagnachmittag geopfert und Draußenplätze geschaffen. Nachtmahl gab es noch drinnen (köstliche Enchiladas), ich traute mich nach zwei Wochen mal wieder Alkohol und genehmigte mir einen Gin Tonic.

Beim Essen hörte ich heftiges Amselgezeter. Zunächst dachte ich an einen Revierkampf, doch dann vermutete ich eher Warnrufe. Und richtig: Als ich auf den Balkon trat, sah ich gerade noch einen Falken um die Ecke zischen (wohnhaft am benachbarten Kirchturm? es war der erste, den ich hier gesehen habe), kurz darauf waren die Amseln ruhig.

Es zeichnet sich ab, dass ich zusammen mit Herrn Kaltmamsell nächstes Jahr die größte Fete unseres Lebens geben. An dem Ort, an dem ich sie mir seit Langem vorstelle, gestern bekam ich positiven Bescheid (glauben tue ich’s erst schriftlich und unterzeichnet). Zu den vielen Entscheidungen, die es bis dahin zu fällen gilt, gehört: Cocktailkleid im Stil der 30er, Oscar-Robe oder Frack?
Sagen Sie: Ab wie viel vorher schickt man Termin-Einmerker an Gäste? Ist ein Jahr vorher zu früh?
Mein Hirn wirft wüst mit Ideen um sich.

§

Interessante Innensicht gerade für mich als Kinderferne:
„Jungs und Computerspiele: Wenn Mütter von Vorschlaghämmern träumen“.

Vor allem, weil Karnick rückblickend erzählt und ihren heute erwachsenen Sohn zu Wort komme lässt.

Sehr wahrscheinlich hilft es Eltern kein bisschen, aber das hier (und viele weiteren im Text zitierten Wünsche) haben meine Eltern genauso über mich und mein „Romanelesen“ geäußert:

Ich bin wütend auf meinen Sohn. Weil er die ganze Zeit daddelt, statt mal im Haushalt zu helfen.

Was meinen Eltern außerdem lieber gewesen wäre als Romanelesen: Sportliche Bewegung draußen (schließlich war ich doch so dick), Handarbeiten, Querflöteüben. Genau das Versinken in einer anderer Welt beim Lesen wurde mir vorgeworfen (absurderweise auch meine Lesegeschwindigkeit: „Du FRISST die Bücher ja!“). Manfred Spitzer behauptet zwar regelmäßig, vor einem Computerbildschirm sei das etwas völlig anderes und viel schädlicher als vor Buchseiten, dafür fehlen mir aber die Belege.

via Buddenbohm

§

Zwei jüdische Stimmen zur aktuellen Diskussion über Antisemitismus in Deutschland.

Juna ist verzweifelt.
„Vor aller Augen“.

Wann werden die Menschen begreifen, dass es keiner politischen Macht bedarf, die Dinge zu ändern. Dass man Hass nicht mit Hass vergelten kann, dass Hass die Welt nie besser machte, dass es im Kleinen anfangen muss? Dass jeder einzelne nicht im mahnenden, überheblich belehrenden Tonfall etwas zu tun hat. Es beginnt damit, wie man mit seinem Hausmeister umgeht, den Kassiererinnen, den Menschen auf der Straße, im Bus, im Büro, wie wir alle miteinander umgehen, wie wir ausgrenzen, uns höher stellen, uns besser finden. An Krankheiten kann man die Symptome behandeln, oder aber auch die Ursachen. Wir doktern nur an Symptomen herum.

Mademoiselle Readon denkt über die schiefe Verwendung des Konzepts Verantwortung nach.
„Verantwortungsvoll“.

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Journal Freitag, 20. April 2018 – Aprilhitze“

  1. Hauptschulblues meint:

    Frau und Herr H. haben bei der größten Fete ihres Lebens ein Jahr vorher den Termin bekannt gegeben, ein halbes Jahr vorher den Ort (der kann gerne verraten werden; Essen, Betreuung und Übernachtung prima), ein Vierteljahr vorher definitive Zu- oder Absagen eingefordert. So konnte von damals noch Berufstätigen das Fest in Ruhe geplant werden.

  2. Trulla meint:

    Damals hat es wohl niemandem gegeben, der Ihnen beistehen konnte. Dazu hätte man wissen müssen, dass Sie hungrig waren. Die Beweggründe der Mutter haben vermutlich ihre eigene Geschichte, ich unterstelle ihr deshalb, dass sie es gut gemeint hat.
    Heute wird es Ihnen wohl auch nichts mehr nützen, zu wissen, dass Sie nicht nur völlig “normal“ gewachsen sondern sogar ein ausgesprochen adrettes, hübsches Kind waren. Einflüsse der Kindheit wirken sich nun einmal langfristig aus!

  3. Thea meint:

    Frau Hauptschulblues sagt genau das, was ich auch schreiben wollte.
    Ich freue mich schon auf die Lektüre aller Phasen Ihres Wahnsinnsfestes.

  4. Angela meint:

    Schlimm was Kindern eingeredet wird. Meiner Mutter hatte Spinnenfinger und mit ihren grossen Füssen würde sie später nie Schuh finden.

    Beim Folgen des Links verirrrte ich mich auf den Beitrag in dem du über den Namen der Cafete schreibst. Haha hatte ich ganz vergessen, dass die ja so hiess. Und 2/3 oder gar 3/4 war fuer Raucher reserviert. Da sassen natürlich die ganzen Obercoolen. Ich lieber nicht. Obwohl wir uns nicht kennen, teilen wir viel. Ein Grund warum ich hier so gerne lese.
    Gestern die Bandelettes hervorgekramt. Danke noch für diesen Tip.

  5. Das.Tin meint:

    Liebe Madame Kaltmamsell,

    heute musste ich an Sie denken, als Carolin Emcke Gästin der aktuellen Folge „Klassik-Pop-et cetera“ war. Vielleicht muss in den nächsten Tagen noch gebügelt werden, die Sendung ist (meiner Erinnerung nach für sieben Tage) unter http://www.deutschlandfunk.de/klassik-pop-et-cetera.826.de.html nachhörbar.

    Vielen Dank für Ihre regelmäßigen Tagebucheinträge, aus denen ich schon so oft Interessantes, Spannendes, Lehrreiches, Berührendes mitgenommen habe!

    Das.Tin

  6. adelhaid meint:

    ein jahr vorher finde ich angemessen als save the date. vor allem für leute, die anreisen.

  7. Sabine meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  8. Sigrid meint:

    Dem Jahr vorher als „Save the date!“ kann ich mich nur anschließen.
    So kann es auch bei der langfristigen Urlaubsplanung (ist manchmal notwendig) berücksichtigt werden.
    Ansonsten freue ich mich auch darauf, Sie bei den Vorbereitungen vielleicht begleiten zu dürfen.

Kommentar verfassen:

XHTML: Folgende HTML-Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>


Sie möchten gerne einen Kommentar hinterlassen, scheuen aber die Mühe einer Formulierung? Dann nutzen Sie doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein, Sternchen darüber und darunter kennzeichnen den Text als KOMMENTAROMAT-generiert. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken.


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen