Journal Dienstag, 3. Juli 2018 – Sich gehen lassen

Mittwoch, 4. Juli 2018 um 6:31

Plan für den zweiten Urlaubstag war ein Schwumm im Einzelbad1 mit anschließendem Herumlungern. Damit mich die wettervorhergesagte Sonne dabei nicht verbrannte, musste ich früh aufstehen: Herr Kaltmamsell konnte mir nur bis 6:15 Uhr den Rücken eincremen, dann musste er in die Arbeit.

Soweit schaffte ich auch meine Pläne, doch überm Morgenkaffee ging’s mir immer schlechter: Menstruationskrämpfe, bleierne Müdigkeit, allgemeine Unpässlichkeit. (Zumindest hatten die prämenstruellen Brustschmerzen aufgehört, die zwei Wochen lang jede Schwelle beim Radeln zur Folter hatten werden lassen.) Sonne schien auch keine, ich fror im Bademantel. Alles nicht schlimm, an einem normalen Werktag hätte ich das wegingnoriert und wie geplant weitergemacht. Doch wozu hatte ich frei? Ich ließ mich einfach mal in die Unpässlichkeit fallen und ging um zehn für zwei Stunden zurück ins Bett.

Danach ging’s mir tatsächlich besser: Frühstück, Duschen, Spaziergang durch die Fußgängerzone (dann doch keinen mittelgroßen Koffer gekauft, nach Klagenfurt muss wieder der Familienkoloss mit – außer bei Lebensmitteleinkäufen bin ich super darin zu beschließen, dass ich etwas doch nicht brauche), Balkonlesen, Maniküre, Bügeln.

Auf dem Balkon hatte ich Oskar Maria Grafs Das Leben meiner Mutter ausgelesen. Im letzten Drittel des Buchs hatte ich wieder den Eindruck, die passende Lektüre zur politischen Situation in der Hand zu halten: Schilderungen der ersten Republik- und Demokratieversuche auf bayerischem und deutschem Boden sowie ihr Scheitern, weil sich nicht an Abmachungen und an die Verfassung gehalten wurde, weil mit den Nazis die ultimativen Bullys gewannen. Beim Erstarken der Republikaner in den 80ern, bei den Anfängen der AfD war ich noch zuversichtlich, dass unsere heutige Verfassung, unsere heutige Demokratie das abkann, dass sie stark genug ist. Die Unvorstellbarkeiten um Brexit und Trump haben dieses Urvertrauen angenagt, die Selbstverständlichkeit rechtsradikaler Aggression in Ostdeutschland, die Machenschaften der AfD im deutschen Bundestag, der irrlichternde Seehofer und ein trumpischer Söder erschüttern es tief. (Wenn die Aigner Ilse dachte, den Söder behalte sie aus der zweiten Reihe schon im Griff, hat sie sich ziemlich geschnitten: Sie kommt einfach nicht mehr vor.)

Herr Kaltmamsell kam abends so rechtzeitig heim, dass wir vor dem 20-Uhr-Fußballspiel in den Schnitzelgarten gehen konnten. Na ja fast, hinter uns wurde dann doch schon auf der Großleinwand gespielt (auch neben uns am Tisch, allerdings spielten die vier jungen Männer Karten – und lästerten über Fußball).

Ein wenig Hin und Her wegen der Ferienwohnung in Klagenfurt. Ich komme kurz nach eins am Bahnhof an, Wohnungsübergabe war laut Annonce um 14 Uhr – perfekt. Das verschob sich schon am Sonntag auf 16 Uhr (deshalb die Frage nach Zeitvertreib), nun sollte es 18 Uhr werden. Viereinhalb Stunden mit Gepäck totschlagen ist dann doch etwas strapaziös, ich fasste mir ein Herz (making a fuss!) und handelte auf 16 Uhr runter.

Koffer fertig gepackt, dabei die eher regnerische Wettervorersage weitgehend ignoriert.

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Bayerische Landwirtschaft in den 60ern – hilft einige heutige Probleme zu verstehen:

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https://youtu.be/htK12MlFDiM

via Bauerwilli

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Auf den Spuren meiner Abwehr gegen meine Geburtsstadt (Selbstironie wächst einer Stadt vielleicht erst, wenn’s ihr mal richtig schlecht geht):

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https://youtu.be/EM8l5lM31S0

via Papa per Whatsapp

  1. Naturbad Maria Einsiedel []
die Kaltmamsell

1 Kommentar zu „Journal Dienstag, 3. Juli 2018 – Sich gehen lassen“

  1. Frau-Irgendwas-ist-immer meint:

    Ja jetzt wo Sie die Gute erwähnen, ja wo ist Sie denn, die Frau Aigner? Einige Zeit dachte ich ja, Sie beerbt H. Seehofer mal als Bayernchef und/oder Parteivorsitzenden, aber nun …

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