Journal Dienstag, 9. Oktober 2018 – Mild und ruhig

Mittwoch, 10. Oktober 2018 um 5:52

Nicht weiter erwähnenswerter Arbeitstag, morgendlicher Nebel, dann Hochnebel, erst spät kam die Sonne raus. Weiterhin sehr mild für die Jahreszeit.

Das Gute am Herbst: Lustige Strumpfhosen, für meine karierten bekam ich gestern viel Beifall.

St. Paul nach Langem mal wieder ohne Gerüste und kranfrei einsehbar.

Wieder eine Einkaufsrunde nach Feierabend. Da Herr Kaltmamsell abends beruflich aushäusig verbrachte, musste ich selbst für Sättigung sorgen – ich freute mich den ganzen Tag schon auf die Dose Erbseneintopf, die ich mir warm machte.

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Dass die Aufhebung des Autofahrverbots für Frauen in Saudi-Arabien kein Sieg der Frauenrechtlerinnen war, wurde ja schon zu der Zeit angesprochen. Dass sie sogar eine Verstärkung der Unterdrückung von jeder Art von Dissidenz bedeutete, zeigt sich jetzt:
„Kingdom Crackdown
Saudi Women Who Fought for the Right to Drive Are Disappearing and Going Into Exile“.

via @nullzeit

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Seit 1949 gab es 692 beamtete Staatssekretäre in Deutschland, fast alles Männer. Nur drei Prozent waren Frauen, das heißt: Weniger Frauen insgesamt als Männer, die Hans heißen und hießen.

„Die Hans-Bremse“.

Monatelang hat ZEIT ONLINE mit Frauen aus verschiedenen Ministerien und Bundesbehörden gesprochen. Sie haben unterschiedliche Hierarchieebenen erreicht. Es sind junge Referentinnen und altgediente Führungskräfte darunter, einige sind in höchste Ämter gelangt. Ihre Erfahrungsberichte verdichten sich zu einem Mosaik der Erniedrigungen.

Und doch: Ich kann gar nicht sagen, wie erhebend für mich dieser Eindruck sprunghaft gewachsenen Bewusstseins für die Benachteiligung von Frauen ist. In der Süddeutschen wird mittlerweile immer wieder bei fast jedem Thema durchgezählt, Filmkritikerin Susan Vahabzadeh habe ich über die vergangenen Jahre beobachtet, wie sie sich zur unerschrockenen Feministin schrieb, und immer öfter wird aus „aber kann man frauenfeindliches XY heute überhaupt nocht schreiben, ohne einen auf den Deckel zu bekommen?“ ein „früher hätte man ja peinlicherweise frauenfeindliches XY geschrieben“.

Selbst Kanzlerin Merkel weist jetzt immer wieder auf das Fehlen von Frauen hin, erst dieser Tage die Führung der Jungen Union und an der Universität Haifa: „Und wie viel Prozent der Professoren sind Frauen?“

Mal sehen, wie lange es dauert, bis Organisationen und Unternehmen drangehen, das wirklich zu verändern (wenn Sie Beratung brauchen: Mein Kontakt steht im Impressum) und sich nicht mehr nur auf das Drucken von Diversity-Broschüren konzentrieren.

§

Eine wirklich charmante Geschicht als Launeaufheller zum Abschluss:
„Daniel Radcliffe and the Art of the Fact-Check“.

Researching his role in “The Lifespan of a Fact,” the actor embeds in The New Yorker’s fact-checking department.

via @DonnerBella

Aus QI-Folgen, an denen er teilnahm, weiß ich, dass Herr Radcliffe ausgesprochen belesen und geistig wendig ist.

Vielleicht mögen Sie sich diese Weihnachtsfolge von 2010 mal ansehen? (Graham Norton ist auch mit dabei.) (Vorsicht: Very blokey.)

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https://youtu.be/WpoF-0QGJng
die Kaltmamsell

7 Kommentare zu “Journal Dienstag, 9. Oktober 2018 – Mild und ruhig”

  1. Sabine meint:

    Letzte Woche bin ich mit einer Gruppe 17jähriger das berühmte Gruppenbild des Innenministeriums durchgegangen. Auf die Frage, was die Menschen darauf verbindet, kam: „sie sind kompetent“, „sie tragen Anzug“. Dann kam lange nichts. „Weiß“ – das Wort wollte niemand in den Mund nehmen. Alles Männer? Mei, die sind halt kompetenter. Ist ja klar, sonst wären sie nicht, wo sie sind. Dass fast alle über 1,90 (jaha, nicht große Menschen merken das), nicht behindert und über 45 sind, fiel auch nicht recht auf. Ich schätze diese Jugendlichen sonst sehr, aber die Bereitschaft, sich so ohne weiteres von älteren, großen weißen gesunden Männern mit der Fähigkeit, sich einen Anzug in der annähernd richtigen Größe zu kaufen, regieren zu lassen, ist schon etwas erschütternd. Es bleibt viel zu tun.

  2. Trulla meint:

    @Sabine: die Art Ihrer Arbeit gefällt mir – sehr sinnvoll.

    Was mich ärgerlich macht ist das in meinen Augen mangelhafte Bewusstsein der Mütter dieser so lieben, aber ahnungslosen 17jährigen. Wer sonst kann in prägenden Jahren so viel Einfluss nehmen auf das Denken, Empfinden, Wahrnehmen? In der Erziehung liegt doch in allen Gesellschaften sowohl Problem als auch Lösung.

  3. lihabiboun meint:

    Dieser Artikel über Saudi-Arabien wundert mich überhaupt nicht. Und einmal mehr stelle ich mir die Frage, wieviel Mut ich selber hätte, wenn mir Einkerkerung oder Schlimmeres drohte, wenn man den Mund aufmacht. Wobei das ja selbst in Europa zunehmend schwierig wird, siehe gegebene Anlässe ….

  4. Sabine meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  5. Daniela meint:

    @Trulla – und die Väter…

  6. Trulla meint:

    @Daniela: selbstverständlich. Nur erwarte ich von Frauen noch eher ein entsprechendes Bewusstsein zur Situation Frauen und Beruf/Karriere

  7. PaulineM meint:

    Die Merkel-Frage würde ich von ihr auch gern an deutschen Universitäten und in deutschen Firmen (Führungspositionen) hören. Ich glaube, Nachholbedarf wäre auch dort die häufigste Antwort…

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