Journal Freitag, 18. Januar 2019 – Freitagabend mit Hauskulinarik, Nachdenken über Fotokunst

Samstag, 19. Januar 2019 um 8:42

Besseren Schlaf bekommen, aber zu wenig.

Auf meinem Weg in die Arbeit gespürt, dass es kälter geworden war. Ruhiger Arbeitstag, draußen schien meist die Sonne, schneite es aber auch mal nass. Mich ein paar Mal geärgert – und dann gleich auch über den Ärger, der aus mangelndem Verständnis, mangelnder Zugewandtheit entsprang. Zur Brotzeit Orange, Mandarine, Apfel mit Quark, eine Breze dazu.

Ich machte pünktlich Feierabend, nahm dann im noch Hellen eine U-Bahn in die Innenstadt: In der Hofbräuhausmühle kaufte ich Mehle, auf dem Viktualienmarkt an einem Stand, den ich noch nicht kannte, verschiedene Oliven. Denn ich kam früh und hungrig heim, wollte aber nicht schon so früh abendessen.

Links halbfermentierte Oliven, rechts italienische Kalamata, unten mit Orangen eingelegte – alle drei Sorten köstlich. Dazu machte uns Herr Kaltmamsell leichte Brandy Manhattans (erster Alkohol der Woche).

Als ich heimgekommen war, hatten Orangendüfte die Wohnung durchzogen: Herr Kaltmamsell kochte gerade die jährliche Marmelade aus Bitterorangen. Als er damit fertig war, servierte er zum Abendbrot Entrecȏte mit Riesenmaiskörnern und Karottengemüse, dazu ein Glas Primitivo. Zum Nachtisch hatte ich am Vortag Orangenflammeri als erstes Rezept aus Immer schon vegan gekocht, der schon beim Abschmecken sehr gut schmeckte.

Nur das mit dem Stürzen funktionierte nicht.

§

Weiter über dokumentarische Fotografie als Kunstform nachgedacht. Die am Vortag zitierte Passage über Helen Levitt machte mir deutlicher, warum der kunstwissenschaftliche Umgang mit dem Vermächtnis von Vivian Maier so schwierig ist: Levitt hat selbst bestimmt, welche ihrer Aufnahmen die offiziellen sind, nämlich die, auf denen sie als Fotografin scheinbar keine Rolle spielt, die Fotografierten sie nicht ansehen. Von den Aufnahmen Vivian Maiers gibt es nur wenige eigene Abzüge (und die Ausschnitte, die sie wählte, waren wohl oft nicht optimal), in ihrem Nachlass fand man ganze Koffer voll sogar noch unentwickelter Filme. Was davon ist ihr Werk? Zwar lässt sich an den Negativen nachvollziehen, dass sie die meisten Motive nur einmal fotografiert hat, doch gelten alle?

Mir ist dadurch klarer geworden, wie zentral die Materialität in der bildenen Kunst ist – eben im Gegensatz zur nicht-dinglichen Wortkunst der Literatur. Und wie eng mit der Schöpferin/dem Schöpfer verbunden: Ob dasselbe Meisterwerk von Rembrandt stammt oder von jemandem sonst aus seiner Werkstatt, macht einen für Laien schwer nachzuvollziehenden, doch fundamentalen Unterschied. Die Materialität bewirkt ja auch die Handelbarkeit bildender Kunst und den Einfluss des Kunstmarkts auf die Bewertung.

In der Wortkunst wird zwar schon auch diskutiert, ob Shakespeare wirklich der Autor der ihm zugeschriebenen Werke war (es gibt von ihm keine Originalmanuskripte, die Stücke wurden von Schauspielern festgehalten, die sie spielten). Doch ihre Meisterschaft ist unbestritten, sie wären auch dann kanonisch, wenn bei dem einen oder anderen seine Autorenschaft widerlegt würde. In der Literatur kann man höchstens überlegen, wie periphere Details wie Titel (oft stark vom Verlag beeinflusst), Buchgestaltung, Vermarktung bei Erscheinen die Rezeption eines Werks beeinflussen.

Zwischen diesen Extremen liegt dann Fotokunst: Besteht das Kunstwerk im Negativ? Erst im – oft stark bearbeiteten und dadurch in der Analogfotografie einzigartigen – Positiv? Ist das Kunstwerk heutzutage eine Datei, welche Stellung nehmen die jetzt beliebig oft herstellbaren Ausdrucke ein? Innerhalb der Fotokunst nochmal eine Sonderform: Dokumentarische Fotos. Alles höchst spannend.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Freitag, 18. Januar 2019 – Freitagabend mit Hauskulinarik, Nachdenken über Fotokunst“

  1. Christine meint:

    ******************KOMMENTAROMAT**********************

    Gerne gelesen

    *******************************************************

  2. Hande meint:

    Italienische Kalamata Oliven gibt es nicht. Kalamata Oliven geniessen IGP status und kommen nur aus einer bestimmten Region Griechenlands. Wenn der gleiche Sorte woanders angebaut wird (übrigens eher selten), wird es Kalamon genannt. (Sorry für die Korinthenkackerei, Berufskrankheit in diesem Gebiet)

  3. die Kaltmamsell meint:

    (Oh, jetzt hat das System schon meinen eigenen Kommentar geschluckt. Ich hatte geschrieben:)
    Vielen Dank, Hande! Das erklärt die ziemlich wirren Erläuterungen des Oliven-Verkäufers. Auf dem Schild stand „Kalamata, italienisch“. Er sagte, die Oliven seien aus Griechenland, aber in Italien würden sie traditionell eingeschnitten, um die Fermentierung zu beschleunigen. Er meinte also: Kalamata, auf italienische Art.
    Ich bitte jederzeit um diese Art Korinthenkackerei!

  4. Sebastian meint:

    Korinthen sind übrigens nach der griechischen Stadt Korinth benannt. Kein IGP Status, dürfen also überall gekackt werden.

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