Journal Donnerstag, 31. Januar 2019 – A.L. Kennedy, Serious Sweet

Freitag, 1. Februar 2019 um 7:01

Heftiger Arbeitstag mit viel Gerenne.

Wetter immer noch leicht über Null, gestern mit etwas mehr Sonne.

Auf dem Heimweg Lebensmitteleinkäufe. Daheim noch Basteln an großem Fest, bevor wir zur abendlichen Leserunde aufbrachen – die eigentlich auf Silvester geplant war, wegen Krankheit aber verschoben werden musste. Jetzt erst sprachen wir über A.L. Kennedy, Serious Sweet.

Es stellte sich heraus, dass ich den Roman als einzige ganz gelesen hatte: Die anderen hatten entweder erst gar nicht angefangen oder waren nicht über ein paar bis 200 Seiten hinaus gekommen. So schlimm hatte ich das Buch nun nicht gefunden, doch hat Kennedy viel zu viel reingesteckt. Wir lesen die Geschichte eines Mannes und einer Frau in London, in abwechselnden Kapiteln. Vom Klappentext wissen wir, dass sie einander begegnen werden. Oder, wie es im Verlauf des Romans wahrscheinlich wird, einander schon begegnet sind? Die stark personale Sichtweise hat zwei Ebenen, die durch kursive/nicht-kursive Schrift markiert sind – und bei denen ich bis zum Schluss nicht herausgefunden habe, wodurch sie sich unterscheiden. Uns wird praktisch jeder Gedanke, jede Wahrnehmung der beiden Personen erzählt, tatsächlich umfassen die 500 Seiten nur 24 Stunden Gegenwartshandlung.

Aus der Innensicht von Jon Sigurdsson lernen wir einen Regierungsbeamten kennen und die Mechanismen politischer Macht sowie Kommunikation, außerdem sein Leben bisher, seine Verwundung durch eine katastrophale Partnerschaft, seine erwachsene Tochter. Aus der Innensicht von Meg Williams wiederum entsteht das Bild einer trockenen Alkoholikerin, deren Leben weiterhin durch die Krankheit dominiert wird. Mit der Zeit bekommen wir auch ein wenig Außensicht der Figuren, nämlich durch ihre Gedanken übereinander. Das alles in die vielen winzigen Schritten menschlichen Denkens und Fühlens, die aus einer Minute Aufenthalt in einem Café drei Seiten Text machen.

Dazu hat Kennedy eine weitere Ebene geschrieben: Zwischenkapitel erzählen in Vignetten menschliche Begegnungen in London – erst am Ende des Buches erfahren wir ihre Bedeutung.

Der eigentliche Inhalt, die eigentliche Geschichte von Serious Sweet ist auf vielerlei Weise bewegend und interessant, doch die superkomplexe Vermittlung wirkt aufgesetzt und angestrengt. A.L. Kennedy hat viel Besseres geschrieben. Ich schließe mich Jean Thompson in der New York Times an: „This is an ambitious book, but often an exhausting one.“

Dazu servierte die Gastgeberin köstliche Parmigiana und Schokoladencreme, ins Glas bekam ich eine sehr interessante Scheurebe.

Der nächtliche Marsch nach Hause tat gut. Im Bett fühlte ich mich aufgekratzt, das und ein nervenschmerzendes Bein kündigten eine unruhige Nacht an.

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Der Haken an einem völlig unzurechnungsfähigen Spitzenpolitiker wie Donald Trump ist ja, dass gar nichts mehr an seinem Handeln ernst genommen wird. Doch die Haltung seiner Regierung zum INF-Vertrag hat wohl zur Abwechslung mal sachliche Hintergründe und ist nicht selbst erfunden.
„Die Wiederkehr des atomaren Wettrüstens“.

via @thomas_wiegold

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Aus Gründen, die mit einer personellen Veränderung in einer von mir besuchten Cafeteria und dem einhergehenden Wechsel in der musikalischen Beschallung zu tun haben, dachte ich gestern viel an Hädbängä.

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https://youtu.be/GPyZAdClgU0

die Kaltmamsell

1 Kommentar zu „Journal Donnerstag, 31. Januar 2019 – A.L. Kennedy, Serious Sweet

  1. Elfe meint:

    Zufällig habe ich mir Ausschnitte aus Kennedys Roman neulich vorlesen lassen im BR 2-Podcast (https://www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/ausstrahlung-1600796.html), da funktionierte die Geschichte gut und ich hab gerne zugehört. Über 500 Seiten könnte es allerdings anstrengend werden, das glaube ich gerne. Außerdem wechselte sich die Lesung mit Interviewpassagen ab, das machte es ein bisschen kurzweiliger.

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