Journal Freitag, 19. Juli 2019 – Reha jetzt auch mit Anfassen

Samstag, 20. Juli 2019 um 6:46

Vorletzter Therapie-Tag – der erste, an dem mich jemand professionell anfasste.

Um 7.35 Uhr hatte ich endlich meinen Termin Einzel-Physiotherapie. Ich erklärte und zeigte Frau Physio, was ich mit Bewegungseinschränkung der rechte Hüfte meinte. Sie legte mich auf die Liege im Behandlungszimmer, nahm meine Beine von verschiedenen Seiten, bat mich um die Ausführung verschiedener Bewegungen.

Dann wurde es sehr, sehr schmerzhaft. Ich lag anweisungsgemäß bäuchlings auf der Liege, Frau Physio strich mit aller Kraft erst mehrfach die rechte Wade zum Knie, dann den rechten hinteren Oberschenkel zum Po, die rechte Hüfte, das schmale Muskelband seitlich von der Wirbelsäule. Dann drehte ich mich um, jetzt waren die Schienbeinmuskeln und der vordere Oberschenkel dran. Ich musste immer wieder um Atempausen bitten – buchstäblich, denn ich bekam vor lauter Schmerz keine Luft. (Frau Physio launig: „Brauchen’S an Beißring?“ Und später: „Da komm’ma beide ins Schwitzen, gell?“)

Ein wenig Atem nutzte ich dazu zu fragen, was sie da eigentlich tat: Faszien lockern. In ihnen vermutete sie die Ursache meines Beweglichkeitsproblems – und bekam in der Gegenprobe recht. Schon beim Umdrehen auf den Rücken hatte sie mich gebeten, die Bewegung zu wiederholen, mit der ich ihr die Einschränkung vorgeführt hatte: Ich kam deutlich weiter. Und als sie die Faszien der Vorderseite malträtiertausgestrichen hatte, war ich rechts so beweglich wie links – das hatte ich zuletzt vor etwa zwei Jahren.

Ihre Ratschläge für daheim: Faszienrolle (zefix, wo die doch so weh tut) und regelmäßig gründliches Dehnen. Ich wünschte, diese Behandlung hätte ich schon vor zwei Wochen gehabt, dann hätte ich um Wiederholen zur Übung bitten können.

Bis zum nächsten Programmpunkt des Tages war reichtlich Zeit. Ich holte den Frühstückstee und ein Glas Hafermilch nach, zog mich um für eine Laufrunde. Der Tag hatte bewölkt begonnen, jetzt tröpfelte es. Egal, ich setzte eine Schirmmütze auf und lief los. Die am Mittwoch erkundete Strecke war wunderbar, ich begegnete keiner Menschenseele. Dafür zwei Hasen!

Meine Laufrunde dauerte eine gute Stunde, in der es immer dichter regnete, aber bis zuletzt nicht wirklich heftig. Zudem war es ja mild. Brav dehnte ich Beinrückseiten und Po anschließend doppelt so lang wie sonst.

Nach dem Duschen Wirbelsäulengymnastik. Passend zum Thema des Tages war Dehnen der Muskulatur rund um die Hüfte dran, und zwar Dehnen um der Flexibilität willen, nicht das Dehnen nach Muskelaktivität. Diese Frau Physio teilte Seile aus, mit deren Hilfe auch wenig gelenkige Patientinnen und Patienten die Bewegungen ausführen konnten. (Nebenbei: Erster konstruktiver Einsatz der Männlein-Weiblein-Geschichte; weil Frauen ein schwächeres Bindegewebe haben als Männer, sind ihre Bänder meist flexibler, sie sind meist gelenkiger.) Die Beweglichkeit nach der Einzel-Physio war nicht mehr da – klar, bis ich die dauerhaft bekomme, ist ein weiterer Weg. Ich werde meine Feierabende häufiger mit Blackroll und Seil verbringen müssen.

Zu Mittag aß ich mich gezielt nicht satt: Ich wollte mir für den Nachmittag Appetit aufheben. (Ja, bitter, ich weiß – aber ich kann mich im Moment nicht ganz auf meine Gefräßigkeit verlassen.) Erst mal war aber der vorletzte Vortrag meines Reha-Aufenthalts dran, „Stress und seine Auswirkungen“. Nichts Neues, aber gar nicht schlecht, das mal in Zusammenfassung zu hören.

Jetzt war ich bleiern müde, ich legte mich eine halbe Stunde hin. Und erinnerte mich, dass bis zum Eintauchen in die Freie Wirtschaft mit 30 Mittagsschlafmüdigkeit zu meinem Naturell gehörte. In der Zeitungsredaktion und auch im Unibüro kämpfte ich zum Teil extrem hart mit der Müdigkeit direkt nach Mittag. Das war ab dem Wechsel in die Hochleistungswelt von Agenturen und Unternehmen weg. Heute ist es ganz selten, dass ich zumindest am Wochenende die Bettschwere für eine Siesta habe.

Nun aber mein Nachmittagsplan: Kaffeeundkuchen im Glas-Café.

Die Mohn-Preiselbeer-Torte schmeckte mir sehr gut (kam gleich auf die Nachbau-Liste), der Vollautomat-Cappuccino ließ mich meine Heimkehr noch mehr herbeisehnen als eh schon.

Twitter hat das Layout komplett geändert. Und belästigt mich wieder mit Werbung sowie den Likes anderer Twitterer in der Timeline, das werde ich ihm erst wieder mühsam abgewöhnen müssen – bislang klappte das bei Werbung mit Blockieren (sensationell, wie viele Werbekanäle SAP unterhält), bei Likes mit (neue Formulierung) „Show me less often“. Mal sehen, wie lange das diesmal dauert.

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Familie Bruellen macht gerade Kanada-Urlaub. Und Blog-Chefin Frau Bruellen hat ausführlich ihren Kayak-Trip um Vancouver Island beschrieben und bebildert.
„130719-160719: Wie war das mit dem Kayaken?“

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Nun aber doch mal zur Mondlandung vor 50 Jahren. Hier ein schöner und informativer Twitter-Faden:
„Let’s talk about peeing in space.“

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Ich werfe dem Universum, darin besonders dem Internet, darin besonders Ihnen allen heftig vor, dass sie bis vor kurzem Maren Kroymann an mir haben vorbeigehen lassen. Die Frau ist ja wohl durch und durch großartig! Und da sie eben gerade 70 Jahre alt geworden ist und auf eine lange Karriere als Kabarettistin und Schauspielerin zurückblickt, kann ich dahinter nur Absicht, wenn nicht sogar ein abgekartetes Spiel vermuten.

Für die Süddeutsche hat Christine Dössel einen Geburtstagsartikel verfasst:
„Eine klassische Spätzünderin.“

Dem Artikel habe ich den Hinweis auf diese Show in der Mediathek der ARD entnommen:
„Kroymann – Der Geburtstag.“

Dickste Empfehlung, ich kam gestern aus dem Begeisterungsquietschen schier nicht mehr raus.

die Kaltmamsell

15 Kommentare zu „Journal Freitag, 19. Juli 2019 – Reha jetzt auch mit Anfassen“

  1. creezy meint:

    Ich LIEBE die Faszienrolle, sie lässt mich manchmal aufstehen mit dem Gefühl neu geboren und zehn Zentimeter größer zu sein. Den Hüftschmerz, den Du beschreibst, den kenne ich sehr gut – der ist jetzt neuerdings zwei Tage nach dem Pilateskurs (<– gibt es übrigens in guten Physiotherapien als Rehasport angeboten) weg. Und seit ich die regelmäßigen Physiotermine habe, ab und zu dort auch Lymphdrainage schlafe ich danach – ob ich will oder nicht – mittags sehr tief ein.

    Es macht etwas mit einem.

    Aber ich bin traurig, dass die tolle Physiotherapeutin erst am vorletzten Tag auf den Plan kam. Das sollte so nicht sein in einer Reha. :-(

  2. Nina meint:

    Da Ihnen das Faszienaustreichen so geholfen hat, wiederhole ich sehr gern meinen Hinweis, den ich hier schon mal hinterlassen habe: Rolfing! Hat meine Bewegungsmuster revolutioniert und jahrelange Schmerzen und Einschränkungen radikal verändert.

  3. Elisabeth meint:

    „Ich kann das heilandmäßig gar nicht verantworten.“ Großartige Empfehlung, die Frau Kroymann, danke!

  4. Mareike meint:

    Aufgrund mehrerer Bandscheibenvorfälle war ich kürzlich im Krankenhaus und habe dort ebenfalls Erfahrungen mit der Lockerung von Faszien („Aua!“ und „Wow – ich kann auf beiden Beiden stehen?!“). Vielleicht nutzen Sie künftig andere Fitnessvideos? Ich bin bisher wenig sportaktiv und würde mich freuen, wenn Sie Video-Fundstücke hier im Blog teilen würden („Freya bewegen“ auf YouTube finde ich grade ganz gut.).

  5. Philippine meint:

    Für Frau Kaltmamsell vielleicht nicht sportlich genug, aber ich bin ein großer Fan der Videos von Gabi Fastner auf YouTube. Gibt fast jeden Tag was Neues, Faszien, Wirbelsäulengymnastik usw. Gute Besserung.

  6. Micha meint:

    Also das mit der Faszienrolle interssiert mich auch sehr (ich mache schon eine Weile damit rum, mir eine anzuschaffen)! Welche Übungen, welche Anleitungen, mit welcher Zielvorstellung…

    Dass Sie allerdings erst am vorletzten Tag Kontakt hatten mit Frau Physio, finde ich skandalös!

  7. Ulla meint:

    Ich möchte Ihnen auch empfehlen sich in die Hände eines Physios zu begeben. Nur zuhause Faszienübungen zu machen finde ich nicht zielführend. Ich habe vor ein paar Jahren wegen meiner Lendenwirbel Probleme 3 Sitzungen gemacht und auch ähnlich wie bei Ihnen schmerzhafte Behandlungen, entlang streifen und lockern der Faszien, erlebt. Es hat geholfen, da ich seitdem sehr selten im Lendenwirbel Bereich Probleme hatte. Im September habe ich wieder Termin, allerdings bei einem anderen Physio, eine Empfehlung meiner Feldenkrais Referentin.

  8. Hauptschulblues meint:

    H. stimmt Ulla zu und rät von der Faszienrolle ab, denn ein mechanisches, nicht vom Profi eingesetztes Gerät schadet mehr. Besser unter die faszienerfahrenen Hände einer Ostheopatin/Physiotherapeutin. Für jede Position gibt es Meinungen, aber das Netz ist ja geduldig und kann irgemdwelchen Senf nicht von seriöser Darstellung unterscheiden. Befürworter der und Warner vor der Faszienrolle kommen jeweils auf ihre Kosten.
    H. kann seine Anfasserin nur empfehlen, sie nimmt kaum mehr Neupatienten, aber ein Wort ihres Altpatienten würde greifen. Herr K. hat bei Bedarf H.s Mailadresse.
    Ansonsten ist die Behandlung in Bad Steben teilweise skandalös, oder soll mit den einzelnen Häppchen Appetit für die Zeit nach der Reha zu Hause gemacht werden?

  9. Vanessa meint:

    Faszien, Quell allen Übels. Ich kann nur zustimmen. Begeben Sie sich sooft es geht in die Hände der Folterfrau.

    Im Alltag nehme ich persönlich keine Faszienrolle, ich schwöre auf Blackroll-Bälle. Mit dem Triggerpunkt auf den Ball gelegt, etwas hin- und hergeschuckelt, schon löst sich der Muskel. Selbst etwas ausstreichen, dann ist’s fein. Fenster schließen, damit die Nachbarn die Schreie nicht hören.

  10. Sandra meint:

    Man kann aber doch in Fitnessstudios ein Faszientraining besuchen. Mein Mann und ich haben das bei einem entsprechend zertifizierten Trainer im Kurs gemacht an 8 Abenden. Bei unseren unterschiedlichen Krankenkassen wurden uns dann, da Kurs nach SGBV irgendwas, 80% zurückerstattet.
    Danach weiß man, was man machen darf damit und was auf keinen Fall, kriegt Hilfe, wenn man merkt, es ist unangenehm und weiß nicht, ob man was falsch macht oder ob es grade hilft und ist dann für zu Hause gerüstet. Haben uns danach auch das Blackroll-Set (DVD war auch dabei) besorgt für zu Hause. Ohne den Kurs hätten wir zu Hause einige Übungen nicht gemacht und die Faszienrollen-und Bälle mit Sicherheit zu zaghaft eingesetzt oder gar nicht oder uns Gelenke zerdrückt.
    Uns wurde gesagt, damit das einen Effekt auf Dauer habe, müsse man einige Male pro Woche trainieren. Das schafft man doch nur als Berufstätige, wenn man das flexibel allein machen kann und nicht alle 2 Tage zur Physiotherapeutin muss. Für mich wäre so ein Dauertermin für immer jedenfalls nichts.
    Ach ja (ich kann mit dem I Phone beim Bearbeiten nie wieder in den Text, daher nun am Ende): man muss nicht Mitglied im Fitnessstudio sein, um solche Kurse mitmachen zu können. Es gab auch noch Rückenkurs und Zirkeltraining für Externe auf Kasse.wobei man während des Kurses sogar für wenig Geld eine Mitgliedschaft bekommen konnte. Hab ich beim ersten Mal gemacht und vor dem 1.Kurs ein paar Geräte ausgetestet und viele leckere ISO-Getränke geschlürft :)

  11. Ulla meint:

    @Sandra man muss nicht alle 2 Tage zur Physiotherapeutin. Meine drei Sitzungen a eine Stunde haben mir wunderbar über die letzten 3 Jahre geholfen. Für September habe ich mal wieder einen Termin gemacht und werde sehen was danach noch nötig ist. Leider muss man das zahlen, aber die Gesundheit ist mir dann doch wichtig.

  12. Sandra meint:

    Sind Sie Physiotherapeutin oder woher wissen Sie, dass 3 Sitzungen genügen?
    Ich weiß es auch nicht und ahd. daher, uns wurde das so gesagt, aber uns wurde von der zertifizierten Trainerin, nachdem eine Teilnehmerin des Kurses fragte, wie oft man das nun machen müsse, ganz klar gesagt, regelmäßig, mehrmals in der Woche. Sonst würden sich die Faszien wieder verkürzen.

    Ich weiß es aber nicht definitiv. Daher würde ich an Frau Kaltmamsells Stelle einfach mal die Fasziendame fragen, um es genau zu wissen.

  13. Sandra meint:

    Ach ja, und Ulla, ich bin auch beschwerdefrei gewesen vor dem Training, aber meine Faszien waren trotzdem verkürzt. Nicht jeder nimmt die Verkürzung sofort als extrem schmerzhaft wahr, aber man merkt nach dem Training sofort, wie man sich besser fühlt. Wir mussten vor und nach der ersten Fußübung (Ball mit Fußsohle berollen,aua) die Übung machen, bei der manisch mit durchgestreckten Beinen mit den Fingerspitzen zu den Zehen strecken muss. Das ging vorher bei mir gar nicht, wie immer. Nach der Übung konnte ich zum ersten Mal überhaupt meine Finger easy an die Zehen setzen.
    Manisch=man sich

  14. Croco meint:

    Hier in diesem fasziengeplagten Haushalt reist man gerne mit dem Faszienball im Koffer durch die Gegend. Mit einer Wand und einem Sitzplatz auf dem Boden davor, kann man sich zur Not schnell Schmerzen lindern.
    Die Künste der Physiotherapie können ein Ball oder eine Rolle niemals aufwiegen.
    Die Sendungen von Quarks und Co zum Thema Faszien kennst Du?
    https://amanu.com/quarks-co-geheimnisvolle-faszien-neues-vom-ruecken/
    Bei Arte gab es auch eine Sendung dazu.
    https://m.youtube.com/watch?v=t8gSUiobBvY

    Frau Kroymann ist toll! Oder wie hieß es in Tübingen damals?
    D Schweschdr vom Bürgermeischder singd jezd auch no.

  15. Fujolan meint:

    Für mich sind DIE Top Fachmensche für (weitestgehend) schmerzfreie Faszienbehandlung Ostéopathen.
    1 Osteo Behandlung schafft soviel wie 2-5 Physiotherapie Runden.

    Daher: wenn Faszien dann gegen Schmerzen und für Mobilität Osteo

    (Kopfschüttelnd über 2 Wochen Reha bis zum ersten vernünftig zielführende Termin)

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