Journal Freitag, 23. August 2019 – Luxemburg mit Freibad, Burgen und Fotos

Samstag, 24. August 2019 um 10:27

Wir hatten uns verhältnismäßig früh mit unserem Gastgeber zu einem Ausflug ins nördliche Hinterland verabredet, also stellte ich mir einen Wecker, um vorher den Donnerstag verbloggen zu können. Kaffee gab es aus einem Maschinchen im weitläufigen Wendeltreppenhaus des Appartmenthotels, der Espresso schmeckte gut. Draußen strahlte wolkenlos ein Sommertag, es waren hohe Temperaturen angekündigt.

Unser Gastgeber Joël hatte sich ein ganz persönliches Programm ausgedacht (und mir vor der Reise den Tipp gegeben, Schwimmzeug einzupacken): Um meiner Schwimmlust entgegenzukommen, fuhren wir mit seinem Auto eine Stunde über entzückende Örtchen nach Vianden, dort gibt es auf einem Berg ein Freibad mit 50-Meter-Bahn. Und vor allem mit einer sensationellen Aussicht.

Zwischen Freibadberg und der stattlichen Burg liegt ein Tal mit dem Ort Vianden, der allein schon sehenswert schnucklig war – und ganz anders als daheim aussah, was ein intensives Urlaubsgefühl erzeugte.

Das Becken war eine halbe Stunde nach Öffnung noch recht leer, so konnte ich auch ohne Teilungsschnüre Bahnen ziehen. Allseitiges Schwimmen, ich beschränkte mich auf 1.200 Meter, um nicht so lang zu verschwinden.

Nächster Programmpunkt war die Burg Vianden, eine der größten Europas, und wie ich unter anderem lernte, in den 1970ern und 1980ern von einer Ruine zur jetzigen Pracht rekonstruiert.

Besonders begeisterten mich einige der museumspädagogischen Konzepte. Zum Beispiel ein Raum ganz am Anfang der geführten Route, der auf der ersten Ebene der Burg die verschiedenen Bauschichten und -phasen der Anlage offengelegt hatte.

Darüber schwebte ein Gang, von dem aus man die Mauerschichten sah, die mit ebenfalls aufgehängten Tafeln erklärt wurden, auf dem man an wiederum aufgehängten Vitrinen mit Grabungsfunden vorbeikam.

Blick hinauf zur Kapelle.

Kapelle.

Blick hinunter zum Hinauffotopunkt.

Blick hinüber zum Freibad.

Von solch einer Burg hat man schon einen besonders weiten Blick. Zum Beispiel zur Staumauer.

Und natürlich auf den Ort Vianden.

Burg vor der Rekonstruktion.

In einem Raum auf der obersten Ebene war ein Modell der Burg zu sehen. Mit einer eigenen Augmented-Reality-App konnte man daran die Form der Burg durch die Jahrhunderte sichtbar machen. Ein Bild an der Wand bot in Kombination mit der App sogar die Möglichkeit, virtuell durch die Räume in verschiedenen Epochen zu gehen.

Im Café des Besucherzentrums aßen wir einen keinen Snack, bevor Joël uns in seinem Cabrio weiterfuhr: nach Clervaux.

Dort wird im Schloss die Fotoausstellung „Family of Men“ gezeigt,1 die Edward Steichen 1955 für das Museum of Modern Art in New York zusammengestellt hatte. Sehr interessant gehängt, manchmal nicht ideal ausgeleuchtet brachten mich die Bilder (viele alte Bekannte, aber auch sensationelles Neues) aufs Nachdenken über das Verhältnis von Fotografierten und Fotografierenden, auf die Wirkung scheinbar kontextloser Aufnahmen in diesem Kontext. Unter anderem.

Resultat: Ich bat Herrn Kaltmamsell innig, mich in möglichst jede Fotoausstellung im Kunstfoyer Versicherungskammer Bayern in München zu zwingen. So viele habe ich in den vergangenen Jahren an mir vorbeiziehen sehen, fast jede faszinierte mich, in keine einzige habe ich es geschafft. Weiteres Resultat:

Nach dem Besuch von Fotoausstellung muss man versuchen, ein besonderes Foto zu machen.

Joël fuhr uns zurück nach Luxemburg Stadt. Nach einem Stündchen Ausruhen spazierten wir durch Innenstadtgassen, -plätze, -straßen mit vielen Menschen vor Cafés und Restaurants zum Abendessen in die Weinbar Dipso. Auf einer herrlich romatisch gelegenen Terrasse gab es Sauvignon, dazu bretterweise Brotzeit.

Luxemburgisches.

Mediterranes mit viel Antipasti-Gemüse. (Und dann noch ein Käsebrett.)

Amüsement über die luxemburgische Version des bayerischen „Mia san mia“.

Heimweg in inzwischen nächtlicher Frische um halb zwölf, auf den Straßen und Plätzchen immer noch viel Feiervolk, Sommernacht.

  1. Angebot an die Macher der Website: Soll ich Ihnen das mal Korrektur lesen? []
die Kaltmamsell

3 Kommentare zu „Journal Freitag, 23. August 2019 – Luxemburg mit Freibad, Burgen und Fotos“

  1. Twitter meint:

    Bleiben Sie an der Versicherungskammer dran, Martin Parr wäre absolut Ihre Ausstellung gewesen!

  2. Gaga Nielsen meint:

    Das sieht nach schönem (Er)Leben aus. Besonders schönem sogar.

    „Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen Sie sich in zehn Jahren zurücksehnen werden.“
    Peter Ustinov

  3. Su meint:

    Danke für Ihre wundervollen Reisebeschreibungen, lese diese (wie alles andere) mit höchstem Genuss

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