Archiv für September 2019

Twitterliebe September 2019

Montag, 30. September 2019

Der ist nämlich über mich. In meinem Fall kommt dazu: Erschrockenes „Gesundheit!“ aus vier Nachbarbüros.

Journal Sonntag, 29. September 2019 – Sportvermissung

Montag, 30. September 2019

Ich versuche mich ja durch die derzeitige Malaise und Sportverhinderung mit „Ist halt so“ und „Hoffentlich nur vorübergehend“ hochzuhalten. Aber gestern, an diesem leuchtenden und milden Frühherbsttag, wurde ich dann doch gründlich traurig, weil ich nicht an die Isar zum Laufen oder auch nur Spazierengehen konnte, kein Wandertag möglich war.

Zumindest radelte ich raus ins Dantebad, über einen schönen Umweg durch Neuhausen und Gern, um wenigstens ein wenig in besonders warmem Wasser zu schwimmen und in weiterem warmem Wasser herumzufloaten. Also den Anweisungen von Frau Physio folgend, sowohl was den Umfang sportlicher Bewegung betraf als auch die Wärme und Entspannung.

Die Fahrt war wirklich wundervoll: Das Licht! Die Farben! Die Luft! Im Dantebad zeigte sich, dass Brustschwimmen gar nicht mehr geht, selbst angedeutete Scherenbewegungen schmerzen zu sehr. Ich kraulte dann brav nur 2000 Meter, das Vergnügen dabei war überschaubar, weil im Dantebad die Sportschwimmerbahnen dieses nicht sind und eher gepritschelt wird – und mein Bein schmerzte. Schön war aber das Gleiten im Sonnenlicht von oben und Glitzern von unten. Anschließend ins Warmbecken zum Lockern und Entspannen – oh mei, da stelle ich mich an. Selbst als ich einen Platz auf den Unterwasser-Liegen bekam, fühlte sich das weniger entspannt an als in meiner Badewanne. Irgendwann kam leichter Sprudel von unten, ohne Effekt.

Bis 12 Uhr war es überraschend voll geworden, beim Umziehen waren alle Spinde in der Damenumkleide belegt.

Das Heimradeln mit Umwegen genoss ich wieder sehr, nahm mir vor, die Villensiedlung Gern mal zu Fuß zu erkunden. (Mir fiel auf, dass ich noch nie jemanden kennengelernt habe, die in Gern wohnen.)

Daheim war es noch früh genug für weiteren Milchkaffee, zudem gab es Birnen, Pain d’epice und morgens gebackenen Hefezopf.

Irgendwo, fürchte ich, bin ich beim zweisträngigen Flechten dann doch falsch abgebogen (das nächste Mal versuche ich es mit dieser Rechte-Hand-Linke-Hand-Methode). Tat dem Geschmack keinen Abbruch.

Ich las die Sonntagszeitung im Sessel auf dem sonnigen Balkon.

Dann wollte ich aber doch nochmal dringend raus, der Tag war gar zu schön. Ich humpelte langsam über den Südfriedhof (viele, viele Eichhörnchen) und an die Isar (viele, viele Menschen – aber nur ca. 10 Prozent davon Bajuwaren-Cosplayer, ganz wie früher auf dem Oktoberfest), über die Fraunhoferstraße zurück.


Insgesamt fast ein Sporttag.

Am Samstag hatte ich beim Vorbeilaufen gesehen, dass das Auroom während des Oktoberfests seine „keine Dirndl- und Lederhosenträger“-Türpolitik aufgegeben hat: Dieses Jahr ist die Bar über die Oktoberfestzeit ganz geschlossen.

Nochmal auf dem Balkon gelesen (Kent Haruf, Eventide, lese ich sehr gern), bis es zu kühl wurde. Nicht gebügelt.

Herr Kaltmamsell servierte als Nachtmahl Mangoldröllchen mit Hirse-Salsicce-Füllung in Tomatensoße, sehr schmackhaft.

Journal Samstag, 28. September 2019 – Eritreischer Samstag

Sonntag, 29. September 2019

Zefix, schon wieder Migräne. Im Grunde wusste ich das schon beim Zu-Bett-Gehen: Der Druck auf der Stirn kündigte mindestens nächtliches Kopfweh an. Das kam dann auch, war bei jedem leichten Aufwachen stärker geworden, um sechs Uhr morgens gesellte sich Übelkeit dazu – ich knickte ein und nahm mein Triptan-Spray. Schlaf bis neun Uhr, dann war ich einigermaßen wieder beisammen.

Bettwäsche und Handtücher gewaschen – ich beschloss, dass das Sommerbett ebenfalls maschinenwaschbar war und nahm dieses vor dem Einwintern ins Programm. Kurze Einkaufsrunde durch milde Sonne mit Wind, ich konnte sehr schlecht gehen.

Den Mittag und Nachmittag verbrachte ich bei einer Einladung in angenehmer und anregender Gesellschaft, inklusive köstlicher eritreischer Speisen (Injera, Kohl mit Karotten und Chilli, Kürbis mit Tomate, Spinat mit Tomate und Kreuzkümmel), zum eritreischen Kaffee (live geröstet, gemahlen, mit Gewürzen aufgekocht) gab es neben dem original eritreischen Popkorn deutschen Marmorkuchen. Ich erfuhr, dass eritreische Zutaten inzwischen gut in und um die Landwehrstraße erhältlich sind, wieder spiegelt sich Münchens Einwanderungsgeschichte in der aufregendsten Einkaufsmeile der Stadt.

Auf dem Rückweg besorgte ich in eben dieser beim Verdi noch Obst, Brotzeitgemüse und Manouri, musste viele Oktoberfest-Cosplayer umschlängeln.

Häuslichkeiten: Wäscheversorgung, Schweizer Sonntagszopf geknetet und in den Kühlschrank zum Übernacht-Gehen geschoben, Fledermäuse geguckt.

Zur Abendunterhaltung schaute ich in die dritte Staffel Schuld, weil ich zur ersten Folge mit David Bennent ein Interview gelesen hatte. Hmja, ich glaube nicht, dass ich weiterschauen werde.

§

Georg Diez in der taz zu Greta Thunbergs Rede vor den Vereinten Nationen:
„Angst und Endlichkeit“.

Ich ordne den Stil ihrer (für mich) schmerzlich schwer erträglichen Ansprache als weitere vernünfte Entscheidung ein: Bislang hat sich Greta Thunberg immer genau auf ihr Publikum ausgerichtet. Den US-Kongress verwies sie auf wissenschaftliche Fakten und Hintergründe – sie ging zurecht davon aus, dass diese den Kongress-Mitgliedern nicht hinreichend bekannt waren. Doch die Menschen, die bei den Vereinten Nationen vor ihr saßen, wussten das alles; Greta Thunberg ging davon aus, dass dieses Publikum seit vielen Jahren wider besseres Wissen handelt – ihnen machte sie nur Vorwürfe, auf diese Menschen war sie durch und durch wütend.

Diez:

Denn das war das Einschneidende dieses Auftritts: Sprachlich, symbolisch, rhetorisch stellte Greta Thunberg die Systemfrage – wenn ihr, Demokraten, Kleptokraten, Technokraten, Autokraten, Erwachsene, nicht in der Lage seid zu sehen, dass das Versprechen von Immer-weiter-so und ewigem Wachstum in den kollektiven Ruin führt, dann habt ihr das Recht verloren, für uns zu sprechen. Dann kündigen wir von unserer Seite, der Jugend, der Zukunft, den Generationenvertrag auf, den ihr gebrochen habt.

§

Ein kurzer Twitter-Thread zu einem Frauenschicksal unter vielen:

Journal Freitag, 27. September 2019 – Theresienwiesenumfahrung zum Wochenende

Samstag, 28. September 2019

Uiuiui – nachts erst gegen Ende Schmerzen, doch die dann den Tag über wieder richtig behindernd: Trippelschritte, nicht mal Lust, vom Schreibtisch aufzustehen. Nachmittags dann schlagartige Besserung, für die ich keinen Auslöser sah – so kann ich doch nicht an meinen Beschwerden arbeiten.

Morgens auf der Fahrt ins Büro durch milde Luft war ich gerade noch mit dem Rad am Haupteingang (gegenüber ehem. Klohäusl „Das Bad“) des Oktoberfests vorbeigekommen, als bereits Barrieren für jede Art von Durchfahrt und -gang aufgebaut wurden. Um 7:30 Uhr standen bereits große Gruppen Bajuwaren-Cosplayer auf den Straßen und Wegen davor.

Mittags Trauben, außerdem Birnen mit Hüttenkäse und etwas selbst gemachtes Granola (möglicherweise habe ich seit einigen Jahren Verdauungsprobleme mit Cocosflocken, vielleicht vor allem mit gerösteten Cocosflocken).

Noch wenig herbstliche Aussicht.

Mal wieder ein Füßebild.

Wirklich früher Feierabend, es war nichts mehr zu tun. Ich schaffte mir Anlässe, die Theresienwiese in großem Bogen zu umfahren, indem ich über Donnersbergerbrücke und Nymphenburger Straße zum Stiglmaierplatz radelte, wo ich meinem Leibfriseur ein Stück Haarseife vorbeibrachte: Er probiert gerade einmal quer durchs Marktangebot, ich wollte ihm meinen bisherigen Favoriten präsentieren (Rosmarin).

Ich schlug den Bogen noch weiter und radelte über Briennerstraße und Hofgarten zur Hofbräumühle – in Maximilian- und Falkenbergstraße musste ich hinter einem Touristen-Pferdewagen herschleichen, doch die beiden prächtigen Rösser unterhielten mich netterweise mit filmreifem Gewieher.

Mit fünf Kilo Mehl im Rucksack (2,5 kg Roggenmehl 1370 und 2,5 kg Pizzamehl aus mühleneigener Mischung) radelte ich über den Viktualienmarkt und Oberanger vorsichtig zwischen Baustellen und Cosplayern nach Hause.

Ich setzte Pain d’epices zur glücklichen Foie gras am Samstagabend an, Herr Kaltmamsell machte uns Brandys Alexander.

Zur weiteren Feier des Arbeitswochenendes gab es Rind aus der Pfanne und geschmort, dazu Fraktalesco aus Ernteanteil. Angestoßen mit einem Glas südafrikanischem Neethlingshof Owl Post.

Aus einem Tweet des Autors erfuhr ich, dass Anfang 2020 Bov Bjergs nächster Roman veröffentlicht wird: Serpentinen. Auf Nachfragte bestätigte Bov, dass das Roman zu seiner gleichnamigen Klagenfurt-Geschichte von 2018 ist, der wundervolle Klagenfurt-Text (hier nachzulesen) ist der Anfang.
Und am 5. Dezember kommt die Verfilmung von Bov Bjergs Auerhaus in die Kinos! (Vor der fürchte ich mich allerdings ähnlich wie vor der von Tschick.)

§

Wenn schon mal mich ein Artikel über eine Fernsehserie interessiert:
„The Doctors Made ER Great. The Nurses Made It Radical.“

via @TillRaether

The most radical thing about ER — the element of the show that no subsequent medical show has replicated or improved upon — is that it was always also a show about nurses.

ER ist die eine von zwei Fernsehserien, die ich klassisch bingegewatcht habe (gebingewatched?).

The depth of the nursing staff on ER was just one expression of the show’s defining approach, especially in the earlier seasons. ER is full — where House, Grey’s Anatomy, and The Good Doctor all take place in echoing clean spaces, often including empty sweeping staircases and massive glass walls, ER’s County General is a crowded, messy, lived-in space. There are signs and pieces of paper hung all over the walls. In one of my favorite shots from the pilot episode, Dr. Greene shimmies past a ladder set up in the hallway, where a maintenance worker is replacing a long fluorescent bulb that nearly misses hitting Greene over the head. No one mentions it, and Greene hardly even flinches. This is just what the ER is like; there are so many characters and so many stories happening in every imaginable corner of the facility that Greene trips over at least four of them walking down the hallway. Most of them we never see again, because they’re just one more piece of the inescapable background buzz. But the nurses are as much a part of the thrumming rhythm of the place as the doctors, and their bodies are a constant visible presence. They’re in the trauma rooms, they’re doing exams, they’re frantically calling for backup, they’re physically engaged in every case. Particularly in the earliest seasons of the show, you’re as likely to see one of the nurse characters filling a frame as you are one of the doctors.

Genau deshalb ist das eine von den beiden Fernsehserien geworden, die ich jemals wirklich intensiv verfolgt habe: Die Dichte, die Diversität und Vielzahl an Geschichten – von denen die meisten nie zu Ende erzählt werden, weil die Patientinnen und Patienten immer nur kurz und vorübergehend in der Notaufnahme sind.

Journal Donnerstag, 26. September 2019 – Lehrreiche Gymnastik

Freitag, 27. September 2019

Gute Nacht, bis mich um fünf Schmerzen weckten.

Beim Schreiben und Nachdenken über Isa Bogdans Laufen gefiel mir das Buch immer besser.

Es war ein Regentag angekündigt, doch bis auf ein paar Tropfen blieb es trocken und mild.

Mittags eine große Portion Manchego-Käse, dazu sehr gute Birne und geschmacksneutale gelbe Pflaumen – ich weiß schon, warum ich die eigentlich nie kaufe.

Nach Feierabend Reha-Sport. Diesmal war der Gruppensport richtig gut: Der einweisende Herr Physio gab eine Stunde Koordination mit kleinem Gymnastikball, erklärte nicht nur die Übungen gründlich und korrigierte individuell, sondern erklärte auch die Bedeutung von Koordinationsübungen – bessere Koordination senkt den Kraftaufwand bei Bewegungen und beugt Stürzen vor. Anschließend wieder Geräte, ich hängte immer wieder das schmerzende Bein an einem Step aus.

Heimradeln, am Haupteingang des Oktoberfests wiesen mich Ordner an abzusteigen. Es waren zwar gestern Abend nicht sehr viele Cosplayer unterwegs, aber mit Nähe zur Festwiese steigt bekanntlich die Idiotie.

Nachtmahl war Donnerstags-üblich frisch geholter Ernteanteil-Salat, es gab sogar noch Tomaten dazu. Zur vollständigen Sättigung Schokolade.

Ich freue mich aufs Wochenende.

§

„Homophobie und Transphobie:
‚Auch Omma und Oppa fahren heute zum CSD, um was Buntes zu sehen'“.

Fünf von sechs Teilnehmenden an diesem Zeit-Gespräch wollten anonym bleiben. Angst vor Vorurteilen am Arbeitsplatz, in der Familie:

Besonders da ich im Referendariat stecke, kann ich mir keine Konfrontationen erlauben.

(…)

Ich habe meine sexuelle Orientierung selten zum Thema gemacht

(…)

Ich habe vielmehr Angst davor, meine Familie vor den Kopf zu stoßen, wenn ich unter Klarnamen auftrete.

(…)

In schwierigen Verfahren möchte ich sicherstellen, dass die Leute keine Details über mich wissen, die nicht ihren Normvorstellungen entsprechen.

(…)

Mir scheint, mit den sozialen Medien fällt die Distanz weg. Für mich bedeutet das einen Verlust an Freiheit.

Das macht mich traurig, wir sind wirklich noch lange nicht so weit. (Ich mache ja auch meine sexuelle Orientierung nicht zum Thema. Aber als Norm-Hete muss ich das halt nicht.)

Fast das Herz gebrochen hat mir:

Als ich zwanzig, dreißig war, gab es keine Schwulen im Rentenalter. Die waren von den Nazis umgebracht worden oder in Gefängnissen verschwunden. Wir sind die erste Generation von schwulen Männern, die alt werden darf.

via @ankegroener

§

Ein kluger Aufsatz zur Wissenschaftsfreiheit, ihren Grenzen und ihren Ursprüngen von Lorraine Daston (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin), mit vielen Details und Zusammenhängen, die mir neu waren:
„Forschungsfreiheit – eine unendliche Geschichte“.

Journal Mittwoch, 25. September 2019 – Isabel Bogdan, Laufen

Donnerstag, 26. September 2019

Die Hüftbesserung hielt leider nur 36 Stunden: Schon in der Nacht kamen die Schmerzen wieder, am Tag war ich wieder schwer beweglich, hatte immer wieder das Bedürfnis nach Aushängen an einer Stufe. Wir arbeiten weiter daran.

Mittags die ersten Roten Bete der Saison, die ich am Vorabend gekocht und zu Salat verarbeitet hatte. Außerdem eine Mango mit Joghurt.

Geplant war früher Feierabend, um mit Herrn Kaltmamsell Downton Abbey im Kino anzusehen. Doch ich kam nicht rechtzeitig raus, war zudem nach viel Arbeit völlig gerädert. Ich fürchte, nach einem normalen und normal langen Arbeitstag (bei mir also eher neun Stunden) brauche ich den Feierabend einfach zum blöd Schaun.

Herr Kaltmamsell hatte nochmal frische Pasta gekauft, diesmal mit Ricotta und Spinat gefüllte, servierte sie wieder mit Salbei und Butter. Schmeckte sehr gut.

Als Abendunterhaltung schalteten wir den Fernseher nach der Tagesschau aus (auch der offizielle Versuch einer Amtsenthebung wird Trump nichts anhaben, die Normalität hat sich mittlerweile so verschoben, dass ihm nichts etwas anhaben kann / in UK verschiebt sich die Normalität ebenfalls weiter, wie sie es mit der Brexit-Kampagne begonnen hat; die Parallelwelt, die Boris Johnson geschaffen hat, macht unter anderem ihn unantastbar). Ich las Isabel Bogdans zweiten Roman Laufen aus.

Er gefiel mir sehr gut, ist ausgezeichnet gemacht. Als Form hat sie diesmal die Novelle gewählt: Der Roman ist kurz (Lesezeit gut 2 Stunden), hat eine überschaubare Anzahl Protagonisten – nur die Hauptfigur und ihr Partner bekommen eine Hintergrundgeschichte und Tiefe – und nur einen Handlungsstrang, ist um den Impuls einer verstörenden Begebenheit gebaut, hat einen klaren Aufbau und eine konkrete Situation. Diese konkrete Situation ist das titelgebende Laufen: Wir begleiten über das ganze Buch die innere Stimme der Protagonistin beim Laufen in Hamburg im Park oder an der Außenalster. Zu Beginn hat sie das Laufen nach einer langen Pause wieder angefangen, die Kapitel sind jeweils einzelne Läufe in den darauf folgenden Monaten.

Mit der Wiedergabe dieser inneren Stimme erforscht der Roman die vielfältigen und oft widersprüchlichen Gefühle bei der Hinterbliebenen eines Suizids. Die Stimme hadert immer wieder und aus verschiedenen Perspektiven mit der letztendlich tödlichen Depression des Partners (u.a. „Wie kann man denn Dinge so gern tun und trotzdem nicht mehr leben wollen?“), mit der Erinnerung an die gemeinsame Zeit. Während eines Laufs geraten die Gedanken selbst an den Rand einer Depression, die Stimme hält sich für eine „Zumutung“ und möchte am liebsten nicht da sein. Ich glaube, das Buch kann man gut lesen, wenn man Depressionserfahrung hat; aber es könnte Folter für Angehörige von Depressiven sein.

Für dieses Hadern und Nachdenken, in der sich die Entwicklung der Verarbeitung spiegelt, eignet sich die Technik des Inneren Monologs beim Laufen perfekt – ein wirklich gelungener Kunstgriff. Isa schafft damit einen glaubwürdigen Rahmen für inneren Abläufe, die zwischen Selbstreflexion, emotional belasteten Erinnerungen, Wahrnehmung der Umgebung im Wandel der Jahreszeiten, Blick auf andere Läuferinnen und Läufer, Erinnerung an kürzlich Erlebtes wechseln. Gleichzeitig zeichnet sie dabei indirekt das Bild eines ganzen zeitgenössischen Frauenlebens.

Ich mochte auch, dass der Alltag der Protagonistin Details enthält, die auch für mich zum Alltag gehören, die ich aber noch nie in der deutschsprachigen Literatur gesehen habe: Zum Beispiel die Erwähnung von Bloglesen, und es wird en passant die Existenz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften vorausgesetzt, unmarkiert. Und mir gefiel, dass durch die Sprache immer wieder die Isa Bogdan schien, die ich durchs Bloggen vor vielen Jahren kennengelernt habe: durch „Äpfelchen“, durch „so’n Scheiß“. (Das wäre eine deutlich sinnvollere Interviewfrage als das stereotype „Haben Sie das in Echt erlebt?“: Wie viel von der Sprache des Buchs sind Sie selbst?)

Was nicht idealtypisch für eine Novelle ist: Es gibt keinen Wendepunkt, der alles ändert – der ist bereits vor Einsetzen der Novelle passiert.

Leseempfehlung!

§

Und wenn wir schon bei Kunst von Bloggerinnen meiner Bekanntschaft sind: Katia Kelm hat eine fünfteilige Reihe namens „Eure Mütter“ gemalt. Ich mag schon sehr gern, wie Katias bissiger Witz Malerei wird.
„eure mütter“.

Journal Dienstag, 24. September 2019 – Hängen und floaten

Mittwoch, 25. September 2019

Gut geschlafen, zwar nicht komplett schmerzfrei, aber mit deutlich weniger Schmerzen. Kurz vor Weckerklingeln munter aufgewacht.

Wieder von einer Wohnung geträumt, sicher ausgelöst von dem Facebook-Post einer Bekannten über ihre frühere Wohnblockwohnung in Berlin Lichtenberg. Entsprechend lag die Traumwohnung in einem Plattenbau – und war riesig, mindestens 250 qm, das Schlafzimmer allein doppelt so groß wie unser Wohnzimmer. Ich ging im Traum auch eine Etage tiefer, um mir die erwähnte schreckliche neue Nachbarin anzusehen. Da war es schon laut, weil es viele Kinder gab, die alle ein Instrument spielten – aber echt gut!

Zeitung war endlich wieder rechtzeitig da, vielleicht war der reguläre Austräger vorübergehend verhindert gewesen.

Telefon daheim vergessen, nach einem Drittel des Radlwegs in die Arbeit fiel mir das ein und ich drehte nochmal um.

Lustige Anrufe in der Arbeit – ich blieb völlig professionell und fühlte mich erwachsen.

Mittags Laugenzöpferl, zwei Pfirsiche mit Joghurt und Hüttenkäse, Nachmittagssnack Apfel und Nüsse.

Über den Tag zog die Hüfte wieder zu, doch nachmittags erinnerte ich mich an einen weiteren Tipp von Frau Physio (also der, die mich tatsächlich untersucht und angefasst hat): Bein aushängen, also mit dem nicht schmerzenden auf irgendeine Erhöhung stellen, das anderen hängen lassen. Schmerzhaft, aber wirksam. Auffallend: Die Zahl auf dem Schrittzähler sinkt bei gleichen Wegen, was auf wieder größere Schritte hinweist.

Ein sonniger Tag, der gegen Abend zuzog. Heimradeln über die Maxvorstadt, weil ich dort etwas besorgen musste. Dadurch fuhr ich automatisch in einem großen Bogen um die Theresienwiese heim, sehr angenehm.

Daheim nochmal Home Floating in der Badewanne – tat wieder sehr gut.

Herr Kaltmamsell machte zum Abendbrot Nudeln mit Salbei (er hatte für den Herbstsalat große Mengen gekauft, dafür wird uns noch einiges einfallen müssen).

§

Eine US-amerikanische Perspektive:
„I work in the environmental movement. I don’t care if you recycle.“

I’m at my friend’s birthday dinner when an all-too-familiar conversation unfolds. I introduce myself to the man to my left, tell him that I work in the environmental field, and his face freezes in terror. Our handshake goes limp.
“You’re gonna hate me …” he mutters sheepishly, his voice barely audible over the clanging silverware.

I knew what was coming. He regaled me with a laundry list of environmental mistakes from just that day: He’d ordered lunch and it came in plastic containers; he’d eaten meat and he was about to order it again; he’d even taken a cab to this very party.

I could hear the shame in his voice. I assured him that I didn’t hate him, but that I hated the industries that placed him — and all of us — in the same trick bag.

(…)

I don’t blame anyone for wanting absolution. I can even understand abdication, which is its own form of absolution. But underneath all that is a far more insidious force. It’s the narrative that has both driven and obstructed the climate change conversation for the past several decades. It tells us climate change could have been fixed if we had all just ordered less takeout, used fewer plastic bags, turned off some more lights, planted a few trees, or driven an electric car. It says that if those adjustments can’t do the trick, what’s the point?

(…)

When people come to me and confess their green sins, as if I were some sort of eco-nun, I want to tell them they are carrying the guilt of the oil and gas industry’s crimes. That the weight of our sickly planet is too much for any one person to shoulder. And that that blame paves the road to apathy, which can really seal our doom.

But that doesn’t mean we do nothing. Climate change is a vast and complicated problem, and that means the answer is complicated too. We need to let go of the idea that it’s all of our individual faults, then take on the collective responsibility of holding the true culprits accountable.

(…)

Here’s my confession: I don’t care how green you are. I want you in the movement for climate justice.

I don’t care how long you’ve been engaged in the climate conversation, 10 years or 10 seconds. I don’t care how many statistics you can rattle off. I don’t need you to be all-solar-everything to be an environmentalist. I don’t need you to be vegan-er than thou, or me, for that matter. I don’t care if you are eating a burger right this minute.

I don’t even care if you work on an oil rig. In some parts of the country, those are the only jobs that pay enough for you to feed your family. And I don’t blame workers for that. I blame their employers. I blame the industry that is choking us all, and the government that is letting them do it.

via @mspro


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