Journal Freitag, 27. September 2019 – Theresienwiesenumfahrung zum Wochenende

Samstag, 28. September 2019 um 10:41

Uiuiui – nachts erst gegen Ende Schmerzen, doch die dann den Tag über wieder richtig behindernd: Trippelschritte, nicht mal Lust, vom Schreibtisch aufzustehen. Nachmittags dann schlagartige Besserung, für die ich keinen Auslöser sah – so kann ich doch nicht an meinen Beschwerden arbeiten.

Morgens auf der Fahrt ins Büro durch milde Luft war ich gerade noch mit dem Rad am Haupteingang (gegenüber ehem. Klohäusl „Das Bad“) des Oktoberfests vorbeigekommen, als bereits Barrieren für jede Art von Durchfahrt und -gang aufgebaut wurden. Um 7:30 Uhr standen bereits große Gruppen Bajuwaren-Cosplayer auf den Straßen und Wegen davor.

Mittags Trauben, außerdem Birnen mit Hüttenkäse und etwas selbst gemachtes Granola (möglicherweise habe ich seit einigen Jahren Verdauungsprobleme mit Cocosflocken, vielleicht vor allem mit gerösteten Cocosflocken).

Noch wenig herbstliche Aussicht.

Mal wieder ein Füßebild.

Wirklich früher Feierabend, es war nichts mehr zu tun. Ich schaffte mir Anlässe, die Theresienwiese in großem Bogen zu umfahren, indem ich über Donnersbergerbrücke und Nymphenburger Straße zum Stiglmaierplatz radelte, wo ich meinem Leibfriseur ein Stück Haarseife vorbeibrachte: Er probiert gerade einmal quer durchs Marktangebot, ich wollte ihm meinen bisherigen Favoriten präsentieren (Rosmarin).

Ich schlug den Bogen noch weiter und radelte über Briennerstraße und Hofgarten zur Hofbräumühle – in Maximilian- und Falkenbergstraße musste ich hinter einem Touristen-Pferdewagen herschleichen, doch die beiden prächtigen Rösser unterhielten mich netterweise mit filmreifem Gewieher.

Mit fünf Kilo Mehl im Rucksack (2,5 kg Roggenmehl 1370 und 2,5 kg Pizzamehl aus mühleneigener Mischung) radelte ich über den Viktualienmarkt und Oberanger vorsichtig zwischen Baustellen und Cosplayern nach Hause.

Ich setzte Pain d’epices zur glücklichen Foie gras am Samstagabend an, Herr Kaltmamsell machte uns Brandys Alexander.

Zur weiteren Feier des Arbeitswochenendes gab es Rind aus der Pfanne und geschmort, dazu Fraktalesco aus Ernteanteil. Angestoßen mit einem Glas südafrikanischem Neethlingshof Owl Post.

Aus einem Tweet des Autors erfuhr ich, dass Anfang 2020 Bov Bjergs nächster Roman veröffentlicht wird: Serpentinen. Auf Nachfragte bestätigte Bov, dass das Roman zu seiner gleichnamigen Klagenfurt-Geschichte von 2018 ist, der wundervolle Klagenfurt-Text (hier nachzulesen) ist der Anfang.
Und am 5. Dezember kommt die Verfilmung von Bov Bjergs Auerhaus in die Kinos! (Vor der fürchte ich mich allerdings ähnlich wie vor der von Tschick.)

§

Wenn schon mal mich ein Artikel über eine Fernsehserie interessiert:
„The Doctors Made ER Great. The Nurses Made It Radical.“

via @TillRaether

The most radical thing about ER — the element of the show that no subsequent medical show has replicated or improved upon — is that it was always also a show about nurses.

ER ist die eine von zwei Fernsehserien, die ich klassisch bingegewatcht habe (gebingewatched?).

The depth of the nursing staff on ER was just one expression of the show’s defining approach, especially in the earlier seasons. ER is full — where House, Grey’s Anatomy, and The Good Doctor all take place in echoing clean spaces, often including empty sweeping staircases and massive glass walls, ER’s County General is a crowded, messy, lived-in space. There are signs and pieces of paper hung all over the walls. In one of my favorite shots from the pilot episode, Dr. Greene shimmies past a ladder set up in the hallway, where a maintenance worker is replacing a long fluorescent bulb that nearly misses hitting Greene over the head. No one mentions it, and Greene hardly even flinches. This is just what the ER is like; there are so many characters and so many stories happening in every imaginable corner of the facility that Greene trips over at least four of them walking down the hallway. Most of them we never see again, because they’re just one more piece of the inescapable background buzz. But the nurses are as much a part of the thrumming rhythm of the place as the doctors, and their bodies are a constant visible presence. They’re in the trauma rooms, they’re doing exams, they’re frantically calling for backup, they’re physically engaged in every case. Particularly in the earliest seasons of the show, you’re as likely to see one of the nurse characters filling a frame as you are one of the doctors.

Genau deshalb ist das eine von den beiden Fernsehserien geworden, die ich jemals wirklich intensiv verfolgt habe: Die Dichte, die Diversität und Vielzahl an Geschichten – von denen die meisten nie zu Ende erzählt werden, weil die Patientinnen und Patienten immer nur kurz und vorübergehend in der Notaufnahme sind.

die Kaltmamsell

16 Kommentare zu „Journal Freitag, 27. September 2019 – Theresienwiesenumfahrung zum Wochenende“

  1. Sebastian meint:

    Aaalsooooo guuuut: Welche. Ist. Die. Andärä. Feeernseeeehseeeeerieeeeee?!

    Und ja: Hail to the nurses! Auch im wahren Leben.

  2. die Kaltmamsell meint:

    Oh, ich dachte, ich hätte die eher zu oft erwähnt, Sebastian: Friends.

  3. Joël meint:

    Mmmh… ich bin eher für gebingewatched.
    Das andere hat was von einer österreichischen Watschen.

  4. CorSa meint:

    Große Liebe für das Füßebild und die Garderobe!
    Und ein leichtes Schmunzeln für das “glücklich“ ;-). Mich haben die belehrend-kritischen Kommentare neulich erstaunt. Dies bin ich hier nicht gewohnt oder habe es bisher so nicht mit bekommen.

  5. Christine meint:

    Übrigens amüsiert mich der Twist sehr hervorragend, das Oktoberfest als Cosplay zu sehen. Ich werde es demnächst bei den lästigen Fußball-Fans versuchen, die hier immer wieder einfallen.

  6. Trulla meint:

    @CorSa
    Ich glaube, ich war die Einzige, die über den Kauf von foie gras Verwunderung äußerte. Ist das schon Belehrung?

    Ist jegliches Äußerung der Kaltmamsell Ihrer Meinung nach so sakrosankt, dass sogar nachfragen übergriffig sein soll?
    Allgemeine Frage zum Verständnis (vielleicht habe ich etwas nicht verstanden): ist Bloggen und Blog lesen/kommentieren nicht eine Art von Interaktion?

  7. Croco meint:

    Hihiiihiii: cosplay und gebingegewatcht.
    Schuhe und Rock sehen wunderhübsch aus.

  8. Ulla meint:

    Habe gerade Pizzateig angesetzt mit Mehl von der Hofbräuhaus Kunstmühle.
    Beim einkaufen gestern begegneten mir ca. 15 Italiener in Leder Kniebundhosen und rot/weiß karierten Hemden. Honi soit qui mal y pense.

  9. Anneke meint:

    Ich schließe mich Trullas Kommentar an. Ein Blog mit offenem Kommentarbereich ist doch eigentlich offen für Kommunikation?

    Ich finde es seltsam, wenn jedwede anderslautende Sichtweise niedergebügelt wird als müssten Groupies ein Popsternchen schützen. Wovor eigentlich?

    Und warum dieser Zynismus „glückliches Foie gras“? Als billiger Seitenhieb auf nachvollziehbare Kritik? Wenn Meinungskonformität gewünscht ist wäre ein allgemeiner Hinweis sicher hilfreich.

  10. CorSa meint:

    Sie werten das „glücklich“ als zynisch? Ich empfand es eine charmante Art und Weise, auf den damaligen Kommentar einzugehen (und Sie vielleicht sogar zu beruhigen). Auuserdem lerne ich daraus wieder einmal wie missverständlich geschriebene Sprache sein kann – im Blog wie in den Kommentaren.

  11. Eva meint:

    Die „Cosplayer“ erheitern mich jedes Mal auf’s Neue.

  12. iris meint:

    Tupfenkleid und bingegewatcht sind zu schön, ganz mit croco!

  13. iris meint:

    Übrigens war ER meine tägliche Portion Trost, als ich vor etlichen Jahren lange eine Krebsbehandlung durchstand. Was mich jedoch störte, war, dass wohl Beziehungen über die Hautfarbengrenzen hinweg damals undenkbar waren für die amerikanischen Macher. Die weiße Ärztin Elisabeth, die ja aus England kam, war dann die erste, die eine Beziehung mit einem afroamerikanischen Arzt hatte. Und Leute asiatischer Herkunft durften Beziehungen mit Afroamerikanern eingehen…

  14. Neeva meint:

    Eine Nachfrage zur Haarseife: Verwenden Sie denn beim Münchner Wasser anschließend eine saure Rinse?

  15. die Kaltmamsell meint:

    Nein, tue ich nicht, Neeva. Beim vorletzten Haarschneiden sprach in meinen Friseur darauf an, genauer: Ich fragte ihn, was er zum Zustand meiner Haare sage. Denn da benutzte ich bereits seit sieben Monaten Haarseife, ohne je sauer nachzuspülen. Er befand: Haar in hervorragendem Zustand und erklärte mir, dass es einen Unterschied zwischen Haarseife und festem Shampoo gebe. Handelt es sich tatsächlich um eine Seife, lagern sich ohne saures Nachspülen Reste ab (er verwendete sicher die korrekte Bezeichnung für die Substanz), die man mit gelegentlicher Essigspülung lösen muss. Sehr wahrscheinlich habe ich also bisher in Wirklichkeit festes Shampoo verwendet – Shampoo, dem einfach das Wasser entzogen wurde; dass die Liste der Inhaltsstoffe Tenside nennt, spricht dafür.

  16. miss_ada meint:

    Auch von mir nochmals vielen Dank für das „cosplay“ Framing, ich konnte es sogar schon anwenden. Eine Gruppe Australier in Trachtenverkleidung frug erst höflich nach dem Weg zum Oktoberfest, und dann, auf mein wedelndes „just follow the masses“, ob ich denn nicht auch dorthin wolle. Ich konnte strahlend antworten „Oh, no, I am SO NOT into bavarian cosplay“ … der verwirrte Gesichtsausdruck meines Gegenüber amüsierte mich noch Stunden.

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