Journal Dienstag, 29. Oktober 2019 – Bürobelastung

Mittwoch, 30. Oktober 2019 um 6:38

Gut geschlafen, dennoch nach über acht Stunden aus tiefem Schlaf gerissen. Herr Kaltmamsell (der keine Grippeschutzimpfung hatte) tauchte sogar erst deutlich nach sieben auf – und das, wo er sonst auch in den Ferien mit mir wach wird (trotz fünf Metern zwischen unseren Zimmern). Irgendwas beutelt uns beide.

Ich entschied mich nochmal für wunden-freundlichen ÖPNV in die Arbeit. Auf den nächsten Bus hätte ich lange warten müssen (wie nützlich diese Echtzeit-Anzeigen sind, es stand auch gleich der Grund „Verkehrsunfall“ dabei), also wechselte ich auf Tram und U-Bahn – 20 Minuten von Tür zu Tür.

Vormittags erfreute ich mich an einer langen Phase unbeschwerten, fast schmerz- und humpelfreien Gehens – ich klammere mich daran, dass das ein Indiz für die Möglichkeit einer Heilung ist.

Viel, dichte Arbeit ins Blaue hinein. Ein düsterer Tag, es regnete immer wieder.

Mittags eine Breze und ein Granatapfel mit Joghurt, nachmittags ein Apfel und ein Stück Engadiner Nusstorte.

Als ich gerade Feierabend machen wollte, kam noch ein Schwung Arbeit, die sehr wahrscheinlich zu einem Projekt wird, das mir Schlaf raubt.

Auf dem Heimweg große Unruhe am Sendlinger Tor, zu dem ein Feuerwehrauto nach dem anderen an-tatüt war; in der U-Bahn zum Stachus war bereits die Störung zwischen Sendlinger Tor und Kolumbusplatz durchgegeben worden: Eine U-Bahn war in der Wendeanlage aus dem Gleis gesprungen.

Einzelner Abend, da Herr Kaltmamsell aushäusig war. Nachtmahl für eine Person, das sich auch ohne große Vorräte machen lies: Rahmspinat aus der Gefriere mit löslicher Gemüsebrühe und Knoblauch zu einer Spinatsuppe erhitzt, zwei Eier darin stocken lassen. (Nicht Standard war das bisschen selbstgemachtes Harissa zum Verfeinern). Nachtisch: Sandwichtoast (ist auch nicht immer im Haus) mit Butter und Orangen-Marmelade.

Mein zustätzlicher Vorteil (neben einem gut ausgestatteten Zweierhaushalt) ist, dass ich allein gewohnt habe, seit ich 19 war und ab diesem Alter gerne und täglich für mich allein kochte. Ich hatte daheim nicht kochen gelernt, war aber neugierig auf all die unbekannten Supermarktdinge – und aß wirklich immer schon sehr gern. Dazu kamen ein knappes Budget: Ich kannte schon als Studentin kostensparende Tricks wie Hühnerbrühe aus dem gefrorenen Hühnerklein vom Penny (in dessen Kühltheke es auch günstige gefrorene Forellen gab) und hatte als Innenstadtbewohnerin Zugriff auf das geldbeutel-freundliche Obst und Gemüse der türkischen Händler. In meinem Freundeskreis zu Uni-Zeiten wurde oft reihum gekocht und eingeladen.

§

Die schönste Geschichte im Internet stammte gestern von Hystricidae – sie erinnert sich an ihre katholische Kleinkindheit im bayerischen Hinternirgends ($Strunzöd).
„Der Ort, an dessen Rand ich aufwuchs, war klein und umgeben von noch kleineren Orten, deren Namen es nur in gelb auf grünem Grund gab.“

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Dienstag, 29. Oktober 2019 – Bürobelastung“

  1. iv meint:

    Danke für die Blumen!

  2. Trulla meint:

    @iv

    Was für ein wunderbarer Bericht. Danke! Wir müssten viel mehr Lebensgeschichten aus der “Normalität“ lesen (ein guter Grund für’s Bloggen), um zu verstehen, wie Gesellschaften ticken. Wie es manche schaffen, sich aus Indoktrinationen zu befreien, und andere ein Leben lang verhaftet bleiben.

  3. Frau Klugscheisser meint:

    Iv, eine sehr schöne Geschichte mit leichter Gruseltendenz. Wie im richtigen Leben halt.

  4. vered meint:

    DANK

    @ an Trulla für ihr kluges Plädoyer für Lebensgeschichten-Blogs.

    @ an Kaltmamsell für ihr Blog, das eine Tür öffnet zu ihrer (mindestens mir) ganz unbekannten Lebenswelt, und auch für den Link zu ivs Blog

    @an iv,deren Blogeintrag vom 29.Oktober meine Neugierde auf die“Person dahinter“ erweckt hat.Nun habe ich vom allerersten Anfang zu lesen begonnen, und ich freue mich jedesmal, wenn ich einen neuen Wesenszug entdecke und so nach und nach die Gestalt der Verfasserin vor mir ersteht.

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