Journal Donnerstag, 17. Oktober 2019 – Angriff der Erkältungsviren

Freitag, 18. Oktober 2019 um 7:28

Der Verdacht beim Aufwachen bestätigte sich im Lauf des Vormittags: Auch ich stehe wohl unter Attacke eines Erkältungsinfekts. Jetzt wird es nur spannend, in welcher Gefechtsstärke er durchmarschiert.

Morgens hastiges Bloggen über den Theaterabend, Radeln durch freundlichen Sonnenaufgang in die Arbeit. Dort Anknüpfen an die Hektik vom Vortag – zu meiner Beruhigung hatte mein früher Feierabend keinen Schaden angerichtet.

Mittags die zweite Hälfte des Nudel-Tomaten-Gurken-Minimozzarella-Joghurt-Majo-Gemischs vom Vorabend. Nachmittagssnack zwei Bananen.

Die Erkältungssymptome wurden immer unangenehmer. Gestern konnte Herr Kaltmamsell nicht wie sonst unseren Ernteanteil abholen, also war mein Plan gewesen: Pünktlicher Feierabend, Ernteanteil holen, heim bringen, dort Turnbeutel mitnehmen, damit zum Rehasport radeln. Doch in einer schier übermenschlichen Anstrengung erwachsen und vernünftig zu sein, sagte ich den Rehasport telefonisch ab. Zwar wäre der schon irgendwie gegangen, aber sicher nicht gesünder gewesen als Ruhe daheim. Ich holte also lediglich den Ernteanteil, brachte ihn heim, ging dann nochmal kurz los, um in der Apotheke alles für die Bekämpfung der anstehenden Erkältungssymptome zu besorgen (Halspastillen, Nasenspray, Erkältungslikör) und drüben beim Biosupermarkt die Milchversorgung des Haushalts sicherzustellen. Allein dabei machten mir bereits Schweißausbrüche und Schwindel klar, dass Sport gar keine gute Sache gewesen wäre.

Wer krank wird, sollte dringend ihren kulinarischen Gelüsten folgen. Also gab es zum Nachtmahl nicht die donnerstagabendlich übliche Riesenschüssel Salat (über die ich mich sonst immer sehr freue – mein Soulfood kann schon auch so aussehen), sondern nur die unangekündigte Hand voll Feldsalat aus Ernteanteil mit Resttomate – und eine Schüssel Griesbrei, auf die ich sehr große Lust hatte.

Nebenher ließ ich die Kenwood Bagelteig kneten, damit die Teiglinge über Nacht im Kühlschrank gehen konnten.

Auf das Entspannungsbad verzichtete ich, das wollte ich meinem eh wackligen Kreislauf nicht zumuten. Früh ins Bett mit nur geringer Hoffnung auf Wunderheilung im Schlaf.

§

Die Revision gegen seine Verurteilung wurde abgewiesen, der BGH hat die Haftstrafe gegen den ehemaligen Präsidenten der Musikhochschule München, Siegfried Mauser, wegen sexueller Nötigung bestätigt.

Maria Collien, Mezzosopranistin und Nebenklägerin im Prozess gegen ihn, kann sich jetzt öffentlich zum Fall äußern. Sie tut das im Blog des Harfenduos Laura Oetzel & Daniel Mattelé und erklärt, warum sie sich die Nebenklage aufgehalst hat – denn dass es mit einer schlichten Aussage nicht getan ist, sondern jede, die ihren Missbrauch durch Prominente sichtbar macht, durch die Öffentlichkeit gezerrt wird, als sei sie diejenige, die sich etwas zuschulden hat kommen lassen, hindert ja die meisten betroffenen Frauen genau daran:
„Wie wagen sie es nur?“

Es ist schon seltsam, dass sich bis heute ein so ungeheuerliches Ausmaß an Interpretationsfreiheit gehalten hat, was die ungeschriebenen „Künstlerprivilegien“ betrifft oder besser gesagt, das häufig raubtierhafte Benehmen dessen sich, weit mehr als vermutet, die sogenannten (großartigen) Künstler zu bedienen erlauben oder gar erhaben zu glauben. Viele denken, sich nicht mit moralisch und ethisch integerem Verhalten verantworten zu müssen, weil sie als bewundernswerte Menschen, Künstler oder gar Stars gehandelt werden.
Diese selbstdeklarierten Übermenschen, wie wagen sie es nur???

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 17. Oktober 2019 – Angriff der Erkältungsviren“

  1. Frau Klugscheisser meint:

    Den Brief von Maria Collien habe ich auch gestern gelesen. Ich weiß nicht, wie wir so lange übergriffiges Verhalten von Männern gegenüber Frauen bzw. Machtpositionen gegenüber Unterstellten in der Künstlerszene akzeptieren konnten. Erklären kann ich es mir aber, weil ich mich dort ebenfalls bewegte.

    Seit ich mit Coaching zu tun habe, ist mir der gravierende Unterschied zwischen dieser künstlerischen und der anderen Businesswelt aufgefallen. Die normalen Businesscoachings zielen darauf ab, Menschen zur Befreiung ihrer unterdrückten und nicht mehr wahrgenommenen Gefühle zu bewegen. Kunstschaffende tragen ihre Emotionen und damit ihre Seele jedoch auf den Hemdsärmeln (sleeves). Die muss man dazu bringen, all das Gefühlschaos in akzeptable Bahnen zu lenken. Ich kann mir vorstellen, dass da der ein oder andere seine Triebe und Urinstinkte mit anderen Gefühlen verwechselt und sie ungehindert auslebt, weil das in der Szene ja üblich ist. Es verschwindet oft auch die Grenze zwischen auf und hinter der Bühne. Der Adrenalinüberschuss nach einer Aufführung tut dabei sein Übriges. So wird ein Don Giovanni in Kostüm und Maske plötzlich zum Überflieger, der sonst auf der Straße keines Blickes gewürdigt wird, und der Pianist kann so hässlich sein wie er will, nach einem Auftritt wird er angehimmelt, obwohl das Publikum eigentlich nur die Sehnsüchte und Gefühle anhimmelt, die er während seiner Darbietung freigesetzt hat. Der betreffende Künstler aber nutzt die Gunst der Stunde. Bei Piloten bzw. Uniformierten habe ich Letzteres übrigens auch beobachtet.

    Soweit zur Erklärung, nicht aber zur Rechtfertigung von Übergriffigkeit und Allmachtsphantasien unter Kunstschaffenden.

  2. Nina meint:

    Aber sexuelle Übergriffe von Männern gegenüber Frauen gibt es doch überall, quer durch alle Betätigungsfelder, soziale Schichten und Blasen. Das hat doch weniger mit den Charakteristika der Kunstszene und der psychisch-emotionalen Verfasstheit von Künstler*innen zu tun, als vielmehr mit dem Patriachat, toxischer Männlichkeit und Gewalt. Sexuelle Gewalt gibt es auch in der freien Wirtschaft, im Wissenschaftsbetrieb und überall, wo Frauen neben Männern arbeiten, die ihre übergeordneten Machtpositionen so auszunutzen wissen. Oder irre ich mich?

  3. Frau Klugscheisser meint:

    @Nina, das ist korrekt. Die Frage (der Maria Collien) lautete auch, wieso die Übergriffe in der Kunstszene so lange angedauert haben und immer noch toleriert bzw. als Künstlerprivileg maskiert werden (so hab‘ ich’s zumindest verstanden).

  4. Laura meint:

    @Nina:
    Natürlich gibt es das überall. Aber in der Klassischen Musik sind noch hierarchische Strukturen üblich, die anderswo als völlig veraltet gelten würden. Gerade Studierende sind in extremer Weise abhänging: Oft entscheidet eine einzelne Lehrperson über die weitere Karriere oder den Verbleib an der Hochschule. Von daher sind wir in der Musik besonders anfällig für Machtmissbrauch.

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