Journal Dienstag, 26. November 2019 – Freier Tag mit Schwimmen, Öffi-Irrfahrt, Anfassen und Kochen

Mittwoch, 27. November 2019 um 6:27

Ein freier Tag also. Die Idee hatte ich anlässlich des Physio-Termins am Nachmittag: Anstatt mir die Zeit von der Arbeit anzuzwacken, konnte ich doch gleich den ganzen Tag abzwacken. Ich stellte mir den Wecker eine halbe Stunde später (konnte ich gut brauchen, das Einschlafen war arg schmerzgestört verlaufen), und da Herr Kaltmamsell nicht zur ersten Schulstunde antreten musste, konnte ich ihm dennoch Milchkaffee servieren.

Noch recht früh machte ich mich auf den Weg zum Dantebad, allerdings schonend mit der U-Bahn. Im Bad war kurz nach halb zehn anscheinend gerade Schichtwechsel, mit mir kamen sehr viele weitere Frauen in die Umkleide und die Duschen. Auch die Schwimmbahnen waren so gut besetzt wie am Samstag, ich musste oft überholen (achtete bei der Beschleunigung aber darauf, nur aus dem Oberkörper zu arbeiten und die Beine weiterhin nur Anemonen-sanft zu wedeln). Aber! Es kam immer wieder die Sonne raus, ich genoss die Luft. Anschließend Dehnen im benachbarten Sprudelbecken.

Auch jetzt geriet ich in einen Schichtwechsel, die Duschen waren sogar überbelegt, manche Frauen mussten warten.

Zum Frühstück steuerte ich das Café Puck an und ließ mir von der MVV-App eine Verbindung anzeigen. Doch gestern klappte das sonst so verlässliche System überhaupt nicht: Die genannte Straßenbahnlinie gab es wohl gar nicht, zweimal verstrich die angegebene (und an der Live-Anzeige angekündigte) Abfahrtzeit an der Haltestelle, ohne dass die Tram auftauchte – ich stand 20 Minuten herum (dass eine andere Linie mich ebenfalls an den Umsteigehalt gebracht hätte, verschwieg die App). Also schlug ich mich auf eigene Faust durch, verirrte mich an der vielspurigen Kreuzung Landsberger/Nymphenburger Straße auf der Suche nach der richtigen Bushaltestelle – und brauchte insgesamt über eine Stunde für eine Strecke, die ich mit dem Rad in nicht mal 20 Minuten zurückgelegt hätte. Meine Laune war nicht mehr sehr ferienhaft (zum Glück hatte ich meinen E-Book-Reader dabei und war mit Lektüre versorgt, sonst hätte ich wahrscheinlich aufgegeben und wäre heim gefahren).

Das Café Puck enttäuschte nicht, ich frühstückte ausgesprochen feudal.

Das da rechts unten ist eine monstermäßige Brioche, warm, schwer, butterduftend. Dazu gab es Hirschschinken, Bergkäse, Zimtquark, Ei, frisch gepressten Orangensaft (ich war so durstig, dass ich mich sofort darauf stürzte), Capuccino, Apfelschorle. Und die Süddeutsche des Tages.

Nicht ganz so gemütlich wie geplant nahm ich die U-Bahn nach Hause. Dort konnte ich gerade noch die nassen Schwimmsachen zum Trocknen aufhängen, bevor ich eine S-Bahn zur Anfasserin nahm. Unterwegs las ich Shulamit Lapid, Mirjam Pessler (Übers.), Lokalausgabe aus – überraschend, denn an sich war die Fortschrittsanzeige erst bei 91%: Mal wieder bestand der Rest aus Werbung und Leseproben. Das ärgert mich immer, auch in gedruckten Büchern: Meine Leseerwartung kommt so gerade bei einem Krimi völlig durcheinander; wenn scheinbar noch ein gutes Stück Buch übrig ist, rechne ich noch nicht mit einer Auflösung des Falls. Insgesamt war mir die Hauptfigur im Verlauf dieses israelischen Provinzkrimis, Lisi Badichi, doch noch ans Herz gewachsen. Ich mochte es, an meine Wochen in Israel erinnert zu werden, amüsierte mich auch über die originalgetreue Darstellung des Alltags einer Lokaljournalistin. Und ich war mir des Alters des Romans bewusst: Es gibt noch kein Internet (meine Güte, waren Rechechern ohne noch aufwendig!) und kein Handy, Lisi hat lediglich einen Piepser.

Frau Physio ließ mich wieder auf ihrem Flur schaulaufen und war eigentlich ganz zufrieden mit der Entwicklung – in diesem Moment ging ich auch rund und hinkte nicht so heftig wie vorher am Tage. Diesmal nahm sie sich meinen zur rechten Hüfte gehörigen Fuß vor. Ich spürte, dass vor allen der Mitelfuß es nötig hatte, weil er knallhart war. Aber auch die Hüftmuskulatur bekam ihre kräftigen Hände zu spüren.

Anschließend hatte ich Einkäufe um den Marienplatz vor, fuhr also mit der S-Bahn bis dorthin durch (und sah als Aufklebern an den Fenstern zum ersten Mal Werbung für Mozillas Firefox). In der Papeterie des Ludwig Beck (danke für den Tipp!) sah ich mich gründlich bei den Notizbüchern um. Bindewerk wäre mir schon sehr sympathisch gewesen, doch in der reichlichen Auswahl gab es nur entweder ein Modell mit Haltegummi drumrum oder eines mit Einmerkeband – keines verfügte über beides (nur Kalender hätte es von Bindewerk mit meiner Idealausstattung gegeben). Meine Wahl fiel schließlich auf ein italienisches Modell von Castelli.

Im Kaufhof holte ich noch Strümpfe, Portwein und Süßigkeiten, bevor ich im Biosupermarkt Zutaten fürs Abendessen besorgte (leider kein frischer Spinat, aber ich war zu faul zu weiterer Suche, also gefrorener). Ich machte das vertraute Palak Paneer nach Germanabendbrot, dazu Naan nach einem neuen Rezept. Fürs Backen des Naan in der Pfanne  rekrutierte ich Herrn Kaltmamsell, um nicht in Hektik zu geraten.

Beides wurde ausgezeichnet, mit dem Naan war sogar der Herr zufrieden.

§

Es schrieb Direktorin Novemberregen.

Und erhielt als Antwort:

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https://youtu.be/zi8ShAosqzI

Wie großartig! Wie vielseitig einsetzbar!
(Norwegischer Humor also. Wieder was gelernt.)

die Kaltmamsell

10 Kommentare zu „Journal Dienstag, 26. November 2019 – Freier Tag mit Schwimmen, Öffi-Irrfahrt, Anfassen und Kochen“

  1. Fujolan meint:

    Kennen Sie die Lesebändchen zum selbst anbringen? Ich hab sie bereits für Notizbücher genutzt
    https://www.lesebaendchen.com/

  2. lihabiboun meint:

    Diese „frühen“ Enden bei eBooks nerven mich auch immer … bei gedruckten Büchern kann man sich wenigstens vorher informieren, wo die Werbung anfängt.
    Das Naan sieht gut aus, wird ausprobiert. Danke für den Hinweis.

  3. julisonne meint:

    „Give me compliments“ ist großartig!
    Kennen Sie „Lobdefizit“ von Funny van Dannen, paßt auch zum Thema :)

    https://www.youtube.com/watch?v=4kCj-Zi9GGY

  4. Señor Verano meint:

    Zum Thema norwegischer Humor – wissen Sie, wie der Fuchs sagt?
    https://www.youtube.com/watch?v=jofNR_WkoCE

  5. Frau Klugscheisser meint:

    Was mir zum Thema „give me compliments!“ einfällt:
    Kleines deutsch-indisches Missverständnis
    https://smartass.blogger.de/stories/913569/ (dritter Absatz)

  6. Elisabeth meint:

    Dieses Video. Na gut, dann werde ich halt morgen wieder mitten im Unterricht daran denken und unaufhaltsam kichern:-).

  7. FrauC meint:

    Darf ich Ihnen die App „Öffi“ empfehlen? Kostenlos, werbefrei, allwissend, und das in jeder Menge Verkehrsverbünden.

  8. Trulla meint:

    Danke @Frau Klugscheisser!
    Was für eine Erzählung – ich habe mich schon früh am Morgen köstlich amüsiert. So liebe ich den Tagesanfang.

  9. Crocodylus meint:

    Niedlich, das Video.
    Das fällt mir bei den jüngeren Kolleginnen und Kollegen auf: sie wollen gelobt werden.Dann mach ich das halt ein bißchen. Loben ist ja auch Wahrnehmung.
    Aber doch nicht die ganze Zeit, und dafür, dass sie ihren Job machen?
    Und der Chef lobt auch nicht. Das werfen sie ihm vor. Nicht, dass er ihre Arbeit nicht wertschätzt, das nicht.
    Im Schwäbischen gibt es da einen Wegknallsatz:
    Nix gsagt isch gnuag globt.
    Nichts gesagt ist genug gelobt.

  10. Christine de Pizan meint:

    Pssst: Die Übersetzerin der „Lokalausgabe“ ist Mirjam Pressler, d i e Mirjam Pressler… mit zum Beispiel „Novemberkatz“ oder „Guten Morgen, gute Nacht“

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