Journal Montag, 25. November 2019 – Nebelnovember

Dienstag, 26. November 2019 um 7:25

Ein richtiger Nebeltag. Ich wachte zu sehr trüben Aussichten in den dunklen Morgen auf, die sich in der innersten Innenstadt bis zu meiner Abfahrt etwas lichteten. Doch die Theresienwiese war eine einzige Waschküche,1 und vor meinem Bürofenster sorgten den ganzen Tag gerade mal die winterlichen Saatkrähen für einen wirklichen Kontrast – alles andere war mit übertriebenem Weichzeichner verwischt. Das Heimradeln fühlte sich wie die Dampfwäsche bei der Kosmetikerin an, es war auch nicht sehr kalt.

Mittags die restlichen Linsen vom Linsen-mit-Spätzel-Mahl vom Freitagabend (die restlichen Spätzle, denn Spätzle macht Herr Kaltmamsell nie wenige, waren im Gefrierschrank geparkt), nachmittags ein Stück schwarze Schokolade.

Wenige Übergabegespräche, ich hatte mir den Dienstag freigenommen und freute mich sehr darauf.

Herr Kaltmamsell hatte aus dem Gansgerippe vor zwei Wochen Brühe gekocht, sie war die Basis für ein fleischloses Tom Kha Gai, in das der Pak Choi aus Ernteanteil kam, Chilis aus einem Blumenstrauß und zugekaufte Pilze. Als Aperitif machte ich uns Green Monkeys, weil noch Sahne da war. (Sie merken, wie unsere Speisen- und Einkaufsplanung funktioniert?)

Früh ins Bett zum Lesen.

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Das Weinblog Chez Matze erzählt immer wieder von Besuchen in Weingegenden, wunderschön bebildert. Dieser hier bezauberte mich besonders:
„Die schönsten Weinberge an Saale und Unstrut“.

Wenn ich wieder Wandern kann (TFU TFU TFU), wünsche ich mir eine ausgedehnte Weinbergwanderung.

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Kathrin Passig seziert in einer Kolume für die Frankfurter Rundschau wieder eine weit verbreitete Haltung zu Technik, nämlich die Annahme, es gebe einen übertriebenen und damit schädlichen Technikeinsatz
„Technik ohne Seil“.

Was wir überhaupt als Techniknutzung wahrnehmen und diskutieren, ist meistens der Umgang mit den Neuerungen der vergangenen paar Jahre. Mit den ersten Aufzügen fuhr man nur aufwärts und nahm bergab die Treppe. Auch im Ende der 1920er Jahre erbauten „Karstadt“ am Berliner Hermannplatz fuhren die Rolltreppen tagsüber nur nach oben. Der Rückweg musste zu Fuß zurückgelegt werden – eine perfekt ausgewogene Techniknutzung, aber eine schon lange von niemandem mehr vorgeschlagene.

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Ganz was anderes: Stichwort „Nazikeule“ und der Vorwurf, der Begriff „Nazi“ werde inflationär verwendet. Sie ist nicht frisch, aber ich fand diese Definition von Martin Lindner sehr hilfreich:
„Was ist ein Nazi?“

(Meine erste Begegnung mit einem Etherpad, Winken zu Martin Lindner.)

  1. Ist das überhaupt noch ein sinnvoller Vergleich? Selbst ich kenne Waschküchendunst ja nur noch, weil meine polnische Großmutter darauf beharrte, ihre Bettwäsche auszukochen, und zwar in einem gemauerten Zuber im Keller ihres Wohnblocks, in dem sie schwitzend mit einem hölzernen Paddel rührte. []
die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Montag, 25. November 2019 – Nebelnovember“

  1. Chris Kurbjuhn meint:

    Wenn’s mit der Weinbergwanderung klappt (drücke beide Daumen), ziehen Sie bitte Besuch und Übernachtung in der Naumburger Wein & Sekt Manufaktur (https://www.naumburger.com/) in Betracht. Es ist ganz ausverschämt angenehm dort. Und historisch.

  2. Sigrid Dold meint:

    Aus dem was da ist, zusammen mit dem, auf was ich Lust habe, Essen zu produzieren, ist auch das Grundprinzip in meiner Küche. So zu kochen macht auch mehr Spaß als einfach nach Rezept zu kochen.

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