Journal Mittwoch, 20. November 2019 – Berufsradeln

Donnerstag, 21. November 2019 um 6:51

Mühsames Aufstehen, weil der letzte Schlafabschnitt vor Weckerklingeln nicht geklappt hatte.

Aber erst mal bin ich ja immer munter, also Kaffee, Umziehen, für 20 Minuten auf den Crosstrainer, Dehnen, Pflanzengießen. Auf dem Weg in die Arbeit erlebte ich dann etwas Techniktagebuch-würdiges.

Aus Arbeitsgünden war ich vor der Mittagspause nochmal mit dem Radl unterwegs, mochte das ganz gern: Es war immer noch nicht frostig, außerdem war es zwar hochneblig-düster, aber trocken.

Zu Mittag gab es das Restl Buchweizen mit roter Paprika, Gurke und Petersilie, das ich mir am Vorabend angerichtet hatte, als Nachmittagssnack ein Stück schwarze Schokolade und eine Hand voll Nüsse. (Abends fiel mir ein, dass ich das Glas mit Granatapfelkernen vergessen hatte, das ich nachmittags hatte essen wollen. Hoffentlich war es ihm in der Schreibtischschublade nicht zu warm.)

Nachmittags rief der Gürtelmacher an: Gut zwei Monate nach Bestellung und Anzahlung war das Geburtstagsgeschenk für Herrn Kaltmamsell fertig, ein schwarzer Gürtel. Ich radelte nach Feierabend zum Abholen hin, blieb kurz angebunden, denn wir werden sicher nicht nochmal Geschäfte miteinander machen: Der handgefertigte Gürtel, den ich mir vor ein paar Jahren in Berlin hatte machen lassen, brauchte nach Wahl des Materials und der Schnalle nicht mal zwei Stunden, in denen ich Kaffeetrinken gehen konnte. Der Termin, den der Handwerker mir zum Anvisieren der Abholung angegeben hatte, war „zweite Oktoberfestwoche“ gewesen. Ich hatte vor drei Wochen schon mal in seinem Laden vorbeigeschaut und mich nach dem Verbleib meiner Bestellung erkundigt, der Herr hatte die Verzögerung damit erklärt, dass er auf das Leder habe warten müssen und er jetzt zehn Gürtel zum Abarbeiten habe. Auch für zehn Gürtel finde ich drei Wochen Bearbeitung deutlich zu lange, den nächsten solchen lasse ich wieder in Berlin machen.

Aber die richig gute Nachricht: Die Theresienwiese ist wieder passierbar! Ich hatte schon morgens gesehen, dass der Bauzaun ums Gelände fort war und nahm den Weg über den Bavariapark (sah, dass vorm Verkehrsmuseum dieses Jahr ein Christkindlmarkt aufgebaut wird). Schon hege ich die Hoffnung, dass sich der Zustand meiner Hüfte vielleicht bald bessert und ich wieder morgens mit Blick auf Weite und Kollegin Bavaria in die Arbeit spazieren kann.

Fürs Abendessen sorgte ich, es gab Kaiserschmarrn.

Besonders gut schmeckte das Apfelmus von Denree, nämlich so intensiv nach frischen Äpfeln, dass ich bezweifelte, dass es gekocht war.

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Wer wie ich das Blog von Nicky Stich, Delicious Days, vermisst, freut sich wahrscheinlich wie ich, dass sie jetzt ein instagram hat, @nicky_deliciousdays (so sagt man nämlich „mein instagram“ nicht etwa „mein instagram-Konto“).

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Auf Twitter einer Empfehlung gefolgt und diesen Vortrag über die Auswirkung des Klimawandels auf die Kunstgeschichte und des Steigens des Meeresspiegels auf Weltkulturerbe angesehen.

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Ben Marzeion: Before the Deluge – the UNESCO World Heritage under Climate Change from KHI Florenz on Vimeo.

Viele hochspannende Details, darunter ein Praxistipp von Ben Marzeion, Professor für Klimageografie an der Uni Bremen: Wenn man ein Grundstück am Meer hat und einen Gletscher im Garten, sollte man zur Vermeidung von Versinken kontraintuitiverweise den Gletscher so schnell wie möglich ins Meer schmelzen, weil dadurch die Höhe des Grundstücks überm Meerespiegel steigt! (Es folgt die Erklärung, kurz: Druck von Gletscher auf Untergrund und Anziehungskraft Gletscher auf Meerwasser.)

Ich war auch deshalb fasziniert, weil ich erst kürzlich wieder auf einen Klimaskeptiker gestoßen bin: Viele, viele Fachrichtungen sind seit vielen Jahren damit beschäftigt, Lösungen für die Folgen des Klimawandels zu finden – sie sind längst über das „ob“ hinaus, an dem sich die Klimaskeptiker abarbeiten. Als erste fallen mir Rückversicherer ein, die zu den ersten gehörten, die die Folgen des Klimawandels beschrieben und berechneten: Ihr Geschäft hängt davon ab, so etwas rechtzeitig zu erkennen, weil ihre Kundschaft von den Schäden bedroht ist und sich dagegen absichern muss. Dann fällt mir Weinanbau ein: In absehbarer Zeit, wenn nicht schon heute, sind die klassischen Rieslinganbaugebiete klimatisch nicht mehr für den Anbau von Riesling geeignet, Weinanbau generell wandert immer weiter nach Norden und ist in Europa bereits in Schweden gelandet. Und dann eben Archäologie und Kunstgeschichte: Schon heute ergreifen Museen Maßnahmen zur Absicherung, gibt es Projekte zum Schutz von Kulturschätzen.

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„Die Hochzeitsfotografin
‚Würde es wirklich auffallen, wenn ich die Hochzeitsfotos, die ich vor zwei Wochen geschossen habe, mit den heutigen verwechsle?'“

Andererseits: Aber wenn’s die Beteiligten halt freut und die richtigen dran verdienen.

Für mich enthielt der Text viel Neues, ich habe nämlich den Anschluss an Hochzeitsstandards direkt nach dem Lokalzeitungsteil meines Volontariats verloren, also Ende der 80er. Damals waren die total individuellen Standards: Kleid wie explodierter Sahnebaiser (die Bräute nannten den Stil „Prinzessin“), Dauerwellenfrisur, Kopfschmuck mit einem Spitzreif in die Stirn. Immer wurde irgendwas gemeinschaftlich vom Brautpaar zersägt.

Klar, gewisse Ähnlichkeiten gab es wohl schon immer. Aber erst in den letzten Jahren hat sich ein ganz bestimmter Stil durchgesetzt. Ich nenne das mal den „Instagram-Pinterest“-Stil, den ich am ehesten als „vintage“ und „bohemian“ beschreiben würde. Also viele Pastellfarben, viel Holz und Selbstgebasteltes.

Aber sehr schön: Das Hochzeitsessen scheint seit den 80ern gleich geblieben. Schon damals wunderte ich mich, dass die Brautleute nicht das servieren ließen, was sie und ihre Freunde gerne aßen, sondern was sich laut Tante Trudi für Hochzeiten gehörte.

die Kaltmamsell

1 Kommentar zu „Journal Mittwoch, 20. November 2019 – Berufsradeln“

  1. Madame Graphisme meint:

    Im kurz vor der Gentrifizierung noch fest in kurdischer Hand befindlichen Stadtteil in einem der zahlreichen Brautmodengeschäfte gesehen: Mit glitzernden Rheinkieseln besetzte Braut-Plateau-Turnschuhe.
    Das ist ein Trend, den ich nur unterstützen kann. Mehr Bombast!

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