Journal Donnerstag, 5. Dezember 2019 – Nebelsuppe

Freitag, 6. Dezember 2019 um 6:17

Gute Nacht dank Ibu, die nur wenig vorzeitig beendet wurde, als der Nachbar um halb sechs sicherstellte, dass alle im Stadtviertel mitbekamen, wie er seine RRRROMMMS! drei RRRROMMMS! Rolläden RRRROMMMS! hochzog. (Oida!)

Brav vorm Duschen eine Runde Orthöpäden-Plank eingeschoben. Draußen richtig dicker Nebel, aber durch Temperaturen um die Null nicht zu unangenehm beim Radeln in die Arbeit.

Der Nebel verzog sich über den Vormittag und machte Platz für Sonnenschein.

Morgens hatte ich festgestellt, dass ich nichts für die Brotzeit hatte. Kurzerhand Birchermuesli und Haferflocken in einem Schraubglas mit Wasser begossen, kurz vor Abmarsch Joghurt drübergelöffelt: Zu Mittag schmeckte mir das ganz ausgezeichnet und war mit einem Apfel aus Ernteanteil genau das Richtige. Nachmittagssnack Eiweißriegel.

Mit der Dunkelheit kam auch der Nebel zurück.

Abends Reha-Sport, diesmal wieder zum Start Progressive Muskelentspannung. Zumindest klappte stellenweise körperliche Entspannung, aber das mit dem Konzentrieren auf sich selbst, Kopf Freimachen geht wirklich nicht direkt nach einem Arbeitstag. Geräteübungen, die gute Stunde ist einfach zu lang, um nicht lästig zu werden. Ich erinnerte mich daran, wie viel niedriger die Schwelle zum Absolvieren der halben Stunde Kiesertraining war – die ließ sich locker zweimal die Woche schnell einschieben.

Durch Nebel nach Hause. Herr Kaltmamsell hatte Ernteanteil geholt und die Pastinaken daraus mit einer gelben Rübe und einem Apfel zu Suppe verarbeitet und leicht geschärft, servierte sie mit gerösteten Haslenüssen und Manouri.

Noch ein paar Häuslichkeiten, für die am Wochenende keine Zeit sein wird, weil ich mit Herrn Kaltmamsell zu einer Geburtstagsfeier in die Schweiz reise!

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Schwere Kost.
„Frauenmorde:
Von ihren Männern getötet“.

Von allen in Deutschland getöteten Frauen stirbt fast die Hälfte durch die Hand des Mannes, der vorgibt, sie zu lieben: ihres Ehemanns oder Lebensgefährten.

Elisabeth Raether und Michael Schlegel sind für die Zeit allen 122 solchen Tötungen in der Bundesrepublik im Jahr 2018 nachgegangen.

Was unter anderem deutlich wird: Eine Antwort auf die Frage, warum die Partnerinnen von gewalttätigen Männern nicht „einfach gehen“ – sie brächten sich damit in noch größere Lebensgefahr. (Deshalb sind Frauenhäuser so wichtig.)
Ebenfalls deutlich: Dass das Phänomen durch alle Gesellschafts- und Altersschichten in Deutschland geht.

Unvorsichtigerweise habe ich auf Twitter in die Replies geblinzelt: Ja, es gibt nicht nur einen Mann, der Feministinnen verantwortlich für diese Männergewalt macht – ihre Provokationen machten die Männer eben zornig. Der Vollständigkeit halber schreibe ich die Widerlegung aus: Sanftheit und Demut hat noch keine Frau vor Gewalt bewahrt.
Darauf der Film einer feministischen Aktion in Chile – gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen (mit deutscher Übersetzung.) Die Aktion verbreitet sich wohl mittlerweile in der ganzen Welt.

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Andere waren 2019 auch Schöffin:
„Schöffin in Hamburg – das erste Jahr“.

via @claudine

§

Michael Spicer tut nicht nur so, als souffliere er Politiker aus einem Hinterzimmer, sondern macht auch großartige Werbung – hier ein Beispiel (das hierzulande wohl nicht funktionieren würde).

die Kaltmamsell

30 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 5. Dezember 2019 – Nebelsuppe“

  1. Frau Klugscheisser meint:

    Warum Frauen bei gewalttätigen Männern bleiben? Als Kind eines gewalttätigen Vaters habe ich mich das ein Leben lang gefragt. Heute weiß ich, es ist – wie Du schreibst – um nicht nur sich, sondern vor allem die Kinder zu schützen. Und die Kinder führen das unbewußt fort, denn der Vater ist ja nicht aus der Welt, wenn die Mutter mit ihnen gegangen ist. Sie schützen die Mütter und Geschwister, gehen unangenehme Deals ein (ein harmloseres Beispiel sind Geburtstagsgratulationen und Stillschweigen auf Familienfeiern) und setzen sich seinen Erpressungen auch danach noch aus, weil’s sonst die anderen zu spüren bekämen. Seine Abwesenheit kann als noch bedrohlicher empfunden werden als die direkte Gewalt, weil sein Zustand nicht mehr einschätzbar ist. Er könnte hinter jeder Ecke lauern, hinter jedem Telefonanruf und jeder Postsendung. Erst wenn er ein neues Opfer gefunden hat, fühlt es sich etwas befreiter an. Doch im Unterbewusstsein spukt er das ganze Leben lang herum und wirkt durch die emotionale Gewalt noch lange nach.

  2. Madame Graphisme meint:

    „machen eben zornig“ … o_o
    Ich habe den Thread re-tweetet ohne in die Kommentare zu schauen und das war wohl gut so. Echt, mich macht auch eine Menge zornig aber ich habe noch niemanden deshalb körperlich angegangen.
    Ich war in einer Beziehung schon Opfer von Gewalt und dieser Zorn, den man erlebt und aushält, weil man vor Angst gelähmt ist, hat NICHTS mit einer Reaktion zu tun. Das ist ein genereller, egoistisch-narzisstischer Zorn des Angreifers. Zorn auf alles. Und eine Ohnmacht, die sich in seinen Augen nur wieder richten lässt, wenn man sich über jemanden aufschwingt.
    Jahre nach dieser Beziehung kämpfe ich immer noch mit Angst und ja, Zorn. „The gift that keeps on giving“. Ich bin froh, keine Kinder zu haben, denen ich ungewollt dieses Muster überschnallen könnte!

  3. die Kaltmamsell meint:

    Oh je, Frau Klugscheisser, Madame Graphisme, das ist so bitter. Und verdeutlicht, worum es geht: um Macht. Ihr Verhalten gibt diesen Männern Macht in fast jeden Winkel des Lebens ihrer Opfer.

  4. Sabine Kerschbaumer meint:

    Ich bin recht schnell aus einer gewalttätigen Beziehung gegangen. Die Monate danach hatte ich oft überlegt, ob es besser gewesen wäre zu bleiben, denn ein blau geschlagenes Gesicht ist nichts gegen diese Angst. Nächtelang steht da jemand vor dem Haus und wartet, dass du es verlässt. Ich habe sogar Wegsehen von Passanten erlebt, als er mich auf der Straße anging. Als ich untergetaucht bin, wurde das Haus meiner Eltern von der Polizei umstellt – sie hätten mich ja versteckt haben können. Die Täter schaffen es irgendwie, dass selbst das Umfeld denkt, man selbst wäre „irre“ und „schuld“. Gott sei Dank liegt dieser Wahnsinn 30 Jahre zurück.

    Heute bin ich stolz, dass ich es mit Anfang 20 geschafft habe, mich zu wehren und die Stirn zu bieten. Das hat mich viel stärker gemacht. Meine Kinder haben die Gewaltspirale nie bewusst erlebt (meine Tochter war erst ein Jahr alt als ich ging). Geblieben ist einzig die Angst vor Dunkelheit, Nachtspaziergänge werden wohl nie mehr meins.

    Und ja, es gibt so viele Frauen, denen das passiert. Viel mehr, als man vermutet…. und es hat mal so gar nichts mit Emanzipation zu tun. Als ich das gelesen habe, habe ich einen mächtigen Hals bekommen. In Ländern, in denen sich Frauen noch mehr „unterordnen“ müssen als hier, gibt es doch viel, viel mehr Gewalt!

  5. Trulla meint:

    @Frau Klugscheisser
    Ihre Erklärung überzeugt, sie ist mehr als einleuchtend. Es fällt leider vielen Menschen schwer, sich in eine ihnen fremde Situation hinein zu versetzen, da hilft es, eine aus eigener Erfahrung reflektierte Stimme zu hören.
    Zu oft wird leichthin Mitschuld attestiert “warum ist sie denn nicht gegangen?“

    Die Anzahl der Gewalttaten ist wirklich erschreckend. Dass man noch nicht einmal ein Wort gefunden hat, um diese Art des Verbrechens an Frauen zu benennen resp. zu studieren, zeigt auf, welche Bedeutung eine Männer dominierte Gesellschaft dem bisher beigemessen hat.

    Ich habe die geschilderten Fälle gelesen. Ganz furchtbar, wie oft in den Täterköpfen der Besitz der Frau verankert war.

    Nicht in diese Aufzählung gehört aber in meinen Augen z.B. die “Tötung auf Verlangen im Krankheitsfall“ oder der gleichzeitige altersbedingte Suizidwunsch, obwohl die Tötung selbst gewaltsam verlief. Das wäre doch ein ganz anderes Thema.

  6. Frau Klugscheisser meint:

    @Madame Graphisme, genau so! „Das ist ein genereller, egoistisch-narzisstischer Zorn des Angreifers.“

    @Trulla, ich habe schon überlegt, ob ich es hier schreibe, ob es hier hinpasst, denke aber die Kaltmamsell hätte das Thema auch weglassen oder die Kommentare schließen können. Und weil schon allein das Aufschreiben oder Reden hilft, die selbst- bzw. täterauferlegte Schweigeschranke zu durchbrechen:

    Ich erinnere mich an eine Situation – ich war zwischen drei und vier Jahre alt – da hat mein Vater erst mich aus dem Bett geholt und dann meine Mutter betrunken verprügelt. Ich wurde Zeuge, wie er sie erst fast erwürgt und dann vergewaltigt hat. Später habe ich dieses Erlebnis nichtsahnend in Kindersprache bei den Großeltern wiedergegeben. Die waren zwar schockiert – er schien nach aussen immer so nett – doch getan haben sie nichts. Der Kontakt meiner Mutter zu ihren Eltern war da von ihm schon fast vollständig unterbunden worden (Gaslightning, das Opfer glaubt den negativen Schilderungen des Täters über Freunde und Familie und unterstützt die Isolierung).
    Das war nicht das einzige Mal. In meinem Kopf gibt es Bilder von meiner Mutter und mir, wie wir uns nachts nur im Schlafanzug gekleidet unter der Treppe oder im Keller verstecken, um abzuwarten, bis er sich nach Ankunft in der Wohnung ausgetobt hat und eingeschlafen ist. Das Zurückkehren war fast noch schlimmer als das Aushalten, weil unser Verschwinden ihn zusätzlich reizte. Ich spürte als Kind nicht nur meine, sondern auch die Todesangst meiner Mutter. Sie hat später diese Bilder bestätigt, es war keine kindliche Einbildung.

    Übrigens war ich bis Mitte 20 der Meinung, Frauen seien schlichtweg weniger wert als Männer und habe mich auch so verhalten.

  7. die Kaltmamsell meint:

    Mein tiefer Respekt allen , Frau Klugscheisser, Madame Graphisme, Sabine Kerschbaumer, die ihre Geschichte erzählen, um Zeugnis abzulegen – und in Kauf nehmen, durchs Erzählen das Trauma aufzufrischen.

  8. Frau Klugscheisser meint:

    Danke Kaltmamsell für den Raum, den Du hier gibst. Gerade als ich meinen letzten Abschnitt nochmal durchlas, ist mir aufgefallen, wieso ich in Alpträumen immer statt wegzurennen ausharre. Es ist die Angst, alles noch schlimmer zu machen. Insofern ist ein Erzählen nicht bloßes Auffrischen eines Traumas, es dient der Verarbeitung. Und noch was zum Schweigen: mein sehr viel jüngerer Bruder hat auf Drängen seiner von christlicher Vergebung geprägten Frau unseren Vater zu seiner Hochzeit eingeladen. In Folge fühlten wir Betroffenen uns sehr unwohl. Ich weiß aber, dass er ihr nie von den Erlebnissen erzählt hat. Das finde ich fast noch schlimmer als alles, was geschehen ist.

  9. die Kaltmamsell meint:

    Erst gestern habe ich im aktuellen Granta den Text eines schwedischen Psychiaters gelesen: „The Poetics of Trauma“.
    https://granta.com/the-poetics-of-trauma/
    Muss ich morgen hier ausfüghrlicher vorstellen.

  10. Sabine Kerschbaumer meint:

    Ich habe zu Danken Frau Kaltmamsell – denn durch solche Beiträge wird das allgemeine Schweigen gebrochen. Dieses nicht offen darüber reden dürfen, und schon gar nicht im Internet darüber schreiben dürfen, hat mich lange Zeit mehr belastet, als das Trauma selbst.

    Ich denke, offen reden dürfen hat auch einen Effekt: Es wird vielleicht besser hingesehen was hinter der Haustüre der Nachbarn vor sich geht. Denn jede dritte Frau erlebt Gewalt in der Familie….

  11. Christine meint:

    Meine Aufenthalte im Fitness-Studio dienen nur vordergründig meiner körperlichen Fitness. Viel mehr habe ich für mich festgestellt, dass sie auch mental meine Auszeit sind. Nebenher daddele ich im Internet herum, schmiede Pläne, höre Podcasts oder Musik… Auf dem Crosstrainer gucke ich zur Zeit die Muppet-Show. Ich brauche das für meine innere Balance, auch wenn es jeweils zwei-drei Stunden brutto sind.

  12. Robert meint:

    Mich befremdet, dass hier das biologische Geschlecht der Täter in den Vordergrund gestellt wird. Ist nicht das Entscheidende, dass hier Menschen getötet werden von Menschen, die vorgeben, diese zu lieben? Sollte es nicht heißen: „Von allen in Deutschland getöteten Frauen stirbt fast die Hälfte durch die Hand des Menschen, der vorgibt, sie zu lieben.“

    Der Großteil der TäterInnen, die in Deutschland töten, wird deutsch sein und nicht rauchen: Warum heißt es nicht „diese Deutschen“ oder „diese NichtraucherInnen“, sondern „diese Männer“? Oder ist es glaubhafter, dass RaucherInnen öfter töten als NichtraucherInnen? Also: „diese RaucherInnen“? Was, frage ich, hat Töten mit Männlichkeit zu tun? Töten Frauen nicht? Töten Frauen einfach seltener? Ab wie vielen TäterInnen mit einem gemeinsamen äußeren Persönlichkeitsmerkmal ist es redlich, Personen auf dieses gemeinsame äußere Merkmal ihrer Persönlichkeit zu reduzieren?

    Nur am Rande: Über 99 Prozent aller Männer töten ihre Partnerinnen nicht. Und ich fühle mich tief betroffen, wenn ich von Menschen lese, denen starke körperliche oder seelische Gewalt angetan wurde.

  13. Susann meint:

    Nein, Robert, es geht nicht darum, dass „Menschen“ die töten, die sie eigentlich lieben, schützen und ehren würden. Denn es sind ja nicht 50:50 Frauen und Männer, die den Partner/die Partnerin töten, sondern es sind überwiegend Männer, die ihre Partnerinnen töten. Den dahinterliegenden Dynamiken sollte man auf die Spur kommen. Genauso, wie man es tun sollte, wenn es sich umgekehrt verhält. Genauso, wie man es tun sollte, wenn überwiegend Frauen von Männern aus „nicht-biodeutschen“ Verhältnissen im Frauenhaus landen. Dann muss man sich ansehen, was da an Dynamiken dahintersteckt – um hoffentlich irgendwann soweit zu sein, dass man gegensteuern kann, wie auch immer.

  14. die Kaltmamsell meint:

    Mich befremdet. Robert, dass Sie immer wieder versuchen, hier zu provozieren.

  15. Hauptschulblues meint:

    @Robert: Schon mal recherchiert, wieviele Frauen von Männern und wieviele Männer von Frauen umgebracht werden?
    Schon mal nachgedacht, warum es keine „Männerhäuser“ gibt?
    Oh Mann, Sie haben sich wieder mal diskreditiert.

  16. Trulla meint:

    Vor allem @Robert, bevor Sie provozieren aufgrund eines verlinkten Artikels, empfehle ich Ihnen, sich diesen zu Gemüte zu führen. Die Fragen, die Sie glauben, hier stellen zu müssen, werden darin beantwortet.

    So wird man schlauer!

  17. Robert meint:

    Ich sehe es nun einmal anders. Es ist zu einfach, Kaltmamsell, eine einzelne kritische Äußerung als Provokation zu missachten. Wenn Sie an die Öffentlichkeit gehen, gibt es öffentliche Reaktionen.

    Noch einmal: Was hat Töten mit Männlichkeit zu tun, wenn über 99% aller Männer nicht töten? Töten erscheint mir nicht als essentieller Bestandteil von Mannsein. Oder soll nicht-tötenden Männern ihre Männlichkeit abgesprochen werden?

    Sie wollen darauf hinaus, Hauptschulblues, dass 95% aller Mörder Männer sind. Aber die Opfer der Mörder sind zu 80% ebenfalls Männer. Das ist eben keine Männer-Frauen-Sache, Susann. Ärzte werden überwiegend von Männern getötet, Krebskranke werden überwiegend von Männern getötet, Lehrer werden überwiegend von Männern getötet, Krankenschwestern werden überwiegend von Männern getötet, Parteimitglieder werden überwiegend von Männern getötet, Universitätsprofessoren werden überwiegend von Männern getötet, Handwerker werden überwiegend von Männern getötet, Obdachlose werden überwiegend von Männern getötet. Alle gesellschaftlichen Gruppen werden überwiegend von Männern getötet.

    Es geht hier um Beziehungstaten, wenn Menschen von Menschen getötet werden, die sie zu lieben vorgeben oder zu lieben glauben.

    Und nein, Trulla, die Fragen, die ich hier stelle, werden dort nicht beantwortet. Wo genau, meinen Sie, werden sie das?

  18. Hauptschulblues meint:

    „Ich sehe es nun einmal anders.“
    Ach Göttle.
    Die Fragen beantwortet er nicht.

  19. Sabine Kerschbaumer meint:

    Wenn Männer ihre Ehefrauen misshandelt und töten, geht es um Männer – Frauen-Sachen. Um was sonst?
    Manchmal rückt man sich mit inhaltsleeren Provokationen in kein gutes Licht….

  20. Christina meint:

    @Robert, die Thematik ist doch ganz einfach: Sollte ich je ermordet werden (Gott bewahre), dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Täter ein Mann ist. Das Schlimme ist, dass dies nicht nur für marodierende Terroristen oder andere geistesgestörte Fremde gilt, sondern auch innerhalb meiner Beziehung, die ich eigentlich als geschützten Raum empfinde(n möchte).

  21. Anna Mathilde meint:

    @Frau Klugscheisser, @Madame Graphisme – vielen Dank für Ihre Schilderungen und ihre Offenheit!
    Als nicht direkt Betroffene frage ich mich immer, was ich tun könnte, sollte ich den Verdacht haben, dass hinter nachbarschaftlichen Türen Gewalt geschieht.
    Die Frauen/ Kinder ansprechen? Auf einen bloßen Verdacht hin Anzeige erstatten (und damit in Kauf nehmen, dass der Täter sich herausredet und die Opfer hinterher noch mehr zu leiden haben, weil er ihre Initiative dahinter vermutet)?

  22. Frau Klugscheisser meint:

    @Anna Mathilde:
    vor allem können SIe da sein, zuhören ohne anzuklagen oder Lösungen finden zu wollen und Vertrauen aufbauen, denn das schlimmste für die Opfer ist die Isolation und das völlig zerstörte Selbstvertrauen. Geben Sie den Opfern ein paar Minuten oder Stunden Durchatmen und Entspannen, soweit das überhaupt möglich ist. Geben Sie die Gewissheit, dass Sie jederzeit da sind und das Wissen um eine Fluchtmöglichkeit, ein Versteck oder jemanden, der zur rechten Zeit die richtigen Hebel zu bewegen weiß (ins Frauenhaus begleiten, Anzeigen bei der Polizei, ins Krankenhaus begleiten, einfach ein Plan X im Fall der Fälle). Solch eine Person hat uns die Flucht ermöglicht als es soweit war. Niemals eigenmächtig handeln, denn das Opfer muss selbst erst bereit sein. Ansonsten – da haben Sie recht – könnte es noch viel schlimmer kommen.

  23. Robert meint:

    Es ist ein bekanntes Problem, dass bestimmte Statistiken intuitiv falsch eingeordnet werden. Oft wird ein tieferes Verständnis sogar bewusst abgelehnt: Es ist einfacher, sich auf eigene Erfahrungen zu berufen oder auf die zahlreichen Fälle, von denen man gehört oder gelesen hat.

    Wenn ich als Deutscher an einem vergifteten Kebap sterbe, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Täter ein Muslim ist. Dennoch muss ich mich in türkischen Restaurants nicht unsicher fühlen, und auch kein Misstrauen gegenüber muslimischen Mitmenschen pflegen, indem ich von „diesen Muslimen“ spreche.

    Ähnliches gilt übrigens für Terroranschläge: Von manchen gesellschaftlichen Gruppierungen wird hier versucht, große Unsicherheit zu verbreiten, bei einer gleichzeitig sehr geringen Wahrscheinlichkeit durch „marodierende Terroristen oder andere geistesgestörte Fremde“ zu sterben. Kleinere und mittelgroße Delikte werden mit Kapitalverbrechen vermengt.

    Christina, Sie dürfen Ihre Beziehung weiterhin als geschützten Raum empfinden!

  24. Frau Klugscheisser meint:

    Alte, weiße Männer! *seufzend ab

  25. Eine Leserin meint:

    Robert, Ihre gefühlte Einschätzung ist leider nicht statistisch belegbar.
    ‚ Jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren wurde bereits einmal in ihrem Leben von ihrem Lebensgefährten oder Ex-Lebensgefährten misshandelt.‘
    https://www.hilfetelefon.de/gewalt-gegen-frauen/haeusliche-gewalt.html
    Frauen sind gut beraten, das Risiko von Misshandlung bei der Partnerwahl einzubeziehen.

    Interessant finde ich, wie Sie als Mann mit dieser Risikobewertung umgehen. Sie versuchen sich als ungefährlicher Mann auszuweisen, indem Sie ein Risiko an sich leugnen. Für Frauen ist Realität, Gewalt in Beziehungen und im öffentlichen Raum zu antizipieren. Sie tun es als übertrieben und irrational ab.
    Ich vermute, dass die Möglichkeit von Gewalt bereits Machtverhältnisse formt.
    Sie als Mann profitieren eher. Es ist Ihre Entscheidung, wo Sie sich positionieren.

  26. Trulla meint:

    Herrje @Robert!
    Entweder haben Sie den Artikel nicht gelesen oder Sie haben ihn nicht verstanden. Beides ist nicht gut, es hätte Ihnen helfen können, zu differenzieren. Mit den dem Artikel zugrunde liegenden Taten und Statistiken, die akribisch dokumentiert wurden, haben wir uns hier beschäftigt. Und da führt nun mal kein Weg daran vorbei: in diesen Fällen war männliche Gewalt gegenüber der eigenen Partnerin Ursache für deren Tod. Und vorausgegangen war Unterdrückung und Misshandlung, nach Trennung folgte Stalking und Eskalation bis zum tödlichen Ende.
    Wie hoch die Dunkelziffer derartiger Konstellationen sein mag, die (noch) ohne sichtbare Folgen stattfindet, mag ich mir kaum vorstellen.
    Robert, es geht hier doch gar nicht darum, a l l e Männer zu Tätern zu erklären. Verallgemeinerungen sind nicht hilfreich, deshalb sind auch Ihre Beispiele aberwitzig. Aber j e d e m Menschen muss es doch zuwider sein, dass es so etwas wie spezifische männliche Gewalt in Beziehungen gibt, die eine nicht zu übersehende Größenordnung erreicht haben.
    Strukturen, die dazu führen können, müssen aufgedeckt werden, um sie zu verändern.
    Die erschütternden Erfahrungsberichte in den Kommentaren
    können nur mit Dankbarkeit für die Offenheit gelesen werden, denn wir wollen daraus lernen! Wir wollen aufmerksamer werden, Zeichen erkennen, vorbereitet sein. Niemand darf wegschauen.

  27. Pizzicato meint:

    @Frau Klugscheißer
    Durch Ihren Kommentar ist mir bewusst geworden, dass das Erleben der Todesangst meiner Mutter traumatisierender war, als alles, was mir mein Vater direkt angetan hat.

  28. Christian meint:

    @Robert: Ich verstehe, dass man dazu neigt, Dinge die einem neu sind, Dinge, die einem vielleicht nicht passen oder überhaupt auch Dinge allgemein erst einmal einordnen will. Auch ich habe gelernt, dass mir dazu ein theoretisches Herangehen, ein Analysieren und auch ein Widersprüche-in-den-Statistiken&Daten-Finden hilft.
    Ich habe aber auch gelernt, dass Menschen, denen etwas emotional nahe geht manchmal weder Deutung noch Statistik noch Therorie hören, geschweige denn diskutieren wollen.
    Just an idea.

  29. Julia meint:

    Nach dem Lesen des Artikels war ich wieder einmal erleichtert, mich von einem passiv-aggressiven und narzisstischen Menschen getrennt zu haben. Oft war ich mir nicht sicher, wie weit der Drang nach Bewunderung und Selbstverherrlichung gehen würde…
    Diese ständigen Schuldzuweisungen und die daraus resultierenden Konsequenzen hatten kein Ende und führten oft zu einem unkontrollierbaren Verhalten des Gegenübers. Affekthandlungen waren an der Tagesordnung. Wer weiß, wohin das hätte führen können.

    Sicher spielen bei den Tätern psychische Erkrankungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie impulsive Aggressivität ebenso eine Rolle, wie bei Selbsttötungen.

    @Frau Klugscheisser: Ich gebe Ihnen recht. Die betroffene Person braucht am meisten Verständnis, Geduld und einen Zuhörer, bis sie bestenfalls selbst soweit ist, dass sie sich trennt.

  30. Hauptschulblues meint:

    Reagiert nicht mehr auf diesen Herrn!

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