Journal Montag, 23. Dezember 2019 – Weihnachtsputzen und Artischockensaisonen

Dienstag, 24. Dezember 2019 um 8:59

Ausgeschlafen. Der Tagesplan bestand in Sportrunde inklusive ausführlicher Kräftigung, Wohnungputzen, letzten Einkäufen (die große Runde erledigte Herr Kaltmamsell), Brotteig ansetzen, Hl.-Abend-Nachtisch zubereiten.

Aber erst mal gemütlich zu Morgenkaffee bloggen und Twitter lesen.

Crosstrainerstrampeln war ok, aber nicht maximal beflügelt. Dehnen, Oberkörper- und Bauchübungen (die vom Fahrradsturz beleidigte Rippe hindert mich im Liegen immer noch am Anheben der Schultern) kosteten mich Überwindung.

Das Wohnungputzen stand an, weil unsere beiden Putzmänner drei Montage hintereinander nicht kommen. Gestern war der mittlere davon, und man sah die Pause bereits deutlich. So richtig ganz und gründlich putzten wir nicht, aber ich nahm mir die Oberflächen in Küche und Bad vor, punktuelles Staubwischen (halt da, wo er mich am meisten störte), Herr Kaltmamsell saugte die Wohnung ordentlich durch.

Für Einkäufe steuerte ich Eataly an. Ich ging gezielt an der Synagoge am Jakobsplatz vorbei, und nach all den Jahren mit Münchner Chanukkas muss ich es mir gestehen: Ich finde den großen Chanukka-Leuchter an der Synagoge einfach scheußlich. Vor allem unbeleuchtet sehen die Lichterenden aus, als seien sie noch nicht ausgewickelt, das Gestell wie von einer Baustelle gemopst. Er passt in meinen Augen auch nicht zur Architektur der Synagoge. Aber unverwechselbar ist er durchaus.

Im Eataly herrschte kurz vor eins das erwartete Gewusel. Bei Obst und Gemüse sah ich mich nach Orangen um und entdeckte, dass es bereits welche von der späten Sorte Tarocco gab! Die nahm ich mit. Außerdem einen Granatapfel, für den Nachtisch Amarettini di Saronno (bei denen ich daheim entgeistert feststellte, dass sie nicht mal Mandeln enthielten, sondern nur Mandelgeschmack: sie waren mit Aprikosenkernen hergestellt).

Die angebotenen Artischocken waren mir zu klein gewesen, also ging ich dafür zum Viktualienmarkt, den ich sonst ja meide (einmal zu oft übers Ohr gehauen worden). Ich sah an drei Ständen welche, an den schönsten war kein Preis angegeben. Ich fragte danach: 7 Euro 95. Pro Stück. Als ich schnaufte, das sei ja ein echter Weihnachtspreis, musste ich mich belehren lassen, das nunmal die Saison zu Ende sei und es erst wieder im Sommer welche gebe. (In Italien hat man also zwischen November und März Wahnvorstellungen.) Ich kaufte die zweitschönsten an einem anderen Stand für 4,50 Euro das Stück.

Das Wetter war nasskalt, es regnete immer wieder leicht. Daheim fror ich und machte mir erst mal Chai. Frühstück war eine Scheibe selbstgebackenes Brot mit Ziegenfrischkäse, außerdem drei Orangen mit Joghurt.

Ich setzte für die Schwarzwälder Kruste Sauerteig und Vorteig an. Später machte ich italienischen Schoko-Flan Bônet nach diesem Rezept. (Idee von @katha_esskultur, nachdem @DonnerBella auf Twitter um Inspiration für ein – in ihrem Fall weiteres – Weihnachtsdessert gebeten hatte.)

Start in ein neues Buch: Judith Kerr, When Hitler Stole Pink Rabbit. Hatte ich vor vielen Jahren mal in deutscher Übersetzung gelesen, vielleicht sogar in der Schule, interessierte mich jetzt wieder, weil ich dieses Jahr anlässlich ihres Todes so viel über Judith Kerr gelesen hatte. Herr Kaltmamsell hat alle Bände der Trilogie und empfiehlt vor allem den zweiten. Aber schon im ersten fand ich überraschende Alltagsdetails, die mir als Jugendlicher sicher nicht aufgefallen waren (z.B. dass in Berlin Buben und Mädchen ganz selbstverständlich miteinander spielten, in Zürich aber streng getrennt).

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell srilankesisches Kürbiscurry mit Cashews und ganzen Gewürzen, auf meinen Wunsch mit ganz un-srilankesischem Naan als Beilage.

§

Meine diesjährige Weihnachtsgeschichte hat Maximilian Buddenbohm fürs Goetheinstitut geschrieben:
„Es darf etwas mehr sein“.

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Journal Montag, 23. Dezember 2019 – Weihnachtsputzen und Artischockensaisonen“

  1. lihabiboun meint:

    Was für eine schöne Weihanchtsgeschichte, danke Ihnen verehrte Kaltmamsell. Ich wünsche Ihnen schöne Tage ohne beleidigte Rippen, Hüfte oder wasauchimmer. Und vielen Dank für Ihre immer interessanten Betrachtungen, Empfehlungen (ich lese grade „Herkunft“) und links!

  2. Frau Klugscheisser meint:

    Wow, singalesisches Kürbiscurry! Ich bin sehr neidisch. Wünsche gute Besserung der Rippe und ruhige Weihnachten Euch beiden.

  3. AndereFranziska meint:

    (hüstel) „… srilankesisch…“ (as in: Sri Lanka)
    *fällt in ein Klugscheiß-rabbit-hole: „Malkovich malkovich, Malkovich malkovich Malkovich….“

    Frohe Weihnachten, Frau und Herr Kaltmamsell!

  4. Susan meint:

    Könnte man eventuell das Rezept für das kontroverse Curry bekommen? Das sieht äußerst ansprechend aus. Und mit Naan ist es eben Fusion Food. :)

  5. die Kaltmamsell meint:

    Es ist dieses hier, Susan:
    https://www.theguardian.com/food/2018/dec/23/annabel-crabbs-sri-lankan-butternut-and-cashew-curry-recipe

  6. Lisa meint:

    Das Buch kommt jetzt als Kinofilm raus, also perfekte Vorbereitung.

  7. Hande Leimer meint:

    dann verschweige ich wohl, dass ich heute morgen ganz weihnachtliche 1 euro pro Stuck fur die Sardischen (die es, zusammen mit den Pugliesischen, seit November gibt – die Romischen fangen erst im Januar an und gehen bis ins Mai) Artischocken bezahlt hab….

  8. die Kaltmamsell meint:

    Ja, solltest du besser, Hande Leimer!

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