Journal Montag, 9. März 2020 – Maya Angelou, I Know Why the Caged Bird Sings

Dienstag, 10. März 2020 um 6:48

Morgens startete ich eine neue Runde 30 Tage Yoga mit Adriene: Ich kramte die Serie von 2018 heraus, „True“. Dabei stellte ich gleich mal fest, dass Adriene hier deutlich aufgekratzter und energischer ist, vor allem im Tonfall; bei „Home“ von 2020 spricht sie viel sanfter. So oder so funktionierte jede Bewegung rund um die Pose warrior ganz entschieden nur auf der nicht wehen Seite.

Es regnete. Deshalb und weil ich abends ohnehin mit Öffentlichen unteregs sein würde, kaufte ich eine Tageskarte und fuhr mit der U-Bahn in die Arbeit.

Im Büro Emsigkeit, unter anderem mit Menschen. Mittags eine große Portion Waldorf Salad vom Wochenende, nachmittags Quark mit Orange.

Auf dem Heimweg Supermarkteinkäufe, vor allem für die Brotzeit der nächsten Tage. Nach kurzem Aufenthalt zu Hause nahm ich mit Herrn Kaltmamsell eine Tram über die Isar zum Treffen unserer Leserunde, wegen zwei Erkältungsausfälle dezimiert.

Wir sprachen über Maya Angelou, I Know Why the Caged Bird Sings. Die Einschätzung von uns dreien, die diese Memoiren von Angelou über ihre Kindheit und Jugend überhaupt gelesen hatten, ging auseinander. Alle hatten wir dasselbe in ihrem 1969 veröffentlichten Buch gesehen: Dass die Schilderung sehr aufschlussreich war, wie sie und ihr Bruder in den 1930ern als Kleinkinder von den getrennten Eltern zur Großmutter nach Arkansas gebrachte werden. Die Großmutter führt einen Dorfladen, die schwarze Bevölkerung lebt so konsequent von der weißen getrennt, dass die Kinder mystische Vorstellungen vom Aussehen und Leben der Weißen haben. Die oft lebensbedrohliche Diskriminierung der Schwarzen zieht sich als roter Faden durch die Schilderungen, dominiert sie aber nicht. Maya und ihr Bruder leben dann wieder ein Zeit lang bei ihrer Mutter in St. Louis, dann wieder einige Jahre bei der Großmutter, bis sie zu ihrer Mutter ziehen, die inzwischen in San Francisco lebt.

Uns allen fiel auf, wie unterschiedlich die verschiedenen Erlebnisse erzählt werden, sprachlich und im Tempo. Während Angelou zum Beispiel einen Gottesdienst auf dem Land extrem ausführlich schildert, Seite um Seite die Teilnehmenden und die Geschehnisse beschreibt, werden so lebensentscheidende Phasen wie der Monat, den sie mit 16/17 auf einem Schrottplatz lebt, in wenigen Sätzen wegerzählt. Doch während ich das anregend und interessant fand, weil mir der Mensch hinter diesem Leben dadurch näher kam, sahen andere in unserer Leserunde das als Makel.

Mir war erst im Lauf der Lektüre klar geworden, dass es sich nicht um einen Roman handelte, sondern um Memoiren, das hatte mein Leseerlebnis verändert. Allerdings fällt es mir genau deshalb schwer, I Know Why the Caged Bird Sings literarisch einzuordnen: Ich sehe es als Zeitzeugnis US-amerikanischer Geschichte, als historische Quelle. Die habe ich aber sehr gern gelesen.

§

Isaac Chotiner unterhält sich für den New Yorker mit Frank M. Snowden, „professor emeritus of history and the history of medicine at Yale“, der die historischen Zusammenhänge zwischen Epidemien und Gesellschaft untersucht hat. Darunter auch überraschende positive Auswirkungen schlimmer Krankheitsasbrüche.
„How Pandemics Change History“.

via @Hystri_cidae

die Kaltmamsell

3 Kommentare zu „Journal Montag, 9. März 2020 – Maya Angelou, I Know Why the Caged Bird Sings

  1. Joël meint:

    Na gut! Jetzt haben sie mich auch soweit! Nondikass! ;-)

    Ich habe jetzt auch mit dem Yoga von Adrienne angefangen.
    Und ich musste schon gleich beim Video „Home“ Tag 0 einmal schlucken, weil diese Willkommensrede von sehr berührend ist.

  2. Sonni meint:

    Ha, endlich mal ein Buch, das ich vor Frau Kaltmamsell kannte ;-)

    Ich habe es vor 25 Jahren, als ganz junge Frau, sehr gerne gelesen! Besonders hat sich bei mir die Vergewaltigung (und der für mich unerwartete familiäre Umgang damit!) ins Gedächtnis gebrannt, sowie, warum auch immer, Mayas Freude über ihren Job als Cable Car Schaffnerin. Für mich ein tolles Frauenbuch besonders für zwischen 17 und 27-jährige.

  3. Susan meint:

    ich kann das „Yoga-camp“ von Adrienne auch sehr empfehlen und die Love-Revolution <3 mache ich grad zum 5. Mal.


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