Journal Mittwoch, 6. Mai 2020 – Frisch und klar

Donnerstag, 7. Mai 2020 um 5:58

Gestriger Morgensport sollte eine weiteres vertrautes Programm aus Fitnessblender zur Rundumkräftigung sein. Doch zum ersten Mal brach ich mittendrin ab: Die wehe Hüft hinderte mich an fast allen Übungen, und zwar durch immer energischere Schmerzen in Hüftgelenk, Hüftbeuger, Leiste. Ich war traurig, denn dieses Programm hatte mir immer besonders viel Spaß gemacht. Meine Welt wurde plötzlich ein wenig kleiner.

Draußen klarte es immer weiter auf, allerdings bei sehr frischen Temperaturen.

Mittags Orange und Maracuja mit Quark und Dickmilch, nachmittags Nüsse und Schokolade. Ich konnte mich sehr schlecht konzentrieren und arbeitete im Schneckentempo.

Auf dem Heimweg Abstecher in einen weitläufigen Supermarkt für die Brotzeit der nächsten Tage. Die Menschen tragen brav Atemmaske, doch sie halten immer weniger Abstand – ich musste an der Kasse mit ausgestrecktem Arm und Mahnung dafür sorgen.

Zum Abendbrot hatte Herr Kaltmamsell wieder gezaubert:

Sechuan-Auberginen,

Glasnudelsalat mit Garnelen und Soja-Hack.

Abendunterhaltung: Während Herr Kaltmamsell eine alte Freundin in Amerika sprach (Facebook Videochat), las ich Internet und ließ im Fernsehen Grey’s Anatomy laufen.

§

Was ist anders an COVID-19-Erkrankten auf der Intensivstation? Intensivpflegerin Svenja Vögeli im Interview:
(Caveat: Mich entlastet es ja oft zu wissen, was genau auf mich zukommen könnte. Wenn Sie medizinische Details eines schweren COVID-19-Verlaufs eher belasten, dann lesen Sie das besser nicht.)
„‚Die Patienten werden sehr schnell sehr still'“.

§

Der wirklich langmütigen Bio-Chemie-Lehrerin Croco platzt ein bisschen der Kragen angesichts der derzeitigen Forderungen von Politik und Eltern an Lehrerinnen und Lehrer:
„Corona dreiunfünfzig“.

Himmel noch mal! Wir haben uns das doch auch nicht ausgesucht.
Und dass Kinder nicht motiviert sind, ist uns bekannt. Das ist unser Beruf. Das ist die Didaktik, die Kunst des Lehrens, die wir anwenden. Es ist tatsächlich nicht nur eine Wissenschaft, sondern eine Kunst, Kinder und Jugendliche in großen Gruppen bei Laune zu halten. Warum sind wir nach 6 Stunden Unterricht platt und haben das Gefühl, einen Bahnhof geputzt zu haben? Mit dem Spüllappen?
Wir wissen genau, was Eltern mitmachen zur Zeit.
Genau das ist sonst unsere Arbeit.
Wir achten Eure, und wir hätten gerne, dass ihr unsere auch achtet.

§

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https://youtu.be/8jDROj236R4

Bin schwer verliebt – vielleicht kommt da die Elektrikertochter durch. (Oder der Quatschkopf. Poteto/Potato.) (Und passt ein winziges Bisschen als Nachruf auf den kürzlich verstorbenen Florian Schneider, Mitgründer von Kraftwerk.)

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https://youtu.be/Hh9pm9yjmLs
die Kaltmamsell

13 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 6. Mai 2020 – Frisch und klar“

  1. Annekatrin meint:

    Dem Lehrerinnenrant möchte ich widersprechen. Das Anliegen verstehe ich, aber es ist definitiv falsch, dass die Lehrer*innen wüssten, was wir mitmachen, es sei denn, sie haben selber Kinder. Und es stimmt auch nicht, dass Kinder per se unmotiviert sind. Meine waren es sehr. Aber mit zwei gestressten Eltern, die eigentlich Home Office machen müssten, ohne die sozialen Freuden im Gruppenverband, ohne Methodenwechsel, mit Geschwisterzank um die Technik und in der Atmosphäre einer Pandemie ist es eben genau gar nicht das gleiche, wie für eine ausgebildete Lehrkraft in der Schule. Noch dazu hat diese Lehrkraft im Gegensatz zu den beklatschten Pflegekräften einen sehr sicheren und gut bezahlten Beruf. Ich habe viel Verständnis für die Lehrer*innen meiner Kinder, aber solche Texte verstärken m.E.die Gräben leider.

  2. Alexandra meint:

    Ich finde es wie so oft bei solchen und ähnlich gelagerten Disputen schwer zu sagen, wer Recht hat. Im Grunde unmöglich, weil keiner „in echt“ in den Schuhen des jeweils anderen gehen kann. Und was hätten wir auch davon, das zu bemessen, wer da die Wahrheit innehat? Es brächte uns den Lösungen nicht einen Schritt näher: „Mir geht es schlechter!“ – „Nein, mir!“ ??

    So what?

    Fragt eine, die zu Schulzeiten ihrer Kinder (Leider oder Gottseidank? Wer will das entscheiden?) nicht ernstlich berufstätig war und erleichtert ist, dass diese Kinder JETZT erwachsen sind.

    Ich beneide niemanden, egal, in welcher Phase seines Lebens diese schräge Geschichte ihn trifft, um sein Los.

    Ich kann nur nach vorne gucken und zusehen dass und wie es weiter geht.

    Echt jetzt mal.

  3. Nina meint:

    Seh ich ganz genauso.

  4. Nina meint:

    Folgte man dieser Argumentation, dann ließe sich das für sehr sehr viele Diskussionen und Auseinandersetzungen sagen. Dann spräche niemand mehr miteinander. Und das kann m. E. auch kein Weg sein. Es geht hier ja nicht um eine Opfer-Olympiade, sondern darum, auf Basis der eigenen Erfahrungen von der eigenen Lebensrealität zu erzählen. Ich nehme davon sehr viel mit, denn was weiß ich denn sonst, wie sich eine Bio-Chemie-Lehrerin fühlt oder eine Mutter, die nicht arbeiten muss. Oder sonst irgendjemand, der nicht mein Leben führt. Also bitte, berichtet alle bitte gern von Euren Erfahrungen aus Euren jeweiligen Perspektiven! Und bitte gern auch öffentlich. Für mich macht das den Austausch in einer diversen Gesellschaft aus.

  5. Annekatrin meint:

    Wenn es als ein „mir geht es schlechter“ verstanden wird, habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Ich wollte genau darum bitten, mit der Sensibilität des „ich weiß es nicht“ aufeinanderzuzugehen. Ich würde auch keiner Lehrerin sagen, ich wüsste, wie es ihr geht. Aber der oft gehörte, manchmal fast hämische Satz, das wäre das tägliche Arbeitsleben der Lehrkräfte, ist rein faktisch nicht ansatzweise richtig und hilft grad keinem.

  6. Alexandra meint:

    Ich spreche den Äußerungen nicht ihre Berechtigung ab, im Gegenteil: Auch ich schätze sie als Erweiterung meines Horizontes, als Möglichkeit, die Perspektive zu wechseln (Douglas Adams „Blickwinkelkanone“ lässt sehr freundlich grüßen) – und alle sind mir gleich wert.

    Was mir aber gehörig auf den Zeiger geht, ist eben dieses Vergleichen und der Glaube, beurteilen zu können, dass das Gegenüber keinen Grund habe, „sich so anzustellen“ und es in diesen oder jenen Bezüglichkeiten „sowieso besser“ und „ohnehin keine Ahnung“ habe.

    Ich will keine Diskussion erstickt sehen, ich kann nur reine Subjektivität als Grundlage für enthaltene Wertungen (die darin erst recht nix zu suchen haben) schlicht nicht akzeptieren.

    My fault, so sorry – nicht.

  7. Alexandra meint:

    Q.E.D.

  8. Annekatrin meint:

    Das habe ich doch in meinem ersten Kommentar angeführt? Welche Lehrkraft unterrichtet täglich in der Schule unter o.g. Umständen?

  9. Angela meint:

    Schule während der Krise. Typischer Fall von es geht nur zusammen. Und jeder macht eben so gut es geht. Gegenseitige Anerkennung, Vertrauen und 5 gerade sein lassen ganz wichtig, wenn wir da alle einigermassen heile rauskommen wollen. Und die Sorgen und Ängste der Eltern oft basiert auf ihrer eigenen Schulzeit, sollten durch wohlmeinende Lehrerinnen entkräftet werden.
    Juul sprach ja mal von der Angstkultur im deutschen Schulwesen. Ob da nicht viele Probleme herrühren?

    Zum Zitat. Das ist doch überhaupt nicht vergleichbar. Schwer ist beides. Aber nicht vergleichbar. Das fängt schon damit an, dass Lehrerinnen eine professionelle Beziehung zu SuS haben. Es ist ihr Job. Eltern haben eine bedeutungsvolle Beziehung mit ihren Kindern. Beide Beziehungen funktionieren völlig anders.

  10. Croco meint:

    Ui.

  11. Alexandra meint:

    Ja. Das habe ich verstanden. Die Position des anderen nicht beurteilen zu können, schließt nach meinem Begriff ein, dessen Urteilsfähigkeit ebenfalls nicht beurteilen zu können. Daher war mein letzter Kommentar auch auf meinen vorletzten bezogen, da Ihr vorletzter das von mir Postulierte nur bestätigt hat.

  12. Alexandra meint:

    Danke! Schon bei meiner pädagogischen Arbeit in einer Grundschule empfand ich es als sehr ermüdend und frustrierend, dass Lehrer über Eltern und Betreuer redeten, Betreuer über Eltern und Lehrer sowie Eltern über Betreuer und Lehrer, obendrein auch noch jeweils unter einander über einander – anstatt, VERDAMMT NOCHMAL MIT EINANDER ÜBER IHRE GEMEINSAME AUFGABE!!!

  13. Margarete meint:

    Manches wird jetzt plötzlich diskutiert. Schärfere Wahrnehmung und Bewußtwerdung als Folge des starken psychologischen Drucks? Vorübergehend oder nachhaltig?


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