Journal Donnerstag, Fronleichnam, 11. Juni 2020 – ’schbin Netflix

Freitag, 12. Juni 2020 um 7:58

Ausgeschlafen. Als ich nach dem Aufwachen fast nochmal halb wegdämmerte, hinderte ich mich daran: Ich weiß inzwischen, dass mir das gar nicht gut tut, sondern mich schwächt und zerschlägt.

Ich genoss es, nichts vorzuhaben. So konnte ich mir weiterhin einreden, dass ich das Regenwetter gut finde, weil dringend nötig.

Frühstücksbrötchen gebacken. Da in den Kommentaren zum Rezept einige Nachbäckerinnen geklagt hatten, nach dem Abkühlen seien die Semmeln hart gewesen, dampfte ich besonders heftig und buk sie nicht zu dunkel.

Es wurden gute Semmeln, doch bekam ich immer mehr Zweifel am den Vorgehen, wie es im Rezept beschrieben wird: Es passt zum einen nicht zu Frühstückssemmeln für Zeiten, an denen normalweise gefrühstückt wird (weil sie so erst vier bis fünf Stunden nach dem Aufstehen serviert werden können), zum anderen nicht zu den Fotos. Eine kalte Über-Nacht-Gare der geformten Teiglinge würde zu beidem viel mehr passen: Dann würde es bis zum Servieren nur anderthalb Stunden dauern, und die kleinen Bläschen auf der Oberfläche der Semmeln im oben verlinkten Originalfoto sowie die große, unregelmäßgige Porung innen sind typisch für lange und kalt gegangene Teiglinge. Das werde ich beim nächsten Mal probieren.

Nach Gymnastik und ausführlichem Crosstrainerstramplen (perfekt durch Eichhörnchensichtung) gab es die Semmeln zum Frühstück mit Butter, Orangenmarmelade, Honig. Ich sah auf dem Balkon, dass auch Kleibers ihren Nachwuchs zu unserem Meisenknödel bringen – Jungkleiber interessierte sich aber mehr für die über dem Knödel liegende Nische in der Decke.

Nachdem Hannah Gadsby bereits ein neues Programm herausgebracht hat, wurde mein Wunsch, ihr „Nanette“ von 2018 mal ganz zu sehen, so groß, dass ich mich doch bei Netflix anmeldete – nur dort gibt es die Show zu sehen. Der Anbieter gewährt ja gratis 30 Probetage, ich werde mich schon rechtzeitig abmelden. Und wenn nicht: Ich stellte fest, dass die von mir präferierte Version 12 Euro im Monat kostet – das könnte ich verschmerzen.

Wie so viele war ich am Ende von Hannah Gadsbys Show schwer mitgenommen (und hatte erst angesichts des vollen Sydney Opera House begriffen, wie erfolgreich Gadsby zu diesem Zeitpunkt bereits war). Der graue Regenhimmel hatte Platz gemacht für gemischte Wolken vorm blauem Himmel, ich ging raus, um nach dem Alten Südfriedhof zu sehen.

Erst mal kam ich nicht weit, weil mich nach 200 Metern ein Regenguss in einen Hauseingang scheuchte. Doch ich hatte ja nichts vor, konnte also den Tropfen eine Weile aus anderer Perspektive als dem Wohnzimmerfenster zusehen.

Auf dem Südfriedhof scheuchte mich der nächste Guss bei gleichzeitigem Sonnenschein unter eine Buche. (Die Robinienblüte ist dieses Jahr in Regen und Kälte komplett duftlos vorbeigegangen.)

Meine Gedanken wanderten vor allem zu dem zurück, was Hannah Gadsby über tension erklärt hatte, wie sie als Comedian damit für Pointen arbeitet, oder eben in diesem Fall ihr Publikum mal damit allein lässt. Worum es ihr eigentlich geht, was sie durch das Kleinmachen ihrer Geschichte als Pointen aber verhindert hat: connection. Dazu kam, dass DonnerBella gestern ausführlich und sehr klug genau darüber gebloggt hatte: über Verletzlichkeit und Verbindung – „We’re fallin’ apart and it feels fantastic*“. Vielleicht ist es gerade diese Anspannung, die fast jeder Umgang mit Menschen bei mir auslöst, die mich Kraft kostet, nur bei wenigen Menschen durch die Energie aufgewogen wird, die ich aus der Begegnung gewinne, die mich fast nur allein entspannt sein lässt, im Grunde menschenscheu macht. Vielleicht.

Gestern durfte ich fürs Abendessen sorgen. Es gab eine Lachs-Dill-Tarte nach Delia Smith, allerdings mit dem Quarkteig, den ich noch in der Gefriere hatte, und mehr Füllung. Dazu Tomatensalat.

Zu meiner eigenen Überraschung sah ich für die Abendunterhaltung nach, was es denn noch so auf Netflix gab. Es wurde der Film Ocean’s 8, trotz der eher gemischten Kritiken seinerzeit. Nett, aber doch eher flach. Ich liebe das Genre Gaunerfilme und mochte Ocean’s Eleven sehr. Die Frauenbesetzung war zwar sensationell, doch mir fehlten die echten Twists – und Ocean’s Eleven hatte es bei gleicher Länge und mehr Action geschafft, allen Figuren eine reiche Hintergrundgeschichte zu geben. In Ocean’s 8 war es gerade mal die Modedesignerin Rose Weil, alle anderen bekamen nicht mal klar voneinander abzugrenzende Charaktere. Aber! Sandy Bullock spricht ausführlich Deutsch, das sie ja von ihrer deutschen Mutter und ihrer deutschen Großmutter gelernt hat (im Film trägt der Grabstein unter dem ihres Filmbruders Danny Ocean den Namen von Bullocks Mutter Helga Meyer).

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Donnerstag, Fronleichnam, 11. Juni 2020 – ’schbin Netflix“

  1. Johannes meint:

    Bezüglich Netflix-Abonnement: Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass man direkt nach der Anmeldung wieder kündigen kann, und die Kündigung erst am Ende des (in diesem Fall kostenlosen) Zeitraums wirksam wird. Auf diese Weise habe ich schon mehrfach vermieden, versehentlich mehr als einen Monat zu bezahlen, wenn ich nur eine bestimmte Sache sehen wollte.

  2. Cathrin meint:

    Als begeisterte Netflixerin möchte ich noch die Serie ‚Please like me‘ (Nebenrolle Hannah Gadsby) und folgende „Essen“ Dokus, Somebody feed Phil und Chef’s table, ans Herz legen.

  3. Nina meint:

    I second „Please like me“. So eine gute Serie mit solch schrulligen, liebenswerten Charakteren! Ich habe immer wieder Tränen gelacht.

  4. Gwen meint:

    Ich empfehle die „Schneebrötchen“ vom plötzblog. Übernachtgare und morgens exakt die Zeit, die der Ofen braucht, um auf Temperatur zu kommen.
    Gwen


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