Journal Freitag, 12. Juni 2020 – Schifferlfahrn am Ammersee

Samstag, 13. Juni 2020 um 8:50

Ein wunderschöner Tag. Wie angekündigt war gestern plötzlich Sommer. Ich unterdrückte meinen Instinkt, der noch auf Jeans, Schnürschuhe und Jacke eingestellt war, und kleidete mich für unseren Ausflug an den Ammersee in Röckerl, T-Shirt und Sandalen, cremte mich gründlich mit Sonnenschutz ein. Tatsächlich war das bei unserem Aufbruch um 9 Uhr genau richtig, ich vermisste nicht mal ein Jäckchen.

Wir waren schon so früh unterwegs, weil ich recherchiert hatte, dass die Ammersee-Raddampfer einen sehr reduzierten Fahrplan hatten. Für diesen St. Brück in den Pfingstferien und mit herrlichem Wetter, an dem ich viele Menschen prognostizierte, steuerte ich also die erste Fahrt um 11 Uhr an.

Auf der Hinfahrt sah ich im S-Bahnhof Stachus viel Kinnschutz, in den Wagen selbst aber fast 100 Prozent über Nase und Mund. Ich genoss das Rausschauen vom ersten Kilometer an: Grüne, sonnenbestrahlte Landschaft, die immer voralplicher wurde! Darin erspähte ich einige Falken.

Corona-Modalitäten am Bootssteg: Ab Betreten des Stegs Maskenpflicht, Personal mahnte immer wieder zu Abstand in der Warteschlange. Auf dem Dampfer selbst galt innen Maskenpflicht, die nur auf den Außenplätzen und dort nur beim Sitzen aufgehoben war. Über die Hälfte der Sitzplätze war gesperrt, um für Abstand zu sorgen, ein Angestellter sammelte unsere Fahrscheine ein, auf der wir Kontaktdaten notiert hatten.

Mein eigentlicher Wunsch für den Ausflug war eine Fahrt nach Dießen gewesen, um mich dort umzusehen, doch derzeit gibt es nur Rundfahrten ohne Anlegen.

In der Herrschinger Bucht: Graugänse, Kanadagänse, Stockenten, Blässhühner und ein Haubentaucher – für mich eine seltene Sichtung. Unterwegs auf dem See sahen wir auch Möwen. Niedliche, elegante Möwen, nicht etwa solche eindeutigen Dinosaurier.1

Die Herrsching, der größte Raddampfer der Flotte (der nur aus Tradition so heißt, aber mit Dieselantrieb fährt).

Blick zurück aufs Kurparkschlösschen.

Dießen nur aus der Ferne.

Es war herrlich auf dem Schiff, in wärmender Sonne, mit erfrischendem Wind, wundervoller weiter Aussicht, Bergpanorama.

Zu Mittag wollten wir beim Seewirt gleich beim Anlegeplatz essen, doch ohne Reservierung wurden uns die einladend leeren Tische verwehrt. Wir setzten uns nebenan in den Biergarten: Mit Aussicht auf den See gab es Leberkäs mit Pommes für mich, Obazda mit Breze für den Herrn (und das letzte Drittel meines Tellers, das ich nicht schaffte). Nach Ewigkeiten hatte ich mal wieder Lust auf eine Cola: Schmeckte umgehend nach Kindheit und Urlaub.

Spazieren wollte ich auch noch. Da wir das Ufer Richtung Süden von unseren Wanderungen gut kannten (die Zeiten, als dieses Stündchen Fußweg gerade mal ein Auftakt war, scheinen sehr lang her), nahmen wir den Weg Richtung Norden. Mein getrippelt-gehumpeltes Tempo machte die Wanderschuhe, die Herr Kaltmamsell angelegt hatte, zum Witz.

Mittlerweile hatten sich Parks und Liegewiesen am See gefüllt, auf den Wegen in ungefähr gleichen Zahlen Spaziergänger/Wanderer und Radelnde, letztere über die Hälfte mit Motorantrieb. Aber noch war es nicht so voll, dass man sich nicht freundlich arrangieren konnte.

Zurück in Herrsching gab es ein italienisches Eiserl. In einem Fischladen besorgte ich das Abendessen, dann setzten wir uns in die S-Bahn zurück nach München.

Dort noch ein paar Besorgungen, dann las ich auf dem Balkon Internet und Zeitung, immer wieder unterbrochen durch Vogelschau.

Nachtmahl:

Oben eine geräucherte Lachsforelle aus dem Ammersee, unten ein geräucherter Saibling aus dem nahen Starnberger See. Herr Kaltmamsell hatte auf meine Bitte eine Honig-Senf-Sauce dazu angerührt, ich hatte einen Tomatensalat zubereitet. Es blieb genug Räucherfisch für Bürobrotzeit nächste Woche übrig. Nachtisch waren Erdbeeren mit Sahne.

Fürs Abendprogramm wieder bei Netflix nach Filmen geschaut (Fernsehserien interessieren mich gerade mal genug, dass ich sie neben dem Internetlesen laufen lasse, genau deshalb war Netflix nie attraktiv für mich) – es war nichts dabei, was ich sehen wollte.

§

Die Metamorphose des Maximilian Buddenbohm ist abgeschlossen: Nach drei Monaten Heimschule seiner beiden Söhne kann er das Leben nur noch in Textaufgaben denken.
„Seite 12, Aufgaben 1 bis 15“.
(Wer sagt denn, dass das Erarbeiten von Schul-Tests nicht genau so vonstatten geht?)

  1. Hier der ornithologische Hintergrund. []
die Kaltmamsell

11 Kommentare zu „Journal Freitag, 12. Juni 2020 – Schifferlfahrn am Ammersee“

  1. Sabine Kerschbaumer meint:

    Ich denke mir gerade: Wie schön wohnen wir! Ich sollte meine Wochenend-Faulheit entlich überwinden, damit wir mal vormittags an den See kommen, wenn die Ausflugsmassen noch zu Hause sind.

    Dießen sollten Sie unbedingt, sobald es erlaubt ist, ansteuern. Es ist dort sehr hübsh und die Räuchereien haben ganz hervorraenden Fisch. Frisch aufs Brötchen mit Meerettich, das ist fast wie im Urlaub :-).

    Ein schönes Wochenende.

  2. Joël meint:

    Sehr schön.
    Der Ammersee steht schon auf der Liste bei mienem nächsten Münchenbesuch.
    (und die Liste wächst und wächst….)

  3. Claudia meint:

    Netflix-Empfehlung aus aktuellem Anlass:
    Der 13.
    Die Dokumentation beschäftigt sich mit der Geschichte des Rassismus in den Vereinigten Staaten.
    https://www.netflix.com/de/title/80091741

  4. Ulla meint:

    Haben Sie auf Netfix sich Die zwei Päpste und Systemsprenger angeschaut?

  5. Sabine Kerschbaumer meint:

    Sorry für die Rechtschreibfehler – tippen ohne Brille sollte man Ü 50 unterlassen…

  6. Nina meint:

    Ich habe festgestellt, dass der Netflix Algorithmus ein bisschen braucht, um einem die passenden Vorschläge zu unterbreiten. Das lernt er natürlich nur auf Basis der bisher gesehen Filme oder Serien oder dadurch, dass man eine Liste anlegt mit Filmen, die man sehen möchte. Ich bin am Anfang am besten damit gefahren, mir selbst Filme zu überlegen, die ich noch mal oder endlich mal sehen wollte und dann bei Netflix nachzusehen, ob sie dort verfügbar sind. Nach einer Weile hat mir Netflix dann aufgrund meiner Suchergebnisse und gesehenen Filme tatsächlich für mich interessante und passende Filme und Serien vorgeschlagen.

    Ich liebe den Ammersee sehr! Danke für die wunderbaren Bilder.

  7. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Hach, der Ammersee! Wir sind damals mit dem Raddampfer, das Rad ist wirklich nur Show, vom S Bahnanleger nach Holzhausen gedampfert, das Sommerhaus der Künstlerfamilie Gasteiger (vor allem der Garten) war unser Ziel. Ihre Blumenbilder (Blume in Vase auf Tisch) begleiten mich seit meiner Kindheit und sind größtenteils dort im Haus entstanden. Ihr Mann hat einige Brunnen in München gestaltet, die mir alle ganz gut gefallen haben.
    Danke für die schönen Bilder und die Erinnerung an einen wundervollen Tag.

  8. ilona meint:

    Jaja, der gute Ammersee, hier wohne ich und finde es wunderschön.
    Im Künstlerhaus Gasteiger hat unser Sohn geheiratet.
    Tipp für eine wunderschöne Dampferfahrt in normalen Zeiten: mit dem letzten Dampfer die Rundfahrt ab Stegen. Brotzeit und gute Getränke mitnehmen, ist erlaubt, das ist wie Urlaub und sehr erholsam. Machen wir mehrmals im Jahr mit Freunden. Hoffentlich wird das in diesem Jahr auch nochmal was.

  9. Daniela Schneider meint:

    Liebe Frau kaltmamsell,

    ich kann Ihnen die Serie „Sexeducation“ (Netflix) ans Herz legen, auch wenn Sie keine Serienguckerin sind. Einfach nur gut!
    Herzliche Grüße
    D. Schneider

  10. die Kaltmamsell meint:

    Welche Folge ist denn die beste, Daniela Schneider? Dann kann ich mir die ja wie einen Film ansehen.

  11. Daniela Schneider meint:

    Boah, das ist schwierig zu beantworten! Letztendlich fand ich wirklich alle Folgen gut. Es werden so viele verschiedenen Themen angesprochen, die Schauspieler*innen sind toll, die Musik auch, die Locations (es wurde in Südostwales gedreht) usw. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Episode 7 aus der 2. Staffel (das Nachsitzen der Mädels). Aber ich würde einfach mal die 1. Folge anschauen ;-)


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