Journal Sonntag, 28. Juni 2020 – Familiengeburtstag

Montag, 29. Juni 2020 um 6:08

Im Bett des Herrn Kaltmamsell aufgewacht, in das ich in den sehr frühen Morgenstunden umgezogen war, weil mein leichter Schlaf durch seine Geräusche gestört wurde. Er protestierte, weil er früher als ich wach geworden war und so nicht an seinen Rechner und seinen Morgenmantel rankam. (Eigentlich möchte er, dass ich ihn in diesen Fällen wecke und wegschicke, doch das hatte ich nicht übers Herz gebracht.)

Auf dem Balkon war es bereits so warm, dass ich gründliches Fensterschließen tagsüber beschloss.

Aufgenommen auf meine Bitte von Herrn Kaltmamsell, echter #boyfriendsofinstagram.

Ausführliche Gymnastik, ein Stündchen auf dem Crosstrainer. Gegen Unterzucker knabberte ich einen Haferkeks und einen Apfel. Kurz nach Mittag machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof: Ein Zug sollte uns zu einer Familiengeburtstagsfeier bringen.

Dem Hopfen geht’s gut.

Wir hatten den Tipp bekommen, am Bahnhof Ingolstadt Audi auszusteigen – dem Neuzugang unter den Ingolstädter Bahnhalten. In postypokalyptischer Umgebung zwischen Hightech-Fabrikzaun und Parkhaus-Rohbau (was man im Norden Ingolstadts richtig, richtig gut machen kann: parken) gab es eine Bushaltestelle, von der aus ein Bus uns zur Feier brachte. Einen solch perfekten Öffi-Zubringer hat es in Ingolstadt in den vergangenen 30 Jahren nicht gegeben, ich war verwirrt.

Auf der angenehm temperierten Terasse gab es Kaffee und vielerlei Kuchen. Es freute mich sehr, die befreundete Verwandtschaft mal wieder zu sehen. Außerdem bekamen wir einen Eimer voll Ernte, zum Teil selbst aus dem Baum geholt:

Kirschen, Gürkchen, Zucchini, den Kohlrabi hatte Herr Kaltmamsell im Rucksack.

Im München hat es zu regnen begonnen, wir gönnten uns eine Tram nach Hause. Daheim machte Herr Kaltmamsell aus Pulpo vom Vortag eine tomatige Soße und servierte sie mit Spaghetti. Zu sanftem Regenrauschen ging ich zu Bett.

§

Viel verlinkt in meinem Internet, gestern fand ich beim Morgenkaffee Zeit für die Lektüre: Für Geo waren Vivian Pasquet und Daniel Etter mehrere Wochen während der heftigsten Corona-Krise im Universitätsklinikum Bonn.
„Um Leben und Tod: Aus dem Inneren einer Corona-Klinik“.

Hört man als Laie nur sehr viel Piepen, Pumpen und Klopfen, können die Pflegekräfte mehr als 50 Alarmtöne unterscheiden: Knick im Kabel, Medikament leer, Lungenmaschine streikt; Irgendwas-ist-ab-Alarm, Sauerstoffsättigung zu niedrig, Blutdruck zu hoch; Dialyse gestartet, Luftblase im Schlauch, Blutkonservenkühlschrank zu warm. Herzstillstand-Alarm. Einmal, auf einer Weihnachtsfeier, machten sie bei Keksen und Glühwein ein „Alarmton-Quiz“.

(Oder warum ich von Anfang an zuckte, als es hieß, dann sollten halt Fabriken mal schnell auf die Produktion von Beamtmungsgeräten umstellen – als wenn es sich sowas Simples wie Kaffeemaschinen handelte.)

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Sonntag, 28. Juni 2020 – Familiengeburtstag“

  1. lihabiboun meint:

    … hab grade den GEO Artikel gelesen, mein Gott. Zum Heulen, aber dennoch hoffnungsvoll. DAnke Ihnen.

  2. Simone meint:

    Danke für den Link zum Geo- Artikel. Ergreifend, Mut machend, aber auch warnend. Sollte Pflichtlektüre sein für alle Abstand – und Maskenverweigerer, die Corona immer noch als harmlose Erkältung abtun.


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