Journal Mittwoch, 15. Juli 2020 – Wechselwärme

Donnerstag, 16. Juli 2020 um 6:02

Unruhiger Schlaf, unruhige Träume.

Auf die Crosstrainer-Einheit hatte ich richtig Lust, doch gestern war Tag der roten Birne – noch im Büro sah ich aus wie ein Fall für den Notarzt. Gestern war mein Temperaturregler ohnehin gestört, ich wechselte von Frösteln zu heißem Kopf und zurück zu kalten Händen mehrmals in einer Stunde. Klar, hihi, Wechseljahre – aber manchmal checke ich bei Herrn Kaltmamsell: „Ist dir auch gerade so heiß?“, und es war bei ihm genauso. Er machte das Wetter verantwortlich, das gestern regnerisch werden sollte, sich aber bis zum Abend nicht recht entscheiden konnte.

Gestern in der Arbeit kennengelernt: Ungeahnte Grade von entitlement (und wieder ein Eintrag auf der List unübersetzbarer Begriffe). Auch ansonsten ein verrückter Tag, der praktisch nur aus Querschüssen bestand. Ich habe mit vielen Menschen gemeinsam gegooglet – aber ich denke, praktisch allen war letztendlich geholfen. Mittags Hummus und Focaccia vom Vortag, das sättigte bis abends.

Damit ich nicht zu lange im Büro blieb, hatte ich mir einen Kleidungskauf vorgenommen: Er endete mit zwei schönen, schlichten T-Shirts vom Konen – wo ich umsorgt und beraten wurde wie früher(TM).

Als ich auf instagram das Kriecherl-Foto von Katha Seiser sah, wurde mir bewusst, wie viel weniger ich vom Jahreszeitenverlauf, von Pflanzen und Früchten im Draußen mitbekomme, weil ich dieses Jahr nicht wandern kann.

Herr Kaltmamsell empfing mich wieder lukullisch: mit geprügeltem Hühnerfleisch, „Bang bang chicken“ – sehr gut.

(Es blieb noch genug für die Brotzeit am nächsten Tag übrig.) Außerdem gab’s gebratene Auberginenscheiben, als Nachtisch reichlich Süßigkeiten.

Seit Monaten kann ich das Meldeportal der VG Wort morgens nicht erreichen, „wegen Wartungsarbeiten“. Ich kenne keine andere Online-Plattform, die täglich für Wartungsarbeiten offline genommen wird, meine sprießende Fantasie bietet Erklärungen an wie preisgünstiges Halbtagshosting oder erzählt mir, dass die Online-Formulare nur eine Fassade sind und keine Schnittstelle zur eigentlichen Datenbank haben, sondern dass über Nacht Menschen alle Einträge manuell eingeben müssen. So oder so: Das nahm ich zum Anlass, das System T.O.M. im Techniktagebuch zu schildern.
„VG Wort: Web-Portal mit Teilzeitvertrag“.

§

Interessante neue Website: Die Technische Universität Dortmund nimmt sich systematisch Medienberichterstattung über Ernährung vor.
Medien-Doktor Ernährung.

Wir beurteilen die Qualität ernährungs- journalistischer Beiträge in Publikums- medien nach festgelegten Kriterien und geben Tipps für das journalistische Handwerk. So hoffen wir, die Berichterstattung über Nahrungs- und Lebensmittel, Ernährungsformen, Diäten und einzelne Substanzen besser und verständlicher zu machen.

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 15. Juli 2020 – Wechselwärme“

  1. Neeva meint:

    Hm, wie wäre es mit Anspruchsdünkel als Übersetzung für entitlement?

    Und die Seite zu den Ernährungsartikeln ist ja super! Den Link werde ich gleich mal in der Familie verteilen..

  2. Marieke meint:

    Ein Tipp von einer Amerikanischen Freundin. Wann immer Google Translate, Leo etc. versagt haben, bin ich dort fündig geworden:

    https://dictionary.cambridge.org/dictionary/english/entitlement

  3. die Kaltmamsell meint:

    Ich muss gestehen, Neeva, dass ich „Anspruchsdünkel“ nie in derselben sprachlichen Umgebung oder derselben Häufigkeit gefunden habe.

    Mir war neu, Marieke, dass das Cambridge Dictionary ins Deutsche übersetzt – könnten Sie das verlinken? Mein Liebling ist Linguee, weil immer die sprachliche Umgebung von Ausgangstext und übersetztem Ausdruck mitgeliefert wird. Doch bei „entitlement“ zeigt sich, dass eben das Phänomen im Deutschen nicht benannt wird. Das meine ich mit unübersetzbar.

  4. Neeva meint:

    Kaltmamsell, ich dachte, ich hätte das Wort spontan als Mischung aus „Anspruchsdenken“ und „Standesdünkel“ erfunden. :-)

  5. Alexandra meint:

    Es gibt kein deutsches Wort für „entitlement“, nur Umschreibungen – oder Neuschöpfungen wie eben „Anspruchsdünkel“.

    So geht es mir seit Jahren mit dem Wort „astonishing“ – alles, was Wörterbücher dazu liefern, gibt nämlich nach meinem Empfinden in keiner Weise das so sehr auf das Gefühl zutreffende Bild wieder, das ICH zu dem Wort im Kopf habe.

  6. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Ich lache gerade sehr über die Wechseljahresbeschwerde (also nicht über die Beschwerden ansich), oder was auch immer … schon mal darüber nachgedacht das
    1.) Männer (wahrscheinlich, vielleicht, evtl.) auch Wechseljahre haben und Herr Kaltmamsell einfach deswegen genauso fühlt
    oder aber
    2.) er ganz einfach so wie werdene Väter mit schwanger, er mit wechseljahrig, ist?
    Beide Varianten finde ich überlegenswert und egal für welche Sie sich entscheiden, sehr, sehr partnerschaftlich … wollte erst süß schreiben *quitsch*

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