Journal Donnerstag, 16. Juli 2020 – Unterschätzter Regen und kurze Haare

Freitag, 17. Juli 2020 um 6:02

Sehr ungute Nacht. Ich muss wohl der Tatsache ins Auge sehen, dass die Entzündung im rechten Hüftgelenk wieder so stark geworden ist, dass sie mir durch Schmerzen den Schlaf raubt – die auslösende Arthrose ist ja noch nicht beseitigt.

Eine Runde Rücken-Yoga tat gut.

Das Wetter weiterhin wacklig, der angekündigte Regen setzte erst mittags ein. Zu Mittag gab’s Reste Bang Bang Chicken vom Vorabend und ein paar Nüsse. Nachmittags hatte ich richtig Hunger und aß eine Schüssel Quark mit Kefir.

Auf den feierabendlichen Friseurtermin freute ich mich bereits seit drei Wochen (ich muss künftig für kürzere Abstände sorgen). Der Regen sah nicht zu schlimm aus, ich wollte deutlich lieber radeln als U-Bahn-fanren, dann würde ich halt etwas feucht eintreffen.

Tatsächlich war ich dann bereits nach fünf Minuten auf dem Rad ziemlich nass, es regnete immer heftiger. Nun, musste ich meinen Rock halt ordentlich auswringen, damit er den Friseurladen nicht vertropfte.

Diesmal wollte ich die Haare wieder ordentlich kurz haben, zur Orientierung hatte ich dieses Bild von Megan Everett mitgebracht (Herr Friseur: “Die hat ja sogar Haare wie du!”), wollte allerdings nicht nur auf den vordersten zehn Zentimetern Deckhaar haben.

Hier das Ergebnis nach einer weiteren Regendusche (also das Gegenteil von gestylt), auch auf dem Heimweg wurde ich nass und zog mich daheim komplett um.

Zum Nachtmahl gab’s Honigmelone mit etwas Parmaschinken, Salat mit Gurke aus Ernteanteil und Süßigkeiten. Zur Ermöglichung einer besseren Nacht griff ich zu Ibu.

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In diesem Thread zu Verschwörungsmythen einen schönen Begriff gelernt: “illusorische Musterwahrnehmung” (oder wie meine polnische Oma gesagt hätte: “Des bedeytet wos!”).

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Ein Artikel darüber, warum Angehörige der weißen Mehrheit vorsichtig sein sollten, wenn sie Kleidung oder Symbole unterdrückter Minderheiten als Mode verwenden.

“When is it OK to wear an item from another culture, and when is it appropriation? How to tell”.

The line between celebration and appropriation gets crossed when there is the unacknowledged or inappropriate adoption of the customs, practices or ideas of one group by another, typically more dominant group.

Anstrengend, gell? Weil wir als Mainstream-Weiße in einer weißen und dominierenden Gesellschaft die Freiheit gewohnt sind, uns an allen Kulturen zu bedienen, die wir irgendwie attraktiv und hübsch finden. Und davon ausgehen, dass ein Bindi nichts anderes ist, als sich bei der Dirndlschneiderin einen Stoff für die Schürze auszusuchen. Doch je marginalisierter und unterdrückter die Ursprungskultur, desto gründlicher sollte ich als Weiße nachdenken: Ja, ich schaue die schönen und unglaublich vielfältigen Kleider in den Afro-Läden bei mir im Bahnhofsviertel auch bewundernd und durchaus begehrlich an, besonders wenn ich an einem Sonntag davor in der U-Bahn die damit prächtig gestylten Schwarzen Münchnerinnen auf dem Weg zum Gottesdienst gesehen habe. Aber dieser “Style” existiert nicht im luftleeren, geschichtslosen Raum. Oder wie Dodai Stewart im obigen Artikel zitiert wird:

Blackness is not a piece of jewelry you can slip on when you want a confidence booster or a cool look.

Mal wieder: Obacht – die (noch so gute) Absicht ist dabei irrelevant.

“If you don’t understand cultural appropriation, imagine working on a project and getting an F and then somebody copies you and gets an A and credit for your work.”

Von Janaya “Future” Khan und zum Hinter-die-Ohren-schreiben:

Privilege isn’t about what you’ve gone through; it’s about what you haven’t had to go through.

Übersetzt:
Privileg hat nichts damit zu tun, was du durchmachen musstest; es besteht in dem, was dir erspart blieb.

die Kaltmamsell

12 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 16. Juli 2020 – Unterschätzter Regen und kurze Haare“

  1. Daniela meint:

    Hat man Ihnen eigentlich schon mal Cortison in das kaputte Gelenk gespritzt? Das hilft ja manchmal Wunder als Schmerzüberbrückung bis zum OP Termin.

  2. Alexandra meint:

    Danke für den geradezu brillanten Schlusssatz!

  3. die Kaltmamsell meint:

    Ja, Daniela, im Januar und im März, und es half jedesmal sehr gut. Aber natürlich nicht dauerhaft.

  4. die Kaltmamsell meint:

    Hoppla, Frau Klugscheisser, danke für den Hinweis! Nein, gar nicht, da habe ich beim Link-Kopieren den falschen Tab erwischt. Jetzt stimmt der Link.

  5. N. Aunyn meint:

    @ Frau K.: Nein, es scheint dieser zu sein:
    https://ideas.ted.com/when-is-it-ok-to-wear-an-item-from-another-culture-and-when-is-it-appropriation-how-to-tell/

    Die Diskussion gab es hierzulande schon Ende der 1990er Jahre – dabei ging es um jüdische Symbole: Jewish Disneyland, die Aneignung und Enteignung des Jüdischen
    https://www.hagalil.com/golem/diaspora/disneyland-d.htm

  6. Angela meint:

    Da fehlt mir die bei Megan Everett scharf geschnitten Kante an der Stirn. Die muss. Zurück zum Friseur ;-)

    Genau so anstrengend ist das. Als ich vor ein paar Jahren das erste Mal hörte, dass afrikanische Frisuren nicht einfach adaptiert werden können, verlangte mir das recht viel ab. Ich ertappe mich auch immer mal wieder dabei, dass ich rassistische Gedanken habe. Jedesmal bin ich geschockt, wie tief das sitzt. Mein Herz sagt was anderes.

  7. Sandra meint:

    Interessant, das erinnert mich an diese „Ungeimpft“- Davidssterne. Unmöglich sowas. Völlig geschmacklos. Und das ganz offensichtlich.

  8. Vanessa meint:

    Tolle Frisur und ein <3 für die Oma!

  9. poupou meint:

    ein weiteres aktuelles beispiel für gedankenlose kulturelle aneignung: Kritik an CDU-Kampagne gegen Antisemitismus: „Ich will nicht, dass meine Religion benutzt wird“

  10. Berit meint:

    Ich muss dann immer daran denken wie eine Freundin Besuch aus den USA hatte und einen braunen (!) Rock mit Swastikas am Rocksaum trug und wir ihr erst einmal erklärten das sie den in Deutschland nicht tragen kann auch wenn er aus Indien ist und dort natürlich eine andere Bedeutung hat. Einfach nein.

    Ähnlich kann es bei Kleidungsstücken aus anderen Kulturen sein, die eigentlich zu besonderen Anlässen getragen werden und dann hier als Strandkleid fungieren. Da braucht man sich nicht wundern wenn man als respektlos gilt.

  11. N. Aunyn meint:

    Ja – und manche verkleiden sich intellektuell – dafür gibt es den Terminus “misappropriation” – manchen der hier Mitlesenden wird das Fräulein noch in Erinnerung sein. Zur ethischen Dimension siehe hier:
    https://en.ejo.ch/ethics-quality/a-question-of-sensitivity-the-ethical-issues-posed-by-the-sophie-hingst-case

  12. die Kaltmamsell meint:

    Offensichtlich, N. Auyn, kennen Sie nicht das Ausmaß der zugrundeliegenden psychischen Störung. Während ein sachliches Befassen mit erfundener jüdischer Familie selbstverständlich wichtig ist, bitte ich Sie, mit Verurteilungen der konkreten Person, sehr, sehr vorsichtig zu sein.

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