Journal Samstag, 25. Juli 2020 – Beifang aus dem Internetz

Sonntag, 26. Juli 2020 um 8:22

Ausgeschlafen nach unruhiger Nacht mit Pausen.

Es war viel zu kühl für Morgenkaffee auf dem Balkon, der Himmel bedeckt und still. Überhaupt war das gestern seltsames Wetter: Bewölkt und um Jacktemperaturen herum, doch in jedem Sonnenstrahl war es sauheiß.

Unspektakulärer Vormittag mit Wäschewaschen, Bloggen, Gymnastik und Crosstrainer – auf dem ich mich nicht sehr fit fühlte, ich machte nach einer Stunde Schluss. Nach dem Duschen fühlte ich mich immer noch so wacklig, dass ich auf möglichen Unterzucker tippte – und siehe da: Nach einer Orange mit Joghurt war ich deutlich munterer.

Für die Wochenendeinkäufe erklärte Herr Kaltmamsell mich zuständig, da er gestern arbeiten musste (ich erlebe erstmals mit, wie ein Schulbuch entsteht), also zog ich mit Tasche und Rucksack los. (Und mit Tüte und Altglas, als erstes fütterte ich die Container schräg gegenüber.)

Suche nach einem Kolleginnengeschenk, übern Viktualienmarkt (unangenehm voll, wenn auch nicht so brechend voll wie sonst an einem Julisamstag, die Abwesenheit internationaler Touristen ist deutlich spürbar) zum Herrmannsdorfer, wo ich glückliche Schweinekoteletts fürs Abendessen besorgte. Über einen Abstecher zum Rewe (Süßigkeiten) ins Glockenbachviertel, dort Drogeriemarkt, dann für Hauptlebensmitteleinkäufe in den Basitsch. Wo ich zu meiner tiefen Verblüffung keinen Mangold fürs geplante Sonntagsessen bekam – ich hatte den Biosupermarkt ans Ende meines Einkaufswegs gesetzt, weil ich sicher war, dort alles von der Liste zu finden, sonst hätte ich die Notwendigkeit einer weiteren Suche einkalkuliert. Ich plante um, dann gibt es das Gericht eben sehr unauthentisch statt dessen mit angebratenem Radicchio.

Das Gehen fiel mir inzwischen sehr schwer, Gangtempo auf dem Heimweg war eher Schlendern auf dem Sonntagscorso. Entsprechend erledigt kam ich an.

Zum Frühstück machte ich aus Tomaten und frischem Majoran aus Ernteanteil mit einer herrlichen italienischen Nektarine einen Salat, dazu Weißbrot (erinnern Sie mich doch daran, dass das „andalusische“ nicht meinen Geschmack trifft, damit ich es nicht wieder versehentlich kaufe).

Angemacht mit Salz, Pfeffer, etwas Zitronensaft und Olivenöl – köstlich.

Ich konnte die Augen kaum aufhalten, gönnte mir also eine Siesta; ich schlief tief.

Endlich die beiden gerahmten Radierungen von Katia Kelm aufgehängt – da in der Wohnung die meisten Wände von Bücherregalen belegt sind, blieb praktisch nur mein Schlafzimmer.

Herr Kaltmamsell hatte mich nicht nur eisern daran erinnert, dass ich doch Bilder aufhängen wolle, sondern assistierte auch.

Ausgiebiges Zeitunglesen auf dem Balkon, ich fand keine Sitzposition, in der Hüfte und Bein nicht mit Schmerzen gestört hätten.

Fürs Nachtmahl sorgte dann wieder Herr Kaltmamsell.

Zum Kotelett gab es Zucchini und Knoblauch aus Ernteanteil, außerdem ein Glas ehrlichen Rosé.

Abendunterhaltung war die aktuelle Folge Anstalt vom 14. Juli:
„Ich bin Rassist, hol mich hier raus.“

Großartige Show, die sich endlich mal mit den schlimmen Schäden befasste, die der Vorwurf des Rassismus bei Weißeuropäern auslösen kann.

§

Irgendwann vor Jahren fragte ich Herrn Kaltmamsell (der sich mit Computer auskennt(TM)), was eigentlich ein Betriebssystem ist. Und weil er sehr gerne Wissen weitergibt (der Mann hätte Lehrer werden sollen – oh wait), erklärte er mir das ausführlich. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob er das so schön strukturiert gemacht hat wie Christian aka jawl, aber dessen Erklärung können Sie jetzt nachlesen.
„25.7.2020 – die Corona-WarnApp funktioniert nicht. Wer ist Schuld?“

§

Über eine ganz andere Leserunde als meine; diese von Alex Rühle trifft sich seit 18 Jahren und klingt auch gut:
„Im Himmel“.

§

Am Freitag in der Süddeutschen ein sehr schöner Artikel von Holger Gertz, offensichtlich angestoßen vom Monumentalwerk Munich ’72. The Visual Output of Otl Aicher’s Dept. XI von Mark Holt, das ich mit-crowdgefunded habe. (€)
„Sommer ohne Spiele“.

Gertz vergleicht München ’72 mit dem, was aus Olympia mittlerweile geworden ist, setzt die im Buch belegten Zitate explizit gegen jedes Pathos gegen die aufgeplusterten IOC-Magnaten von heute, hat auch mit ein paar Mitgliedern von Otl Aichers Team gesprochen.

Nochmal Schimpf über dieses Bezahlmodell: Ich würde gerne für interessante Artikel in Zeit, Spiegel, FAZ, manchmal Handeslblatt zahlen, bei denen ich regelmäßig gegen die Bezahlschranke dotze – aber ich will kein Abo des ganzen Mediums! Es ist mir ja gerade wichtig, möglichst viele verschiedene Medien zu einem Thema zu lesen, doch mir will immer noch nicht einleuchten, warum ich dafür alle Ausgaben und alle Artikel zahlen soll. Da ich ziemlich sicher bin, dass meine die verbreitete Leseweise von Online-Medien ist, kann ich nicht fassen, dass dafür seit über einem Jahrzehnt kein Finanzierungsmodell erarbeitet wurde. (Blendle ist ja nur eine verzweifelte Krücke.)

die Kaltmamsell

12 Kommentare zu „Journal Samstag, 25. Juli 2020 – Beifang aus dem Internetz“

  1. Alexandra meint:

    Bei dem Schimpf stimme ich mit ein!

  2. Simone meint:

    Dem Schimpf kann ich mich nur anschließen.

    Salat aus Nektarinen und Tomaten klingt sehr gut, das muss ich mal probieren.

  3. Daniela meint:

    Ich habe genau das gleiche Problem mit dem Zeitungs Bezahlmodell.

  4. Thea meint:

    Dieses Bezahlmodell kann ich mir gar nicht leisten, und auch sonst stimme ich zu.

  5. dyke meint:

    Ja, die Bezahlschranke mit Abo komplett oder gar nicht nervt. Daher finde ich, das die taz es mit dem Spendenmodell je nach Gusto wirklich ausgezeichnet macht.

  6. Lena meint:

    Ich nutze bei der Süddeutschen ja gerne mal den Tagespass für 1,99, allerdings wird dieser nicht bei den Optionen des plus-Zugangs angezeigt wenn man an die bezahlschranke stößt. Ich öffne dafür einen extra Tab, in dem ich danach suche, bezahle und dann Zugriff auf den gewünschten Artikel habe. Jetzt frage ich mich, ob andere Medien diesen Zugriff evtl auch irgendwo versteckt haben?

  7. Die M. meint:

    Manchmal hilft die Onleihe, um einzelne Artikel lesen zu können.

  8. Gaga Nielsen meint:

    Was für ein Bild hängt denn an der rechten Wand, das dunkle im Anschnitt?
    Schönes Rahmenprofil gewählt, Altsilber ist schon edel in Verbindung mit dem Grünton der Bilder von Katja – viel Rahmen macht immer was her! Die Hängung ist auch interessant, man fragt sich, ob das der Auftakt zu einer Sammlung mit Petersburger Hängung ist, und ob es nach links, außerhalb des sichtbaren Bereichs weitere Bilder gibt.

  9. Pressepfarrerin meint:

    Zur Bezahlschranke möchte ich mich gerne der allgemeinen Missbilligung anschließen! Bei der FAZ gab es eine Zeitlang die Möglichkeit, einzelne Artikel auf deren Website mit wenigen Klicks via Amazon zu kaufen. Schade, dass das wieder aufgegeben wurde. (Ich weiß, dass man über Amazon diskutieren kann.)

    Und wo ich gerade hier bin, würde ich mich gerne noch für den „Speiseföhn“ bedanken, großartige Wortschöpfung!

  10. die Kaltmamsell meint:

    Das ist ein Foto, Gaga Nielsen, das Hauke Dressler in der Gießerei von MAN Diesel in Augsburg aufgenommen hat, ca. 2007. Mich erinnerte es so an Alte Niederländer, dass ich es entsprechend rahmen ließ.

    Hauke Dressler

    Ja, auf Petersburger Hängung wird es hinauslaufen – wo es ja nur ein bis zwei Bilder-fähige Wände in der Wohnung gibt. Das ist der Auftakt

  11. Bobbie meint:

    Vielen Dank liebe Kaltmamsell für den link „im Himmel“. Tolle Idee Themen zu wählen und jede/r schaut was für ein Buch dazu passen würde und liest daraus vor. Bin ganz neidisch. Hätte sehr gern auch so eine Leserunde. Nicht zu vergessen das leckere Essen und interessante Menschen. Hab schon mal versucht Leute dafür zu gewinnen. Ist aber in einer Grossstadt sicher einfacher als in der Pampa. Vielleicht starte ich nochmal einen Versuch.

  12. kecks meint:

    zwei sehr tolle links, himmel wie hmbl – danke!

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