Journal Sonntag, 26. Juli 2020 – Kein Freibadschwumm

Montag, 27. Juli 2020 um 6:00

Ich hatte an diesem Wochenende endlich mal im Freien meine Kraul-Bahnen ziehen wollen, doch am recht sicher trockenen Samstag war das Schyrenbad bereits ausgebucht. (System in München: Man reserviert einen Slot, bekommt einen Bestätigungscode, und nur mit dem darf man eine Eintrittskarte kaufen.) Also reservierte ich für den Sonntag, an dem gemischtes Wetter vorhergesagt war: Unter bewölktem Himmel war Schwimmen schließlich auch ok, gab es halt kein anschließendes Sonnenbad, und statt Duschen vor Ort (Duschbereich ist gesperrt) würde ich mich halt gleich anziehen und daheim duschen.

Nur dass gestern um halb neun Regen einsetzte und hartnäckig anhielt. Mit der Möglichkeit einer heißen Dusche direkt nach Regenschwumm hätte ich mir das noch vorstellen können, doch nass im Nassen heimgehen wollte ich wirklich nicht. Die Reservierung ließ sich nicht stornieren, doch bei diesem Wetter bereitete mir das kein schlechtes Gewissen.

Statt dessen nahm ich die U-Bahn hinaus zum Olympiabad.

Die Fahrgeschäfte gehören zur Aktion „Sommer in der Stadt“, mit der die Schausteller für die ausgefallenen Dulten und Oktoberfest ein wenig entschädigt werden sollen.

Der alte Körper gab nur 2.600 Meter her, aber die waren schön.

Als ich mich um eins auf den Heimweg machte, wurde das Wetter immer wärmer und sonniger. Aber so lange hätte ich nicht mit meiner Schwimmrunde warten wollen.

Ich spazierte durch die Sonne zur Tram und ließ mich damit heimschaukeln. Semmeln geholt.

Zum Frühstück Semmel und herrliche italienische Pfirsiche mit Joghurt.

Bügeln schon wieder, Sommer halt, Lesen auf dem Balkon.

Abendessen machte ich, es wurde Coca de verdura. Nur da ich gestern keinen Mangold bekommen hatte, mit Radicchio, den ich vorher anbriet.

Machte sich gut.

Abendunterhaltung war Little Miss Sunshine auf arte – der mich seinerzeit nicht wirklich interessiert hatte, aber so oft zitiert wird, dass ich ihn doch mal gesehen haben wollte. Toni Colette geht eh immer, und die kleine Abigail Breslin ist wirklich der Hammer.

§

Entwicklungshilfe – ein besonders schwieriges und komplexes Thema. Umso interessanter ist es, wenn die Auswirkungen einer Aktion systematisch nachgehalten werden. Hier wurden 2014 in Kenia einmalig an arme Dorfbewohner 1000 Dollar ausgezahlt.
„Das Tausend-Dollar-Projekt“.

Die Zahlungen, die inzwischen sechs Jahre zurückliegen – sind Teil eines groß angelegten Experimentes, das unsere Sicht auf Entwicklungshilfe und die Bekämpfung der Armut verändern könnte: Warum nicht den Armen das Geld direkt geben? Und sie selbst entscheiden lassen, wofür sie es verwenden – ohne einen teuren Apparat aus Experten und Bürokraten.

Die Antwort soll nun eine wissenschaftliche Analyse geben, statt – wie so oft – darüber zu spekulieren, was gegen Armut wirkt. „Wenn wir nicht wissen, ob wir etwas Gutes tun, sind wir nicht besser als die mittelalterlichen Ärzte und ihre Blutegel“, hatte die aktuelle Wirtschafts-Nobelpreisträgerin Esther Duflo zu Beginn des Projektes erklärt. „Manchmal geht es dem Patienten besser, manchmal stirbt er. Lag es an den Blutegeln? An etwas anderem? Wir wissen es nicht.“

Sehr, sehr spannend. Ich hoffe, dass die Ergebnisse noch lange weiterverfolgt werden.

die Kaltmamsell

3 Kommentare zu „Journal Sonntag, 26. Juli 2020 – Kein Freibadschwumm“

  1. Alexandra meint:

    Dass der Wirkung von Geldgeschenken endlich mal das Spekulative, Wertende genommen wird, das finde ich auch spannend und gut. Danke für diesen Link.

  2. Croco meint:

    Dieses 1000$Projekt ist wirklich ein guter Ansatz.
    Man darf schon auf die Menschen vertrauen, denen man das Geld gibt. Das sagt mir das Ergebnis. Blechdach und Schule, Möbel und Hühner, einfach und kluge Entscheidungen für ein besseres Leben. Das gefällt mir sehr.

  3. Nina meint:

    Danke für den Link zu dem Artikel über Kenia. Als Sozialanthropologin frage ich mich allerdings sofort: wie hat es die sozialen Gefüge in diesen Dörfern verändert, dass einige Bewohner*innen Geld bekommen haben und andere nicht? Haben Hexerei-Vorwürfe z. B. zugenommen (oft eine Begleiterscheinung sozialen Neids)? wie verändert es langzeitlich Familien, wenn einige Mitglieder plötzlich einen sozialen Aufstieg gemacht haben und andere nicht? Gibt es mehr, größere, reichere (Pfingst)Kirchen in den ausgewählten Dörfern? Was macht es mit Ritualen, wenn mehr Geld in diese investiert werden kann (wird es das überhaupt)? So viele spannende Forschungsfragen! Ich hoffe, es werden auch sozialwissenschaftliche Perspektiven in die Studie einbezogen.

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