Journal Dienstag, 17. November 2020 – Heilen in Ruhe, Polar-Doku

Mittwoch, 18. November 2020 um 7:36

Nach der eindeutigen Zustandsverschlechterung war der Vorsatz gestern also: Möglichst wenig bewegen, vielleicht sogar außer zum bereits vereinbarten Physio-Termin das Haus gar nicht verlassen.

Was gleich mal von meinem Frühstückshunger torpediert wurde. Ich wollte mir Porridge kochen und stellte fest, dass keine Haferflocken im Haus waren – eigentlich als Notfallessen fester Bestandteil des Vorratsschranks. Dann konnte ich ja gleich Semmeln holen. Und bei der Gelegenheit ein paar Lebensmitteleinkäufe erledigen.

So lernte ich, dass ich das mit dem Gehen wirklich erst mal lassen sollte, selbst nach dieser kleinen Runde daheim hinkte ich zum Gottserbarmen. Nach Semmelfrühstück setzte ich mich aufs Bett zum Zeitunglesen, mit hochgelegten Beinen ließen die Schmerzen (Stechen in Leiste, Ausstrahlen über Knie bis Schienbein) langsam nach.

Am frühen Nachmittag nach ich die U-Bahn zur Physio. Obwohl ich Frau Anfasserin auf meine Probleme hingewiesen hatte, machte sie Übungen mit mir, die sehr anstrengten und schmerzten – „zehn Minuten geht schon“. Jetzt weiß ich auch nicht. Den Reha-Sport verschob ich dennoch auf Mittwoch, auch wenn das zwei zusätzliche U-Bahn-Fahren mit Menschenkontakt bedeutet.

Daheim Video-Telefonat über Whatsapp mit meinem Vater im Krankenhaus, er machte einen guten Eindruck. Ich gräme mich dennoch, dass ich ihn wegen der Pandemie-Einschränkungen weder dort noch anschließend in der Reha-Klinik besuchen kann.

Zurück aufs Bett. Ich guckte die weithin empfohlene Doku Expedition Arktis: Ein Jahr MOSAiC-Expedition des Forschungsschiffs Polarstern, die zum ersten Mal überhaupt ein Jahr lang durchgehend Daten aus dem Polareis und -meer erhob. Die sprunghafte Erderwärmung machte das laut Forscherinnen und Forschern zur möglicherweise letzten Chance, ein durchgehendes Jahr Eis zu beobachten.

Ich war gefesselt und begeistert, unter anderem von: Kleinen roten Quallen aus Polarmeerwasser, einer Erklärung, was wir eigentlich riechen, wenn wir „das Meer“ riechen (nein, nicht das Salz), allein all den Jobbezeichnungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler! Außerdem lernte ich Köche und Bäckerin des Schiffs kennen, das Hubschrauberpersonal, Eisbärwächter. Aus all dem Material hätte man locker eine mehrteilige Serie machen können. Hier in der ARD-Mediathek nachguckbar und hiermit sehr empfohlen.

Während ich am eigenen Rechner bastelte (weiteres Umschichten von Dateien, neues Betriebssystem installieren), startete ich auch mal wieder den Arbeitsrechner, damit er Updates laden konnte. In mein Postfach dort gucke ich ohnehin alle paar Tage – ich erhoffe mir, dass ich so beim Wiedereinstieg nicht völlig überrollt werde.

Zum Abendessen servierte Herr Kaltmamsell Mexikanisches: Tomaten-Salsa, darin verlorene Eier, außerdem Guacamole, frische Paprika, Tomaten, Koriander, Weizentortillas. Dazu wollten wir Tequila trinken, doch das Norgerl in der Flasche gab gerade mal zwei Stamperl her.

§

Sehr ausführliches Interview in The Atlantic mit Barack Obama über seine Memoiren, u.a. wie er die Spaltung der USA erklärt und warum ihn überrascht hat, auf welchen Populisten die Rechte schließlich reingefallen ist:
„Why Obama Fears for Our Democracy“.

Zum Beispiel skizziert Obama die heute fehlende Funktion kleiner lokaler Medien:

What happens is that they see you through the dominant filters and news sources, and those news sources have changed. Even as late as 2008, typically when I went into a small town, there’s a small-town newspaper, and the owner or editor is a conservative guy with a crew cut, maybe, and a bow tie, and he’s been a Republican for years. He doesn’t have a lot of patience for tax-and-spend liberals, but he’ll take a meeting with me, and he’ll write an editorial that says, “He’s a liberal Chicago lawyer, but he seems like a decent enough guy, had some good ideas”; and the local TV station will cover me straight. But you go into those communities today and the newspapers are gone. If Fox News isn’t on every television in every barbershop and VFW hall, then it might be a Sinclair-owned station, and the presuppositions that exist there, about who I am and what I believe, are so fundamentally different, have changed so much, that it’s difficult to break through.

I come out of this book very worried about the degree to which we do not have a common baseline of fact and a common story.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Dienstag, 17. November 2020 – Heilen in Ruhe, Polar-Doku“

  1. skh meint:

    Ohne irgendwelche Kenntnis der Sachlage vortäuschen zu wollen könnte ich mir vorstellen dass manche Leute mit deutlich weniger als 11km in den Knochen deutlich lauter jammern als Sie, und Frau Physio nur vom Durchschnitt ausgehen kann?

    (Kein Tipp! Ehrlich!)

    Ausserdem: die Arktis-Doku habe ich auch schon auf meiner To-Watch-Liste, danke für die Erinnerung. Ich habe auch die zehnteilige Serie „Antarctic Extremes“ von PBS Terra auf YouTube sehr genossen.

  2. Christin meint:

    Danke für den Polar-Doku-Tipp – großartig!

  3. Sandra meint:

    Fun fact: Der Polarstern-Kapitän Stefan Schwarze in dem Bericht kommt aus meinem Heimatort und ist der Mann unserer Familienzahnärztin. Die hat meiner Mama berichtet, dass sie dieses Mal mehrere Monate länger als geplant auf die Rückkehr ihres Mannes warten musste.

  4. die Kaltmamsell meint:

    Das ist ja ein nettes Detail, Sandra!

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