Journal Samstag, 12. Dezember 2020 – #12von12

Sonntag, 13. Dezember 2020 um 10:19

Gestern kein gezieltes Fotografieren für das allmonatliche #12von12: Ich wollte erst beim Fotosichten entscheiden, ob ich 12 zusammenkriegen würde, die den Tag dokumentieren könnten. Klappte ganz knapp, richtig gute Bilder sind diesmal nicht dabei.

Ausgeschlafen, aber nur bis sieben. Das reichte, um mich zu erfrischen.

1 – Erster Morgenkaffee aus dem Maxvorstädter Espressopulver: Schmeckte sehr gut, genau so schokoladig-nussig, wie ich es erbeten hatte.

2 – Aus Gründen messe ich seit ein paar Monaten allmorgendlich meinen Blutdruck.
Gemütliches Bloggen und Twitterlesen bei nur langsam wachsender Tageshelle, es blieb grau und regnerisch. Nach Katzenwäsche zog ich mich um für etwas sportliche Bewegung. Erst mal Bankstütz, Seitstütz, dann auf den Crosstrainer.

3 – Links eine überwinternde Balkonpflanze. Im Anschluss ans Strampeln ein paar wenige Reha-Übungen.

4 – Gewicht auf den hinteren Fuß auf rutschiger Unterlage. Die Übung besteht darin, den Fuß ein wenig nach außen zu drehen (von 12 Uhr auf 11 Uhr) und wieder zurück (3×30 Mal auf beiden Seiten). Damit, so hatte mir der Trainer in der Reha-Klinik erklärt, werde ein kleiner Muskel trainiert, den wir für ganz viele Alltagsbewegungen brauchen.

5 – Zum Frühstück gab’s zwei Scheiben Geiersthaler Sonne, die mir besonders gut gelungen war.

Nach ein wenig Zeitunglesen wollte ich dringend nach draußen. Es sprühregnete zwar immer wieder, manchmal war aber sogar blauer Himmel zu erahnen. Ich spazierte auf den Alten Südfriedhof.

6 – Große Eichhörnchenparty, aber wenige Menschen.

7 – Meistersinger und Damenschuhmachermeister. Der Hans-Moser-Film dazu schreibt sich praktisch von selbst.

Kurz vor der ehemaligen Aussegnungshalle traf ich zwei Bloggerinnen/Twitterinnen (nein, wir sind noch nicht in diesem Alter; das sind wir erst, wenn wir bei zufälligen Begegnungen auf dem Friedhof Gießkannen in der Hand haben): @dyfustic kannte ich schon lange auch persönlich, @deuxcvsix traf ich zum ersten Mal in Echt. Beiden hatten Kameras mit SONNE Objektiven dabei, sie waren auf Fotopirsch. Wir fachsimpelten über Vögelchen (Berichte von Eisvogel-Sichtungen an der Isar!) und Eichhörnchen.

8 – Blick von der Wittelsbacherbrücke auf eine sehr niedrig stehende Isar, es ist weiterhin viel zu trocken.

Gehen ging sehr gut, deutlich über eine Stunde lang. (Und schon fasziniere ich Isarjoggen ab April.)

Kurz vorm Heimkommen sah ich im Nußbaumpark ein winziges Vögelchen in annähernd Kohlmeisenfarben, das mir neu war.

9 – Genau hier hatte es eben gerade von Beeren genascht, echt ehrlich! (Aus mir wird sowas von nie eine Tierfotografin.) Daheim schlug ich nach, was das wohl gerade war: Ich hatte mein erstes Wintergoldhähnchen gesehen!

Als ich heimkam, war mein Mantel schwer vom aufgesaugten Nieselregen.
Nachmittagssnack: Ein Stück Käse, Mandarinen, Trauben. Ich holte die jüngste Folge Kroymann in der ARD-Mediathek nach. Zeitunglesen, Twitterlesen.

10 – Die Vorschläge sind durchgehend großartig. (Ich würde ja einen Aufsatz zu diesem Straßenschild beitragen.)

11 – Herr Kaltmamsell hatte den Nachmittag mit Weihnachtsbäckerei verbracht, allerdings englischer. Dieses Mince-Pie-Rezept hatte er bereits seit Monaten ausprobieren wollen, doch ich hatte ihn im Sommer daran gehindert. (Also bitte: Als nächstes dann Zimtsternebacken in Mai?) Jetzt war endlich die richtige Jahreszeit dafür. Leider hatte ich vergessen, dass meine Muffin-Bleche (für billigstes Geld als Studentin in Wales gekauft, lange bevor Muffins hierzulande echten Kuchen auf Partys und als Bürokuchen fast komplett verdrängten) auch bei noch so gutem Buttern das Backgut nicht mehr hergaben. Nutzung nur mit Backpapier. Herr Kaltmamsell war auch insgesamt mit dem Teig nicht zufrieden. Die beiden Mince Pies, die ich später als Dessert aß, schmeckten aber hervorragend.

Fürs Abendessen wiederum sorgte ich.

12 – Ich machte nochmal spanische Empanada, diesmal allerdings mit Hefeteig und weitgehend freihändig. Teig wurde ein Hefeteig mit ordentlich Olivenöl drin (gut zu verarbeiten, ging allerdings wegen des Öls wenig auf), in die Füllung kam neben der Basis aus Zwiebel, Knoblauch, roter Paprika, Tomate (tomate frito baue ich mit verdünntem Tomatenmark nach), geräuchertem Paprikapulver diesmal Thunfisch.

Schmeckte ganz hervorragend. (Vorher gab’s Cocktails Sir Walter, vor allem weil eine Zitrone ohne Schale wegmusste.)

Abendunterhaltung war ein Weihnachtsfilm. Ich hatte mich auf der Suche nach einem Ersatz für Love Actually (ich ertrage seit einigen Jahren die fast durchwegs unguten und destruktiven Liebesbeziehungen darin nicht mehr) an The Long Kiss Goodnight mit Geena Davis erinnert, auf Deutsch Tödliche Weihnacht. Herr Kaltmamsell hatte den Film unsynchronisiert auf Vimeo gefunden, außerdem zu meiner Überraschung erzählt, dass er den noch nie gesehen habe.

Hatte sich ganz gut gehalten, allein die Stimme von Geena Davis ist die Originalversion wert.

§

Ich fand alle Teile der kleinen Serie #FrageinenJuden von Marina Weisband und Eliyah Havemann bereichernd. Im vorerst letzten, fünften Teil unterhalten sich die beiden über Antisemitismus. Spannend ist schon mal ihr Versuch, die Frage zu benantworten: „Warum werden Juden gehasst?“ Während Marinas Ansätze psychologisch, soziologisch, historisch sind (Diaspora, feste kulturelle Identität, Geldverleihen etc.), weigert sich Eliyah, die Frage überhaupt zu beantworten: Seiner Ansicht nach braucht Hass keinen Grund.

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https://youtu.be/svaTlmcom10

(Nicht die Kommentare lesen. Außer Sie brauchen Argumente/Beispiele für strukturellen oder konkreten Antisemitismus.)

die Kaltmamsell

7 Kommentare zu „Journal Samstag, 12. Dezember 2020 – #12von12“

  1. N. Aunyn meint:

    Antisemitismus kann man letztlich nicht erklären. Es gibt ihn sogar in Regionen, wo niemals Juden gelebt haben. Es gibt etwas über 40 Theorien zu Antisemitismus. Jede hat eine Lücke.

  2. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Ein Hans Moser Film! *Auja, das ist doch mal eine Idee für einen Weihnachtsfilm* Was habe ich den geliebt als Kind, vor allem da sein Dialekt so weit weg war von dem berliner, börde und thüringischem Dialekt mit dem ich aufwuchs.

  3. Jojo meint:

    „Hefeteig mit ordentlich Olivenöl drin“: wieviel ist „ordentlich“? Ich bin nur neugierig, ich mache Hefeteig ja auch immer eher nach Gefühl. Für ein Pfund Mehl nehme ich meist so grob 4 bis 5 Esslöffel Öl (zumindest glaube ich, dass es so viel ist, ich gieße ja aus der Flasche ein), kommt halt drauf an wie sichs anfühlt.

  4. die Kaltmamsell meint:

    In diesem Fall, Jojo, waren’s auf 450 Gramm Mehl 150 Gramm Olivenöl (und 200 gr Wasser) – das ist schon viel.

  5. Jojo meint:

    Jau, danke, das ist echt reichlich, das hätt ich mich nicht getraut. Dann werde ich beim Pizzamachen die nächsten paar Male im Auftrag der Wissenschaft ein wenig experimentieren. Wenn die Madame und das Kind moppern schieb ichs auf die Kaltmamsell.

  6. Hauptschulblues meint:

    Ja, es ist viel zu trocken. Auch wenn die Mehrheit der Mitmenschen schon wieder über das Getröpfel jammert.

  7. Brigitte Novacek meint:

    Den Film „Tödliche Weihnachten“ mag ich auch sehr. Habe unlängst gelesen, dass Geena Davis die Szene, in der sie barfuss durch die Kälte geht (als sie das Reh angefahren hat), selbst gedreht hatte. Ihr Regisseur (und damaliger Ehemann) hatte angeblich darauf bestanden.

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