Journal Dienstag, 23. Februar 2021 – Pandemische Trübe

Mittwoch, 24. Februar 2021 um 6:34

Ungute Nacht, in der mich vergessen geglaubte Gespenster überfielen und aktuelle Ängste beutelten. Diese Stimmung überschattete den ganzen Tag.

Der gestrige Sonnentag war ein wenig durch Schleierwolken am Strahlen gehindert, aber es war wieder wunderbar mild. In der Arbeit unter anderem eine Software-Weiterbildung – über Videokonferenz mit geteiltem Bildschirm der Trainerin viel nützlicher als live in einem Schulungsraum (und ich konnte während dessen ans Telefon gehen).

Mittags Käse und Birnen, nachmittags Apfel und Nüsse.

Nach Feierabend ging ich direkt nach Hause – fast direkt, ich machte eine kleine Schleife über die Theresienwiese, die von vielen Menschen für Bewegung, Begegnung und Draußensein genutzt wurde. Daheim weitere Umzugsvorbereitungen (Fahrräder in den Keller, ein großes Schrankfach mit nie genutzten Dingen ausgemistet), kurze Yoga-Einheit. Herr Kaltmamsell servierte ein Pastagericht mit Avocados und mexikanischer Soße – die mir leider nicht schmeckte, ich glaube, ich mag diese geräuchtert-saure Schärfe nicht. Zum Glück hatten wir reichlich Kekse und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

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Im Philosophie-Magazin ein Interview mit Karl Lauterbach zur gesellschafts-philosophischen Seite der Pandemie – der Mann ist nicht nur studierter Epidemologe, sondern hatte auch in Harvard ein Philosophie-Fellowship.
“Karl Lauterbach: ‘Die Corona-Maßnahmen sind eine Politik des Freiheitsschutzes'”.

Was nützt eine Freiheit, die man nicht mehr ausüben kann? Oder andersherum formuliert: Der Staat hat in solch einer Pandemie-Situation die Aufgabe und Pflicht, die „capabilities“ der Einzelnen zu erhalten, um ihre Freiheit langfristig zu schützen. Denn eine Freiheit, die ich zwar auf dem Papier habe, aber wegen Krankheit oder verkürzter Lebenserwartung nicht ausüben kann, ist keine wirkliche Freiheit. Die Corona-Politik sehe ich deshalb als eine Politik des Freiheitsschutzes

(…)

Die Eigenverantwortung kommt hier sehr schnell an ihre Grenzen. Will man diese angesichts eines so gefährlichen Virus praktizieren, muss man sich einerseits sehr gut auskennen, andererseits auch über entsprechende Ressourcen verfügen. Man müsste also zum Ersten verstehen, was exponentielles Wachstum bedeutet, wie genau Aerosol-Kontaminationen funktionieren oder was eine überlagerte Pandemie ist. Zum Zweiten müssten Menschen genug Geld und Ressourcen besitzen, um sich allein durch Eigenverantwortung ausreichend schützen zu können. Das ist in der Realität aber nicht der Fall, weshalb der Staat zum Erhalt der Freiheiten Verantwortung übernehmen muss. Der Ruf nach der Eigenverantwortung scheint mir deshalb oft eine Projizierung der Ressourcen derjenigen, die diesen Ruf artikulieren, auf den Rest der Gesellschaft.

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Wie Epidemien die Landschaft prägten:
“How Plagues Shape the Landscape”.
Der New York Times-Artikel zeigt und beschreibt Kanäle, die durch sauberes Wasser der Cholera ein Ende bereiteten, Pestsäulen (an der in Wien stellten manche in der ersten Corona-Welle 2020 Kerzen auf), Hospitäler, Kirchen, Quarantänegebäude, einen Gedenk-Hain.

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Die Band Daft Punk hat sich diese Woche nach 27 Jahren aufgelöst. Mich persönlich verbindet mit ihr zwar nur die großartige Musik zu Tron Legacy, doch ihre Bedeutung wird durch diese schöne Aufführung einer französischen Militärkapelle zum Französischen Nationalfeiertag 2017 klar:

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https://youtu.be/vhQkku7jLfo

(Andererseits spielt ja auch die Bundeswehrkapelle “Winds of Change”, na gut. Aber ohne Choreo.)

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Dienstag, 23. Februar 2021 – Pandemische Trübe“

  1. Ellen meint:

    Nebenbeobachtung: Man erkennt, welcher Staatsmann Daft Punk (Autokorrektur: Saft Pink) schonmal gehört hat.

  2. Vera S. meint:

    Apropos ‘Keller’:
    Muß dieser auch umziehen?
    Hier im Mietshaus ist ein Kellertausch nicht möglich, weil der Kellerstrom an den jeweiligen Wohnungsstrom gekoppelt ist.

  3. Heike Redenius meint:

    Danke für den ersten Satz – und überhaupt…

  4. die Kaltmamsell meint:

    Saft Pink dringend für eine K-Pop-Band merken, Ellen.

    Zu unserer Überraschung und zum Glück nicht, Vera S., trotzdem ein guter Anlass zum Ausmisten.

  5. SabineL meint:

    Danke für den Link zum Interview mit Karl Lauterbach. (Nicht nur) für diese Fundstücke mag ich Ihren Blog sehr.

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