Journal Dienstag, 23. März 2021 – Ministerpräsidentenkonferenz erfindet den „Ruhetag“ gegen Corona

Mittwoch, 24. März 2021 um 6:27

Nicht verschlafen, weil ich das weckende Telefon aufs Nebenkopfkissen gelegt hatte.

Fußweg in die Arbeit OHNE Schneeflocken, es blinzelte sogar ein wenig die Sonne.

Am Vormittag schlug ich vorsichtig die vorabendlichen Pandemie-Beschlüsse der Ministerpräsident*innenkonferenz MPK nach. Ich habe sie nicht kapiert – also nicht nur im Sinn von WARUM?!, glauben die wirklich, fünf Tage Daheimbleiben bringen etwas?! -, sondern auch nicht, was sie bedeuten, z.B.

Um eine Phase der Osterruhe zu entwickeln, sollen Gründonnerstag und Ostersamstag Ruhetage mit weitgehenden Kontaktbeschränkungen werden. Es gelte dann an fünf Ostertagen das Prinzip „Wir bleiben zu Hause“.

Den Gründonnerstag habe ich Urlaub genommen, doch ich ahne, dass mein Plan nicht aufgehen wird, ihn für eine Fahrt zum Wertstoffhof zu nutzen. Oder doch? Gelten die Kontaktbeschränkungen nur für private Treffen? Am frühen Nachmittag dann die Pressekonferenz der Bayerischen Staatsregierung: Gründonnerstag wird zum Feiertag erklärt. Das heißt zum einen, dass es nichts mit Wertstoffhof wird. Aber heißt es auch, dass mir kein Urlaubstag abgezogen wird? Ich bin sicher, dass Personalabteilungen und Betriebsräte derzeit rotieren.

Mittags gab es den restlichen Kohlrabi-Apfel-Petersiliensalat vom Vorabend, dazu ein Laugenzöpferl – sehr befriedigend und sättigend.

Heimweg in kalter Sonne, ich machte einen Umweg die Theresienwiese entlang. Zu Hause konnte ich mich nicht wie geplant sofort in Yoga-Kleidung stürzen: Es waren Handwerker da, die eine neue Klingel-/Gegensprechanlage einbauten (nicht nur bei uns, sondern im ganzen Haus). Also erst mal Blumen gegossen, Brotzeit für den nächsten Tag vorbereitet. Aber dann gab’s Yoga, die lange Abschlussfolge von Adrienes „Home“. Ich kam ins Schnaufen und Schwitzen.

Herr Kaltmamsell hatte vergangenen Freitag aus den Hühnerknochen eine Brühe gekocht, auf meinen Wunsch wurde sie gestern Basis einer Tom Kha Gai, statt mit Hähnchenfleisch mit Räuchertofu. Schmeckte sehr gut. Nachtisch Schokolade.

§

InStyle hat ein schönes Interview mit Melissa McCarthy, die seit ein paar Monaten in Australien lebt und arbeitet:
„Melissa McCarthy Does It for the Laughs“.

Und wenn ich schon mal da war, suchte ich gleich den Trailer von Thunder Force, weil: Melissa McCarthy und Octavia Spencer als Superheldinnen? Yes please.

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https://youtu.be/kJa8b8Zplv4

die Kaltmamsell

19 Kommentare zu „Journal Dienstag, 23. März 2021 – Ministerpräsidentenkonferenz erfindet den „Ruhetag“ gegen Corona“

  1. Croco meint:

    Die hier wohnende Personalabteilung rotiert ebenfalls.
    Und die hier Anrufenden haben nur das Wort „frei“ gehört.
    Man versucht die Wellen zu glätten und der Kryptik einen Sinn zu geben.
    Kleiner Konferenztipp:
    Man sollte nicht nachts arbeiten. Um 3 Uhr in der Früh ist alles logisch.

  2. Susann meint:

    Ich bin mit dem Thema durch. Ich habe seit Wochen geplant, was ich zu Ostern mache, und ich werde mir nicht durch irgendwelche auf die Schnelle rausgehauenen, dreimal nachgebesserten Hüftschüsse meine minutiöse Planung umwerfen lassen. Ich gehe nicht davon aus, dass auch nur ein Pflegeheimbewohner besser geschützt oder eine Risikogruppenangehörige schneller geimpft wird, wenn ich meine Pläne umschmeiße, die stark darauf abzielen, der familiären Psychohygiene zu dienen. Und übrigens, wer immer versucht, mich mit „wir“ in ein großes, einmütiges Kollektiv einzuordnen („Wir bleiben zu Hause“), hat von Vornherein verloren.

  3. Nina meint:

    Ich schreie mittlerweile regelmäßig abends in mein Kopfkissen, nachdem ich das Kiddo ins Bett gebracht habe, derart machtlos und ausgeliefert fühle ich mich. Nach einer langen Phase apathischer Resignation und depressiver Niedergeschlagenheit seit Beginn des 2. „Lockdown“ (haha, in Berlin war davon nichts zu spüren) hat mich nun unbändige Dauer-Wut gepackt. Ich bin gespannt, was als Nächstes dran ist.

  4. Trulla meint:

    @Susann

    Na dann…schwinden meine Hoffnungen auf „irgendwann sind wir mit dieser Pandemie durch“ noch weiter.

    Wenn’s die Regierung nicht gebacken kriegt (da muss ich Ihnen aktuell leider recht geben), hat sie schließlich selbst schuld, wenn die Bevölkerung ihr wegstirbt. Hat man selbst aber doch nichts mit zu tun, oder? Oder doch?

  5. Susann meint:

    @Trulla

    Mit mir hat das nichts zu tun. Ich verbringe meinen Arbeitsalltag und einen Teil meiner Freizeit mit der jeweils vorgeschriebenen Maske, hielt mich an fast alle Einschränkungen (mit Ausnahme der 1 Kind-Kontakt-Regel, die ich für unvertretbar und verantwortungslos halte), war seit einem Jahr weder auf Urlaub noch auf irgendeinem privaten Treffen. Aber DIESE Regelung (mittlerweile von Merkel herself wieder zurückgenommen, das sagt ja schon alles) gedenke ich nicht einzuhalten. Sie können mir aber gerne sagen, inwiefern ich die Pandemie treiben könnte, wenn ich mich vorher und danach getestet ein paar Tage zu meiner Familie in ihr Einfamilienhaus in Alleinlage setze. Nur zu.

  6. Christine meint:

    Ich verstehe auch nicht, wie es sein kann, dass man die Zahlen (vom RKI) dermaßen falsch auslegen kann, dass man die Bevölkerung immer noch weiter im Panikmodus hält.

    Hier sind die Zahlen vom RKI im Vergleich 2018/2019/2020/2021. Wo da die nationale Tragweite (Tragik) sein soll, ist mir einfach nicht klar.
    (Leider kann ich nicht auf die Schaubilder direkt verlinken, bitte scrollen bis „Hier eine schematische Übersicht und vier erläuterte RKI Grafiken von Mitte März 2021“) https://www.wodarg.com/

    Uns alle interessieren doch nicht die Zahlen, die da täglich durch die Presse gehen, was uns interessiert, sind die Leute, die durch Atemwegsinfektionen schwer krank werden und die deshalb ins Krankenhaus müssen und/oder daran sterben.

  7. die Kaltmamsell meint:

    Ich verlinke lieber mal diese Faktenchecks zu Wodarg, Christine, um Ihre gefährliche Verzerrung nicht unkommentiert stehen zu lassen:

    https://correctiv.org/faktencheck/hintergrund/2020/03/18/coronavirus-warum-die-aussagen-von-wolfgang-wodarg-wenig-mit-wissenschaft-zu-tun-haben/

    https://correctiv.org/faktencheck/hintergrund/2021/03/18/coronavirus-faktenchecks-diese-behauptungen-hat-correctiv-geprueft/

  8. Christine meint:

    Es würde mich sehr freuen, wenn Sie die 4 Grafiken ansähen und mir sagen könnten, was an deren Quelle (RKI) und Interpretation (Wodarg) nicht stimmt. Die von Ihnen verlinkten Faktenchecks beziehen sich nicht darauf. (Ich stimme auch nicht allem zu, was Herr Dr. Wodarg sagt. So wie ich auch nicht alles glaube, was correctiv sagt.)

    Disclaimer: Ich halte mich an die gesetzlichen Vorgaben, auch wenn ich sie für übertrieben bzw. teilweise sogar schädlich halte.

  9. die Kaltmamsell meint:

    Nein, Christine, ich lasse mich auf keine Detaildiskussion ein: Wir sind in der dritten Welle, es sind mittlerweile 75.000 Menschen in Deutschland an Covid-19 gestorben, die Intensivstationen füllen sich gerade wieder bedrohlich – die Interpretation der einen oder anderen RKI-Grafik durch einen unseriösen Demagogen ist hier irrelevant.

  10. die Kaltmamsell meint:

    Zudem sehe ich weder in meiner Umgebung noch gesamtgesellschaftlich den „Panikmodus“, den Sie erwähnen, Christine.

  11. Sandra meint:

    Super! Das musste gesagt werden!

  12. Hauptschulblues meint:

    Nicht Wodarg. Wenn schon Politiker, dann Lauterbach. Aber lieber Ciesek und Drosten.

  13. Eva meint:

    Danke für Ihre klaren Worte, Frau Kaltmamsell. Ich bin ebenfalls weit entfernt von einem „Panikmodus“, eher tief bestürzt, ganz besonders über die Verharmloser und Leugner, nachdem ich inzwischen selbst zwei Covid-Todesfälle im Bekanntenkreis habe.

  14. Rainer meint:

    Gesamtgesellschaftlich sicher nicht, Frau Kaltmamsell, aber ich für meinen Teil habe Panikattacken, gekoppelt mit Wutanfällen, ob der vollkommen unzureichenden Honorierung der Opfer, die unsere Branche (Hotellerie) für die Gesellschaft leistet. Und mit Honorierung meine ich nicht nur eine angemessene finanzielle Entschädigung durch den Staat sondern auch eine gesellschaftliche Anerkennung, die ich nicht sehen kann.

  15. die Kaltmamsell meint:

    Das kann ich sehr gut nachvollziehen, Rainer.

  16. Poupou meint:

    @Rainer: danke, dass Sie das alles aushalten! In mir drin gibt es viel Anerkennung und Dankbarkeit für Ihre und andere getroffene Branchen. Ich finde es aber nicht einfach, das irgendwie nach außen zu zeigen. Was für eine Form der gesellschaftlichen Anerkennung würden Sie sich wünschen?

    LG
    Poupou

  17. Susann meint:

    @ Eva
    Das ist schon eine fiese Krankheit, keine Frage, ich kenne drei Leute, die daran gestorben sind – einer war 84 und schwer krank, die beiden anderen um die und über 90 und beide im Pflegeheim. Das entspricht ja weitestgehend der Gesamtsituation. Ich weiß nicht, warum ich mehr um diese Menschen trauern sollte als um andere meiner Bekannten oder Verwandten, die im hohen Alter sterben. Wer 90 ist, stirbt halt irgendwann mal an irgendwas, wäre es nicht Corona gewesen, wäre es irgendetwas anderes gewesen. Ich halte auch den Staatsakt im Bayerischen Landtag für eine politische Instrumentalisierung. Halten wir einen Staatsakt für Leute ab, die an Krebs sterben? An Herz-Kreislauf-Kranhkeiten? Am „Alter“? Nein! Warum dann hier?

  18. die Kaltmamsell meint:

    Die Corona-Pandemie hat die Todesfälle in der Gesamtbevölkerung deutlich erhöht, Susann, was belegt, dass keineswegs nur Menschen starben, die „halt irgendwann mal an irgendwas“ gestorben wären:
    https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Corona/Gesellschaft/bevoelkerung-sterbefaelle.html
    Das finde ich persönlich betrauernswert.

  19. Sandra meint:

    An Anerkennung mangelt es ja bereits jenen, die an der Front stehen. Und das nicht erst seit der Pandemie.

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